Mein temporärer Abgesang auf Brio und Matchbox

Am Wochenende haben wir uns temporär von einigen Spielsachen getrennt, die Nepo zwar lieb gewonnen, aber uns in den Wahnsinn getrieben haben. Das wir Spielzeug temporär wegräumen, obwohl Nepo mit diesem jeden Tag gespielt hat, mag für euch vielleicht herzlos klingen, für uns war es die letzte Rettung, um überhaupt nochmal Ruhe in unsere Wohnung zu bekommen.

Und das Alter spielt doch eine Rolle

Geht ihr bei den Spielzeugen streng nach der Altersvorgabe? Ich ehrlich gesagt nicht. Wenn ich es gut finde, dann hält bei uns auch Spielzeug der Kategorie 3+ schon mal Einzug. Den Vogel hat hier übrigens meine Mutter abgeschossen, die beim letzten Besuch 3M+ mit 3+ verwechselt hat und mit einem typischen Raschelbuch für Babies um die Ecke kam. Naja, das aber nur am Rande.

IMG_0716Im Dezember haben wir in dem Keller von den Eltern meines Freundes sein altes Spielzeug ausgeräumt. Darunter waren unendlich viele Playmobilspielsets, Matchbox Autos, eine knapp 40 Jahre alte Brio Bahn und und und. Während wir das Playmobil relativ schnell weggeräumt haben, entschieden wir, dass Nepo zu Weihnachten die alte Brio Bahn mit der Kombination einer neuen zu Weihnachten geschenkt bekommt. Mir ist aufgefallen, dass er im Café Glanz immer mit der Bahn spielte und da ganz versunken war, weshalb ich auch dachte, dass er die Brio Bahn lieben würde.

Das gleiche galt für die Matchbox. Aus einem „Komm wir schauen mal kurz, welche Autos ich früher hatte“, wurde ein „Jetzt packen wir die Autos in eine Kiste, damit sie immer schön für die zur Verfügung stehen“. Ergänzt wurde das dann auch noch durch meine grandiose Idee ein Parkhaus und nun ein Spielzeugteppich aus Karton zu basteln bzw. zu malen.

Sowohl die Brio Bahn, als auch Matchbox Autos werden immer mit einer Altersempfehlung von 3+ angeboten. Und das liegt nicht daran, dass sie so kompliziert sind oder so klein. Nein, das liegt daran, dass Nepo mit 18 Monaten schlichtweg zu klein ist, um sich Geschichten zu überlegen, die ausreichen, dass er allein mit der Bahn oder den Autos spielt. Natürlich kann er die Schienen schon selbst zusammen bauen, was sicher jedes Kind kann, wenn es ständig sieht, wie die Eltern oder Großeltern die Schienen zusammen basteln. Es ist schlichtweg Nachahmung, die er mittlerweile auch auf sein Puzzlebuch überträgt. Die Puzzle sind sehr groß und funktionieren nach dem gleichen Prinzip wie die Schienen der Brio Bahn. Aber das nur so am Rande.

Verdammt auf die Rolle des Mitspielers ohne Rechte und ohne Ahnung

War am Anfang noch ein konzentriertes Spielen mit der Bahn und den Autos möglich, kippte das ganze nach einigen Tagen. Plötzlich musste ich immer dabei sein, aber richtig spielen durfte ich nicht. Wollte er, dass ich mit ihm die Brio Bahn aufbaue und spiele, durfte ich nur bestimmte Schienen verwenden. Weichen – nur er, Bahnübergänge – nur er, Tunnel und Brücken – nur er. Ich bekam nur die kurvigen Schienen und wehe ich wagte es mich an eine freie Weiche anzudocken. Boah, da wurde gleich alles zerstört und der Herr war beleidigt.

Bei der Kombination von alt und neu haben wir leider übersehen, dass ein neuer, motorisierter Zug nicht durch den alten, sehr schmalen Tunnel passt. Eine Flüchtigkeit die mich jeden Tag einholte und einen frustrierten Sohn mit sich brachte. Ich weiß nicht, wie oft er am Tag versucht hat mit dieser überbreiten Lok in den Tunnel zu fahren. Und warum ich nicht einfach diese scheiß E-Lok aus dem Karton genommen habe. Während ich also täglich neben der Bahn sitzen musste und irgendwie immer nur die gleichen Handgriffe machen durfte, sank die Bahn kontinuierlich in meiner Gunst.

Das gleiche galt für die alten Matchbox Autos. Am Anfang wollte er allein spielen und es war ihm ein großes Vergnügen sie aneinanderzureihen. Doch irgendwann war alleine spielen doof. Also bekam ich unzählige Male am Tag ein Auto in die eine Hand gedrückt und mit der anderen Hand wurde ich abwechselnd ins Wohnzimmer oder ins Schlaf- bzw. Spielzimmer gezogen, je nachdem wo die Parkgarage stand. Dann kam das gleiche Spiel wie bei der Bahn. Egal was ich machte, es war falsch bzw. blöd. Die Autos die Parkgarage runterfahren zu lassen – blöd, den Regenbogen von Grimm als Tunnel zu nutzen – blöd, die Autos einfach durch den Raum fahren zu lassen – ganz blöd. Ehrlich gesagt war ich einfach nur der Yogi, der neben ihm sitzen musste, ab und an ein Auto in die Hand gedrückt bekam und sonst eigentlich nichts machen durfte.

Auch das habe ich jetzt fast drei Monate mitgemacht und bin ehrlich gesagt so genervt, dass ich mich jetzt frage, warum wir die Sachen nicht schon früher weggeräumt haben.

Bahn und Matchbox – alles durchgespielt

IMG_1812Bei beiden Sachen merkt man jetzt deutlich, dass sie einfach durchgespielt sind. Wie mein Freund treffend gesagt hat: Es kommt nichts mehr, alles wurde von vorn bis hin bespielt und jetzt ist es nur noch Mist.

So kam es, dass ich am Samstag alles zusammengesucht und bis auf eine Handvoll Matchbox alles verstaut habe. Gerade bei der Brio Bahn bin ich mir sicher, dass wir sie ihm bald wieder anbieten werden. Aber mit nur ganz wenigen Schienen, ohne Tunnel und ohne die dämliche E-Lok.

Auch die selbstgebastelte Straßenkarte und das Parkhaus aus Karton, dass sich stolz seit Oktober behauptet hat, mussten gehen.

Was er am meisten vermisst.

Für mich war sehr interessant zu wissen, welches der weggeräumten Spielzeuge er denn am meisten sucht und uns signalisiert, dass da mal was da war. Tja, was soll ich sagen: Er vermisst nichts! Er hat jetzt die letzten Tage nicht einmal unters Sofa geschaut, wo früher die Bahn und die Straßenkarte waren. Sich kein einziges Mal suchend im Schlafzimmer das Parkhaus oder seine Kiste mit den ganzen Autos umgeschaut. Wir haben ihn beobachtet und nicht ansatzweise irgendwas gesehen, was darauf schließen lässt, dass er etwas lieb gewonnenes vermisst.

Gleichzeitig habe ich auch gemerkt, dass meine vorbereitete Umgebung für ihn zu viel ist bzw. aktuell einfach nicht passt. Er hat so lustlos und mechanisch sein Spielgeld in die Dose geworfen, dass ich mich überlegt habe, dass auch das Schütten einfach durch ist.

Wir haben jetzt beschlossen, dass er weniger angeboten bekommt und beobachten, wie er sich verhält. Durch die Neugestaltung seines Regals hat er sowieso immer Anregung und auch seine Spielküche findet jetzt mehr Beachtung. Da er noch etwas klein für die Küche ist, holt er sich jetzt immer seinen Anziehschemel aus dem Flur und nutzt das als Stufe, um besser auf die Kochfläche, an die Gewürze und vor allem an die Mikrowelle zu kommen.

Was allerdings für mich in den letzten Wochen am deutlichsten wurde, ist die Tatsache, dass wir wieder an die frische Luft müssen. Jahreszeitenbedingt und vielleicht auch aus Bequemlichkeit waren wir zwar jeden Tag draußen, aber meist nur kurz und Nepo war fast immer im Kinderwagen. Gestern verbrachten wir den Vormittag auf dem Spielplatz und wir genossen die Sonne und den strahlend blauen Himmel. Der Frühling kommt, das merken wir beide und wir freuen uns so drauf. 🙂

Heute vormittag ist allerdings erstmal wieder „Miteinander wachsen“ bei Montessori 21 angesagt. Habt einen wunderschönen Tag ihr Lieben, ich gönne mir jetzt erstmal einen Kaffee.

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