Unser Leben ohne Staubsauger

Obwohl ich nun schon einige Wochen nichts mehr über unseren Weg zum Minimalismus geschrieben habe, heißt das nicht, dass wir nicht trotzdem weiter unser Leben danach ausrichten. Es sind nur viel kleinere Schritte, die man vielleicht nicht immer so zusammenfassen kann, da sie beiläufig erfolgen.

In den letzten Wochen hat sich aber eine Wandlung ergeben, die zwar so nicht beabsichtigt war, aber über die ich mich natürlich besonders freue und nun kurz darüber berichten möchte. Wir haben nämlich unseren Staubsauger abgeschafft!

Der Staubsauger war mir seit einigen Monaten ein Dorn im Auge, weil er:

  • Extrem laut war
  • Ich aufgrund der Lautstärke nur saugen konnte, wenn Nepomuk nicht in der Wohnung war
  • Damit unser Wochenende schon mal beeinflusst war, weil der Mann immer mit dem Kleinen rausgehen musste
  • Der Staubsauger nicht mehr richtig saugte
  • Furchtbar stank, obwohl wir den Beutel regelmäßig wechselten
  • Viel Platz wegnahm

Zudem dauerte das Putzen unserer 66 qm Wohnung immer ewig, wenn ich mit dem Ding erst saugte und dann alles nochmal wischen musste.

Die Wischtechnik machts

Vor gut vier Wochen, als mein Freund Urlaub hatte und ich wieder genervt war, von unserer dreckigen Wohnung, putzten wir beide die Wohnung und er wischte das Wohnzimmer – ohne vorher gesaugt zu haben. Ich dachte erst: Oje, das wird ja nie sauber. Als es allerdings trocknete, fand ich keinen Krümmel und der Boden war plitzeplank.

Mein Freund, die Effizienzmaschine, hat mir dann erzählt, dass er immer so gewischt hat und eigentlich nie einen Staubsauger benutzte, weil das seiner Meinung nach ein komplett überflüssiges Teil sei. Als ich ihn bat, mir zu zeigen, wie das Wischwasser trotzdem sauber bleiben und er damit die ganzen Zimmer wischen konnte, verriet er mir einen Trick:

  • Er tauchte den dreckigen Wischlappen nicht in den Wischeimer, sondern spülte ihn im Waschbecken aus und strich die Flusen und Krümmel aus dem Wischlappen.
  • Danach tauchte er den sauberen Wischlappen in das Wischwasser und wischte so den Boden Stück für Stück
  • So konnte er das Wohnzimmer reinigen – ohne Staubsauger und ohne viel Zeit zu investieren

Ich habe ehrlich gesagt, noch niemanden gesehen, der so wischt und war eher skeptisch. Als ich es im Schlafzimmer ausprobiert habe, funktionierte es und ich beschloss ab da die Wohnung nach „seiner Methode“ zu wischen.

Das Leben ohne Staubsauger

So blöd es klingt, aber dank der neuen Wischtechnik ist unsere Wohnung jetzt viel sauberer. Wenn ich Lust und Zeit habe, kann ich schnell ein Zimmer wischen, wenn Nepomuk seinen Mittagsschlaf hält oder wie letzten Samstag, als ich nachts alleine war und ab 5 Uhr morgens nicht mehr schlafen konnte.

Es geht so schnell und ist so simpel, dass ich die Wohnung eigentlich immer putzen kann, ohne auf Nepomuks Abwesenheit angewiesen zu sein.

Den Staubsauger habe ich seitdem nie wieder angefasst. Wenn es doch mal Krümmel gibt oder Nepomuk seine Schalen mit Linsen, Hirse oder Reis nicht zum Anfassen nutzt, sondern zum Ausschütten, kehre ich alles mit dem Handfeger auf. Nepomuk ist ganz fasziniert vom Handfeger und schaut immer ganz gebannt darauf, wie ich alles zusammenkehre. Danach gebe ich ihm den Feger und die kleine Schaufel und er begutachtet beides sehr ausgiebig. Kein Vergleich zum Weinen und Schreien, wenn der Staubsauger angeht.

Selbst wenn er im Wohnzimmer beschäftigt und in sein Spiel vertieft ist, habe ich schon die Küche und das Schlafzimmer gewischt.

In einem Buch über das Montessori Konzept habe ich zudem schon vor einigen Monaten gelesen, dass es für die Kinder vom Verstehen besser ist, wenn sie die Bewegungen eines Besens sehen, als wenn immer der Staubsauger genutzt wird. Den Staubsauger können sie noch nicht verstehen, weil viele Abläufe für sie nicht ersichtlich sind. Mittlerweile habe ich auch eine feste „Kehrtechnik“, die ich immer wieder verwende und deren Züge Nepomuk jetzt immer sieht. Im April haben wir ihm auf dem Flohmarkt einen kleinen Handfeger und eine Kehrschaufel gekauft. Immer wenn er zu stürmig wird, wenn er mich kehren sieht, gebe ich sie ihm. In den letzten Wochen habe ich bemerkt, dass beides jetzt mehr Beachtung bei ihm findet und er es von einem Zimmer ins nächste schleppt. Ich selbst freue mich sehr über solche „Entwicklungen“, auch wenn sie andere Mütter vielleicht für nebensächlich halten, weil für sie nur krabbeln, freies stehen und freies gehen wahre Entwicklungsschritte sind.

No Need for Staubsauger

Um nun wieder zu unserem eigentlichen Thema zu kommen: Dem Staubsauger. Ich vermisse ihn absolut nicht und habe ihn gestern zusammen mit der Wickelunterlage, einem Toaster und dem Reisesterilisator in den Keller verbannt und von dort wird er sicher den Weg zum Wertstoffhof oder zu meinen Eltern antreten, die ihn sicher gut gebrauchen können, bei ihrer Anzahl Teppiche.

Wir selbst haben den einzigen Teppich, der im Wohnzimmer lag, vor einigen Wochen beim Wertstoffhof entsorgt und da wir nur Linleum, Laminat und im Bad Fliesen haben, ist das Wischen absolut perfekt.

Hach, ich freu mich so, dass diese Stinkemonster jetzt im Keller ist und wir unsere Jacken jetzt mal auslüften lassen können.

Verwendet ihr noch Staubsauger oder habt ihr die Dinger auch in den Keller verbannt oder sogar gespendet?

Habt noch einen super Start in die Woche!

Eure

Mareike

5 thoughts on “Unser Leben ohne Staubsauger

  1. Ich verwende einen Staubsauger und das liebend gern! Allerdings haben wir einen sehr guten und funktionierenden Markenstaubsauger (der nicht so laut ist, der nicht stinkt und in dem wir auch extra Allergiefilter haben) und wir haben größtenteils Teppich in der Wohnung. Aber auch die Küche, den Flur und das Bad mit Fließen staubsauge ich schneller mal, als zu wischen. Wenn da nur Krümmel oder ein paar Haare sind.
    Wir hatten vorher einen beutellosen Staubsauger, den ich gehasst habe. Seitdem wir uns das gute Stück geleistet haben (Tipp von Oma) bin ich quasi verliebt.

    So unterschiedlich kann es gehen!
    Ich finde eure Variante hört sich auch gut an, ich würde aber vorher dann den Raum vermutlich trotzdem erstmal fegen. Einfach aus Gewohnheit…
    Liebe Grüße
    Nanne

  2. Hallo Mareike,

    ich habe diesen etwas älteren Artikel gerade durch die Google Suche „Leben ohne Staubsauger“ entdeckt. Vielen Dank, dass du deine Erfahrungen geteilt hast 🙂

    Ich selber habe 4 Monate in einem Waldorfkindergarten gearbeitet und musste dort jeden Morgen Staubsaugen (einTeil des Raumes war mit Teppich ausgelegt) und dazu zweimal die Woche feucht Wischen. Das Wischen fand ich so angenehmen ursprünglich, mit einfachem Lappen und Schrubber, statt irgendwelchen neumodischen Plastikteilen, und ich habe mich entschieden mir diese Praxis auch für meinen nächsten „eigenen“ Haushalt zu bewahren.

    Nun ist es soweit, dass ich ein kleines Zimmer mit Parkettboden beziehen werde und mich dort möglichst minimalistisch einrichten möchte. Auf den Staubsauger – ich habe aus der letzten Wohnung sogar noch ein sehr gutes Modell bei meinen Eltern geparkt – m,öchte ich verzichten! 🙂

    Wie sieht es denn momentan bei euch aus? Putzt ihr immer noch ohne zu saugen?
    Falls du den Kommentar liest, würde ich mich über eine Antwort sehr freuen!

    Liebe Grüße
    Sarah

    1. Liebe Sarah,
      bitte entschuldige die späte Antwort, aber ich war die letzten Wochen und Monate nicht wirklich online. Wir verwenden immer noch keinen Staubsauger, sondern sind jetzt noch einen Schritt weiter gegangen. Wir wischen nur noch mit warmen Wasser und etwas Natron. Also gänzlich ohne Chemie. Ich habe meinem Freund zu Weihnachten das Buch von Smarticular geschenkt. Das ist eine Website, die sich mit dem DIY im Haushalt befassen. Vielleicht findest du das Ideen für einen Parkettboden. Hier ist die URL: http://www.smarticular.net. Ich mag die Seite wirklich, weil du einfach natürlich und kostengünstig deine Reinigungsmittel selbst herstellen kannst. Gerade habe ich zum Beispiel aus alten Orangen- und Zitronenschalen und Tafelessig meinen eigenen Badreiniger kreiert. Ich wünsche dir viel Spass in deiner Wohnung. Liebe Grüße, Mareike

  3. Liebe Mareike,

    ich musste eben wirklich schmunzeln. Da ich genauso wische wie Dein Freund.:)
    Und auch immer dachte, so wischt doch niemand.

    Und weil ich gerade meinen Stausauger verkaufe, und eine Stimme in mir sagt: „aber alle Menschen in der westlichen Welt besitzen doch einen Staubsauger, das kannst Du doch nicht machen“, kam ich auf dei Idee mal unter „leben ohne Staubsuager zu googeln. Und fand so
    deinen Artikel. 🙂

    Haha… ist toll.

    Liebe Grüße

    Evelyn

    1. Haha, ich dachte wir wären wirklich die einzigen, die den Staubsauger eingemottet haben. 😀 Bei uns steht er noch im Keller und wir haben ihn bis jetzt nicht wieder gebraucht. Ich finde das Putzen jetzt auch wirklich viel angenehmer und entspannter. Alles Liebe, Mareike

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