Minimalismus: Wir sind (fast) angekommen

Letzte Woche waren meine Eltern zu Besuch. Schon lange haben wir auf den Besuch gewartet, nicht, weil sie ewig nicht da waren, sondern weil wir mit ihrem Besuch den letzten wichtigen Schritt in Richtung Minimalismus gehen konnten.

Ich freue mich immer so sehr, wenn meine Eltern kommen. Das ist fast wie Urlaub für mich, denn sie gehen mit Nepo an die frische Luft, auf den Spielplatz oder ins nahe gelegene Kindercafé. Das sind wertvolle Stunden, die ich nutzen kann, um die Wohnung aufzuräumen oder Dinge zu erledigen, die ich sonst nicht tun kann.

Letzten Freitag hatte mein Freund Urlaub genommen, denn wir hatten uns viel vorgenommen. Meine Eltern gingen am Vormittag ins Kindercafé und wir schafften die Bücherregale aus unserem Wohnzimmer in den Keller. Ja, wir lagern unsere „Bibliothek“ nun im Keller. 🙂

Was vor einigen Monaten noch undenkbar war, kristallisierte sich in den letzten Wochen immer mehr raus: Die offenen Bücherregale erzeugten Unruhe in uns. Ständig waren wir mit den Büchern konfrontiert, die wir noch lesen „mussten“. So sehr ich Bücher liebe, sie saugten unsere Energie. Wir würden nie Ruhe haben, bevor diese nicht aus unserem Blickfeld verschwinden.

Die Bücher von denen ich hier spreche, sind Bücher, die wir nie, nie, nie über Momox verkaufen würden. Nein, wir wollten sie gern behalten, weil es für uns wichtige Bücher sind. Aber wir wollten sie eben nicht mehr jeden Tag sehen. Und so beschlossen wir, dass sie umziehen mussten. Damit wir trotz der Lagerung im Keller einen Überblick über alle Bücher hatten, machte mein Freund die App „Fantastic Library“ ausfindig und scannte alle Bücher ein. So gehen die Bücher nicht verloren und wir haben unser eigenes Büchersystem. 🙂

Es geht los: Die Bücherregale wandern in den Keller

Am Freitagvormittag war es dann also soweit. Die Eltern gingen mit dem Kleinen raus und wir fingen umgehend an, die zwei großen, aber zum Glück nicht schweren Bücherregale die 5 Etagen runterzutragen. Unten angekommen, musste mein Freund dann erstmal den Keller ausräumen. Während ich mich umschaute und ein paar alte Krücken sah, fragte ich ihn, warum er das alles aufbewahrt. Ich war der Meinung, dass wir jetzt die Gelegenheit nutzen sollten und alles rauswerfen, für das wir keine Verwendung hatten.

Gesagt, getan. Mein Freund räumte den ganzen Keller aus und schaffte es in kürzester Zeit die wichtigen von den unwichtigen Dingen zu trennen. Alles was keine Zukunft hatte, ging auf einen separaten Stapel, der immer größer wurde. Er war da sehr konsequent.

Meine Aufgabe war es in der Zwischenzeit alle Bücher von oben in den Keller zu tragen. Zwei Bücherregale sind ne verdammte Menge an Büchern und ich schaffte es laut Fitbit an diesem Tag auf 62 gelaufene Stockwerke. Ich trug immer eine große Ikea Tüte voll mit Büchern in den Keller, räumte die Bücher in ihr Fach und lief wieder hoch. Irgendwann waren dann alle Bücher im Regal. Mein Freund hatte in der Zeit alle noch nützlichen Dinge wieder in den Keller aufgeräumt und ich war echt baff, wie schnell man doch einen Keller aufräumen kann, wenn der Großteil, darunter unser Bett, entsorgt wird.

Ich brachte noch den Lauflernwagen und ein paar andere Dinge aus der Wohnung in den Keller und damit hatten wir diese große Aufgabe binnen weniger Stunden gemeistert. Mir ging es gut, weil ich auch wusste, dass Nepo von all dem nichts mitbekommt und stattdessen eine schöne Zeit mit anderen Kindern verbringt.

Überflüssiges geht gleich zum Wertstoffhof

Zum Schluss luden wir noch das Auto meines Freundes bis oben hin voll und riefen meine Eltern an. Sie kamen dann auch gleich mit dem kleinen Fratz, dessen zufriedenes Lachen ich schon von weitem sehen konnte. Dann beschlossen wir, dass mein Freund und mein Vater gleich zum Wertstoffhof fuhren und ich mit meiner Mutter und Nepo noch einkaufen und Kuchen besorgen ging.

Als wir dann vom Einkaufen zurück kamen und ich das erste Mal ins Wohnzimmer ohne Bücherregal kam, war ich überglücklich. Es hallte. Wann hat es das letzte Mal in unserer Wohnung gehallt?

Kurz darauf kamen auch mein Freund und mein Papa wieder und während meine Mutter und ich mit Nepo im Schlafzimmer spielten, hängten die beiden Männer noch die Bilder richtig an die nun freie Wand, bauten den DJ Koffer von meinem Freund zusammen und putzten das Wohnzimmer.

Unser leeres, hallendes Wohnzimmer 🙂
Die Bücherregale sind weg

Die Bücherregale sind weg

Seitdem ist nun eine Woche vergangen. Ich liebe unser Wohnzimmer und die Tatsache das es hallt. Ich fühle mich nicht mehr von den Büchern bedrängt, sondern kann mich entspannt einem Buch zuwenden. Jetzt sitzen wir auf der Couch und reden viel am Abend. Wir geniessen jede Minute in unserem „neuen“ Wohnzimmer.

Mittlerweile haben wir auch Zeit uns um die „Mikroebenen“ in der Wohnung zu kümmern. Letzten Samstag habe ich beispielsweise eine Schublade aufgeräumt, die schon seit Nepos Geburt vor sich hin wucherte.

Und so sah es noch vor wenigen Monaten, Wochen aus

IMG_0962

IMG_1706

 

 

 

 

 

IMG_1949

Bücherregale vor dem Ausmisten

 

 

 

 

 

Das erste Mal seit Monaten, ach was sage ich, seit Beginn des Minimalismus, habe ich wirklich das Gefühl, dass wir „angekommen“ sind. Wir werden nun sicher nicht stehen bleiben, sondern immer weitermachen, denn es gibt in unserer Wohnung sicher noch die ein oder andere Schublade, die etwas weniger sehr gut vertragen kann. Aber ich bin so stolz auf uns, dass wir das gemeinsam anpacken werden und sehr zuversichtlich, dass wir an Silvester voller Stolz und Glück zurück auf 2015 blicken können. 🙂

4 thoughts on “Minimalismus: Wir sind (fast) angekommen

  1. Bei uns hallt es auch Wobei ich es leer ohne Hallen besser finden würde…
    Habt ihr keine Sorge, dass die Bücherei von Feuchtigkeit und Mief angegriffen werden?

  2. Sag mal, verstehe ich den Namenswechsel richtig als Schlussfolgerung aus deinem Artikel zu Internetauftritt/kInder im Netz? War erst etwas verwirrt.

    1. Du bist zu recht verwirrt, denn ich habe in der Tat den Namen gewechselt und bin auf den Spitznamen aus der Schwangerschaft gewechselt. Allerdings war das eine eher sinnlose Aktion, denn 1. findet mein Freund den Namen doof, 2. ist es absolut nutzlos, denn jeder Blog muss über ein Impressum verfügen. Selbst wenn ich einen Spitznamen wählen würde, könnte doch jeder auf mein Kind zurückschliessen. Ich glaube ich passe es wieder an und mache aus Fritzi einfach wieder Nepo. 😀

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.