So erlebten wir heute den ersten Pikler Kurs

Nachdem letzten Donnerstag der vorbereitende Elternabend zum Pikler Kurs stattfand ging es heute mit dem Kurs richtig los.

Ich war vor dem Kurs freudig aufgeregt, denn irgendwie war mir der Kurs wichtiger als alle anderen bisherigen Kurse und ich wollte mit Nepomuk auf keinen Fall zu spät kommen. Und natürlich war ich gespannt, was uns da erwarten würde.

Obwohl es sonst ein Ding der Unmöglichkeit ist, habe ich es heute geschafft Nepomuk von 08:30 Uhr bis 09:10 Uhr zum Schlafen zu bringen. Also er war natürlich müde, aber das heißt bei Nepomuk ja nicht das er schlafen will. Doch heute hat alles super geklappt. Er hat bis 09:10 Uhr geschlafen und wurde von selbst wach. Da um 09:45 Uhr der Kurs startete und wir dafür sorgen sollten, dass die Kleinen nicht gerade in der Kursstunde Hunger bekommen, konnte ich ihn noch entspannt die Flasche geben.

Um 09:25 Uhr ging es dann los Richtung siaf in der Sedanstraße. Von uns sind es ungefähr 10 Minuten zu Fuß, sodass wir ca. 10 Minuten zu früh waren. Da die Kursleiterin noch alles aufbaute, bat sie uns kurz draußen zu warten und eine Kanne Wasser für die Stunde zu besorgen. Der Kursraum ist im Keller des Kinderhaus Haidhausen. Sodass ich erst wieder die Treppe hoch in die Küche musste und dann mit Kind, Wickeltasche, Rucksack und Kanne Wasser wieder die Treppe runtereierte. So bringt man dann auch 10 Minuten rum und wir konnten in den Raum.

Die Anfangsphase

Beim ersten Mal ist die Platzwahl noch frei. Den gewählten Platz sollten wir aber die nächsten 9 Kursstunden bei behalten, damit die Kinder etwas konstantes haben. In Summe sind wir sechs Mütter mit sechs Babys im Alter von 8 bis 21 Monaten. Seit langem ist Nepomuk mal wieder der Jüngste. Ich glaube im Rückbildungskurs waren wir das letzte Mal die Küken. 🙂

Die Vorstellungsrunde ging schnell und wurde als eine Art „Ich packe meinen Koffer und nehme mit“ gestaltet, damit sich alle die Namen einprägen konnten. Mal sehen ob ich die Namen der Mamas und Babys noch richtig hinbekomme:

  • Inge mit Moritz
  • Eva mit Samuel
  • Andreas mit Lukas
  • Mareike mit Nepomuk
  • Katja mit Paula
  • Marion mit Paula

Ja, hat noch geklappt. 🙂 Da wir ja schon den Elternabend hatten gab es keine erneute Einweisung, sodass die Babys, wenn sie es eh noch nicht gemacht hatten, gleich loslegen konnten.

Der eigentliche Kurs

Wie bei jedem Kurs hat Nepomuk auch hier gleich angefangen, sich an anderen Babys und an dem vorbereiteten Material zu schaffen gemacht. Ob leere PET Flaschen, Deckel von Einmachgläsern oder die Aufbewahrungskörbe von diesen: Für Nepomuk war alles interessant.

In der Mitte des Raumes wo sich die Babys aufhielten, stand die Pikler Treppe, an die zwei Bretter angedockt waren. Die Kinder konnten also die Bretter hochlaufen und dann die Pikler Treppe hochklettern. Ein weiteres Podest stand ebenfalls für die Babys bereit. Hier waren links und rechts kleine Schanzen angebracht, die die Kinder dann runterrutschen konnten.

Erste Kletterversuche

Nepomuk hat vor ein paar Tagen begonnen kleine Erhöhungen zu erklimmen. Gestern war es die große Toilettenpapierverpackung, über die er drüber geklettert ist. Am Vortrag hat er es gar über die Schwelle zum Balkon geschafft. Ich war nur hinter ihm, um ihn im Falle eines Falls aufzufangen. Es hat zwar eine Weile gedauert, aber er konnte sowohl raus auf den Balkon, als auch wieder reinkrabbeln. Da die Erhöhung scharfe Kanten hat, habe ich alles mit Decken abgesichert. Safety First eben. 😉

Wie ich es in dem Video beim Elternabend gesehen habe, geht auch Nepomuk mit dem Kopf voran über die Hindernisse. Dies sei wichtig, sagte die Sprecherin, da nur so die Babys lernen Höhenunterschiede abzuschätzen. Bei Nepomuk konnte ich super beobachten, wie er erst schaute, langsam vorfühlte und dann ganz langsam nach vorn runter kletterte. Die Fabi-Kursleiterin meinte, es wäre falsch Babys zu drehen, sodass sie mit den Füßen zuerst herunterklettern. Ich denke, dass machen sie dann von alleine, wenn sie abschätzen können, dass es mit dem Kopf zuerst nicht geht.

Nepomuk war heute im Kurs dann auch gleich angetan von dem Podest mit den zwei Schanzen. Nach kurzer Begutachtung und Blickkontakt mit mir, krabbelte er auf das Podest und freute sich wie ein Schneekönig. (Keiner weiß, wie sich ein Schneekönig freut). Nachdem er kurz auf dem Podest war, ging er nicht einfach wieder runter, sondern nutzte die Schanze und krabbelte langsam nach unten. Die Tatsache, dass er sehr sicher wirkte, bestätigte mich in meinem Vertrauen in ihn und die Pikler Pädagogik. Nur wenn wir Kindern Zeit und Raum zur Entfaltung und Entwicklung geben, lernen sie ihre eigenen Grenzen kennen und wissen, was sie sich zu trauen können und was noch nicht.

Kurz darauf kletterte er auch auf die Schanzen zur Pikler Treppe. Beim runter krabbeln war er kurz abgelenkt und zack verlor er das Gleichgewicht. Obwohl er sich sicher abrollte, war er so erschrocken, dass er das weinen anfing. Als er sich kurz darauf wieder gefangen hatte, ging es direkt vom weinen ins lachen. Etwas, was ich noch nicht so intensiv bei ihm mitbekommen habe.

Der Luxus der Beobachtung

Schon beim Elternabend sagte uns die Leiterin, dass der Bereich, wo sich die Babys aufhalten, ihr Bereich ist. Die Mütter sitzen an der Seite und beobachten die Babys. Ich muss sagen, dass es mir nicht schwer gefallen ist und es richtig genossen habe eine Stunde einfach nur zuzuschauen. Natürlich kam Nepomuk manchmal zu mir um kurz mit mir zu schmusen oder zu versuchen mir die Brille von der Nase zu stibitzen, aber so richtig gefordert war ich nicht.

Für mich war es eine Freude einfach nur zu beobachten, wie Nepomuk Spaß an den herumliegenden Dingen hatte und es freute mich so, dass er das Podest hochging und sehr sicher wieder verließ.

Das er so frei herumschwirrt und doch regelmäßig den intensiven Blickkontakt sucht und mir zulächelt und ich zurück lächle, macht mich glücklich. Ich kann sehen, wie er sich täglich verändert und ich vertraue ihm in seinen Schritten zu 100 %. Ich weiß, wenn er stehen will, dann wird er das schaffen ohne das ich ihn dazu ermuntern muss oder gar stützen sollte. Er wird so sicher laufen lernen, wie er das Krabbeln und Sitzen gelernt hat. Wir haben alle Zeit der Welt und ich glaube, diesen Frühförderungsstress von ihm fernzuhalten ist eine sehr wichtige Aufgabe für mich. Ebenso wichtig, wie dafür zu sorgen, dass er immer mit anderen Babys in Kontakt kommt. Etwas, was ihm so viel Spaß macht. 🙂

Zu guter Letzt ist es natürlich auch für uns Mütter angenehm, wenn eine neutrale Person in „Konflikte“ eingreift. Ein älterer Junge hat Nepomuk die Flasche weggenommen und ihn an den Haaren gezogen. Die Kursleiterin ist dann zu den beiden gegangen und hat dem Jungen gesagt, dass Nepomuk jetzt mit der Flasche spielt, er sich aber eine andere Flasche holen kann. Diese Art der Lösung war für mich die angenehmste.

Der Abschluss

Fünf Minuten vor Ende des Kurses bat uns die Leiterin ihr beim Aufräumen zu helfen, da die nachfolgende Gruppe mit Babys bis neun Monate andere Materialien bräuchten.

Die Stunde selbst verging so schnell und ich habe mich wirklich sehr wohl gefühlt und ich denke Nepomuk hat es auch sehr gefallen. Ich freue mich jedenfalls schon auf nächsten Mittwoch und habe es bisher nicht bereut an diesem Kurs teilzunehmen.

Der Abschuss zum Schluß

Eines muss ich aber noch loswerden! Beim Elternabend meinte die Kursleiterin, dass es bei Mädchen nicht so angebracht sei ein Kleidchen zu tragen, da dies beim Krabbeln stören könnte. Und schwupp, war heute eine Mutter die ihr Kind nicht nur in ein Kleidchen stecke, sondern darunter noch eine Jeans anzog und rutschige Socken. Die Kursleiterin meinte zu ihr, dass es wohl einfacher für das Mädchen wäre, wenn es kein Kleid anhätte, da es offensichtlich beim Krabbeln immer festhing und auch die Söckchen wären nicht sehr förderlich. Die Mutter reagierte mit einem „Ja“ und machte nichts.

Es war genau die Mutter, die beim Elternabend reingestürmt kam und mich als Teilnehmer fragte, wie lange der Abend gehen würde und wie viel zum Elternabend kommen würden. Hallo, du Nuss, woher soll ich das denn wissen.

Bei manchen Müttern weiß ich nicht ob sie nur dumm sind oder einfach ignorant. Für mich und Nepomuk war es heute aber in einer Hinsicht perfekt: Das Mädchen konnte nicht richtig krabbeln, so konnte Nepomuk ihr diverse Spielzeuge wegnehmen.

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