Tag Archives: Pikler

17Feb/16

Montessori: Infoabend in der Krippe „Kleiner Budenzauber“ in München

Gestern fand endlich der von mir so lang ersehnte Infoabend der Montessori Krippe „Kleiner Budenzauber“ in München Ramersdorf statt. Offizieller Beginn war 19:00 Uhr, doch die netten Mitarbeiterinnen öffneten für uns Interessenten schon früher das Haus. Nachdem wir von einer Erzieherin an der Eingangstür begrüßt wurden und sie uns kurz erklärte, wie der Ablauf des Abends ist, zogen wir unsere Jacken und Schuhe, auch die von Nepo natürlich, aus, trugen uns auf die Anwesenheitsliste ein und betraten die Räumlichkeiten.

Beginn des Rundgang: Im Erdgeschoss regieren die „großen“ Kinder

Im Erdgeschoss befinden sich die Räume für die größeren Kinder. Gleich am Eingang stand, sehr zu Nepos Entzücken, eine Parkgarage mit Autos und einem Hubschrauber. Er war natürlich gleich hin und weg und quietschte ganz aufgeregt. Die Autos drückte er auch gleich einer Erzieherin in die Hand, während ich ihn beobachtete und an dem kleinen Esstisch Platz nahm. Der Esstisch umfasst, wenn ich mich richtig erinnere, nur drei Plätze, da in dieser Krippe die Erfahrung gemacht wurde, dass zu viele Kinder am Tisch für Unruhe sorgen. Das kann ich aus persönlicher Erfahrung bestätigen, denn am Vormittag haben wir nach dem Spielraum im Montessori21 auch zusammen Brotzeit gemacht. Zwar animieren andere Kinder Nepo zum Essen, aber sobald ein Kind aufspringt, ist Nepo auch auf und davon. Ihn wieder an den Tisch zu bitten, ist sehr schwierig bis aussichtslos. Trotzdem finde ich die gemeinsame Brotzeit nach dem Spielraum super und Nepo geniesst sie auch.

Zurück zum gestrigen Abend und dem Kleinen Budenzauber: Nachdem Nepo die Autos nicht mehr interessant fand, gingen wir in den großen Bewegungs- und Spielraum. Die Hengstenberg Geräte kennen wir beide aus dem Spielraum und ich liebe sie. Nepo normalerweise auch, nur diesmal stand eben auch ein Korb mit Autos (juhu, noch mehr Autos) rum und er stürmte so fort ganz aufgeregt hin, wedelte wild mit den Armen und wusste gar nicht, welches Auto er zuerst aus dem Korb nehmen soll. Mein Freund blieb bei ihm, sodass ich mir in der Zeit die Schlaf- und Wickelräume anschauen konnte. Ich liebe diesen Wickelaufsatz, den ich schon so oft in Büchern und Videos über das Lóczy gesehen habe. Leider haben wir zuhause kein solch einen Wickelaufsatz. Zum einen, weil Nepo schon sechs Monate alt war, als ich Emmi Pikler für uns entdeckt habe, zum anderen haben wir nur 66 qm und eine Dachgeschosswohnung, sodass wir sehr wenig Platz gehabt hätten. Auch sonst war alles kindgerecht eingerichtet, sodass die Kinder sich selbständig waschen und auf Toilette gehen können. Zurück im großen Raum, schaute ich mir die Spielecke an und freue mich, dass dort der Grimm Regenbogen in einer anderen Ausführung stand. Ich würde zu gern wissen, wie oft der genutzt wird, denn unserer zuhause ist nicht sehr gefragt. 🙁

Exkurs: Laufgitter zur ungestörten Entfaltung und altershomogene Gruppen

Dieser große Raum ist, wie auch der große Raum im Obergeschoss durch Gitter getrennt, die an ein riesiges Laufgitter erinnern. Ich kenne diese Abgrenzung aus den Pikler Videos und aus dem Montessori21 Haus, trotzdem waren wohl einige irritiert, weil diese Gitter scheinbar nicht so recht zur freien Entfaltung passen. In der späteren Inforunde, an der alle Eltern teilnahmen, erklärte dann die Krippenleiterin, dass die Trenngitter zum Schutz der unterschiedlich entwickelten Kinder dienen. So ist gewährleistet, dass ein Kind, dass noch nicht so gut laufen kann, trotzdem seinen Bewegungsdrang in einem ausreichend großen Bereich ausleben kann, ohne eventuell von Kindern gestört zu werden, die schon sehr sicher laufen. Die Gitter sind auch keine Wände, sodass das die Kinder jederzeit mit den anderen Kindern interagieren können.

Wo ich gerade beim Schutz der Kinder bin. Im Budenzauber gibt es keine altersübergreifenden Gruppen, weil sie die Ansicht vertreten, dass sich jedes Kind so entwickeln sollte, wie es der innere Bauplan vorsieht. Sind Kinder mit größeren Kindern zusammen, orientieren sie sich vielleicht an den größeren, versuchen mitzugehen und gehen Entwicklungsschritte, für die sie vielleicht noch nicht bereit sind. Die Krippenleiterin hat dann aber gleich die Anmerkung gegeben, dass es bei Geschwisterkindern natürlich etwas anderes ist. 

Dies nur als kleiner Zwischenruf. Nachdem wir uns das Erdgeschoss angeschaut haben, ging es ins Obergeschoss, wo später dann auch die große Inforunde stattfand.

Obergeschoss: Das Reich der Kleinen

Als wir im Obergeschoss waren, gingen wir erst an den Garderoben der kleineren Krippenkinder vorbei. Durch einen Flur und am Bad vorbei kamen wir in den Essbereich, wo zwei Lózcy Bänkchen standen. Dort erklärte eine Erzieherin, werden die Kinder eins zu eins gefüttert. Das heißt vor jedem Kind sitzt die jeweilige Bezugsperson der Krippe und begleitet das Kind durch die Essenssituation. Diese intensive Betreuung entspricht dem Gedanken von Emmi Pikler, die ja der Pflege und Hygiene sehr viel Aufmerksamkeit gewidmet hat und die Erzieher bzw. Betreuer sich nur immer auf ein Kind einlassen, dafür aber zu 100 Prozent.

Durchquert man den Essbereich steht man im großen Spiel- und Bewegungsraum. Hier finden sich auch wieder abgegrenzte Bereiche, in denen sich die Kinder frei entfalten können. Offene Betten laden zum ausruhen ein, die Rampen zum Klettern oder wie Nepo es immer liebt, zum Rutschen.

In diesem großen Raum fand dann auch der Infoabend statt. Für die Kinder war das super und speziell für Nepo war es fast wie Spielraum, nur mit ganz wenig Kindern und sehr vielen Zuschauern.

Ablauf der Infoveranstaltung

Nachdem sich alle Eltern in diesem großen Raum eingefunden hatten, begann die Krippenleiterin mit der Infoveranstaltung. Wir Eltern saßen auf dem Boden oder auf den kleinen Hockern. Hinter uns an der Wand war ein Geburtstagskreis und siehe da dort war auch ein Junge, den ich in PEKiP im Alter von drei Monaten kennengelernt habe. Scheinbar habe nicht nur ich gemerkt, dass Pikler viel besser als PEKiP ist. 😉

Durch die Infoveranstaltung führte die Krippenleiterin, die zuerst sich vorstellte, danach kamen die Mitarbeiter an die Reihe. Als nächstes folgte die Erläuterung des Konzepts von Emmi Pikler, abgerundet wurde die Theorie durch praktische Beispiele aus dem hiesigen Krippenalltag. Ein Video zeigte beispielsweise, wie die Essenssituation im Obergeschoss, also bei den Kleineren gestaltet wird. Dann wurden noch einige Bilder gezeigt und mit Informationen rund um den Tagesablauf abgerundet. Neben den Mitarbeiterinnen kamen auch zwei Frauen vom Vorstand bzw. von der Elternarbeit zu Wort. Besonders die Elternmitarbeit und der Bewerbungsprozess wurden angesprochen.

Irgendwann bekam Nepo Hunger und ich verließ mit ihm und einer Brezel den Raum, setzte mich mit ihm an das Loczy Essbänkchen und versuchte noch etwas aus der Runde mitzubekommen.

Obwohl Nepo dann munter durch das Obergeschoss spazierte, konnte ich einen großen Teil der Informationen mitbekommen. Den Rest hat mein Freund, der im Raum geblieben ist, mitgenommen. Ich bin da sehr froh drum, weil ich ja als hochsensibler Mensch nicht nur die Worte aufnehme, sondern Gerüche, Mimiken und Gestiken. Es kann also sein, dass ich vor lauter vergeblicher Filterversuche einfach mal was überhöre. Überraschenderweise habe ich aber, obwohl ich draußen war fast alles mitbekommen, inklusive der Fragerunde.

So weiß ich nun, dass auch der Budenzauber einen Spielraum plant, für den wir dann auch gleich mal unser Interesse bekundet haben. Ob er in der Altersklasse von Nepo stattfindet, weiß ich allerdings nicht, denn der Großteil der vorgemerkten Kinder ca. ein Jahr jünger sind und mittlerweile weiß ich schon, dass das ein riesiger Unterschied ist.

Mein Fazit zum Infoabend

Alles in allem war es für uns ein informativer Abend, auch wenn mir klar wurde, dass es sehr hart wird dort einen Platz zu bekommen.

Für mich beginnt jetzt die Arbeit. Am Wochenende werde ich die Bewerbungsmappe fertigmachen. Heute hatte ich im Spielraum schon unseren Narrative Clip dabei und ein paar Fotos von Nepo im Spielraum gemacht.

Ich bin wirklich gespannt, ob es reicht für einen Platz. Auf jeden Fall sind wir jetzt schlauer und es bleibt spannend. 😀

 

15Feb/16

Vorträge im Montessori21 Haus

Nachdem ich schon vor kurzem über Vorträge und Events im Café Glanz geschrieben habe, möchte ich das gleiche jetzt auch für das Montessori21 Haus tun. In diesem sind wir jeden Dienstag zum „Miteinander wachsen“ Kurs, den ich sehr empfehlen kann.

Hier sind die Vorträge, die sich alle sehr spannend anhören in chronologischer Reihenfolge. Ich habe jetzt einfach die Beschreibung von der Website übernommen.

Kinder verstehen und begleiten: Zum sprachlichen Umgang in Konfliktsituationen (Vortrag)

Anhand von mitgebrachten Beispielen aus dem Erziehungsalltag mit leiblichen Kindern, Stiefkindern, Pflege- und Adoptivkindern suchen wir nach einer „Sprache“, die unsere Kinder erreicht.

Montag, 29.02.2016

Anmeldung bei anke.laukemper@sichere-bindung-muenchen.de

Umgang mit starken Gefühlen und Aggressionen (Vortrag)

Konflikte erzeugen starke Gefühle, die sich oft wie ein Vulkanausbruch nach außen zeigen. Das erleben Eltern mit ihren Kindern, aber auch Erwachsene untereinander. Von den Beteiligten wird das in der Regel als destruktiv empfunden. Die Energie, die sich darin zeigt, bietet zugleich eine Chance, in „echten“ Kontakt miteinander zu kommen. Dazu möchte der Abend anhand von Impulsen aus „der Gewaltfreien Kommunikation“ einen Beitrag leisten.

Donnerstag, 17.03.2016

Anmeldung bei dorothee.blaess@wesensentfaltung.de, 08024-477546

Beziehungsvolle Pflege mit Säuglingen und Kleinkindern nach Emmi Pikler (Vortrag)

Die ungarische Kinderärztin Dr. Emmi Pikler zeigte in ihrer lebenslangen Arbeit mit Säuglingen und Kleinkindern, welche Bedeutung die feinfühlige, beziehungsvolle Pflege für die Entfaltung der Persönlichkeit des Kindes hat. Wir erarbeiten anhand von Beispielen, wie das Kind z.B. Wickelsituationen als bedeutungsvollen Moment der Beziehung, der ungeteilten Zuwendung vom Erwachsenen sowie der Selbstwirksamkeit und der eigenen Kompetenz erlebt.

Dienstag, 26.04.2016

Anmeldung bei silvia.neunert@montessori21.de

Einführung in die Sandspieltherapie: Ein Abend zum Kennenlernen der tiefenpsychologischen Sandspieltherapie nach Dora M. Kalff (Vortrag)

Im Spiel stellen sich Kinder dar, sie kommunizieren über das Spiel und drücken in symbolisierter Form wichtige Botschaften aus. Der freie und geschützte Raum des Spiels ist besonders dafür geeignet, um bestimmten Verhaltensweisen nachzuspüren und Heilungsprozesse in Bewegung zu bringen.
An diesem Abend will ich Ihnen einen Einblick in die Sandspieltherapie geben und an einigen Beispielen aufzeigen, wie Kinder damit umgehen.

Montag, 30.05.2016

Anmeldung bei anton.blusch@t-online.de, Tel. 08196/858

Krippe, Tagesbetreuung, Elternzeit? – Bindungsorientierte Entscheidungshilfe für Eltern (Vortrag)

Eltern haben die freie Wahl – Elternzeit, Krippe oder Tagesbetreuung.

Was dies für alle Beteiligten bedeutet, damit setzen wir uns an diesem Abend auseinander. Sie erfahren, welche Entwicklungsschritte ein Kind im ersten Lebensjahr beim Aufbau einer sicheren Bindung macht und welche Bedeutung dies für Sie als Eltern und alle weiteren Bezugs-Personen hat.

Donnerstag, 23.06.2016

Anmeldung bei brigitte.forstner@sichere-bindung-muenchen.de

Alle Veranstaltungen finden von 19:30 – 21 Uhr statt und kosten 15 EUR pro Abend.

Für mich sind auf jeden Fall spannende Themen dabei und ich werde die Gelegenheit sicher nutzen, um einen Einblick in die Sandspieltherapie zu bekommen. Auch eine Auffrischung bezüglich Emmi Pikler und den sprachlichen Umgang in Konfliktsituationen ist für mich wichtig.

14Feb/16

Das Konzept der Montessori Kinderkrippe „Kleiner Budenzauber“

Vor einigen Wochen habe ich Nepo über den Kitafinder der Stadt München für die Kinderkrippe „Kleiner Budenzauber“ angemeldet. Am 16.02.2016 findet dort ein Informationsabend statt, zu dem alle interessierten Eltern eingeladen sind. Da es sich um eine Montessorikrippe handelt, werden wir uns die Einrichtung zu dritt ansehen: Mein Freund, Nepo und ich. Uns beiden ist das Thema „Montessori“ so wichtig, dass sich auch mein Freund ein Bild von der Krippe machen kann. Nepo ist dabei, weil wir hier weder Großeltern noch einen Babysitter haben, die auf ihn aufpassen können.

Heute nutze ich den Mittagsschlaf von Nepo, um mich intensiv mit dem Konzept des Kleinen Budenzauber auseinanderzusetzen und mir die wichtigsten Sachen hier zu notieren. Der Post ist für mich also auch eine Hilfestellung, um mir auch noch mal klar zu werden, warum wir genau in diese Krippe möchten. Um nicht in Prosa zu verfallen, mache ich vieles einfach stichpunktartig mit ein paar Anmerkungen von mir.

Gründung

Februar 2007

Lage

Freistehendes, zweistöckiges Einfamilienhaus mit kleinem Vorgarten und großzügig angelegtem Garten hinter dem Haus, in einer ruhigen Wohnsiedlung in Ramersdorf. Die Anfahrt ist sowohl mit den öffentlichen, als auch mit dem Auto gut möglich. (Notiz: Wir planen den Kauf eines Lastenfahrrads und laut Google Maps ist per Fahrrad mit einer Fahrzeit von ca. 16 Minuten zu rechnen. Ich kenne die Strecke schon einigermaßen, muss am Dienstag aber selber erst mal schauen, wo wir genau hin müßen. Der Garten ist für mich sehr wichtig, da ich Wert darauf lege, das Nepo viel an der frischen Luft ist, aber ich denke, dass macht eh jede Mutter.)

Die Kinderkrippe stützt ihre pädagogische Arbeit nicht nur auf die Erkenntnisse von Emmi Pikler und Maria Montessori, sondern auch auf Elfriede Hengstenberg. (Notiz: Was ich sehr begrüße, da mir unsere Spielraum-Kursleiterin doch immer wieder von Elfriede Hengstenberg und ihrem Bewegungskonzept vorschwärmt.)

Konzeption

Eine enge Mitarbeit zwischen Fachpersonal und Eltern ist in der Satzung fest verankert. Ziel dieser Verankerung ist es den Eltern das hineinwachsen in die konzeptionelle Arbeit der Einrichtung zu ermöglichen. Hierfür ist es auch notwendig, die Eltern in ihrem Wirken stärker einzubinden, als es zum Beispiel in städtischen Krippen der Fall wäre. Laut der Konzeption ist der Krippenalltag durch Betreuung, Erziehung und Bildung geformt und soll bewirken, dass Krippe und Elternhaus annähernde Auffassungen vertreten, was das Aufwachsen der Kinder anbelangt.(Notiz: So eine Einstellung ist für mich wichtig und ich befürworte das, denn ich als „Laie“ bin für Anregungen von „Profis“ dankbar. Da wir jetzt schon zuhause nach Pikler und Montessori handeln, stellt diese Verknüpfung zwischen Krippe und Elternhaus kein Hindernis dar, sondern ist für mich logisch.)

Bild vom Kind

Neben der Frage wie „Wie betrachten wir das Kind, eher als unfertiges Objekt oder als aktiv agierender Partner?“ beeinflussen sowohl die Pikler Pädagogik als auch die Grundlagen von Maria Montessori das Bild vom Kind. Im Kleinen Budenzauber wird der Gedanke des gegenseitigen Respekts und der Achtsamkeit gelebt. Er ist der Maßstab für die Arbeit der Erzieherinnen. Jedes Kind wird als eigenständiges Individuum angesehen dem respektvoll auf individuelle Bedürfnisse, Neigungen und Ideen begegnet wird. (Notiz: Genau diese praktische Umsetzung der Gedanken von Pikler und Montessori ist für mich sehr wichtig)

Gruppen

Es gibt zwei Gruppen mit je 12 Kinder. Die Aufteilung erfolgt nach dem Alter, also eine Gruppe mit ein- bis zweijährigen und eine Gruppe mit zwei- bis dreijährigen.

 


 

Der Bereich „Philosophie und pädagogische Arbeit“ umfasst vor allem die Wiedergabe der Konzepte von Emmi Pikler, Elfriede Hengstenberg und Maria Montessori. Für mich immer wieder spannend zu lesen, trotzdem werde ich dieses Kapitel nicht speziell hier aufführen.

Relevant für den Informationsabend wird es dann wieder ab dem Bereich „Tagesablauf“.

Rolle der Erzieherin und Eingewöhnungszeit

Bevor die eigentliche Eingewöhnungszeit beginnt, bietet der Kleine Budenzauber sogenannte „Vorgruppentreffen“ an, die im Juni stattfinden und damit noch vor Beginn des Krippenjahres liegen. In einem Turnus von zwei Wochen können sich je sechs Kinder mit ihren Eltern und den Erzieherinnen in der Kinderkrippe treffen, in diesen Treffen werden auch die jeweiligen Bezugserzieherinnen festgelegt. Dieses frühe Zusammentreffen begünstigt die spätere Eingewöhnung, die nach dem Berliner Eingewöhnungsmodell erfolgt. (Notiz: Wichtig ist für mich, dass sich die Erzieherinnen viel Zeit für Kind und Eltern nehmen, da sie wissen wie schwer eine Trennung sein kann. Ich denke ich würde das brauchen, denn aktuell verbringen wir wirklich jeden Tag und jede Stunde miteinander.)

Gemeinsames Spiel

Neben dem Freispiel gibt es die offenen Angebote einer vorbereiteten Umgebung. Letztere entspricht dem motorischen Entwicklungsstand der Kinder und regt sie an selbst aktiv zu werden, ohne die Hilfe des Erwachsenen in Anspruch zu nehmen. Für die vorbereitete Umgebung stehen den Kindern Montessori Materialien zur Verfügung. Das Freispiel bietet für die Kinder Hengstenberg Materialien mit den unterschiedlichsten Eigenschaften und Möglichkeiten zur freien Entfaltung an. Ähnlich wie im Spielraum haben die Kinder hier die Möglichkeit miteinander in Kontakt zu treten und selbst und frei zu entscheiden mit was sie spielen.

Ruhe und Schlafen

Neben der Bewegung bildet vor allem das „Innehalten“ eine relevante Säule im Budenzauber. (Notiz: Wichtig für mich sind Ruhe- oder Leseecken, weil sich Nepo doch ab und an reizüberflutet fühlt.

Essensituation

Das Essen wird täglich frisch und ohne Farb- und Konservierungsstoffe gekocht und auf Bio Wert gelegt. Jedes Kind kann für sich individuell entscheiden, wann es die Brotzeit oder das Mittagessen einnimmt. Für die Kinder in Nepos Alter stehen kleine Tische und Stühle zur Verfügung. Getränke stehen für die Kinder jederzeit zur Verfügung. (Notiz: Ich hoffe das sich die Gruppendynamik positiv auf Nepos Essverhalten auswirkt und kann es nur begrüssen, dass jedes Kind inidividuell entscheiden kann, wann es isst.)

Pflegesituation

Die achtsame Pflege orientiert sich an der Pikler-Pädagogik. (Notiz: Für mich sehr wichtig, da wir zuhause doch oft in der Hektik des Alltags dieses Vertraute, dass aus der Pflege entsteht, vollkommen aus den Augen verlieren.)

Ankommen und Verabschieden

Das Ankommen und Verabschieden wird in der Krippe als kleines Zeremoniell gestaltet. Zu den Bringzeiten steht immer die gleiche Erzieherin in der Garderobe bereit und empfängt die Kinder und die Eltern. Die Zeit des Ankommens nutzt die Erzieherin, um mit dem Kind in Kontakt zu kommen und eventuell an Erlebnisse des vergangenen Tages anzuknüpfen, die die Eltern erzählen. Natürlich kommen auch die Kinder zu Wort. Während der Zeit des Ankommens werden keine schwierigen Themen oder Konflikte angesprochen, um dem Kind einen guten Start in den Krippentag zu ermöglichen. Bei der musikalischen Verabschiedung durch die Erzieherin wird dem Kind genügend Zeit gegeben, sich selbständig anzuziehen. Mit diesem Ablauf ist der Krippentag für das Kind beendet.

Qualitätssichernde Maßnahmen

In diesem Bereich geht es vorwiegend um die Weiterbildung des Fachpersonals. Zudem wird die Notwendigkeit von Elternabenden aufgezeigt. Auch auf die Mitarbeit der Eltern wird hier eingegangen. Das die höher ist, als in städtischen Krippen wurde ja schon bereits am Anfang gesagt.

 


 

Auf die Bereiche „Public Relations und Spenden“, sowie „Hygiene und Sicherheit“ gehe ich in diesem Beitrag noch nicht ein.

Nachdem ich nun die Mittagspause von Nepo genutzt habe, um mich intensiv mit dem Konzept der Kinderkrippe auseinandersetzen, werde ich heute Abend damit verbringen, um nochmal aufzuschreiben, warum genau diese Krippe für uns so wünschenswert wäre.

31Jan/16

Montessori made by Baumarkt

IMG_0867Seit gut einem Jahr interessiere ich mich nun für die Konzepte von Emmi Pikler und Maria Montessori. Neben dem Lesen verschiedener Bücher, dem Ideensammeln auf Facebook und Pinterest und nicht zu guter Letzt den Besuchen in zwei verschiedenen Spielräumen, versuche ich im Rahmen des Möglichen Montessori und Pikler auch in unseren Alltag zu integrieren.

Nun lese ich oft, was es für tolle Montessori Sachen bei Ikea gibt und wünschte mir manchmal, ich hätte ein Auto, um dort regelmäßig einkaufen zu gehen. Dieser Wunschgedanke hält sich mit Hinblick auf unseren Minimalismus allerdings nur wenige Minuten und so hole ich mir die Inspiration meist aus den Besuchen in den Spielräumen, in verschiedenen Facebook Gruppen und natürlich auf Pinterest. Viele Sachen gibt es glücklicherweise in normalen Kaufhäuser, beim Drogeriemarkt oder auch beim Baumarkt zu kaufen.

Und so war es am Donnerstag nach über einem halben Jahr mal wieder Zeit in unseren nahe gelegenen Toom Baumarkt zu schlendern. Dieser liegt mitten in Haidhausen und ist für mich zu Fuß super zu erreichen. Der Baumarkt ist meiner Meinung nach wirklich ein guter Markt, der kaum überlaufen ist und für mich eine unendliche Fülle an Ideen bereithält.

Nachdem Nepo nun mit seinen 18 Monaten schon gut zu Fuß ist, bin ich mit anfangs mit ihm an er Hand durch den Baumarkt geschlendert und später immer hinter ihm hergelaufen. Für ihn ist so ein Baumarkt natürlich auch ein Paradies: Weite Gänge, volle Regale und alles so schön bunt und in Greifhöhe.

Inspiration was ich alles kaufen kann, habe ich mir vorab nicht geholt, aber ich wusste worin gerade Nepos Interessen liegen. Wie seit Monaten immer noch im Schütten. Er schüttet alles: Reis, Linsen, Mais (Danke, an unseren Asiashop), Frischhalteclips oder Wasser.

Zudem ist er der ganz große „Dinge in Öffnungen“ Stecker und liebt das ständige Ausprobieren von Schraubverschlüssen. Seit kurzem hat er zudem die Magie von Kugeln und Bällen entdeckt, die er dann genüsslich durch den Raum kullern lässt, um die genaue Laufbahn dieser zu beobachten. Auch das Bemalen von Blättern, Tischen und Regalen findet er ganz toll.

Seine ganze Liebe gilt aktuell aber Schrauben und vor allem dem Werkzeugkoffer von Papa. Er liebt es mit ihm rumzuschrauben, beim Lampen wechseln dabei zu sein oder „mitzuhelfen“, wenn der Papa mal wieder ne lose Schublade repariert.

Obwohl wir Nepo Anfang des Jahres einen Werkzeugkasten von IKEA gekauft haben, so fasziniert ihn das bei weitem nicht so sehr, wie die Dübel und Schrauben des Papa. Also habe ich eine Packung großer, stumpfer Schrauben mit Muttern gekauft. Die Muttern habe ich vorsorglich einkassiert, da Nepo aktuell noch zu viel in den Mund nimmt. Später werde ich dann die Muttern mit den Schrauben anbieten, damit Nepo dann mit hoch- und runterdrehen der Muttern beschäftigt werden kann.

Die Schrauben sind jetzt aktuell stark in Benutzung. Nepo schüttet sie immer von einem Behältnis ins nächste oder untersucht sie bis ins Detail. Von meinem alten Kleiderschrank habe ich ebenfalls noch große Schrauben gefunden, sodass er nun zwei verschiedene Größen hat.

IMG_0871

Neben Schrauben habe ich noch große Dübel in weiß und rot gekauft. Rot ist aktuell seine Lieblingsfarbe und die Plastikdübel lassen sich wunderbar in verschiedene Gläser, Teedosen und Kindertöpfe schütten. Später werden wir dann mit diesen Dübeln versuchen Farben kennenzulernen.

Wo wir gerade bei Farben sind: Im Baumarkt bin ich zufällig an einer Packung von „Ausgleichsblättchen“ vorbeigekommen. Da ich die Farben gut fand, habe ich einfach eine Packung mitgenommen. Bis vorhin war mir noch nicht so klar, ob wir das jetzt schon verwenden können, weil ich es eben auch für die Farbenlehre nutzen wollte. Aber der Papa war so begeistert von den Blättchen, die auch unterschiedliche Stärken haben und hat dann gleich mit Nepo die Blättchen aneinander gelegt. So habe ich jetzt auch schon eine Idee, was ich mit ihm mal tagsüber gemeinsam machen kann.

Da ich bald auch mit Nepo malen möchte, habe ich jetzt schon mal eine Abdeckplane für unseren Laminatboden gekauft, dazu Malerkrepp, einen Pinsel und einen Farbroller, sodass wir bald mit den ersten Kunstwerken loslegen können. Ich bin mir noch nicht sicher, ob wir vielleicht bis zum Frühling warten und das dann auf dem Balkon machen oder zumindest die Balkontür auflassen, damit der Farbgeruch, soweit es den gibt, nach draußen ziehen kann.

Vielleicht werde ich die Abdeckplane auch schon früher nutzen, wenn wir jetzt endlich mal unsere eigene Knete machen. Ich habe schon einige Rezepte rausgesucht, wo man nicht viel mehr als Mehl und Wasser benötigt.

Zu guter letzt haben wir natürlich auch wieder Holzkugeln gekauft und Holzscheibchen. Zum einen kann Nepo diese dann auch wieder in Dosen mit entsprechenden Öffnungen stecken. Zum anderen haben wir ein großes Brett, dass ich immer unterschiedlich hoch aufbaue. So können wir die Kugeln immer aus unterschiedlichen Höhen runterrollen lassen. Wenn ich dann auch genügen Küchenpapierrollen gesammelt habe, werde ich mich zudem auch mal in einer einfachen Kugelbahn probieren.

Wichtig bei allen Produkten ist mir die Nähe zur Realität. Nepo bekommt viele authentische Materialien mit denen er dann rum probieren kann. Das beginnt bei ungekochtem Reis und Linsen, geht über Küchenutensilien wie Frischhalteclips, Teelöffel, Gläser, ausgedienten Gewürzstreuern und Teedosen, bis hin zum echten Wischtuch und selbstgehäkeltem Topflappen. Sicher spielt er auch gern mit seinem Holz- und Plastikobst, seiner kleinen Küche und den dazu gehörigen Töpfen, aber genau bei solchen Dingen wie Schrauben, Dübeln oder kleinen Marmeladengläsern merkt man, dass er Dinge liebt, die auch wir täglich oder regelmäßig benutzen.

Für mich ist das alles in Ordnung. Er gehört zu uns, wie wir zu ihm gehören. Ich habe kein Problem damit, wenn er mit meinen Töpfen oder mit Papas Wasserwaage durch die Gegend läuft und damit spielt. Ich denke allein nur durch das Einbeziehen des Kleinen in unsere tägliche Routine lernt er so viel und fühlt sich so zugehörig, was er mit Spielzeugen von FisherPrice oder sonstigem nie erreichen würde.

Das heißt jetzt natürlich nicht, dass unser Sohn kein Spielzeug hat, nein, er liebt seine Brio Bahn, ebenso wie die Matchbox, die er vom Papa „geerbt“ hat, aber wie alle Kinder ahmt er uns eben auch gern nach und es macht mir wirklich viel Freude zu sehen, wie er versucht mit Kehrschaufel und Besen zu hantieren oder versucht ein paar Wasserflecken mit dem Wischtuch wegzuwischen. Und wenn ich jetzt sehe, wie gern er mit den Schrauben und Dübeln spielt, dann weiß ich, dass wir spätestens in einem halben Jahr mal wieder bei unserem Baumarkt des Vertrauens vorbeischauen werden und wer weiß, was die Mutti das nächste Mal so alles rausschleppt.

In diesem Sinne: Habt einen wunderschönen Abend

Liebe Grüße

Mareike

 

01Mai/15

Emmi Pikler in der Praxis – Achtsamkeit der Pflege

Es sind nun einige Monate vergangen, seit dem ich das erste Mal mit dem Konzept von Emmi Pikler in Kontakt gekommen bin. Auf Pikler aufmerksam wurde ich in einer Montessori Facebook Gruppe. Die Administratoren waren wohl etwas genervt, weil Mütter immer wieder nachgefragt haben, was sie denn für ihre Kinder unter einem Jahr von Montessori anwenden könnten. Die Admins verwiesen auf die Pikler Pädagogik. Schon als ich die ersten Texte und Einführungen gelesen habe, wusste ich, dass ich bei meiner Suche nach einem schlüssigen Konzept fündig geworden bin. Für Montessori interessiere ich mich natürlich weiterhin, aber aktuell ist Pikler altersbedingt für uns greifbarer.

Ich versuche nun seit einigen Wochen die Ansätze von Emmi Pikler in unseren Alltag einzubauen. Dazu muss ich sagen, dass mir jeglicher pädagogische Hintergrund fehlt und ich eigentlich bis zur Geburt so gar keinen Plan von Kindern und den Umgang mit ihnen hatte. Doch die Bücher, die ich bisher gelesen habe, waren eben auch für Nicht-Pädagogen verständlich und so versuche ich Stück für Stück Theorie in die Praxis bzw. unseren Alltag einzubauen.

Die Achtsamkeit in der Pflege

Ein wichtiger Bestandteil der Pikler Pädagogik ist die Achtsamkeit der Pflege. Emmi Pikler war der Ansicht, dass regelmäßige Dinge wie wickeln, waschen oder anziehen nicht einfach „abgehandelt“ werden sollten, sondern das das Baby mit in diese Abläufe einbezogen wird.

In den Büchern war das immer so schön romantisch beschrieben, wie die Pflegerinnen mit den Säuglingen Hand in Hand das wickeln oder anziehen durchgeführt haben.

In der Praxis sah es bei mir so aus, dass mir schon vorm wickeln grauste. Immer hat sich Nepomuk weggedreht. Er hasste wickeln und nörgelte die ganze Zeit. Irgendwann habe ich ihn dann mit irgendwas abgelenkt – mal die neue Windel, mal die Tüte mit den Wattepads. Hauptsache er war beschäftigt und hielt still.

Das Anziehen war ebenfalls ein leidiges Thema. Ich verwendete nur Wickelbodys damit ich ihm nichts über den Kopf ziehen musste. Pullover oder normale Bodys habe ich gemieden. Das es anderen Müttern auch so ging, war für mich ehrlich gesagt kein Trost.

Aber wie so oft im Leben werden Dinge nicht besser, wenn man sie ungern tut oder gar meidet. Da ich Nepomuk noch eine ganze Weile wickeln und anziehen werde, bin ich besser beraten in diesem Bereich mehr auf die Kooperation mit Nepomuk zu setzen.

Kooperation und Rücksichtnahme

Als ersten Schritt in Richtung „mehr Kooperation“ packte ich die Wickelunterlage auf den Boden. Das hat nun zwei Vorteile: Die Gefahr, dass er vom Wickeltisch fällt, ist gebannt. Und zweitens, dass ist das wichtigere, ist es super als Ausgangslage für mehr Interaktion mit Nepomuk.

Seit einigen Wochen nun wickle, wasche und ziehe ich ihn auf dem Boden an. Mittlerweile weiß er, was es bedeutet, wenn Mama die Wickelunterlage auf den Boden legt. Ich habe nun für mich beschlossen, ihn fast nicht mehr zur Wickelunterlage zu tragen, sondern ihm zu signalisieren, dass ich ihn gern wickeln möchte. Das hat am Anfang gedauert und ich saß 10 bis 15 Minuten am Boden und habe mit der Windel gewedelt, ohne das Nepomuk Anstalten gemacht hat, zu mir zu kommen. Er wusste genau, was ich vorhabe und setzte sich immer einen Meter von der Wickelunterlage entfernt hin, lachte und brabbelte vor sich hin. Ich dachte ehrlich gesagt, dass ich das nie schaffen werde.

Irgendwann war er gewillt, sich wickeln zu lassen und kam von allein auf die Unterlage. Die Abstände von meinem Rufen bis zu seinem Kommen wurden immer kürzer. Natürlich gibt es auch Tage, da hat er so gar keinen Bock und ich muss ihn holen, aber ich glaube, wir sind auf einem guten Weg.

Wenn ich ihn wickle oder wasche rede ich viel mit ihm und erkläre ihm, was ich jetzt genau mache und versuche ihn einzubeziehen. Natürlich führe ich ihn immer noch, aber ich muss ihm jetzt nichts mehr in die Hand geben, damit er beschäftigt ist. Er bleibt von alleine liegen und lässt sich wickeln und waschen. Ich nutze die Zeit, um mit ihm zu sprechen und ihn zu streicheln. Zuviel Wärme und Körperkontakt kann man einem Baby meiner Meinung nach nicht geben.

Hat Nepomuk mal gar keine Lust sich wickeln zu lassen, dann lasse ich ihn einfach gehen und lege ihm die Windel an, wenn er sich irgendwo hochzieht.

Für das Waschen haben wir jetzt entschieden, wieder auf die Babywanne umzusteigen. Immer nach dem Frühstück setze ich ihn da rein und er kann vor sich hin plantschen. Er hat so viel Spaß mit dem Waschlappen zu spielen und mit dem Wasser wie wild rum zu spritzen. Ich bin ständig bei ihm und lasse ihn nicht aus den Augen, aber auch für mich ist es immer eine Freude, wenn ich sehe, wie viel Spaß er beim Baden hat. Das Abtrocknen findet er mittlerweile auch ganz toll, was früher überhaupt nicht sein Ding war.

Das Anziehen

Auch das Anziehen ist mittlerweile einfacher geworden. Ich kann jetzt in Ruhe normale Bodys anziehen und finde diese fast besser, weil ich sie Nepomuk auch im Sitzen anziehen kann. Nur die Jacke findet er immer noch blöd und protestiert kurz, wenn ich sie ihm anziehe. Mittlerweile weiß er aber, wenn ich meine Schuhe anziehe – zumindest die grauen Nike Sneaker – das wir nach draußen gehen. Dann gibt es bei der Jacke keine Probleme, da er schon im Flur sitzt und wartet, dass es endlich losgeht.

Was mir wichtig ist

Mir liegt es sehr am Herzen, dass wir Dinge wie wickeln oder anziehen gemeinsam erleben und ich es nicht als notwendiges Übel ansehe, dass ich jetzt einfach machen muss. Bei PEKiP, in das ich immer noch gehe, habe ich ein Gespräch zwischen der Kursleiterin und einer Mutter mitbekommen. Die Mutter sprach darüber, wie schwer es ist ihr Kind zu wickeln und anzuziehen. Und das ihr davor graute, weil er immer so schrecklich weinen würde und sich mit Händen und Füßen wehrt. Die PEKiP Leiterin meinte daraufhin, man müsse dem Kind klar machen, dass es jetzt da durch müsse. Es kann danach ja immer noch spielen oder machen, worauf es Lust hat. Aber wickeln muss eben sein und er könnte dies schon über sich ergehen lassen.

Ich fand diese, wie einige andere Aussagen, doch sehr befremdlich. Meiner Meinung nach, kann ein Kind vielleicht Sachen über sich ergehen lassen, die einmal im Monat oder einmal im halben Jahr stattfinden. Aber wickeln und anziehen? Dinge, die wir mehrmals täglich tun als „Pflicht“ für das Kind abzutun, ist für mich nicht der richtige Ansatz. Intervenieren würde ich bei solchen Gesprächen nie, denn es ist nicht meine Aufgabe als Mutter mich in die Belange anderer Mütter einzumischen.

Ich, für mich, habe meinen Weg gefunden und dieser ist nicht der Weg des „da müssen wir jetzt einfach durch“, sondern des „das machen wir gemeinsam und haben eine schöne Zeit“.

Die Pikler Pädagogik ist der Weg, der meinem Weg am nächsten kommt und den Nepomuk und ich die nächsten zwei Jahre gehen werden.

29Apr/15

So erlebten wir heute den ersten Pikler Kurs

Nachdem letzten Donnerstag der vorbereitende Elternabend zum Pikler Kurs stattfand ging es heute mit dem Kurs richtig los.

Ich war vor dem Kurs freudig aufgeregt, denn irgendwie war mir der Kurs wichtiger als alle anderen bisherigen Kurse und ich wollte mit Nepomuk auf keinen Fall zu spät kommen. Und natürlich war ich gespannt, was uns da erwarten würde.

Obwohl es sonst ein Ding der Unmöglichkeit ist, habe ich es heute geschafft Nepomuk von 08:30 Uhr bis 09:10 Uhr zum Schlafen zu bringen. Also er war natürlich müde, aber das heißt bei Nepomuk ja nicht das er schlafen will. Doch heute hat alles super geklappt. Er hat bis 09:10 Uhr geschlafen und wurde von selbst wach. Da um 09:45 Uhr der Kurs startete und wir dafür sorgen sollten, dass die Kleinen nicht gerade in der Kursstunde Hunger bekommen, konnte ich ihn noch entspannt die Flasche geben.

Um 09:25 Uhr ging es dann los Richtung siaf in der Sedanstraße. Von uns sind es ungefähr 10 Minuten zu Fuß, sodass wir ca. 10 Minuten zu früh waren. Da die Kursleiterin noch alles aufbaute, bat sie uns kurz draußen zu warten und eine Kanne Wasser für die Stunde zu besorgen. Der Kursraum ist im Keller des Kinderhaus Haidhausen. Sodass ich erst wieder die Treppe hoch in die Küche musste und dann mit Kind, Wickeltasche, Rucksack und Kanne Wasser wieder die Treppe runtereierte. So bringt man dann auch 10 Minuten rum und wir konnten in den Raum.

Die Anfangsphase

Beim ersten Mal ist die Platzwahl noch frei. Den gewählten Platz sollten wir aber die nächsten 9 Kursstunden bei behalten, damit die Kinder etwas konstantes haben. In Summe sind wir sechs Mütter mit sechs Babys im Alter von 8 bis 21 Monaten. Seit langem ist Nepomuk mal wieder der Jüngste. Ich glaube im Rückbildungskurs waren wir das letzte Mal die Küken. 🙂

Die Vorstellungsrunde ging schnell und wurde als eine Art „Ich packe meinen Koffer und nehme mit“ gestaltet, damit sich alle die Namen einprägen konnten. Mal sehen ob ich die Namen der Mamas und Babys noch richtig hinbekomme:

  • Inge mit Moritz
  • Eva mit Samuel
  • Andreas mit Lukas
  • Mareike mit Nepomuk
  • Katja mit Paula
  • Marion mit Paula

Ja, hat noch geklappt. 🙂 Da wir ja schon den Elternabend hatten gab es keine erneute Einweisung, sodass die Babys, wenn sie es eh noch nicht gemacht hatten, gleich loslegen konnten.

Der eigentliche Kurs

Wie bei jedem Kurs hat Nepomuk auch hier gleich angefangen, sich an anderen Babys und an dem vorbereiteten Material zu schaffen gemacht. Ob leere PET Flaschen, Deckel von Einmachgläsern oder die Aufbewahrungskörbe von diesen: Für Nepomuk war alles interessant.

In der Mitte des Raumes wo sich die Babys aufhielten, stand die Pikler Treppe, an die zwei Bretter angedockt waren. Die Kinder konnten also die Bretter hochlaufen und dann die Pikler Treppe hochklettern. Ein weiteres Podest stand ebenfalls für die Babys bereit. Hier waren links und rechts kleine Schanzen angebracht, die die Kinder dann runterrutschen konnten.

Erste Kletterversuche

Nepomuk hat vor ein paar Tagen begonnen kleine Erhöhungen zu erklimmen. Gestern war es die große Toilettenpapierverpackung, über die er drüber geklettert ist. Am Vortrag hat er es gar über die Schwelle zum Balkon geschafft. Ich war nur hinter ihm, um ihn im Falle eines Falls aufzufangen. Es hat zwar eine Weile gedauert, aber er konnte sowohl raus auf den Balkon, als auch wieder reinkrabbeln. Da die Erhöhung scharfe Kanten hat, habe ich alles mit Decken abgesichert. Safety First eben. 😉

Wie ich es in dem Video beim Elternabend gesehen habe, geht auch Nepomuk mit dem Kopf voran über die Hindernisse. Dies sei wichtig, sagte die Sprecherin, da nur so die Babys lernen Höhenunterschiede abzuschätzen. Bei Nepomuk konnte ich super beobachten, wie er erst schaute, langsam vorfühlte und dann ganz langsam nach vorn runter kletterte. Die Fabi-Kursleiterin meinte, es wäre falsch Babys zu drehen, sodass sie mit den Füßen zuerst herunterklettern. Ich denke, dass machen sie dann von alleine, wenn sie abschätzen können, dass es mit dem Kopf zuerst nicht geht.

Nepomuk war heute im Kurs dann auch gleich angetan von dem Podest mit den zwei Schanzen. Nach kurzer Begutachtung und Blickkontakt mit mir, krabbelte er auf das Podest und freute sich wie ein Schneekönig. (Keiner weiß, wie sich ein Schneekönig freut). Nachdem er kurz auf dem Podest war, ging er nicht einfach wieder runter, sondern nutzte die Schanze und krabbelte langsam nach unten. Die Tatsache, dass er sehr sicher wirkte, bestätigte mich in meinem Vertrauen in ihn und die Pikler Pädagogik. Nur wenn wir Kindern Zeit und Raum zur Entfaltung und Entwicklung geben, lernen sie ihre eigenen Grenzen kennen und wissen, was sie sich zu trauen können und was noch nicht.

Kurz darauf kletterte er auch auf die Schanzen zur Pikler Treppe. Beim runter krabbeln war er kurz abgelenkt und zack verlor er das Gleichgewicht. Obwohl er sich sicher abrollte, war er so erschrocken, dass er das weinen anfing. Als er sich kurz darauf wieder gefangen hatte, ging es direkt vom weinen ins lachen. Etwas, was ich noch nicht so intensiv bei ihm mitbekommen habe.

Der Luxus der Beobachtung

Schon beim Elternabend sagte uns die Leiterin, dass der Bereich, wo sich die Babys aufhalten, ihr Bereich ist. Die Mütter sitzen an der Seite und beobachten die Babys. Ich muss sagen, dass es mir nicht schwer gefallen ist und es richtig genossen habe eine Stunde einfach nur zuzuschauen. Natürlich kam Nepomuk manchmal zu mir um kurz mit mir zu schmusen oder zu versuchen mir die Brille von der Nase zu stibitzen, aber so richtig gefordert war ich nicht.

Für mich war es eine Freude einfach nur zu beobachten, wie Nepomuk Spaß an den herumliegenden Dingen hatte und es freute mich so, dass er das Podest hochging und sehr sicher wieder verließ.

Das er so frei herumschwirrt und doch regelmäßig den intensiven Blickkontakt sucht und mir zulächelt und ich zurück lächle, macht mich glücklich. Ich kann sehen, wie er sich täglich verändert und ich vertraue ihm in seinen Schritten zu 100 %. Ich weiß, wenn er stehen will, dann wird er das schaffen ohne das ich ihn dazu ermuntern muss oder gar stützen sollte. Er wird so sicher laufen lernen, wie er das Krabbeln und Sitzen gelernt hat. Wir haben alle Zeit der Welt und ich glaube, diesen Frühförderungsstress von ihm fernzuhalten ist eine sehr wichtige Aufgabe für mich. Ebenso wichtig, wie dafür zu sorgen, dass er immer mit anderen Babys in Kontakt kommt. Etwas, was ihm so viel Spaß macht. 🙂

Zu guter Letzt ist es natürlich auch für uns Mütter angenehm, wenn eine neutrale Person in „Konflikte“ eingreift. Ein älterer Junge hat Nepomuk die Flasche weggenommen und ihn an den Haaren gezogen. Die Kursleiterin ist dann zu den beiden gegangen und hat dem Jungen gesagt, dass Nepomuk jetzt mit der Flasche spielt, er sich aber eine andere Flasche holen kann. Diese Art der Lösung war für mich die angenehmste.

Der Abschluss

Fünf Minuten vor Ende des Kurses bat uns die Leiterin ihr beim Aufräumen zu helfen, da die nachfolgende Gruppe mit Babys bis neun Monate andere Materialien bräuchten.

Die Stunde selbst verging so schnell und ich habe mich wirklich sehr wohl gefühlt und ich denke Nepomuk hat es auch sehr gefallen. Ich freue mich jedenfalls schon auf nächsten Mittwoch und habe es bisher nicht bereut an diesem Kurs teilzunehmen.

Der Abschuss zum Schluß

Eines muss ich aber noch loswerden! Beim Elternabend meinte die Kursleiterin, dass es bei Mädchen nicht so angebracht sei ein Kleidchen zu tragen, da dies beim Krabbeln stören könnte. Und schwupp, war heute eine Mutter die ihr Kind nicht nur in ein Kleidchen stecke, sondern darunter noch eine Jeans anzog und rutschige Socken. Die Kursleiterin meinte zu ihr, dass es wohl einfacher für das Mädchen wäre, wenn es kein Kleid anhätte, da es offensichtlich beim Krabbeln immer festhing und auch die Söckchen wären nicht sehr förderlich. Die Mutter reagierte mit einem „Ja“ und machte nichts.

Es war genau die Mutter, die beim Elternabend reingestürmt kam und mich als Teilnehmer fragte, wie lange der Abend gehen würde und wie viel zum Elternabend kommen würden. Hallo, du Nuss, woher soll ich das denn wissen.

Bei manchen Müttern weiß ich nicht ob sie nur dumm sind oder einfach ignorant. Für mich und Nepomuk war es heute aber in einer Hinsicht perfekt: Das Mädchen konnte nicht richtig krabbeln, so konnte Nepomuk ihr diverse Spielzeuge wegnehmen.

25Apr/15

Vorbereitungsabend zum Pikler Kurs des siaf e. V.

Vor einiger Zeit habe ich begonnen mich in die Pikler Pädagogik einzulesen. Ein Konzept von dem ich mittlerweile zu 100 % überzeugt bin und das ich nun seit einigen Wochen auch zuhause anwende. Doch soviel ich dazu auch lese, es bleibt immer theoretisch und ich, als Mama ohne pädagogischen Hintergrund, tue mich manchmal, das Gedachte von Emmi Pikler umzusetzen.

Irgendwann beschloss ich einen Pikler Kurs zu besuchen. Nach kurzer Recherche wurde ich fündig und zu meiner Freude habe ich einen Kurs ganz in meiner Nähe gefunden. Der Frauenverein Siaf e. V. bietet in Kooperation mit dem Kinderhaus Haidhausen einen Kurs mit Fokus auf Spiel und Bewegung an.

Geleitet wird dieser Kurs von einer Montessori und Pikler Pädagogin. Kurz nach dem ich mich angemeldet habe, bekam ich auch schon die Einladung zu einem Elternabend. An diesem Termin sollte uns das Konzept von Pikler und der Spiel- und Bewegungsraum vorgestellt werden, in dem die Kinder 10 Kurseinheiten verbringen.

Elternabend zum Pikler Kurs

Der Kurs selbst startet am 29. April. Der dazugehörige Elternabend fand am Donnerstag, den 23. April um 19:30 Uhr statt.

In den Räumen des siaf e. V. stellte die Kursleiterin in einer lockeren Stuhlkreisrunde das Piklerkonzept vor. Für mich ja nichts neues, da ich ja schon einige Bücher gelesen habe und somit die Grundgedanken von Emmi Pikler kannte. Ich stehe voll hinter ihrer Ansicht, dass sich ein Kind am besten entfalten könne, wenn es sich möglichst selbständig entwickeln kann. An meinem Sohn beobachte ich nun schon seit Wochen, dass er Dinge allein tut, ohne das ich ihm helfe oder gar versuche, seine Entwicklung zu beschleunigen. Ohne unser zutun hat er gelernt, sich selbst hinzusetzen oder angefangen zu krabbeln. War es am Anfang noch wackelig und vorsichtig, so bewegt er sich jetzt sehr selbstsicher und sitzt absolut sicher. Er selbst weiß am besten, wann er für etwas reif ist. Ich vertraue ihm da zu 100 %.

In dem Elternabend wurde uns auch ein Video aus dem Säuglingsheim in Loczy (Ungarn) gezeigt, indem Emmi Pikler ihre Pädagogik vorangetrieben hat, nachdem sie vorher schon als Kinderärztin Familien betreut und sie von ihrem Ansatz überzeugt hat. Das Video zeigte die Babys, wie sie sich immer weiter entwickelten und sich selbständig erst das Drehen auf den Bauch, dann das Sitzen, Krabbeln, Stehen und zu guter letzt das Laufen beigebracht haben.

In dem Video konnte man sehen, wie frei sich die Kinder in den Räumen bewegen konnten und wie wenig die Erwachsenen eingegriffen haben. Für mich war das wunderbar zu sehen, denn mir war und ist es immer wichtig, dass Nepomuk viel Freiraum hat. Natürlich ist es anstrengender immer zu schauen, wenn der kleine sich im Wohnzimmer bewegt, aber mit der Zeit weiß er genau, wie er sich bewegen muss, um nicht umzufallen oder wie er zu mir in die Küche krabbeln kann, wenn ich mal kurz das Wohnzimmer verlasse, um was in der Küche zu holen oder aufzuwärmen.

In dem Video wurde aber auch gesagt, wie wichtig es ist, dass die Kinder sich in sicheren Räumen bewegen und das man mögliche Gefahrenquellen aus dem Weg räumen muss. Für uns hieß das: alle Steckdosen sichern, die unteren Schubladen von schweren Dingen zu befreien, keine zerbrechlichen Sachen in Reichweite von Nepomuk aufzubewahren und alles, was er in den Mund nehmen und verschlucken könnte zu entfernen. Wie so oft im Leben gilt auch hier: Safety first!

Ablauf des Kurses

Obwohl sich die Pikler Pädagogik mit einem ganzheitlichen Ansatz rund um die Entwicklung des Kindes befasst, konzentriert sich der Kurs bei der siaf nur auf den Bereich „Spiel & Bewegung“. Wir als Mütter sollen in erster Linie beobachten. Während der Kursstunde sitzen wir am Rand und in der Mitte spielen die Kinder. Die Mitte ist der Zuständigkeitsbereich der Kursleiterin. Sie agiert mit den Kindern. Damit sich die Kinder voll und ganz auf die Bewegung und das Spiel konzentrieren können, werden die Mütter während der Stunde nicht ratschen oder Kaffeeklatsch abhalten. Auch essen sollten die Kinder während der einen Stunde nicht, damit essen und spielen nicht miteinander vermischt wird. Solche klare Ansagen kannte ich bisher aus anderen Kursen nicht und finde das völlig okay so.

Ich bin wirklich gespannt auf den Kurs und freue mich schon sehr auf Mittwoch, wenn es los geht. Ich werde auf jeden Fall berichten.

 

23Mrz/15

Buchempfehlung: Ein guter Start ins Leben

Ein guter Start ins LebenHeute möchte ich über das Buch „Ein guter Start ins Leben“ von Magda Gerber schreiben, auf das ich durch Zufall gestoßen bin. Vor einigen Monaten habe ich mit der Recherche zum Konzept von Maria Montessori begonnen. Ihre Einstellung „Hilf mir es selbst zu tun“ erschien mir im Bezug auf die Erziehung meines Sohnes die richtige zu sein. Ich fing an Bücher zu lesen, trat speziellen Facebook Gruppen bei und durchforstete verschiedene Blogs und Internetseiten.

Bei der Recherche merkte ich schnell, dass dieses Konzept für uns erst richtig in Frage kommt, wenn Nepomuk mindestens 15 Monate alt wird. Vorher gibt es zwar Tipps und Überlegungen, aber etwas wirklich brauchbares war nicht dabei. Das Buch „Montessori von Anfang an“ hat mich im Bezug auf Tipps und Beispiele für Säuglinge überhaupt nicht überzeugt. Der Titel ist für mich eher irreführend, denn die richtigen Tipps gibt es eben erst für Kinder ab 12 bis 15 Monaten.

Durch Zufall habe ich in einer der Facebook Gruppen von Emmi Pikler erfahren, über die ich auch schon mal in einem früheren Blogbeitrag geschrieben habe. Nachdem ich Emmi Pikler gegoogelt hatte und auf einige interessante Seiten gestoßen bin, wusste ich, dass ihr Konzept besser zu unserer aktuellen Lebensphase passte, als Maria Montessori.

Zum Einstieg entschied ich mich für das Buch „Ein guter Start ins Leben“ von Magda Gerber und Allison Johnson. Natürlich hatte ich mir auch Bücher von Emmi Pikler bestellt, aber ich beschloss mit diesem Buch anzufangen.

Informationen zur Autorin

Laut dem Arbor Verlag lernte „Magda Gerber die Arbeit von Emmi Pikler als betroffene Mutter kennen und war von der Art und Weise, wie diese sich ihrer Tochter widmet, so angetan, dass sei sich auch nachdem ihre Kinder schon größer waren, intensiv mit dem Lóczy und seinem Ansatz zum Leben mit Säuglingen und Kleinkindern auseinandersetzte und als Assistentin von Dr. Emmi Pikler arbeitete. In den 50er Jahren wanderte sie nach Amerika aus und auch dort widmete sie sich weiter ihrem neuen Interessengebiet und half einem Kinderarzt bei der Etablierung eines Programms für entwicklungsverzögerte Kinder. Aus dieser Erfahrung heraus gründete sie schließlich gemeinsam mit demselben Kinderarzt die Organisation „Resources for Infant Educarers“ (RIE), eine Einrichtung mit Sitz in Los Angeles, die eine Form von Mutter-Kind-Gruppen entwickelt hat, in denen sie die grundlegenden Erkenntnisse von Dr. Emmi Pikler an interessierte Eltern weitergibt.“

Kurzbeschreibung des Buches

„Die Bedürfnisse von Babys und Eltern erfüllen – und dabei nicht ausgelaugt, sondern glücklich sein. Wer möchte das nicht? Magda Gerber beschreibt in ihrem neuen Buch anschaulich den Schlüssel, der Eltern dabei helfen kann, ihre Kinder angemessen zu begleiten und in der Beziehung mit ihnen sich selbst besser kennenzulernen: Es ist der respektvolle Umgang mit dem Baby von Anfang an.

In vielen Beispielen, von den alltäglichen Pflegesituationen bis zum freien Spiel, zeigt sie, wie Eltern liebevoll für ihre Kinder sorgen und ihnen gleichzeitig Raum für ihre eigenständige Entwicklung geben können. Sie schildert, wie Eltern die Zeichen ihrer Kinder verstehen lernen und in langsamer, respektvoller Zuwendung Kooperation und Austausch erleben.“

Aufbau des Buches

Das Buch selbst ist in drei Teile gegliedert, die wiederum wieder in Kapitel und Unterkapitel aufgeteilt sind.

Im ersten Teil „Wie RIE ihrem Baby nutzen kann“ stellt Magda Gerber die Entstehung des RIE und die Grundprinzipien dieses pädagogischen Ansatzes dar.

Der zweite Teil widmet sich den „ersten Monaten des Lebens – von der Geburt bis zu den ersten Schritten“ und bildet mit fünf Kapiteln den größten Abschnitt des Buches.

Im dritten und letzten Teil befasst sich die Autorin mit der „Zeit des Laufenlernen“, das jedoch nicht nur das laufen an sich thematisierst, sondern auch die langsame Trennung von Kind und Erwachsenen, die durch die wachsende Unabhängigkeit entsteht.

Zusammenfassung des Teil I

Neben dem eigenen Werdegang von Magda Gerber und der Entstehungsgeschichte des RIE wird im Teil I intensiv auf die Grundprinzipien der RIE Philosophie eingegangen, diese sind neben dem Respekt gegenüber dem Kind die Grundpfeiler für das ganze Buch und werden in den einzelnen Kapiteln immer wieder erwähnt.

Die Grundprinzipien sind:

  • Grundvertrauen in das Kind als Initiator, als Forscher und als jemanden, der von sich aus lernt
  • Eine Umgebung für das Kind, die physisch sicher, kognitiv anregend und emotional annähernd ist
  • Zeit für nicht unterbrochenes Spielen
  • Freiheit zu forschen und mit anderen Kindern zu interagieren
  • Beteiligung des Kindes an allen Aktivitäten der Pflege, sodass das Kind eher aktiver Teilnehmer als passiver Empfänger wird
  • Einfühlsames Beobachten des Kindes, damit man seine Bedürfnisse versteht
  • Konsistentes Handeln der Eltern und klar definierte Grenzen und Erwartungen, damit sich das Kind orientieren kann.

Auf jedes der Prinzipien geht die Autorin im Detail nochmals ein und zeigt anhand von Beispielen, wie ich als Mutter diese Theorie in die Praxis umsetzen kann.

Generell fand ich die vielen Beispiele und Erfahrungen aus ihrer Mutter-Kind-Gruppe als sehr hilfreich und anregend, sodass ich auch als Nicht-Pädagoge einen starken Nutzen aus dem Buch ziehen kann.

Zusammenfassung des Teil II

Im Teil II geht Magda Gerber in der Entwicklung vom Neugeborenen bis hin zum Baby, dass mobil wird, auf verschiedene Aspekte der Erziehung ein und widmet sich in den Unterkapiteln verschiedenen Schwerpunkten.

Für mich waren die Kapitel „Ihr neugeborenes Baby“, „Die neugeborenen Eltern“ und „Für gute Betreuung sorgen“ eher nicht so interessant, weil Nepomuk natürlich mit sechs Monaten kein Neugeborenes mehr ist und wir auch für die nächsten zwei Jahre keine Betreuung für ihn benötigen. Sollte ich jedoch wieder schwanger werden, dann sind besonders die zwei erstgenannten Kapitel ein Muss für mich.

Durch die vielen Beispiele und Anregungen aus der Praxis konnte ich für mich viel nützliches mitnehmen und mit Nepomuk ausprobieren. Vielleicht liegt es an seinem Alter, vielleicht aber auch daran, dass ich ihm sehr viele Freiheiten lasse und kaum noch in sein Spiel eingreife, aber in den letzten Wochen hat er so viele Fortschritte gemacht, die ich bei anderen Kindern in seinem Alter so noch nicht gesehen habe.

Ich gebe zu, dass es nicht leicht ist, sich als Mutter zurückzunehmen und einfach nur auf dem Teppich zu sitzen und Nepomuk beim spielen zuzuschauen, aber durch dieses Beobachten habe ich ihn mittlerweile viel besser kennengelernt und lasse ihn nun Dinge ausprobieren, wo ich früher oder ohne das Buch vielleicht eingegriffen und aus reinem „gut meinen“ geholfen hätte.

Es fällt manchmal schwer, nicht zu helfen. Zum Beispiel möchte er sich jetzt immer hochziehen und schafft es nicht. Dann ist er genervt und „schimpft“ vor sich hin. Ich könnte ihm natürlich jetzt helfen und unterstützen, aber dann würde ich ihm das Gefühl, dass er etwas ganz allein geschafft hat, nehmen und vielleicht frustrieren.

Auf der anderen Seite gibt es natürlich Situationen, bei denen ich als Mutter zwischen dem im Buch empfohlenen und meinem intuitiven Handeln entscheiden muss. So steht im Buch, dass der Kleine beim Wickeln nicht aktiv mit einem Spielzeug abgelenkt werden soll, sondern diesen „Pflegeprozess“ zusammen mit mir erleben soll. Wir haben auf unserer Wickelablage, aber die Wattepads zum reinigen liegen, die sich Nepomuk immer nimmt, wenn er auf der Wickelablage liegt. Ich lasse das zu, denn er hat null Interesse beim Wickeln mit mir zu interagieren. Ich kann damit leben und Nepomuk kann damit leben. Warum sollte ich das ändern?

Ich hatte schon erwähnt, das mich das Buch sehr beeinflusst und ich sehr viel nützliches daraus gezogen habe. Hier sind noch ein paar Beispiele, wie ich versuche die Erkenntnisse im „realen Leben“ anzuwenden.

Nach dem ich das Kapitel „Ankündigen, was sie als Nächstes tun“ gelesen und mein bisheriges Handeln gegenüber meinem Sohn kritisch hinterfragt habe, erzähle ich Nepomuk nun immer, was wir als nächstes tun. Hat er in die Windeln gekackt, nehme ich ihn nicht einfach nur hoch und wickle ihn mechanisch, sondern frage ihn, ob ich ihn wickeln darf, weil er sich dann besser fühlt. Beim Wickeln selbst, ebenso beim Waschen und beim Anziehen erzähle ich ihm jeden Schritt. Das ist natürlich mehr Aufwand und ab und an vergesse ich es auch und muss mich immer selbst ermahnen, aber ich denke, es bringt wirklich was. Ein Baby ist keine Puppe oder ein unfertiges Ding, sondern ein Mensch, der genauso viel Respekt verdient, wie jeder andere mit dem ich zu tun habe.

Das Kapitel „Den Kindern ihr eigenes Leben lassen“ war für mich ein wichtiges Kapitel. Mir liegt sehr am Herzen, dass es Nepomuk gut geht und das wir viel von dem tun, was ihm Spaß macht. Sicher ist es gut, dass Kinder am liebsten zuhause spielen, aber bei uns habe ich schnell gemerkt, dass Nepomuk es liebt an die frische Luft zu gehen. Wenn das Wetter schön ist, setze ich ihn in seine Babyschale und er beobachtet alles: Bäume, Autos, Fahrräder, Menschen. Er ist so fasziniert, dass er mich kaum anschaut, sondern lieber Kirchentürme oder Maibäume bestaunt. Wenn er mal nicht weiß, was er möchte und vor sich hin quengelt, muss ich nur sein Fell oder jetzt die Jacke holen und er freut sich, weil er weiß, dass wir rausgehen.

Neben den Spaziergängen ist der Kontakt mit anderen Kindern sehr wichtig für Nepomuk. Er liebt es anderen Kindern beim Spielen zu zusehen, sie anzufassen oder neues Spielzeug auszuprobieren. Warum sollte ich dann zuhause sitzen, wenn es tolle Babytreffs in unserer Umgebung gibt. Für ihn und für mich ist das immer eine tolle Zeit, weil er dann mit anderen Babys und ich mit anderen Müttern in Kontakt kommen.

Der Teil II war für mich der Abschnitt mit dem größten Mehrwert. Ich hatte auch nicht das Gefühl, dass ich nun das Buch zu spät gelesen habe, auch wenn ich mich manchmal ärgere, dass ich mich in der Schwangerschaft noch nicht mit diesem Thema beschäftigt habe. Aber als Schwangere ist man von Erziehungskonzepten meilenweit entfernt.

Zusammenfassung Teil III

Den dritten Teil konnte ich fast nur theoretisch nutzen, denn Nepomuk kann weder laufen noch sprechen und auch von einer Trotzphase ist er noch weit entfernt. Trotzdem konnte ich mir schon jetzt mal ein Bild machen, was wohl bald auf mich zukommen wird und die Tipps, die Magda Gerber in ihrem Buch gibt, werde ich sicher noch öfter nachlesen, um dann intuitiv zu entscheiden, ob ich diesen folge oder Situationen anders meistere.

Mein Fazit

Ich kann das Buch nur empfehlen und schließe mich den positiven Bewertungen auf Amazon an. Es ist ein tolles, kurzweiliges Buch mit vielen Beispielen aus der Praxis.

Magda Gerber hat mit ihrer Einstellung und ihrer Philosophie bei mir voll ins Schwarze getroffen und mich in einigen Bereichen zum Umdenken gebracht.

Dass Nepomuk sich aktuell so toll und schnell entwickelt, liegt sicher nicht nur an meinem Umdenken oder an dem Buch, aber ich glaube, dass dieses Buch doch zu einer gewissen Entspannung bei mir geführt hat, die nun natürlich auch Nepomuk spürt.

Wie bei vielen anderen „Ratgebern“ passt natürlich nicht alles und wenn ich den Satz „Jedes Kind kann schlafen lernen“ lese, dann jagt es mir doch einen Schauer über den Rücken und ich runzle kurz die Stirn. Aber zu 90 % ist es ein tolles Buch und ich bereue den Kauf und die investierte Zeit zum Lesen nicht.

Das Buch ist auf jeden Fall ein toller Einstieg, wenn man sich für Emmi Pikler und später Maria Montessori interessiert. Schade, dass ich es erst jetzt entdeckt habe, aber vielleicht habe ich noch mal das Glück und kann dieses Konzept von Geburt an verwenden.

 

19Feb/15

Meine ersten Schritte in Richtung Montessori und Pikler

Alle Eltern müssen sich irgendwann die Frage stellen, wie sie ihr Kind erziehen und aufs Leben vorbereiten wollen. Ich habe mir darüber Gedanken gemacht und konnte mir überhaupt nicht vorstellen, wie ich Nepomuk erziehen sollte. Von Anfang an waren für mich aber folgende Punkte klar:

  • Es sollte keinesfalls die Erziehung werden, die ich unter meiner Mutter erlebte
  • Nepomuk sollte früh das Gefühl vermittelt bekommen, dass er nicht nur „das Baby“ ist, sondern auch die Möglichkeit bekommt, seinen Lern- und Forschungs- und Bewegungsdrang zu befriedigen
  • Nepomuk sollte so früh wie möglich aktiv in unser Leben und Handeln einbezogen werden und die ersten Jahre nicht als „Begleitung“ oder „Accessoire“ erleben

Durch Zufall kam ich auf die Pädagogik von Maria Montessori und war schnell begeistert. Denn dort war mit einem Satz das beschrieben, was ich mir unter einem idealen Erziehungsmodell vorgestellt habe: Hilf mir, es selbst zu tun!

Das Kind steht im Mittelpunkt

Maria Montessori, die 1870 in Italien geboren wurde in als eine der ersten Frauen in Medizin promovierte, entwickelte ein Konzept, dass das Kind an erste Stelle setzt. Für Sie war jedes Kind einzigartig und eine zu respektierende Persönlichkeit. Mit ihrem Ansatz wollte sie die Kinder zu selbständigen Personen mit Selbstvertrauen erziehen und ihnen damit den Werdegang im späteren Leben erleichtern.

Wie sieht die Montessori Pädagogik im Detail aus

Für Maria Montessori war klar, dass Kinder von Natur aus einen angeborenen Lerndrang haben und gern am Leben der Erwachsenen teilhaben möchten. Gleichzeitig war ihr aber auch klar, dass jedes Kind anders ist und in seinem individuellen Rhythmus lernt.

Das natürliche Bedürfnis von Kindern Erwachsene nachzuahmen wurde von Montessori erkannt und ist ein wesentlicher Bestandteil der Montessoripädagogik. Wichtig ist hier, dass die Erwachsenen die Kinder zuerst anleiten und diese dann ihre eigenen Erfahrungen machen lassen. Damit das möglich ist, müssen sie die Erwachsenen zurücknehmen, aber wenn nötig beratend zur Seite stehen.

Die Herausforderung für Erwachsene ist hier nicht nur die Geduld, sondern auch die Vorbereitung. Jede Übung sollte in ihren einzelnen Schritten überlegt werden, denn wir als Erwachsene machen viele Sachen intuitiv, die Kinder aber nicht können, weil ihnen die Erfahrung fehlt. Sobald alle Schritte durchdacht und die Umgebung vorbereitet ist, kann es mit den Kindern losgehen.

Die Kinder lernen hier also nicht durch erzählen, sondern dadurch, dass sie ihre eigenen Erfahrungen machen. Dies wiederum kann viel besser verinnerlicht und beibehalten werden, als wenn man dem Kind immer nur alles zeigt ohne es selbst auszuprobieren.

Auch wir Erwachsenen lernen dazu. Wir müssen lernen uns in der Geschwindigkeit zurückzunehmen, Geduld zu haben und uns individuell auf jedes Kind einzulassen. Zudem müssen wir uns immer wieder daran denken unser Kind mit Achtung und Respekt zu behandeln.

Warum Montessori für uns richtig ist

Ich habe mich nun schon stärker in das Thema „Montessori“ eingelesen und bin auch verschiedenen Facebook Gruppen beigetreten. Und je mehr ich mich mit dem Thema beschäftige, desto mehr weiß ich, dass es für uns der richtige Weg ist. Ich weiß, dass es sicherlich einfachere Methoden gibt, als ein Kind zu erziehen, aber ich denke, dass Nepomuk ein Recht darauf hat, ihn mit Respekt und Achtung zu behandeln.

Mittlerweile habe ich schon viele tolle Sachen gefunden, die ich gern mit Nepomuk ausprobieren möchte. Doch im Moment ist das schwierig, weil sich das Konzept eher schwer auf ein sechs Monate altes Baby anwenden lässt.

Von Montessori zu Pikler

Bei meiner Recherche zu Montessori Übungen mit Babys bin ich auf Emmi Pikler gestoßen. Hier habe ich zwar weder ein Buch noch irgendwelche Gruppen gefunden, aber das, was ich bisher gelesen habe, trifft schon ganz gut dass, was ich mir für Nepomuk in diesem Alter vorgestellt habe.

Nach Emmi Pikler war es wichtig, dass sich ein Kind selbständig entwickeln sollte. Wir sollen ihm Geborgenheit und Nähe vermitteln und ihm in einer vorbereiteten Umgebung helfen, sich frei zu entwickeln.

Pikler setzt drei Voraussetzungen voraus, um einem Kind bei der Entwicklung zu helfen:

  • Zuwendung bei der Pflege: Statt die Pflege als bloßen Akt zu sehen, soll hier das Baby einbezogen werden. So ist es zum Beispiel wichtig, dem Kind jeden Schritt zu erzählen und Rituale einzuführen
  • Selbständige Bewegungsentwicklung durch das Kind. Die Erwachsenen sollen nicht beschleunigend eingreifen.
  • Das Kind soll ungestört und frei spielen in einer dafür altersgerechten und vorbereiteten Umgebung.

Das Pikler Konzept ist für mich sehr stimmig mit dem von Maria Montessori und ein sehr guter Einstieg in Richtung Montessori.

Ich bin selbst noch am Anfang von Pikler und Montessori und hoffe, dass ich nach dem Studium diverser Bücher und Facebook-Gruppen die beiden Konzepte so umsetzen kann, dass sie für mich und Nepomuk einen Nutzen bieten.

Ich werde hier auf jeden Fall weiter berichten. 🙂