Minimalismus: Die hobbylose Mutti

Nach dem wir heute auf einem tollen Kindergeburtstag waren, sitze ich hier auf dem Sofa und führe mit meinem Freund eine Unterhaltung, wie wir sie schon so oft geführt haben. Wieder einmal dreht sich alles um Hobbys bzw. in unserem Fall um die Unfähigkeit ein Hobby zu besitzen. Wobei ich hier schon mal sagen muss, dass für mich joggen oder „ins Fitnessstudio gehen“ keine Hobbys sind.

Der Minimalismus legt das Fehlen von Hobbys offen

Das mir ein Hobby fehlt, wurde mir eigentlich erst im Herbst 2015 bewusst. Nämlich genau an dem Abend, an dem wir das erste Mal in unserem leeren Wohnzimmer saßen. Die Bücherregale waren im Keller und mit dem Gefühl der Ruhe kam die Frage nach einer abendlichen Beschäftigung aus. Ich weiß nicht, warum mir das früher nicht aufgefallen ist, vielleicht hatte ich immer das Wissen, wenn mir langweilig ist, könnte ich ja ein Buch lesen. Aber als dann alle Bücher im Keller waren, wusste ich ehrlich gesagt nichts mit mir anzufangen.

Wenn man eine volle Wohnung hat, dann lenkt das schon mal von vielem ab, besonders von der Notwendigkeit sich mit sich selbst zu beschäftigen. Wir haben das letzte Jahr viel hin und her geräumt und viel über Minimalismus gesprochen. Doch jetzt, wo wir uns an unsere aufgeräumte (nicht saubere) Wohnung gewöhnt haben, wird mir doch immer bewusster, wie sehr mir ein Hobby fehlt.

Was bedeutet Hobby eigentlich?

Auf Wikipedia findet sich für Hobby folgende Definition:

„Ein Hobby …, auch Freizeitbeschäftigung … genannt,ist eine Tätigkeit, die der Ausübende freiwillig und regelmäßig betreibt, die dem eigenen Lustgewinn oder der Entspannung dient und zum eigenen Selbstbild beiträgt. Ein Hobby ist kein Beruf und repräsentiert für den Ausübenden einen Teil seiner Identität. Der Begriff Hobby hat eine leichte Nähe zum Begriff Spiel. Als Hobby wird eine Tätigkeit indes nur bezeichnet, wenn man für diese Tätigkeit eine im Vergleich zu anderen Freizeitgestaltungen besondere Vorliebe hat und sie regelmäßig ausübt.“

Das spiegelt schon mal sehr gut das, was ich mir von einem Hobby erwarte. Aktuell kommen vielleicht meine regelmäßigen Besuche im Fitnessstudio oder mein abendliches Laufen in die Nähe eines Hobbys, aber so richtig glücklich bin ich damit nicht.

Ich selbst habe für mich folgende Kriterien bei der Hobbyfindung definiert:

  • Ich muss dieses Hobby offline ausführen können
  • Es muss eine Tätigkeit sein, die ich abends im Wohnzimmer ausführen kann und die mich ganz fesselt
  • Die Tätigkeit sollte weder mit meinem Beruf noch mit meiner Rolle als Mutter zu tun haben
  • Dieses Hobby sollte nicht aufwendig sein und wenig Ausgaben erfordern
  • Es sollte mir helfen abzuschalten und doch meine volle Konzentration erfordern
  • Es darf nicht im Widerspruch zu unserem gelebten Minimalismus stehen

Beachte ich nun diese Kriterien so fallen schon einige Hobbys wie Briefmarken sammeln, nähen oder töpfern weg. In den letzten Monaten, Wochen und Tagen habe ich mich auf drei Hobbys konzentriert von dem ich nun eines ausprobieren möchte:

Malen

Schon in der Schule habe ich sehr gern gemalt. Es half mir meine Kreativität zu verarbeiten, auf andere Gedanken zu kommen und in andere Welten abzutauchen. Auch später habe ich hin und wieder den Pinsel auf die Leinwand gebracht. Und auch wenn ich noch unzählige leere Leinwände im Keller habe, so würde ich das Malen erstmal hinten anstellen.

Wir leben aktuell in einer Zwei-Zimmer-Wohnung wo jeder Raum wertvoll ist. Zudem bewegt sich unser Sohn frei in allen Zimmern umher. Für mich ergibt sich also das Problem, dass ich keinen Ort für mich schaffen kann, an dem ich meine Lust am Malen ausleben kann. Wenn ich also abends meinem Hobby fröhnen möchte, dann habe ich keine Lust erst alles herzuräumen und noch weniger Lust später alles wieder wegzuräumen. Das schnelle und sichere Verstauen von Acrylfarben, Pinseln oder Leinwänden ist aber bei einem 1,5-jährigem Kind aus meiner Sicht dringend erforderlich.

Für das Hobby Malen fehlt mir also schlichtweg ein Raum oder zumindest Stauraum, wo ich alles aufbewahren kann und trotzdem schnell griffbereit habe.

Puzzlen

Mein Freund und ich haben das Puzzle wieder entdeckt. Es mag sich vielleicht spießig oder langweilig anhören, aber ich finde gerade beim puzzlen kann man wirklich gut abschalten.

Da jeder von uns gerne puzzelt bräuchten wir aber schon mal mindestens zwei Puzzle. Zudem wissen wir nicht, was wir danach damit machen sollen, denn aufhängen wollen wir es auf keinen Fall und im Keller aufbewahren wäre aus Minimalismussicht auch nicht korrekt.

Zudem müssten wir auch das Puzzle immer abends herräumen und später wieder wegräumen, um zu verhindern, dass Nepo sich das Puzzle schnappt.

Malbuch für Erwachsene

Das klingt jetzt vielleicht noch altmodischer als ein Puzzle, aber ich habe jetzt nach langem überlegen und intensiver Recherche beschlossen, dass ich es mal mit einem Malbuch für Erwachsene ausprobiere. Die Bilder erinnern mich an Mantras, weshalb ich den,e, dass ich mich sehr gut entspannen kann.

Zudem ist so ein Buch mit den dazugehörigen Buntstiften schnell aus dem Schrank geholt und genauso schnell wieder verstaut.

Ich habe mir gestern ein Buch und eine Packung Buntstifte bei Amazon bestellt und bin schon gespannt wie ein Schnitzel, was da im Laufe der nächsten Woche so geliefert wird.

Ich hoffe sehr, dass mir so ein Mantra Malbuch genug Abstand zum Tag beschert und ich mich beim Ausmalen der Felder entspannen kann. Natürlich denke ich auch daran, dass ich endlich abends von meinem Rechner und noch mehr von meinem iPhone wegkomme.

Ich denke nächstes Wochenende kann ich dann schon sagen, welche Erfahrung ich mit dem Buch gemacht habe und ob ich das Gefühl habe, hier ein neues leidenschaftliches Hobby zu entdecken.

Jetzt würde mich aber noch interessieren, wie ihr das mit euren Hobbys handhabt. Habt ihr welche und wenn ja, wie schafft ihr es zeitlich diese in regelmäßigen Abschnitten zu geniessen?

So, jetzt werde ich langsam mal mein Bett aufsuchen und wünsche euch eine wundervolle Nacht

Alles Liebe

Mareike

 

2 thoughts on “Minimalismus: Die hobbylose Mutti

    1. Früher habe ich auch gern gemalt, aber wie das so ist, man verliert irgendwann viele Dinge aus den Augen. Ich muss ehrlich gestehen, ich war gestern auch etwas neidisch, als ich die tollen Malbücher bei dem dreijährigen Geburtstagskind gesehen habe. Ich kann es wirklich kaum erwarten, bis das Buch geliefert wird. Ich kann dich also sehr gut verstehen, dass du Malbücher immer noch toll findest. 🙂

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