Unsere erste Wiesn mit Kleinkind

Nachdem Dieter Reiter am Samstag das weltgrößte Volksfest, das legendäre Oktoberfest, mit den Worten „O’zapft is“ eröffnet hat, ging es am heutigen Montagmittag für uns als kleine Familie auf die Wiesn. Mein Freund hatte einen Kundenevent im Hacker Pschorr Festzelt und so haben wir schon vor einigen Wochen ausgemacht, dass wir diesmal mit dabei sind.

Im Hacker Pschorr Festzelt

Die Vorbereitung

Im Vorfeld haben wir uns überlegt, ob wir Nepomuk nicht eine Lederhose besorgen sollten. Nach langen Recherchen und Überlegungen haben wir beschlossen, dass eine Lederhose erst Sinn macht, wenn er gut laufen kann. Bedeutet, dass Nepomuk ab der nächsten Wiesn eine eigene Lederhose bekommt. Für heute haben wir ihm daher eine knielange Jeanshose mit Hosenträgern, blaue Strumpfhosen, einen blauen Body und eine selbstgestrickte blaue Jacke angezogen.

Bei meinem Freund war es relativ einfach, denn er hat ja seine Standardausstattung von weißem Hemd, Lederschuhen, Strümpfen und Haferlschuhen.

Ich habe bereits zwei Dirndl und bin damit eigentlich auch gut ausgestattet. Nur die Frage, ob die nach zwei Jahren überhaupt noch passen stand lange Zeit im Raum. Vor drei Wochen habe ich das Dirndl anprobiert und es ist irgendwie nicht zugegangen. Letzte Woche habe ich es dann nochmal probiert und es passt. Mir ist so ein Stein vom Herzen gefallen. 🙂 Als ich Samstag dann auch noch mein anderes Dirndl anprobierte und es passte, fühlte ich mich großartig. Dem Wiesnbesuch in Dirndl stand nichts mehr im Weg. Auch meine Schuhe konnte ich wiederverwenden. Früher habe ich High Heels zum Dirndl getragen, heute waren es schlichte flache Schuhe in weiß. Ich wollte aus minimalistischen Gründen keine Dirndlschuhe kaufen. Ich denke für die ein bis zwei Besuche auf der Wiesn tun es normale Schuhe auch. Die Handtasche konnte ich auch wie immer verwenden. Ein Longchamp Tasche, die zu meinem Dirndl gut passt und die ich sonst eigentlich nicht trage, weil sie aufgrund ihrer Größe im Alltag für mich absolut unpraktisch ist.

Gestern habe ich dann alles nochmal aufgebügelt und an unsere Wohnungstür gehängt, damit ich heute nicht anfangen muss alles zusammen zu suchen.

Der Morgen vor der Wiesn

Heute früh sind wir wie immer relativ spät aufgestanden. Während ich am Wochenende aufgrund von Treffen mit Freunden immer den Wecker gestellt habe, verlassen wir uns unter der Woche immer auf Nepomuk. Der weckt uns meist zwischen 07:00 und 07:30 Uhr. Da ich alles gestern schon vorbereitet hatte und auch wusste, was er anzieht, konnte ich mich heute morgen in Ruhe um sein Frühstück kümmern, ihn in die Wanne stecken, dann anziehen und dann mit ihm zum Spielplatz. Wir waren dann von 09:00 bis 10:00 Uhr auf dem Spielplatz, haben geschaukelt, im Sand gespielt und die Rutsche ausprobiert. Danach ging es noch kurz zu dm und dann nach Hause.

Zuhause machten wir uns fertig, ich gab Nepomuk ausnahmsweise eine Milchflasche, weil er nichts anderes essen wollte. Kurz vor 11 Uhr kam dann mein Freund aus dem Büro, zog sich um und dann ging es los.

Der Weg zur Wiesn

Von unserer Wohnung sind wir mit der U-Bahn relativ schnell an der Theresienwiese und damit auf der Wiesn. Wir steigen in die U4 oder U5 am Max-Weber-Platz aus und dann ein paar Stopps weiter an der Haltestelle „Schwanthalerhöhe“ wieder aus. Wir haben uns für diese Haltestelle entschieden, weil sie nur eine Station weiter als die „Theresienwiese“ ist, aber schneller zu den Festzelten gelangen, weil wir uns nicht einmal quer übers Oktoberfest schieben müssen.

Nepomuk rockt das Festzelt

Der Nachmittag im Hacker Pschorr

Um kurz vor 12:00 Uhr haben wir das Hacker Pschorr Festzelt erreicht. An einem Montagmittag ist nicht so viel los, darum konnten wir auch mit Kinderwagen durch den Haupteingang laufen. Mein Freund hatte eine Reservierung an der Seite in den sogannten Boxen. Das ist auch der Grund, warum ich mit dem Kleinen mitgekommen bin. In der Mitte würde ich nie ein kleines Kind mitnehmen, denn dort sind meistens die Trinker. In der Box wurden wir schon von den Bedienungen freundlich bis familär begrüßt. Mein Freund meinte, es seien jedes Jahr die gleichen Bedienungen und man kennt sich einfach. Das nun auch mal ein Kleinkind dabei war, freute die Damen umso mehr.

Den Kinderwagen konnten wir in die Ecke stellen und uns dann die besten Plätze aussuchen. Am Anfang hatte ich Nepomuk noch die ganze Zeit auf dem Arm, aber als er sich dann langsam aklimatisiert hatte, ließen wir ihn auch immer wieder runter, damit er laufen konnte. In den Boxen ist das kein Problem, weil ja nur wenige Leute dort sind und kein „Laufpublikum“ wie in der Mitte des Festzeltes.

Hin und wieder sind wir mit Nepomuk auch mal durchs Zelt gelaufen und er kam aus dem Staunen nicht wieder raus. Die Decke, die Bilder, die Leute, die Kapelle, dass alles war so super aufregend für ihn.

Nur mit dem Essen war es heute nicht so dolle. Gestern fand er Pfanndkuchensuppe lecker, heute wollte er sie nicht essen. Auch kein Kartoffelpüree oder die Brezn. Ich denke, dass es die Aufregung war, die ihm wohl den Hunger genommen hat.

Sehr gechillt in der Box

Ein Rundgang über die Wiesn

Nach dem Mittagessen bin ich mit Nepomuk noch über die Wiesn gelaufen. Mittlerweile war es 14:30 Uhr, der Himmel strahlend blau und die Temperaturen spätsommerlich. Die ganzen Fahrgeschäfte, Luftballonstände, Karussells, das alles war schon sehr aufregend. Wir schauten uns einen Ponystand an, danach gingen wir langsam zur „Oide Wiesn“. Dort findet man noch sehr historische Fahrgeschäfte und es ist ruhiger als auf der normalen Wiesn. Der Eintritt fällt mit 3,00 EUR bei den anderen Ausgaben auch nicht mehr auf. Ich habe dort dann noch ein Lebkuchenherz für den Papa gekauft und danach sind wir wieder zurück auf die normale Wiesn.

Nepomuk war in der Zwischenzeit eingeschlafen und ich schob ihn weiter zwischen den ganzen Besuchern und Fahrgeschäften über die Wiesn, holte mir ein Magenbrot und schaute mir die anderen Mütter an, die ebenfalls ihre Kinder im Kinderwagen oder im Tragetuch über die Wiesn transportierten.

Wer in München wohnt, für den ist ein Besuch auf der Wiesn sicher selbstverständlich. Auch das die Mütter Dirndl tragen und nicht im Schlabberlook durch die Gegend laufen, ist hier normal. Ich finde so einen Spaziergang sehr schön, auch wenn er nicht ansatzweise so entspannend ist, wie an der Isar oder im Englischen Garten.

Zurück im Hacker Pschorr

Nach einer Weile ist Nepomuk wieder aufgewacht und wir liefen wieder Richtung Hacker Pschorr. Mittlerweile war es 16:00 Uhr und die Zelte gut gefüllt. Ich ging wieder durch den Haupteingang rein, die Security scherzte mit Nepomuk, aber schon im Zelt hatte ich Probleme mit dem Kinderwagen durchzukommen. Das lag nicht an der Menge der Leute, sondern an den betrunkenen, die einfach in den Gängen rumlungerten. Irgendwann machten sie Platz und wir konnten wieder in die Box.

Die Stimmung war jetzt schon lauter und gelöster. Es gab schon viele Betrunkene, die auch immer wieder versuchten in unsere Box zu kommen, weil sie dort freie Plätze gesehen haben. Auch bei den Toiletten musste ich nun warten und ich hoffte, dass es bald 17:45 Uhr wurde.

Die Zeit verging und Nepomuk wurde langsam genervt. Als mein Freund dann von der Kellnerin zum Zahlen abgeholt wurde, wollte Nepomuk nur noch in Richtung Mittelschiff laufen. Ich hatte Mühe ihn in der Box zu halten. Auch konnte er nicht mehr so ungehindert laufen, weil nun viele Leute das Zelt verliessen. Im Innenschiff wurden jetzt Tische geräumt und es wurde immer lauter. Ich war froh, als mein Freund vom Bezahlen wieder da war und wir Nepomuk in den Kinderwagen packen konnten und dann Richtung U-Bahn liefen.

Der Heimweg

Es war 18:00 Uhr und in München heißt das Wiesnbesucher meets Berufsverkehr. Da wir aber eine Haltestelle vor der Theresienwiese einstiegen, war es auf dem Bahnsteig ruhiger und wir bekamen einen Platz in der U-Bahn. Nach einigen Stopps waren wir wieder am Max-Weber-Platz und dann nach kurzem Fußweg wieder zuhause.

Während wir uns aus unserer Tracht pellten, spielte Nepomuk auf seiner Decke schon wieder vertieft mit seinen Holzbausteinen.

Gegen 20:00 Uhr legten wir ihn ins Bett und bis jetzt schläft er noch und verarbeitet sicher die vielen Eindrücke vom heutigen Tag.

Mir und meinem Freund geht es auch super. Ich habe über den Tag verteilt 3 Maß alkoholfreies Bier getrunken und vom Brotzeitbrettl genascht. Meine Sünde waren seit langem mal wieder Kässpätzle, die sehr lecker waren. Jetzt sitze ich hier bei meinem grünen Tee und freue mich auf unseren nächsten Besuch auf der Wiesn. Dann aber nur zum spazieren gehen und vielleicht fahren wir mit dem ein oder anderen Kinderkarussell. Ins Festzelt gehen wir dieses Jahr nicht wieder, auch wenn wir so gute Erfahrungen gemacht haben. Ich denke einmal im Jahr reicht es vollkommen aus.

Kann man mit einem Kleinkind wirklich unbesorgt auf die Wiesn gehen?

Auf diese Frage würde ich nicht mit einem eindeutigen „Ja“ antworten. Ich denke es geht, wenn man auf das Kind Rücksicht nimmt. Ich würde nie, nie, nie mit Nepomuk an einem Samstag auf die Wiesn oder in ein Festzelt gehen. Dort ist dann wirklich die Hölle los und es ist weder für die Erwachsenen noch für die Kinder ein Spaß. Auch würde ich im Festzelt nie in das Mittelschiff gehen. Das geht vielleicht an einem Sonntagmorgen, aber schon ab Mittag wird es voll.

Auch würde ich nicht nur im Festzelt bleiben, sondern auch über die Wiesn spazieren. Wenn der Kleine dann trotzdem nur noch schreit und ich merke, dass es ihm keinen Spaß mehr macht, dann würde ich mit ihm sofort nach Hause gehen, alles andere wäre verantwortungslos und egoistisch gegenüber dem Kind.

Uhrzeitmäßig ist wohl die Mittagszeit unter der Woche die beste Zeit für einen Wiesn Besuch. Dann sind die U-Bahnen nicht so voll, das Festgelände gut gefüllt, aber nicht zu voll. Der Nachhauseweg sollte dann nicht erst um 22:30 Uhr nach Betriebsschluss erfolgen, dann wird es in den U-Bahnen und um das Festgelände herum laut, voll und dreckig, dass es schon für Erwachsene ein Graus ist, für Kind wäre das sicher der Horror.

In diesem Sinne: Habt eine schöne Nacht

Alles Liebe

Mareike

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