Zum Kindertag: Ein Zitat von Magda Gerber

“Childhood is not a race to see how-2Ich bin diese Woche über ein wunderbares Zitat von Magda Gerber gestoßen, dass wunderbar zum heutigen Kindertag passt.

Ich habe das Buch „Ein guter Start ins Leben“ von Magda Gerber gelesen und es hat mir viele Erkenntnisse in der Pikler Pädagogik gegeben.

In dem heutigen Wahn der Frühförderung gleicht so eine Aussage einem Innehalten. Auch ich war der Meinung, dass ich einen PEKiP Kurs benötige, um mein Kind früh zu fördern und ihn für die Entwicklungsschritte im ersten Lebensjahr zu motivieren. Ich dachte, ich würde etwas verpassen, wenn ich meinen Sohn nicht fördere und fordere.

In den ersten Wochen habe ich wirklich gedacht ich müsste ihn ständig bespaßen, weil er sich sonst langweilt. Heute weiß ich: Ein Kind im Alter von 3 Monaten langweilt sich nicht. Heute weiß ich auch, dass ein PEKiP Kurs für mich und mein Kind nicht das richtige ist. Das ich mich für den ersten PEKiP Kurs angemeldet habe, war eine gute Entscheidung, denn ich habe dort tolle Muttis kennengelernt, die ich auch heute noch treffe. Auf den zweiten Kurs zu verlängern, obwohl ich nicht dahinter stand, war hingegen überflüssig.

Ich bin der festen Meinung, dass sich jedes Kind entwickelt und sich irgendwann auf den Bauch dreht, krabbelt oder die ersten Schritte macht. Und diese Entwicklungsschritte macht es auch ohne die stetige Motivation durch die Eltern oder Verwandten, dafür aber in der für sich richtigen Zeit und Schnelligkeit.

Ich habe heute wieder auf dem Spielplatz eine Mutter gesehen, die Runden mit ihrem Baby gelaufen ist. Immer schön an zwei Händen führend, das Kind konnte kaum laufen, die Hüften eierten ständig um die eigene Achse. Und ich habe mich gefragt: Warum tut sie das? Warum kann sie das Kind nicht einfach lassen. Warum muss immer alles schneller und optimierter ablaufen?

Mit Nepomuk war ich heute fast den ganzen Tag auf dem Spielplatz. Wir haben geschmust, er ist an mir hochgekrabbelt und hat minutenlang den Sand durch seine Finger rieseln lassen. Er saß einfach nur da und nahm immer wieder Sand in die Hände und lies ihn runter rieseln. Immer und immer wieder. Wir hatten kein Spielzeug dabei und ich habe es genossen, wie er da so ganz in seinen Sand vertieft war. Ich hätte ihn nie daraus gerissen, weil ich der Meinung gewesen bin, dass er jetzt krabbeln soll oder das wir die Rutsche testen. Er ist heute auf der Decke nicht einmal gekrabbelt, sondern saß einfach nur so da und hat die Kinder beobachtet. Und ich fand es einfach nur toll. Ich weiß, dass er gern krabbelt, aber ich finde, wenn er keinen Bock hat, dann muss er auch nicht.

Das ich ihn gern im Naturkindergarten sehen würde, hat auch was mit meiner Einstellung bzw. meiner Abneigung gegenüber Frühförderung zu tun. Ich denke, dass der Wald vor allem dazu da ist, sich auszutoben. Es sind Kinder und Kinder gehören ins Freie. Sie sollen durch Pfützen springen, Äste sammeln, Dreck hochwerfen und darunter durchlaufen. Sie sollen verstecken spielen und meinetwegen auch Erde kosten. Aber sie sollen nicht von früh bis spät in einem Raum sein und unter ständiger Daueranimation ihre Kindheit verschwenden.

In der letzten PEKiP Stunde hat eine Mutter erzählt, was sie alles mit ihrem fünfjährigen Sohn macht: Schwimmen, weil er muss schwimmen lernen, bevor er in die Schule geht. Zweimal in der Woche Ballsport, dann noch Musikgarten und das alles nach dem er aus dem Kindergarten abgeholt wurde. Ich frage mich, wie dem Kind da noch Zeit für das freie Spiel bleibt? Für das Ausleben von Fantasien und Träumen? Ich weiß es nicht. Und bei den Müttern, die Latte schlürfend erzählen, wie wichtig für die jungen Kinder Yoga ist, bin ich sowieso schon ausgestiegen.

Ich möchte nicht, dass mein Sohn der erste ist der läuft, der rechnen kann oder sich selbst im Alter von 5 Jahren Harry Potter vorlesen kann. Ich möchte nicht, dass er ins Kinderyoga oder zum Schwimmkurs muss, nur weil ich ernsthaft glaube, dass ich ihm damit die Zukunft in 10 Jahren erleichtere. Nein, das einzige was ich möchte, ist, dass er glücklich ist. Das er draußen rumrennen kann, sich dreckig macht, ich verzweifelt versuche Matsch und Grasflecken rauszuwaschen. Das er sich kleine Schrammen holt und ich ihn tröste, dass das nun mal dazugehört. Ich möchte, dass er stolz ist, wenn er etwas von allein geschafft hat: Egal ob auf den Topf gehen ist oder sich ein Glas Wasser einzuschenken. Wichtig ist für mich, dass er weiß, was er kann und das er glücklich ist in jedem Moment, den er aktiv miterlebt. Wenn er mir irgendwann sagt, dass er eine glückliche Kindheit hatte, dann weiß ich, dass ich alles richtig gemacht habe.

 

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