Mein Besuch im Sozialkaufhaus „Weißer Rabe“

Vollgepackt Richtung SozialkaufhausDa mein Kleiderschrank immer noch voll ist und nicht alle Klamotten über Second Hand verkauft werden konnten, habe ich gestern zwei voll Rucksäcke und eine große Plastiktüte voller Klamotten ins Sozialkaufhaus „Weißer Rabe“ nach Sendling geschafft.

Das ich mich für den „Weißen Raben“ entschieden habe, war eher spontaner Natur. Mir war nur wichtig, dass ich die Kleidung „übergeben“ kann und sie nicht einfach in einen Altkleidercontainer schmeiße.

Den Entschluss, meine Kleidung zu spenden, habe ich schon lange gefasst. Den Zeitpunkt für einen Besuch relativ kurzfristig am Mittwoch. So habe ich Mittwochabend alle Taschen und Rucksäcke gepackt und für Donnerstagmorgen in den Flur gestellt.

Gestern früh um 09:30 Uhr ging es dann mit Sack und Pack und Kind los Richtung U-Bahn. Der Kinderwagen war vollgepackt mit Klamotten, ich hatte einen großen Rucksack auf dem Rücken und einen anderen Rucksack noch quer über den Kinderwagen gelegt. Insgeheim habe ich gebetet, dass an keiner U-Bahn Station der Aufzug defekt ist und ich mit den Rolltreppen fahren muss.

Ab Max-Weber-Platz ging es los, dann umsteigen am Odeonsplatz mit Zielhaltestelle Poccistraße. Die Leute in der U-Bahn haben teilweise komisch geschaut, als ich da schwer bepackt durch die Gänge kurvte.

An der Poccistraße angekommen, ging es erstmal am KVR vorbei, immer entlang der Lindwurmstraße bis ich irgendwann die Bavariastraße erreichte, dann rechts in die Straße einbog und schon das sehr einfach Gebäude vom „Weißen Rabe“ sah.

Das Sozialkaufhaus "Weißer Rabe"Mittlerweile war es 10:02 Uhr. Der Laden macht zwar erst um 10:00 Uhr auf, aber an der Kasse wurde schon fleißig über den Preis eines Bademantels diskutiert und gefeilscht. Der Käufer bekam den Nachschlag und war glücklich. Ich selbst musste erstmal die nette Dame aus der „Spielzeugabteilung“ fragen, wo ich denn meine Sachen abgeben kann.

Sie schickte mich zur Kasse, wo eben gerade der Verkauf abging. Dort standen schon zwei sehr nette Mitarbeiter, die gerade mit dem Käufer beschäftigt waren. Der eine Mitarbeiter sah aus wie Mickey Rourke in „Wrestler“, hatte eine raurige Stimme und eine super nette Art an sich.

Der Raum um die Kasse, wie auch das ganze Kaufhaus waren vollgestellt. Ich gebe zu, es war etwas naiv von mir zu glauben, dass es wirlich wie in einem Kaufhaus aussehe. Die Realität erinnerte eher an ein Lager, wo die Sachen zur Abholung bereit standen. Während ich wartete, schaute ich mich um und fand viele Bilder, teilweise sehr kitschig, schöne Teeservice, Kronleuchter, noch kitschigere Ketten. Es gab dort wirklich alles, nur keinen Schrott. Und auch wenn es eher wie ein Lager aussieht, ist es dort weder dreckig noch schmuddelig. Die Sofas könnten genauso gut bei Möbel Höffner oder Poco Domäne stehen, das Geschirr war wirklich schön und sah fast so aus, wie dass, was ich schon lange gesucht hatte. Aber kaufen war ja nicht drin für mich. 🙂

Der Weiße Rabe von innenNeben mir war noch ein alter Herr im Laden, der mehr schwebte als lief und von allen nur „der Opa“ genannt wurde. Er schaute sich um, aber so richtig suchend war er nicht. Vielleicht ist das ja sein tägliches Ritual dort vorbeizuschauen.

Doch bevor ich mich in irgendwelche Gedankengänge reinsteigern konnte, hatten die zwei Mitarbeiter Zeit für mich, räumten die Kasse frei und ich konnte mein Zeug abladen.

Profimäßig packten sie alles in Kartons und ordneten es verschiedenen Leuten zu. Naja, bei mir gab es ja auch nur zwei Arten: Taschen und Klamotten. Ja, und so lud ich meine ganzen Klamotten ab. Ohne irgendwelche Gefühle. Für mich waren es nur noch Dinge, die mir aber nichts bedeuteten.

Ich stellte mir nur die Gesichter der Mitarbeiter vor, wenn sie sich die Kleidung ganz genau anschauen und plötzlich ne Ralph Lauren Bluse in der Hand halten oder neuen und ungetragenen Blazer von Tom Tailor oder Only. Oder die Tasche von „George, Luka & Lucy“, die ich wirklich oft und gern getragen habe. Aber eben vor mehr als 5 Jahren. Heute kann ich die Marke nicht mehr sehen, was aber nicht gegen die Qualität und das Design der Tasche spricht.

Und so lud ich Teile meiner Vergangenheit ab und freute mich, wie der Rucksack immer leichter wurde. Nach ein paar Minuten hatte ich alles abgeladen und war fertig.

Die Mitarbeiter freuten sich, ich freute mich und Nepomuk schlief freudig in seinem Kinderwagen. 🙂

So ging ich mit einem super tollem Gewissen nach ca. 15 Minuten aus dem Sozialkaufhaus und bin mir sicher, die nächsten Klamotten bringe ich auf jeden Fall auch wieder in den „Weißen Rabe“. 🙂

Traurig hat mich nur ein Blick in das Spielzeugschaufenster gemacht. Dort war ein Schild mit dem HInweis, dass das Spielzeug nur für Familien mit ALG II bzw. Grundsicherung gedacht ist. Ach, scheiße, wir finanzieren ein sinnfreies G7 Treffen, noch sinnlosere Eurovision Song Contests und dabei fallen immer mehr Familien durch die immer größer werdenden Maschen unseres Sozialnetzes. 🙁

 

One thought on “Mein Besuch im Sozialkaufhaus „Weißer Rabe“

  1. Oh, das ist ja gar nicht so weit von mir weg! Da sollte ich auch mal vorbeigehen. Waren deine Sachen alle noch halbwegs „neu“ oder waren auch ältere Sachen dabei? Ich hab vor Kurzem eine Ladung Bücher bei Oxfam vorbeigebracht und die waren eher unbegeistert, weil manche eben nicht mehr nagelneu waren. Da hat es mich schon geärgert, die Sachen durch die halbe Stadt geschleppt zu haben. Meinst du, die von Weißer Rabe sind da weniger pingelig?

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