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04Apr/15

Mein neues Leben dank Offline-Modus

„Unsere Verabredung mit dem Leben findet im gegenwärtigen Augenblick statt. Und der Treffpunkt ist genau da, wo wir uns gerade befinden.“ 

Siddharta Gautama

Vor einiger Zeit hatte ich hier darüber geschrieben, dass ich die Nutzung von Twitter zurückfahre. Seit dieser Zeit hat sich aber nicht nur meine Einstellung zu Twitter geändert, sondern auch zu Facebook, Instagram und diversen anderen früher viel frequentierten Webseite.

Von Zero to Hero 

Früher war ich immer online. Im Minutentakt habe ich mein iPhone gecheckt: Nach Mails, Twitter und Facebook Notifications oder Instagram Likes. Mit früher meinte ich noch vor einigen Wochen. Irgendwann merkte ich das es sich zu einem Zwang entwickelt hatte. Ich muss nicht sagen, dass ca. 90% der Tweets in meiner Timeline keinen Mehrwert für mich hatten und ich ob einiger degenerierter User einfach nur die Augen rollen konnte. Ich muss auch nicht erwähnen, dass mir die „Freunde“ auf Facebook auf den Wecker gingen, die entweder immer irgendeinen Weltverbesserungsscheiß, sinnlose Witzbilder oder den neuen 911er gepostet haben. Alles Content der mir in meiner aktuellen Situation als Mutter eines sieben Monate alten Babys nutzlos erschienen. Nein, ich hatte irgendwann die Schnauze voll. Ich war spazieren und schob mit der einen Hand den Kinderwagen und mit der anderen machte ich Fotos vom supertollen München, nur um diese dann später auf Instagram hochzuladen. Ich war nicht unglücklich mit meinem Leben, aber mein Verhalten nervte mich immer mehr.

Und dann lass ich zufällig auf Brigitte (das eine mal im Jahr) einen Artikel von Regina  Tödter mit der Headline „Ich besitze nur noch 300 Dinge und fühle mich richtig reich“.   Und auf einmal wurde mir klar, dass ich so unzufrieden war, weil ich das Gefühl hatte, mein Leben vermüllt gerade. Das liegt aber nicht nur an den sozialen Netzwerken oder dem sinnlosen Surfen durch das WWW. Nein das liegt auch an überfüllten Kleiderschränken, vollgestopften Schubladen und nie enden wollenden Aufräumaktionen. Ich fühlte mich getrieben von meinen eigenen Besitzgütern und meiner Onlinepräsenz, so getrieben, dass ich allein vom Öffnen bestimmter Apps schon schlechte Laune bekam. Ich fragte mich wirklich zum ersten Mal: Will ich das wirklich? Will ich mein Leben wirklich mit so einem Scheiß verbringen? Ich habe jeden Tag 24 Stunden, jede Sekunde, die ich verschwende ist unwiederbringlich verloren. Ich wägte ab, ob der Nutzen von Twitter und Facebook so hoch ist, dass ich es mit meinem Gewissen vereinbaren konnte, mich beim Spielen nicht zu 100 % auf meinen Sohn zu konzentrieren. Und ich konnte es natürlich nicht!

Twitter, iPhone und der Kleiderschrank

Nach dem mir klar wurde, dass ich so nicht weitermachen konnte, wenn ich mich als Mutter mit bestem Gewissen um meinen Sohn kümmern bzw. meinen Sohn aufwachsen sehen möchte, entschied ich erst die Nutzung von Twitter runterzufahren – aktuell liegt sie faktisch bei Null. Erwartungsgemäß fehlt mir Twitter nicht wirklich. Danach fing ich an die zeitfressenden Apps von meinem iPhone zu löschen und wichtige Apps in Ordnern zu bündeln. Ziel war es, nicht mehr als eine Seite für die ganzen Apps in Anspruch zu nehmen.

Danach ging es offline weiter und ich habe den ersten Teil meines Kleiderschrankes ausgemistet. Auch wenn die Handtaschen und Schuhe noch nicht dabei waren, so habe ich doch schon 2 riesige Müllsäcke vollbekommen. Der Kleiderschrank ist jetzt übersichtlicher, aber die Handtaschen lauern noch im Schrank. Schuhe und Handtaschen sind mein nächstes Projekt.

Doch nicht nur im Kleiderschrank habe ich Platz gemacht. Mein Freund hat einen kleinen Tischscanner gekauft, der super in eine Schublade passt. An einem verregneten Wochenende habe ich vier fette Ordner einfach weggescannt. Den Rest hebe ich auf, da noch einige Steuererklärungen offen sind. Aber vier Ordner einfach nicht mehr im Regal zu haben und Platz für die Spielsachen für unseren Sohn zu schaffen, war ein tolles Gefühl.

Ich fühlte mich nicht nur wohler mit mehr Platz, sondern langsam verloren auch Facebook und Instagram an Bedeutung. Auch das ziellose Surfen auf Smartphone und Macbook verlor seinen Reiz (wenn es den je gegeben hat). Mir wurde klar, dass ich keine Blogs lesen musste, denn was sollte ich denn von anderen Müttern lernen. Aktuell screene ich selbst die Montessori Gruppen auf Facebook nur noch sehr selten bis gar nicht und fühle mich darum nicht wirklich dumm.

Einzig und allein Pinterest ist noch eine App, die ich regelmäßig nutze. Die nutze ich gern und ich freue mich über den tollen Content und die vielen Inspirationen vorwiegend aus dem englischsprachigen Raum.

Mehr Zeit für mich und uns

Jetzt, wo ich mein iPhone oft liegen lasse oder mein Macbook gar nicht erst starte, merke ich, wie viel Zeit ich eigentlich habe. Zeit, die ich anderweitig nutzten kann. Ich kann tolle neue Rezepte ausprobieren und mit meinem Sohn viel Spaß in der Küche habe. Ich kann ohne schlechtes Gewissen über einen noch zu schreibenden Blogbeitrag im Wohnzimmer dem Kleinen stundenlang beim Spielen zu schauen und ihn, seine Bewegungen, sein Handeln und sein Ich-sein beobachten. Den Nachmittag können wir uns entspannt ins Schlafzimmer legen und auch mal zwei Stunden dösen oder er schläft und ich liege neben ihm und lese.

Auch mit meinem Freund sind die Abende entspannter. Da wir beide, Gott seis gedankt, keine Fernsehliebhaber sind, nutzen wir die Zeit für Gespräche oder jeder liest in Büchern oder Magazinen. Es ist so eine Ruhe, die ich vorher vermisst habe.

Ich selbst empfinde jetzt auch die Zeit als mehr, was natürlich dumm ist, denn 24 Stunden bleiben 24 Stunden, aber der Inhalt ist qualitativ hochwertiger. Bei Spaziergängen habe ich mein iPhone immer dabei, aber ich mache kaum noch Fotos. Nein, ich geniesse die Zeit, das tolle Wetter, die Spaziergänge an der Isar. Es fühlt sich alles so viel besser an und manchmal bin ich neidisch auf die Leute, die ihr Leben komplett ohne Digitalisierung leben.

Fokus, Fokus, Fokus

So wie ich jetzt lebe, so bin ich glücklich. Doch meine Reise zu mehr Lebensqualität geht weiter. Ich werde weiter Richtung Reduktion gehen und Dinge, die mich betreffen und für mich überflüssig sind, reduzieren. Ich werde nun ein paar Wochen auf die Rohkost Ernährung wechseln, wieder Sport machen und die restliche Zeit für mich, meinen Freund und meinen Sohn nutzen. Ich werde mich wie in den letzten Wochen mehr mit anderen treffen und das Leben da draußen einfach genießen. Wir alle haben nur 24 Stunden und jeder von uns hat es in der Hand, wie die 24 Stunden zu gestalten sind.