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11Mrz/16

Enten füttern mit Nepo und danach zu einem Event von LILLYDOO

Nachdem der Vormittag etwas grau war, verzogen sich am Nachmittag die Wolken und hier in München wurde es herrlich sonnig und angenehm warm. Perfekt für einen ausgiebigen Nachmittagsspaziergang an der Isar entlang bis hinein ins Glockenbachviertel, wo eine Produktpräsentation von LILLYDOO stattfand.

Zuerst ging es für uns beide zur Stadtbibliothek München, wo zwei bestellte Bücher auf mich warteten. Mittlerweile beziehe ich meine Bücher nur noch aus der Bibliothek, denn in München ist das Angebot sehr umfangreich und der Bücher-Bestell-Service sehr schnell. Für mich ist die Bibliothek quasi das Amazon für Minimalisten. 🙂

Als wir zum Ausgang wollten, wurde Nepo unruhig und zeigte immer wieder auf das kleine Bistro im Erdgeschoss. Es war mir relativ schnell klar, was er wollte. Vor gut einer Woche habe ich ihm dort eine Schokomakrone gekauft, das hat er natürlich nicht vergessen und so kam ich nicht an der Auslage des Bistro vorbei, ohne ihm diesmal eine riesige Makrone zu kaufen. Boah, dieses stolze Gesicht und der genussvolle Biss in dieses total süße Teil werde ich nicht vergessen.

Auf in Richtung Frühlingsanlagen

Gut gestärkt durch Kaffee und Makrone liefen wir weiter Richtung Isar, die wir dann auch ziemlich schnell erreichten. Vorbei am Deutschen Museum, das Nepo neugierig betrachte und ganz fasziniert von einem dort arbeitenden Bagger war, ging es dann zu den Frühlingsanlagen direkt an die Isar.

IMG_1394 IMG_1398Durch das schöne Wetter war natürlich viel los und wir kamen zu einer Gruppe junger Mädchen die Enten, Möwen und notgedrungen auch Tauben fütterten. Für Nepo war das so aufregend, dass er aus dem Zeigen nicht mehr rauskam. Also blieben wir dort und ich „opferte“ seine Brezel, die wir am Morgen gekauft hatten. Wir zwei fütterten die Enten, die immer näher kamen. Nachdem ich anfing die Brezel zu zerteilen und den Enten kleine Stücke zuwarf, wollte Nepo natürlich auch. Ich gab ihm kleine Stückchen und er warf sie in Richtung der Enten. Meist landeten sie zwar direkt vor seinen Füßen, aber das störte die Tiere gar nicht. Er versuchte beim Füttern immer Trick 17 und hielt in der einen Hand das Stück Brezel und in der anderen versuchte er die Ente zu streicheln oder zu berühren. Ich hielt seine ausgestreckte Hand nach unten, weil ich nicht wusste, wie die Enten reagieren und Angst hatte, dass sie ihn vielleicht beißen.

Nachdem die Brezel alle war, wollte Nepo Steine nach den Enten werfen. Ich sagte ihm, dass das keine gute Idee wäre, denn die Enten würden merken, dass das nichts essbares ist und wären verärgert über uns. Interessiert hat das Nepo nicht und ich weiß, dass er nicht aus Bösartigkeit die Steine geworfen hat, sondern weil er sie einfach weiter füttern wollte. Ich versprach ihm, dass wir morgen, also heute, wieder an die Isar gehen würden und diesmal zwei Brezeln mitnehmen, damit wir schön lange da bleiben können.

Nach dem nun auch keine Ente mehr zu uns kam, verlor Nepo die Lust an ihnen und wir gingen weiter. Für ihn waren jetzt die weißen Steine das Highlight. Immer wenn er auf dem Weg einen sah, nahm er ihn, stiefelte über die Wiese Richtung Isar und schmiss ihn ins Wasser. Ich lies ihn gewähren und mir wurde klar, dass ich so uninteressant war. Er schaute nicht nach links, nicht nach rechts sondern steuerte geradewegs auf das Wasser zu. Ich blieb im Hintergrund und sprintete nur zu ihm, wenn er zu nah am Wasser war.

Die Isar ist hier zwar flach, aber die Strömung ist stark. Im Sommer, wenn es warm ist, werden wir sicher hingehen und unsere Beine ins Wasser halten. Ich denke wir werden tagsüber viel Zeit im Park oder an der Isar verbringen. Es ist ja auch alles so spannend: Die Hunde, die Menschen, die anderen Kinder, die Enten, Möwen, Tauben. In der Nähe gibt es einen Kiosk und eine kleine Imbissbude. Die Wiesen sind zwar voller Löcher, aber das kann Nepo ja nicht abhalten, durchs Gras zu laufen. Hier und da liegt ein alter Baumstamm und die vielen Steine, die wir ins Wasser werfen können. Ach, ich freu mich schon so und hoffe, dass die Hundebesitzer ein Auge auf ihre vierbeinigen Freunde haben und Sorge tragen, dass die Wiesen vielleicht nicht komplett zugekackt sind. Hier in München gibt es zwar viele, die mit einer Tüte für Hundekot rumlaufen, aber viele sind eben nicht alle und die Wiesen sind im Frühjahr und Sommer nicht wirklich schön, mit der ganzen Kacke.

Weiter zu Veganz und LILLYDOO

Den Besuch bei LILLYDOO nutzte ich auch, um mal wieder in den Veganz einzukehren. Den veganen Supermarkt habe ich letztes Jahr fast wöchentlich angesteuert, aber da ich nun ja kein Veganer mehr bin und wir jetzt nicht mehr oft an der Isar war, ist es schon ein Weilchen her, dass wir dort einkaufen waren.

Im Veganz, der immer noch so eng ist, dass ich mit meinem Kinderwagen Probleme habe, fielen Nepo natürlich sofort die veganen Gummibärchen auf und er konnte es nicht abwarten, bis ich die Dinger an der Kasse gezahlt habe, sondern futterte vorher schon fleißig die Bärchen. Normalerweise machen wir das nicht, aber er war so heiß, dass ich die Tüte eben schon im Laden aufgemacht habe.

Der Reiz der veganen Ersatzprodukte hat mich irgendwie verlassen, also blieb es bei den Gummibärchen und einer Dose Xucker. Und weiter ging es dann Richtung LILLYDOO.

Auf eine Apfelschorle bei LILLYDOO

IMG_1417Der Event war von 12:00 bis 18:00 Uhr geplant, sodass wir um 17:00 Uhr die letzten waren, die zur Party gefunden haben. Ich war ehrlich gesagt leicht genervt, weil ich mit dem Kinderwagen erst rein ins Haus bin, dann keinen „Parkplatz“ gefunden habe. Also wieder raus, den Wagen irgendwo anschliessen. Bücher und Einkäufe und Sohn aus dem Wagen holen und dann erstmal im Hausflur rumirren, die Treppe hoch zum Fahrstuhl. Aus dem Fahrstuhl raus, der zwischen zwei Stockwerken hielt.

Die Anzeige zeigte „1“, das konnte aber nicht sein, weil wir mindestens im 3. Stock waren. Naja, scheinbar Glockenbach-Hipster-Logik. Im Hausflur stand ich dann total bepackt und wusste nicht: Treppe hoch, Treppe runter? Also erst nach ganz oben, weil ich einfach ein Schild gesucht habe, wo draufstand LILLYDOO. Weder ganz oben, noch eine Etage tiefer. Als ich hinter einer Tür viele Stimmen gehört habe, klingelte ich einfach.

Als eine wirklich nette und topgestylte Dame aufmachte, hatte ich eher das Gefühl, ich würde auf einer Designer Party landen und nicht bei einer Marke für Windeln und Feuchttücher. Als ich in die Wohnung eintrat, war mir mein Outfit komplett peinlich. Gegenüber den anderen Müttern war ich so underdressed, dass ich mich gefühlt habe wie der Elefant im Porzellanladen. Die hochsensible Seite in mir wurde so übermächtig, dass alle mich für eine Autistin halten mussten, die auf Anfragen einfach gar nicht reagiert. Trotzdem haben sie sich Mühe gegeben und ich mich irgendwann gefangen. Das Nepo neben mir genauso versteinert war und einfach überhaupt nichts mehr sagte, war sehr verwunderlich.

Nach einer kurzen Aufwärmphase stand ich dann auch schon bei den Produkten, fühlte Windeln an und bereute zutiefst kein besseres Outfit gewählt zu haben. Ich schob die Enten und die Isar vor und das schöne Wetter. Alle lächelten verständnisvoll und wahrscheinlich war es ihnen egal. Ja, was soll ich sagen: Ich finde es gut, dass es ökologische Bewegungen gibt, die sich gegen Pampers stellen. Ich werde die Windeln auf jeden Fall testen und die Feuchttücher ebenfalls.

Es tut mir leid, dass ich nicht mehr zu den Produkten sagen kann, außer, dass sie wunderschön gestaltet sind. Aber ich war so mit der Reizbewältigung beschäftigt, dass ich keinen klaren Gedanken fassen konnte. Ich war ehrlich gesagt froh, als mich eine Mitarbeiterin mit nach oben nahm, zur Kinderbetreuung. Das war genau das was ich jetzt brauchte, um anzukommen. Spielzeug für Nepo und Ruhe für mich. Für Nepo war dann auch alles super, nur das er keinen Bock auf Hirsekringel hatte und sich von meinem Vorschlag einen Turnbeutel zu gestalten gänzlich unbeeindruckt zeigte. Noch während ich ihn fragte, wurde mir bewusst, wie blöd es ist ein 19 Monate altes Kind, das total vertieft in die vorhandenen Spielzeugautos ist, zu animieren einen Turnbeutel zu gestalten. Da merkte ich, dass mein Körper und mein Geist Achterbahn fuhren und ich überall war, nur nicht auf dem Event. Die liebe Frau von der Kinderbetreuung übernahm dann die Turnbeutel Geschichte und gestaltete ihn für Nepomuk.

Nach einer Weile hatte Nepo genug gespielt und steuerte auf die steile Treppe zu. Für mich der perfekte Moment mich nach ca. 30 Minuten zu verabschieden, den Turnbeutel und eine Probepack zu schnappen und mich vollbepackt das Treppenhaus runterzuhieven. Für uns beide war es eine Erfahrung und für mich nochmal ein friendly Reminder etwas mehr auf mein Outfit zu achten. 🙂

Das Probepack besteht übrigens aus einer wunderschönen Holzkiste, einer Packung Windeln und zwei Packungen Feuchttücher. Ich werde diese jetzt testen und mich später mit einem kleinen Bericht melden. Für den Turnbeutel und die Holzkiste gibt es auf jeden Fall jetzt schon fünf von fünf Sternen. 🙂

Den Weg zurück liefen wir wieder die Isar entlang. Es wurde langsam dunkel und ich genoss es einfach nur an der frischen Luft zu sein. Plötzlich schien es mir unmöglich in ein anderes Viertel ausserhalb von Haidhausen zu ziehen. Hier ist es so schön öko, bohemian und a little bit hipster. Es ist einfach so toll hier, dass ich zu recht kaum über die Isar ins Zentrum komme. Ja, hier wollen wir bleiben und hier finden wir es toll.

 

10Mrz/16

Vorbereitete Umgebung vs. Zeit an der frischen Luft

Die Natur ist die beste Apotheke.Gerade sind wir wieder von unserem Ausflug an der frischen Luft zurück gekommen. Nepo schläft jetzt und ich versuche einfach mal zu entspannen. Die letzten Wochen waren sehr anstrengend für mich. Nepo war für mich schwer zu greifen und zu verstehen, dieses hin und her beim Wetter, dann meine Ernährung und ständig das wetterbedingte zuhause oder im Café hocken, haben mir ganz schön zugesetzt.

Als wir am vergangenen Wochenende tabula rasa in unserem Schlafzimmer gemacht haben und dort nun eine ziemlich klare Struktur herrscht, war mich klar, dass es mit der reduzierten und manchmal vorbereiteten Umgebung nicht getan ist. Gerade die letzten Tage hatten mir gezeigt, wie wohl sich Nepo an der frischen Luft fühlt. Allerdings nicht im Kinderwagen, sondern wirklich mit beiden Beinen auf dem Boden laufend.

Zeit im Kinderwagen sollte die Ausnahme sein

Ich nahm mir vor, dass ab Montag ein Ausflug an die frische Luft und ein damit verbundener Spaziergang wieder Pflicht für uns beide wird. Und zwar nicht nur, dass er im Kinderwagen sitzt, sondern das er auch läuft. Bisher war das zwar auch ab und zu der Fall, aber ich muss leider gestehen, dass ich ihn viel öfters einfach in den Kinderwagen gepackt habe. Ich glaube er saß einfach zu häufig im Wagen, sodass er auf meine Frage, ob wir denn nach draußen gehen wollen, er immer den Kopf schüttelte. Wahrscheinlich hatte er einfach keinen Bock wieder nur im Kinderwagen zu sitzen.

Seit Montag kann ich ihn immer fragen: Wollen wir wieder nach draußen gehen und möchtest du wieder alleine laufen? Und er lacht, nickt mit dem Kopf und setzt sich auf seinen Schemel, damit ich ihm die Schuhe anziehen kann.

Die Treppen runterzulaufen macht ihm noch keinen Spaß, sodass ich ihn runter und hoch trage. Sind wir aber erstmal unten im Hausflur, setze ich ihn ab, hole den Kinderwagen und dann geht es los. Habe ich ihn vor einigen Wochen noch an die Hand genommen, läuft er jetzt allein und immer mit dem Blick auf die grünen Beete neben mir her. Selbst an der Ampel nehme ich ihn nicht mehr an die Hand. Er bleibt stehen und geht dann mit mir über die Straße. Bei größeren Straßen habe ich ihn zwar immer noch an der Hand oder seine Kapuze in der Hand, aber ich will ihm zeigen, dass ich ihm vertraue und weiß, wenn ich STOP sage, dann heißt das auch Stop für uns beide.

Die Strecken zu Fuß werden immer länger

Waren es bis vor einigen Tagen nur wenige 100 Meter, die er gelaufen ist, so ist es jetzt schon ein gutes Stück, dass er in einem ordentlichen Tempo zurücklegen kann. Er läuft von unserer Wohnung bis zu unserem Stammspielplatz, dabei überqueren wir mehrere Straßen, eine Endhaltestelle für die Tram und einen gemütlichen Platz mit Maibaum. Es geht vorbei an mehreren kleinen Läden, Marktständen und Restaurants, bis wir die Grünfläche erreichen und dann unseren Spielplatz.

Sicher bin ich jetzt doppelt so lang unterwegs, aber dafür geniesse ich es, wie Nepo Kellerfenster entdeckt, an der Schule halt macht und die Kinder bei der Pause beobachtet. Wie er hektisch auf jeden Hund zeigt und die bunten Schaufensterdekorationen betrachtet. Bei der Haltestelle für die Tram bleiben wir immer am längsten. Es ist so aufregend für Nepo die Tram zu beobachten, den Leuten zuzuwinken, die drin sitzen und zu beobachten wie sie losfahren oder anhalten.

Gestern haben wir mal wieder ein Müllauto und die uns schon sehr bekannte Crew verfolgt. Von Hauseingang zu Hauseingang sind wir hinterher gelaufen und haben zugeschaut, wie die Tonnen geleert wurden. Die Männer der Abfallwirtschaft haben immer mit Nepo gescherzt, ihm gewunken und ihre Witze gemacht. Als sie dann fertig waren und der besonders liebe Mann sich in den Feierabend verabschiedet hat, sind wir zufällig hinter ihm her gelaufen. Plötzlich drehte er sich um, gab Nepo einen Euro und meinte: „Kauf die leckere Schokolade, weil du so ein lieber Engel bist.“ Ich muss zugeben, mir standen die Tränen in den Augen, weil ich so überwältigt war, von dieser Geste.

Natürlich habe ich Nepo dann einen Osterhasen aus Schokolade gekauft. Den Euro habe ich aufbewahrt. Als wir heute zum Spielplatz gelaufen sind, kamen wir wieder an einem Obdachlosen vorbei, der bei Wind und Wetter auf dem Bürgersteig sitzt. Nepo hat ihn beobachtet und ich konnte nicht anders, als ihm genau diesen Euro in den Becher zu werfen. Ich denke, dass war die beste Würdigung dieses Euros.

Es sind die kleinen Momente, die so voller Glück sind. Hätte ich Nepo gestern und heute im Kinderwagen durch die Gegend kutschiert, wären wir nie in den Genuss dieser Augenblicke gekommen.

Keine Lust mehr auf die vorbereitete Umgebung

Seit Montag habe ich für Nepo nun in der früh auch nichts mehr vorbereitet, da wir zwischen 09:00 und 10:00 Uhr das Haus verlassen, um auf den Spielplatz zu gehen oder in unsere Kurse. Auch ohne die vorbereitete Umgebung macht Nepo nicht den Eindruck, dass er gelangweilt ist. Da wir sein Regal ausgemistet haben und er nur wenige Dinge zur Verfügung hat, nutzt er eben diese viel intensiver. Auch mit seinen Stofftieren, die er bis dato überhaupt nicht beachtet hat, beschäftigt er sich jetzt sehr stark.

Zwar sind immer noch die paar Autos, die wir nicht weggeräumt haben, das Highlight für ihn, aber es ist nicht mehr so extrem wie vor dem Wochenende.

Heute morgen hat er seit langem mal wieder in Ruhe gefrühstückt und Banane und das weiße von zwei gekochten Eiern gegessen. Oh, Gott, ich weiß gar nicht, ob das gut für ihn ist, aber wenn es ihm doch schmeckt. Danach haben wir an seinem Waschtisch die Zähne geputzt und ich konnte ihn das erste Mal seit mehreren Monaten auch mal wieder mit einem Waschlappen abwaschen. Er wollte das irgendwann nicht mehr und ich habe es akzeptiert. Jetzt mit der Waschschüssel, der kleinen Seife, dem Spiegel und dem Mini Waschlappen ist das alles für ihn viel aufregender. Heute habe ich dann auch Zahnbürste und Zahnpasta auf den Waschtisch geräumt, da ich glaube, dass es dort einfach ansprechender für ihn ist.

Nach dem also die Pflege vorüber war, ist er wieder abgedüst, hat mit was weiß ich gespielt und irgendwann war er dann bereit für den Ausflug auf den Spielplatz.

Mir fällt auf, dass er draußen so viel entspannter und ruhiger ist, als drinnen. Ich selbst kann das gut nachvollziehen, denn ich bin auch ein „Frischluftjunkie“. Das Wochenende komplett in der Wohnung zu verbringen, macht mich fertig. Vielleicht habe ich die Sucht nach frischer Luft und freier Bewegung an Nepo weitergegeben – das wäre toll.

Wachsende Abneigung gegenüber Spielplätzen

Der Weg heute zum Spielplatz war wieder sehr entspannt und entschleunigend. Nepo ist gefühlt 5000 stehen geblieben, hat Blumen, Hunde, Kellerfenster, Autos und die Trambahn beäugt, seine Nase am Schaufenster plattgedrückt und fasziniert den pinkelnden Dackel angeschaut. Bevor wir den Spielplatz erreichten, habe ich mir in einem kleinen Café noch einen Kaffee und für Nepo eine Brezel gekauft. Danach ging es auf den Spielplatz, wo wir die einzigen waren.

Wie schon letztes Jahr ist die erste Aktion auf dem Spielplatz die Babyschaukel. Nachmittags und bei schönem Wetter muss man da schon mal anstehen, aber ansonsten ist sie eigentlich sehr bequem. Nach der Schaukel ging es dann zur Rutsche und dann nirgendwo hin. Nepo wurde müde und hatte auf nichts so richtig Lust.

Mir fiel heute zum ersten Mal so richtig auf, dass die Kinder ohne die Eltern fast nichts machen können. Nepo hatte heute kurz das Bedürfnis überall hochzuklettern. Aber nirgendswo ging es, weil die Geräte für ihn noch zu groß sind, dazu kommt die eingeschränkte Beweglichkeit durch die Schuhe, den Baumwolloverall und die Matschhose. Er war so genervt, denn er liebt es Dinge zu erklimmen. Das funktioniert super bei den Hengstenberg Geräten im Spielraum oder auf der Wiese in freier Natur. Aber diese Geräte auf dem Spielplatz waren so demotivierend für ihn, dass er anfing mit weinen.

Ich schaute mich um und war genervt von der Babyschaukel, in die kein Kind allein reinkommt, von dem Wippauto, in das man die Kinder reinsetzen muss, von der Rutsche auf die Kinder in Nepos Alter hochgehoben werden müssen. Die Wippe, die einem Kind allein überhaupt nichts bringt und diese Netzschaukel, die so hoch ist, dass selbst ältere Kinder Probleme haben, dort reinzukommen. Es gibt kein Gerät, wo Nepo nicht auf meine Hilfe angewiesen ist und das finde ich scheiße.

Letztes Jahr ist es mir noch nicht so aufgefallen, aber jetzt mit der Spielraum Erfahrung, mit dem Wissen, wie stolz er ist, wenn er Schrägen laufen kann oder das Piklerdreieck erklimmt, jetzt weiß ich, wie deprimierend es für ihn sein muss, dass er fast nirgends hoch kommt.

Ich musste an Remo Largo denken und wie er mal in einem Interview über die fantasielosen Spielplätze wetterte, die nicht ansatzweise an die Erlebnisse im Wald rankommen. Das ist übrigens auch der Grund, warum ich mit Nepo einen Naturtreff besuchen möchte. Auch ich bin schon völlig abgestumpft, was die Erlebnisse im Wald anbelangen. Und das, obwohl ich auf einem Dorf aufgewachsen bin, ohne schöne Spielplätze, aber mit viel Wiesen, Wäldern und Bächen.

Heute nachmittag werde ich mit Nepo an die Isarauen gehen. Dort gibt es Steine, die man ins Wasser werfen kann, grüne Flächen und viele Bäume. Ich werde die Route so legen, dass wir nicht am Spielplatz vorbeikommen, wohl aber am Naturkindergarten. Ich will, dass wir mehr von der Natur erleben, auch wenn wir in München wohnen. Aber hier ist der englische Garten und der ist zwar ein Park, aber trotzdem ansprechender als ein Spielplatz, dessen Geräte so demotivierend und frustrierend für Nepo sind, dass er nur noch weint.

An Ostern sind wir bei meinen Eltern – aufm Land. Sie haben ein Haus und sie haben einen großen Garten. Dazu gibt es in Laufweite Felder, Wiesen und etwas weiter weg auch Wald.

  • Ich möchte, dass wir mit Nepo einfach nur draußen sind und den Luxus eines Garten oder der nahe gelegenen Wiesen nutzen.
  • Ich möchte mit ihm nicht auf den neu errichteten Mehr-Generationen-Spielplatz oder die ganze Zeit in der Wohnung sitzen.
  • Ich möchte, dass er sich mit der Natur misst und nicht mit von Menschen entworfenen Fantasiegeräten in Blumen- und Pilzform.
  • Ich möchte, dass mein Sohn irgendwann barfuss über Wiesen, Felder oder Waldboden läuft – ohne Ekel, ohne Schmerzen oder dem Gefühl, dass da was fehlt.
  • Ich möchte keine super gedämpften Schuhe für ihn, sondern Schuhe, die so eine dünne Sohle haben, dass er den Kontakt zum Boden nie verliert.
  • Ich möchte, dass er in eine Krippe und einen Kindergarten geht, die es nicht zum Ziel haben, die Kinder auf Spielplätze zu schleifen, sondern mit ihnen in den Park und den Wald gehen oder sie einfach nur im Garten das Gras beobachten lassen.
  • Ich möchte, dass mein Sohn die Nähe zur Natur kennenlernt, die ich kennenlernen durfte. Ich will das er die Natur schätzen lernt, dass er weiß, dass ein Baum mehr Schatten spendet, als jedes Sonnensegel auf der ganzen Welt. Ich will das er merkt, dass wir ohne die Natur, aber die Natur ohne uns alles ist. Ich möchte nicht, dass mein Sohn ein typisches Großstadtkind wird, dass nicht weiß, dass eine Kuh braun-weiß ist und das Berge nicht nur zum Ski fahren da sind.

Ja, das alles ist meine Aufgabe als Mutter und diese zu erfüllen, solange es mir möglich ist, ist meine oberste Pflicht und Verantwortung ihm gegenüber.

So, jetzt werden wir Essen und danach geht es wieder nach draußen – diesmal aber an die Isar.

Alles Liebe

Mareike