Und ewig ruft der Minimalismus

Seit ein paar Monaten beschäftige ich mich mal mehr, mal weniger intensiv mit dem Thema „Minimalismus“. Auslöser war die Taufe von Nepomuk und die damit verbundene Geschenkflut. Versteht mich nicht falsch, wir haben uns über jedes Geschenk gefreut, aber wenn man den fünften Schutzengel und den 20. Body im Teddy Design bekommt, hat man irgendwann das Gefühl in seinem Hab und Gut zu ersticken.

Und so beschloss ich auszumisten. Mein Freund hatte sich schon vor Jahren mit dem Minimalismus und dem entspannten Leben, dass die Reduktion mit sich bringt, beschäftigt. Früher empfand ich das Denken von Minimalisten als weltfremd und übertrieben. Heute mit einem Kind, in einer 66qm großen Zwei-Zimmer-Wohnung erscheint mir der Minimalismus als der ideale Zustand und Lösung meiner Probleme.

Natürlich könnte man jetzt sagen, dass wir mit einem Kind doch einfach eine größere Wohnung nehmen können. Aber ehrlich, dass kann es nicht sein. Zum einen: Wir lieben unsere Wohnung (obwohl ohne Aufzug und im 4. OG), wir lieben die Lage in München Haidhausen und zum anderen kann das Leben nicht immer nur voller und größer werden. Zu viele sind dem Fluch von Höher, Schneller, Weiter schon erlegen und arbeiten nur noch für die Abzahlung des Hauskredits und die nächste Urlaubsreise in ein 5-Sterne-Sportclub.

Mein Freund und ich wollen diesen Weg bewusst nicht gehen, weil er eben der bequemste, aber nicht der nachhaltigste ist. Wir möchten unseren Konsum so reduzieren, dass wir ihn nicht als Belastung sehen und Geiseln unseres Hab und Guts werden. Nachdem also eine größere Wohnung bis auf weiteres nicht drin ist, müssen wir eben mit den vorhandenen Rahmenbedingungen arbeiten.

Das geduldige, platzraubende Papier

Irgendwo mussten wir also mit der „Entmüllung“ in der Wohnung anfangen. Da ich unsere gigantische Sammlung von Ordnern und Ablagestapeln schon immer unsexy fand, sagten wir der Papierflut den Kampf an. Mein Freund besorgte uns einen kleinen Tischscanner, der groß genug zum scannen und klein genug für die Schublade ist. Und so scannten wir: Papier um Papier, ein ganzes Wochenende lang. Es war kein wirklicher Aufwand, sondern eher stupide Arbeit. Die hat sich aber gelohnt und mein eingesparter Papierstapel war ca. 30 cm hoch. Ich hatte somit mehr als vier dicke Ordner über ein Wochenende einfach weggescannt.

Durch die Scan-Aktion konnten wir im Bücherregal die unterste Schublade frei räumen. Dieser Platz steht nun Nepomuk und seinem Spielzeug zur Verfügung. Dort kann er sich sein Spielzeug rausholen und drin rumwerfen, wie er es gern hat.

Allerdings weiß ich nun auch, dass es in Sachen Ablage mit einer einmaligen Aktion nicht getan ist. Ich sollte wöchentlich meine Ablage und meine Post abarbeiten, um ein Wiederkehren des Papierchaos zu vermeiden. Tja, jetzt muss ich es nur noch tun, aber dieses Wochenende wird das Wetter eh bescheiden. Für mich also perfektes Scan Wetter.

1001 Produkte im Bad

Unser Bad ist nicht groß und Stauraum daher wertvoll. Damit dieser nicht von unnützem Zeug blockiert wird, musste ich auch hier entsorgen. Zumal ich weder Nagellack, noch Lippenstift in 10 verschiedenen Farben benötige. Auch verschiedene offene Body Lotions und Bronze Puder sind jetzt gerade nicht so mein Ding. Nicht das ich meinen Körper jetzt verwahrlosen lasse, aber mittlerweile liebe ich Babyöl einfach mehr, als eine normale Lotion.

Nach einer eintägigen Aufräumaktion und einigen schmerzhaften Trennungen bei Mascara und Lippenstift war der Badschrank für unsere Hygieneartikel nicht leer, aber wenigstens nicht mehr so vollgestopft und unübersichtlich. Bis zu einem wirklich reduzierten Bad habe ich aber noch einige Meter zu gehen. Immer noch tummeln sich mehrere Parfümflaschen und Gesichtsfluida im Schrank. Sie einfach zu entsorgen, fällt mir schwer. Es ist wirklich noch ein langer Weg. 🙂

Tabula Rasa im Kleiderschrank

Einige Tage nach dem Badezimmer war das Schlafzimmer bzw. der Kleiderschrank dran. Ich habe die Klamotten einfach ohne Überlegungen aussortiert und ihn zwei große Mülltüten gestopft. Dort lagen sie ca. zwei Wochen ohne das ich später hätte sagen können, was jetzt genau in den Tüten ist. Für mich ein eindeutiges Indiz, dass ich die Klamotten entsorgen kann. Bei den Handtaschen und Schuhen war das anders. Ständig dachte ich „Vielleicht brauche ich irgendwann genau die Handtasche oder das Paar Schuhe.“ Realistisch gesehen, ist das aber Bullshit, denn von den fraglichen Handtaschen und Schuhen habe ich seit Monaten nichts mehr genutzt oder getragen. Also wanderten auch diese in den Müll.

Ich gebe zu, dass es mir etwas weh getan hat eine Joop Jeans, ein Boss Wintermantel und weitere Designstücke einfach so im Altkleider Container zu entsorgen. Aber auf ebay oder Kleiderkreisel hatte ich keinen Bock. Das es in München ein Sozialkaufhaus gibt, habe ich leider erst später erfahren. Das Sozialkaufhaus wird aber definitiv eine Option, wenn ich meine alte Wohnung komplett auflöse. Die dient jetzt nur als Lagerplatz für Nepomuks Klamotten, denn die wegzugeben bringe ich nicht fertig.

Flur und Küche: Meine schwarzen Löcher

An Flur und Küche habe ich mich erst jetzt angetraut. Darüber schreibe ich aber in einen separaten Post. Nur soviel: Es fiel mir leichter Klamotten zu entsorgen, als Essen.

Die nächsten Schritte

Obwohl wir schon einige geschafft haben, gibt es noch so viel zu tun. Hier nur mal ein paar Beispiele:

  • Stauräume im Schlafzimmer weiter auflösen
  • Neues ebenerdiges Futonbett
  • Küche und Bad weiter entschlacken
  • Umgang mit Nepomuks Spielsachen

Die Liste lässt sich noch weiter fortsetzen und unsere Wohnung ist von einem sehr klaren, aufgeräumten Zustand noch weit entfernt, aber der Weg ist ja das Ziel. 🙂

4 thoughts on “Und ewig ruft der Minimalismus

    1. Ja, Food Sharing habe ich schon einmal gemacht. Hat super funktioniert, der Typ kam vorbei und wir waren unsere Konserven los. Ich habe jetzt mal meinen Eltern eine ganze Batterie von Tees mitgegeben. Vielleicht mache ich aber nochmal Food Sharing für den Rest. 🙂

  1. Ich bin ein großer Fan von weniger ist mehr. Kennst du das Buch „Simplify your life“; also da gibt es ein „Grundwerk“ und mehrere Ableger. Ich habe nicht einmal alles gelesen, aber einiges davon umgesetzt und es hat sich bewährt.
    Beim Spielzeug bin ich viel rigoroser geworden, und es tut einfach gut, dass hier weniger Einzelteile herumliegen.

    Beim Aufräumen denke ich immer den Satz: Reduktion der Anzahl der Teile.

    Für Essen gibt es in verschiedenen Städten die Tafel. Die nehmen meines Wissens aber nur verschlossene Lebensmittel.

    Finde ich toll, was du machst!

    Viele Grüße, Mara

    1. Von dem Buch habe ich schon mal gehört, es aber noch nicht gelesen. Sollte ich vielleicht mal machen. Ja, das Spielzeug. Mir ist aufgefallen, dass Nepomuk eh immer mit dem gleichen spielt und aktuell ist der Schneebesen und eine Schüssel sowieso der Renner. Vielleicht spende ich das Spielzeug, für das er jetzt zu alt ist oder das er irgendwie nie toll fand. Ich werde auf jeden Fall weiter berichten. 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.