Woche 2 der Konsumauszeit

Der April schreitet voran und die zweite Woche im „konsumfreien“ Monat liegt schon weit hinter mir. Auf der einen Seite kann ich natürlich sagen, dass es mir nicht schwer fällt auf Dinge wie Kosmetikartikel, Klamotten oder Spielzeug für Nepo zu verzichten. Auf der anderen Seite haben wir uns letzten Samstag ein Lastenfahrrad gekauft, dass kostenmäßig fast an einen Gebrauchtwagen rankommt. Jetzt könnte ich natürlich sagen: Mein Freund hat das Fahrrad gekauft und er macht keine Konsumauszeit. Aber das zählt nicht, denn ich habe diesen Samstag das Rad abgeholt und werde wohl auch der Nutznießer dieser Anschaffung sein.

Hintergründe zum Kauf des Nihola Lastenrad

Das Lastenfahrrad war sicher keine spontane Idee, sondern wir hatten den Kauf schon lang geplant. Da wir kein gutes gebrauchtes gefunden haben und uns die Beratung und das Probefahren im Fahrradladen überzeugt hat, war der Kauf absehbar. Das er aufgrund der Rahmenbedingungen jetzt doch so schnell stattgefunden hat, war dann doch überraschend.

Ich habe das Fahrrad jetzt am Samstag abgeholt und der Weg zum Riesenflohmarkt, zum Frühlingsfest, danach über den Hauptbahnhof, zum Viktualienmarkt, Odeonsplatz und über das Maximilianeum war ein Traum. Ich habe das Radfahren vermisst und mit diesem Lastenrad bin ich einfach nur glücklich. Es ermöglicht mir Nepo ab September immer in die Krippe zu fahren und von dort wieder abzuholen, aber wir können damit jetzt schon zum Zoo fahren, den Naturtreff besuchen und am Wochenende mit meinem Freund das Auto stehen lassen und uns entlang der Isar die frische Luft um die Ohren wehen lassen. Dieses Fahrrad ermöglicht mir eine Mobilität wie sie mir selbst ein Auto nicht geben kann, wenn man bedenkt, dass wir in München leben, wo Parkplätze einfach immer Mangelware sind und wenn man einen ergattert hat, ordentlich Parkgebühren zahlen muss.

Ich sehe hier oft Lastenräder auf denen steht: Ich ersetze ein Auto. Mit Hinblick auf eine autofreie Zeit auch für meinen Freund ist das sicher eine Option für uns. Gerade jetzt im Frühling/Sommer könnten wir es mal einen Monat ohne Auto probieren. Mein Freund müsste dann immer mit dem Rad ins Büro fahren und wir könnten ihn dort mit unserem Lastenrad abholen und gemeinsam zum Paulaner Biergarten oder sonst wo hinfahren. Ob mein Freund sich wirklich darauf einlässt, bleibt abzuwarten. 😉

Morgen werden wir das erste Mal mit dem Fahrrad zu unserem Montessori-Kurs fahren. Ich kann mir so in Ruhe die besten Wege für später in die Krippe aussuchen, denn die ist ja im gleichen Haus untergebracht. Da mein Freund mich Dienstags immer zum Kurs gefahren hat, damit wir nicht die U-Bahn im Berufsverkehr nehmen müssen, fällt die Hin- und Rückfahrt jetzt schon mal weg.

Am Mittwoch werde ich mit Nepo in den Zoo fahren. Entlang der Isar sind die 6 bis 7 Kilometer sicher kein Hexenwerk. Zudem gibt es im Zoo dann Bollerwagen, die wir uns ausleihen können. Ich habe noch eine Jahreskarte, sodass uns bis auf das Essen wohl keine Kosten entstehen werden. Am Donnerstag werden wir dann das erste Mal den Naturtreff eines ca. 5 Kilometer entfernten Naturkindergarten besuchen. Auch hier gibt es wohl keine Kosten, maximal auf Spendenbasis. Da unser Foodsharing-Punkt hier in Haidhausen nur an zwei Tagen für je eine Stunde geöffnet hat, möchte ich mit Nepo zum Eine-Welt-Haus am Hauptbahnhof fahren, denn dort sind sie von morgens bis abends besetzt und ich habe noch einiges an Essen abzugeben. Auch der Laden „Brauchbar“, bei dem man Dinge abgeben kann und dafür Dinge mitnehmen kann, ohne dafür zu bezahlen, wollen mein Freund und ich mit dem Rad besuchen. Auch den Freiluftsupermarkt, der hier im Sommer eröffnen wird, wollen wir mit dem Rad besuchen. Dazu natürlich noch das Konsumkritische Tollwood, dass im Sommer immer im Olympiapark stattfindet. Sicher ist es mit der U-Bahn auch ökonomisch, aber ich finde ein Rad gibt einem doch mehr Mobilität. Und ich möchte Nepo und mir die stickige U-Bahn-Luft, defekte Aufzüge und motzende Leute, wenn wir die Rolltreppe blockieren, vermeiden.

Was war in der vergangenen Woche sonst noch los

Abgesehen von dem Kauf des Lastenrads war konsumtechnisch die letzte Woche für den Handel sehr mau. Wenn ich gekauft habe, dann nur Lebensmittel und dann nur Bio. Hatte ich Lust auf Fleisch, habe ich das reduzierte genommen, weil ich dann das Fleisch auf jeden Fall noch am gleichen Tag bzw. am nächsten Tag zubereiten musste. Ich kaufe nur noch in kleinen Stückzahlen, weswegen unser Kühlschrank immer halbleer aussieht. Mein Freund war letzte Woche zweimal abends essen und das Wochenende über beruflich in Berlin. Wir waren also gut ausgestattet für die Woche und das Wochenende.

An Drogerieartikeln habe ich nur das gekauft, was wirklich notwendig war und das war bis auf Laminatreiniger und Spülmittel nichts weiter.

Kosmetik- und Hygieneartikel: Den Bestand nutzen

Von Kosmetikartikeln halte ich mich aktuell fern. Ich habe letzte Woche mein Shampoo und meine Spülung von Sante aufgebraucht. Als Shampoo nutze ich jetzt die Aleppo Seife meines Freundes. Spülung habe ich noch ein paar Pröbchen da und sonst zwei Haarkuren. Mittlerweile versuche ich mir die Haare nur jeden zweiten Tag zu waschen, was bisher undenkbar war. Als Körperöl nutze ich gerade ein Bäuchleinöl von Weleda. Das hatten wir 2014 für Nepo gekauft, aber nie wirklich viel genutzt. Nun ist es im März abgelaufen und ich mache es alle. Funktioniert ganz gut und ich fühle mich immer super, wenn der Schrank langsam aber sicher leerer wird.

Duschgel verwenden wir beide schon seit Monaten nicht mehr und von vergangenen Reisen und früheren Käufen haben wir noch eine gute Menge von Seife verfügbar, weshalb wir hier auch nichts brauchen.

Lebensmittelvorräte aufbrauchen

Wie viele Haushalte haben auch wir Unmengen an Lebensmitteln, die wir jetzt langsam aufbrauchen. Ich hatte letzte Woche zum Beispiel vergessen für Nepo Haferflocken zu kaufen. Als mir das am Sonntagmorgen auffiel, entschied ich mich, ein Chufli Müsli von Govinda zu nutzen. Ich hatte es vor Monaten gekauft, aber mit der ketogenen Ernährung war das nicht mehr das richtige für mich. Die Substanz nach dem Aufkochen ist gleich der des Haferbrei, in den ich zuletzt auch Erdmandeln reingemischt habe. Jetzt sind da halt auch noch Datteln und Teffmehl drin, aber was die Tibeter essen, kann Nepo ja nicht schaden. Verfeinert mit Bananen findet er es sogar super und ich kann das Müsli jetzt jeden Morgen mit gutem Gewissen zubereiten und später wieder auf Haferflocken oder andere Flocken umsteigen.

Auch ich nutze jetzt vermehrt Bestände und brauche die gefühlten Tonnen von Kokoschips und Kokosflocken auf, die noch übrig gebliebenen Superfoods wie Acai Pulver mische ich jetzt mit meinem morgendlichen Mascarpone-Kokosmilch-Flohsamen-Brei. Dazu noch die letzten Bestände Leinöl und alles wird etwas leerer.

Jetzt muss ich nur noch ein Zeitfenster finden, um meine übrig gebliebenen Rawfood Sachen aus dem letzten Jahr bei Foodsharing abzugeben.

Die Kunst des stilvollen Verarmens

Gerade habe ich ein Buch fertig gelesen, dass mir mein Freund empfohlen hat. Es ist das Buch „Die Kunst des stilvollen Verarmens„. Kein aktuelles Buch, wie man auch beim Lesen bemerkt, aber es ist doch witzig zu lesen. Sicher ist es etwas anderes, wenn ich von mir aus entscheide auf Dinge zu verzichten und den Weg des Minimalismus einzuschlagen, als wenn ich aus irgendwelchen Gründen in die Armut rutsche. Das wird in dem Buch leider überhaupt nicht wirklich deutlich. Es ist also eher ein Minimalismusbuch und zeigt die Herausforderungen, die wirklich arme Menschen jeden Tag aufs neue meistern müssen, nicht wirklich. Ich finde, solange jemand noch im Biomarkt einkaufen gehen kann, solange ist er nicht arm. Er lebt bewusst und reduziert, aber er ist nicht arm. Arm ist jemand der nicht aus Geiz zum Discounter geht, sondern weil es schlicht sonst nicht reicht, oder jemand, der die Dienste der Tafel in Anspruch nehmen muss. Jemand der dort ist, würde mir das Buch „Die Kunst des stilvollen Verarmens“ sicher und zu Recht um die Ohren hauen.

Wenn man also die harte Realität des Verarmens ausblendet, dann liest sich das Buch ganz gut, auch wenn es einfach nur das „Weniger ist das mehr“ in neuen Kleidern ist. Jetzt wartet „Leviathan“ von Thomas Hobbes auf mich.

Flohmarkt und Frühlingsfest auf der Theresienwiese

Ich hatte mich dieses Jahr zwar besonders auf den Flohmarkt auf der Theresienwiese gefreut, als ich aber das Fahrrad am Samstag abgeholt habe und mit Nepo zum Flohmarkt geradelt bin, war es mir irgendwie zu blöd, da rüber zu laufen. Ich hatte im Fahrrad noch alle Ersatzteile und wollte es nicht alles einfach nur irgendwo anschliessen. Also entschied ich mich, den Flohmarkt sausen zu lassen. Es war eh schon viel zu spät für tolle Käufe und irgendwie nervten mich die Menschenmassen. Also lief ich mit Nepo über das Frühlingsfest. Aber auch darauf hatten wir keine richtige Lust. Ich kaufte uns zum Mittag eine große Portion Pommes und wir setzten uns an den Rand, Nepo bestaunte die Achterbahn und die ganzen Menschen. Danach ging unsere Fahrt weiter Richtung München Innenstadt. Auch ohne den Besuch auf dem Flohmarkt war es ein wirklich tolles Wochenende, dass Nepo und ich allein gut gemeistert haben.

Entdeckung der Kinderbibliothek

Ich selbst bin ja schon seit gut einem Jahr ein begeisterter Fan unserer Stadtbibliothek im Gasteig. Am Freitag war ich nun das erste mal in der daneben liegenden Kinder- und Jugendbibliothek. Das Wochenende, dass wohl viel Regen bringen sollte und die Tatsache, dass ich mit Nepo allein war, führten mich in diese Räumlichkeiten. Nepo ist jetzt 20 Monate und seit einigen Monaten sind für ihn die Müllabfuhr und Bagger das größte. Also gingen wir am Freitagnachmittag in die Bib, um uns Baustellenbücher fürs Wochenende rauszusuchen. Wir wurden nach kurzer Suche fündig und liehen uns gleich mal sieben Stück aus. Die Bücher sind seitdem Nepos Lieblingsbeschäftigung, zusammen mit den zwei kleinen Baggern, die wir ihm wieder gegeben haben. Wir hatten vor einigen Wochen alle Autos weg getan, weil sich alles nur noch um diese Autos gedreht hat.

Jetzt ist er ganz Feuer und Flamme für seine zwei Bagger und die Bücher, die er abwechselnd alleine oder mit mir anschaut.

Auf dem Weg zur Ausleihe bin ich noch an einem Regal mit Spielen vorbei gelaufen. Es gibt wirklich tolle Spiele und Puzzle für die Kleinen und ich denke, dass ich mir wirklich mal eins ausleihen werde.

Mein Fazit

Mir geht es gut und ich habe nicht das Gefühl, dass mir irgendwas fehlt, wenn ich nicht hier oder da mal was kaufe. Ich freue mich so über das Fahrrad und bin unendlich dankbar, dass wir das nun schon abholen konnten. Gleichzeitig merke ich schon, wie Besitz auch gleich unentspannt macht. Das es gestern und heute so regnerisich war, macht mich ganz nervös. Das liegt auch an dem neuen Fahrrad, denn wenn wir es jetzt haben, dann müssen wir es auch nutzen. Nun sind die Prognosen jetzt auch nicht so doll, aber Dienstag bis Donnerstag wollen wir das Rad schon nutzen. Ich merke wirklich, dass mich das unter Druck setzt, auch wenn das jetzt vielleicht bescheuert klingt.

Ansonsten denke ich viel über Konsum nach und beobachte das Verhalten und den Besitz von anderen Familien auf dem Spielplatz und in unserem Innenhof. Dazu muss ich mich aber wohl mal separat äußern.

Die nächste Woche wird auf jeden Fall spannend, denn am 23. April findet der langersehnte Hinterhofflohmarkt hier in Haidhausen statt. Wie es wird, weiß ich noch nicht, denn die Wetteraussichten sind trüb, kalt und regnerisch. Vielleicht kommt mir das in meiner Konsumauszeit zu gute.

Jetzt werde ich erstmal wieder zu den beiden Männern gehen und mir von Nepo mal wieder ein Baggerbuch zeigen lassen.

Habt einen wunderschönen Abend!

Liebe Grüße

Mareike

One thought on “Woche 2 der Konsumauszeit

  1. Liebe Mareike, ich lese hier wirklich sehr gern mit und finde dich (auch wenn es bei mir und uns in einigen Dingen auch anders läuft 😉 ), deinen Minimalismus und deine Ansichten sehr inspirierend. Ich freue mich schon auf die nächsten Texte und Denkanstöße.
    Ich wünsche dir einen tollen Tag und möglichst viel tolles Wetter demnächst in München, damit das Lastenfahrrad auch nicht zu lange stehen muss 😉

    Liebste Grüße,
    Jessi

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