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16Jan/16

Erste Stunde „Miteinander wachsen“ bei Montessori21

Zitat_Emmi Pikler

Schon vor vielen Monaten hatte ich mich auf die Warteliste des Spielraum „Miteinander wachsen“ setzen lassen, der immer dienstags im Montessori21 stattfindet.

Ich kam auf die Warteliste, weil Nepo vom Alter her genau zwischen der Babygruppe und der Kleinkindergruppe lag. Es war so traurig, aber für die eine Gruppe war er zu alt, für die andere Gruppe zu jung. Doch kurz vor Weihnachten erhielt ich von der Kursleiterin Frau Neunert den Anruf, dass wir zu einer Schnupperstunde für die Kleinkindergruppe kommen könnten, weil wohl ein Platz im nächsten (also in 2016) frei wird.

Ich freute mich so und wir gingen am 15.12.15 zur Schnupperstunde. Nepo fühlte sich super wohl und für ihn war es kein Problem, dass er mit Abstand der Jüngste war. Sicher sind die anderen Kinder weiter, aber in dem wirklich schönen großen Dachgeschoss hat jeder die Möglichkeit sich dort zu bewegen, wo er gerade Lust hat. Nach dieser tollen Stunde entschied ich mich sofort, dass wir im Januar mit in den Kurs einsteigen.

Da Nepo auch sonst lieber mit „Älteren“ abhängt, sah ich den Altersunterschied als kein Problem an.

Tja, und diesen Dienstag war es soweit und wir starteten offiziell im „Miteinander wachsen Kurs“ von Silvia Neunert.

Obwohl ich nun in der Vergangenheit viele Kurse mitgemacht habe, geht mir besonders in den Spielräumen immer das Herz auf. Ich liebe es am Rand zu sitzen und Nepo einfach in seinem Tun und seiner Bewegung zu beobachten. Es ist für mich ehrlich gesagt ein Segen, dass die Mütter alle auch ebenfalls nur beobachten und maximal mit ihrem Kind und dann sehr leise reden.

Für so ein Hochsensibelchen wie mich und ja, ich glaube auch wie Nepo, ist ein niedriger Lärmpegel super angenehm. Vergleiche ich Nepomuks Verhalten in den Spielräumen mit anderen Kursen, dann merke ich ganz klar, wie er aufblüht, wie er Dinge ausprobiert, entdeckt. Kontakt zu anderen sucht oder einfach nur beobachtet.

Ich denke Nepo merkt auch, dass ich mich in den Kursen wohlfühle, weil ich nicht das Gefühl habe zu Konversation gezwungen zu werden, sondern mich einfach auch mal entspannen und alles auf mich wirken lassen kann. Das heißt nicht, dass ich dort mit offenen Augen schlafe, im Gegenteil, ich bin hellwach und beobachte Nepo in seiner Mimik, in seiner Gestik, einfach in allem. Nur werde ich dabei nicht ständig abgelenkt, weil mich irgendwer immer anspricht oder weil Mütter ständig und ohne Unterbrechung reden und ich dann einfach am Limit laufen würde und diese Unzufriedenheit wohl auch Nepo spürt. Bei uns beiden ist es so: Bin ich entspannt, ist Nepo auch entspannt. Er weiß ganz genau, wem gegenüber ich Sympathien empfinde und wer mich eher anstrengt. Und so verhält er sich auch diesen Personen gegenüber.

So ist der „Miteinander wachsen“ Kurs aufgebaut

Bevor ich allerdings zu sehr in den Bereich „Hochsensibilität“ und „Mareikes philosophische Abendstunde“ abdrifte, hier nochmal kurz die Abgrenzung eines „Spiel- und Bewegungsraumes“ nach Pikler/Montessori zu anderen (normalen) Baby- und Kleinkindkursen.

Die Räumlichkeiten sind meist weitläufig und nach meiner Erfahrung alle sehr „natürlich“ gehalten. Das heißt die Kinder haben viel Platz, finden einen Parkettboden vor und der Raum engt sie nicht ein, wie in manchen anderen Kursen.

Vor dem Kursbeginn baut die Leiterin eine Spiel- und Bewegungslandschaft auf, in der sich die Kinder dann austoben oder auch entspannen können. Alle „Turngeräte“, wie das Piklerdreieck oder der Tunnel sind qualitativ sehr hochwertig und aus Holz. Es gibt Stufen, Schrägen, Sprossen, all das in verschiedenen Schwierigkeitsstufen, damit sich alle Kinder ihrem Entwicklungsstand entsprechend bewegen können.

Parallel zu den ganzen Bewegungsapparaten baut die Kursleiterin immer noch verschiedene Spiel- und Lerninseln ein. Das sind mal eine Sammlung von Schleichtieren, eine Auswahl an Geldbörsen. Verschiedene Steckbretter oder Dosen und Schachteln, die es zu öffnen gilt. Einige Dinge bleiben von Kurseinheit zu Kurseinheit gleich, andere werden ausgetauscht.

Im „Miteinander wachsen“ Kurs gibt es auch einen Tisch, auf dem immer wieder Dinge angeboten werden. So konnten die Kinder am Dienstag mit einem Löffel Steine in verschiedene Schälchen füllen. Nächste Woche wird auf dem Tisch dann eine andere Aufgabe stehen. Wichtig zu wissen für die Kinder ist dabei, dass alle Sachen die auf dem Tisch stehen, auch auf dem Tisch bleiben.

Den Kindern selbst steht es frei, mit was sie sich in dieser einen Stunde beschäftigen. Hier sind natürlich die weitläufige Bewegungslandschaft und die verschiedenen Spiel- und Lerninseln ein Segen für Kinder wie Nepo, die gern auch mal allein spielen möchten. In anderen Kursen war immer alles so eng aufeinander oder es gab gar nur eine Aktivität mit der sich alle Kinder beschäftigt haben. Am Anfang war das auch okay, aber von Minute zu Minute wurde es für Nepo unerträglicher und er ging oft zur Tür oder kam weinend zu mir. Hier ist das anders. Jedes Kind macht sein Ding und wenn ein Kind nur bei der Mutter sitzt und beobachtet, dann ist das auch absolut in Ordnung. Kein Kind wird gezwungen oder animiert und das ist etwas, was ich sehr schätze.

Da die Mütter sich gezielt zurücknehmen und eine beobachtende Rolle wechseln, ist der Geräuschpegel sehr niedrig und die Kinder haben keinen Overload durch ständiges Stimmenwirrwarr und Gelächter. Auch das gefällt mir sehr gut.

Nach der einen Stunde, genauer genommen ist es eine Stunde und 15 Minuten, geht es dann noch zu einer gemeinsamen Brotzeit. Wichtig ist hierbei, dass kein Kind gezwungen ist, die volle Zeit zu spielen oder eben nach der Zeit aufzuhören. Wenn ein Kind noch vertieft ist, dann kann es noch solange weiterspielen, bis es fertig ist. Wir sind zum Beispiel am Dienstag ein paar Minuten früher zur Brotzeit gegangen, weil Nepo hingefallen ist, müde war und dann auch noch Hunger bekam.

Aktuell habe ich ja meine Sorgen mit Nepos Apettit, aber bei der Brotzeit hat er sich seinen kompletten Apfel-Mandelmus-Brei reingezogen. Einfach nur, weil er wohl andere auch essen hat sehen. Das hat mich so gefreut, weil ich ehrlich gesagt schon an meiner Rolle als Mutter gezweifelt habe, weil irgendwie alle Kinder „normal“ essen, nur mein Sohn will am liebsten Speck, Oliven, Brezel und Käsekuchen. Und das jeden Tag. Alles andere, selbst die früher heißgeliebte Bratkartoffel-Zucchini-Pfanne verweigert er, zieht sich dafür nachts bis zu 4 Flaschen Milch rein.

Doch seit dieser Woche lasse ich ihn komplett allein essen, esse auch in seiner Gegenwart und allein das hilft schon mal, dass er so langsam wieder an Freude am Essen hat. Zudem hat mir die Kursleiterin Silvia gesagt, dass Nepo wohl gerade in der Phase ist, in der spielen viel, viel wichtiger ist, als essen. Und ich denke, da hat sie vollkommen recht. Da er mir jetzt schon sehr deutlich zeigen kann, wann er Hunger hat, lasse ich ihn einfach gewähren und richte mich nach seiner Uhr. Tja, und das klappt super. Bis jetzt 🙂

Nachdem wir dann noch eine Weile an dem Tisch saßen, brachen wir dann auch als letzte auf und schauten auf dem Weg noch mal in den Adventsbazar, der gerade im 1. Stock des Montessori21 Haus aufgebaut ist. Da Nepo aktuell gern schüttet und ich schon seit einer Weile auf der Suche nach kleinen Glaskännchen bin, habe ich mich dort gleich mit zwei kleinen und einer größeren Glaskanne eingedeckt. Nepo liebt diese Kännchen und übt jetzt fleißig schütten auf seinem wasserfesten IKEA Tablett.

Mein Fazit

Es ist natürlich immer etwas gewagt nach der ersten bzw. zweiten Stunde schon eine Einschätzung über den Kurs zu geben, aber ich bin einfach glücklich, dass wir in dem Kurs dabei sein können. Für mich ist das Konzept und die Philosophie, die hinter Emmi Pikler und Maria Montessori stehen eine Art Zielbahnhof und ich fühle immer mehr, wie sehr es mir Spaß macht Dinge von diesen beiden großartigen Frauen in unser Leben zu integrieren. Noch mehr Spaß habe ich natürlich dabei, wenn ich sehe, dass Nepo diese Dinge auch annimmt. Wobei der selbstgebastelte Waschtisch aktuell der 40 Jahre alten Brio Eisenbahn so gar nicht das Wasser reichen kann. Aber wenn ich sehe, wie schnell und sicher der Kleine jetzt schon die Holzschienen aneinander legen kann, dann denke ich, dass es in Sachen Motorik ja auch nicht ganz ohne ist. 🙂

29Apr/15

So erlebten wir heute den ersten Pikler Kurs

Nachdem letzten Donnerstag der vorbereitende Elternabend zum Pikler Kurs stattfand ging es heute mit dem Kurs richtig los.

Ich war vor dem Kurs freudig aufgeregt, denn irgendwie war mir der Kurs wichtiger als alle anderen bisherigen Kurse und ich wollte mit Nepomuk auf keinen Fall zu spät kommen. Und natürlich war ich gespannt, was uns da erwarten würde.

Obwohl es sonst ein Ding der Unmöglichkeit ist, habe ich es heute geschafft Nepomuk von 08:30 Uhr bis 09:10 Uhr zum Schlafen zu bringen. Also er war natürlich müde, aber das heißt bei Nepomuk ja nicht das er schlafen will. Doch heute hat alles super geklappt. Er hat bis 09:10 Uhr geschlafen und wurde von selbst wach. Da um 09:45 Uhr der Kurs startete und wir dafür sorgen sollten, dass die Kleinen nicht gerade in der Kursstunde Hunger bekommen, konnte ich ihn noch entspannt die Flasche geben.

Um 09:25 Uhr ging es dann los Richtung siaf in der Sedanstraße. Von uns sind es ungefähr 10 Minuten zu Fuß, sodass wir ca. 10 Minuten zu früh waren. Da die Kursleiterin noch alles aufbaute, bat sie uns kurz draußen zu warten und eine Kanne Wasser für die Stunde zu besorgen. Der Kursraum ist im Keller des Kinderhaus Haidhausen. Sodass ich erst wieder die Treppe hoch in die Küche musste und dann mit Kind, Wickeltasche, Rucksack und Kanne Wasser wieder die Treppe runtereierte. So bringt man dann auch 10 Minuten rum und wir konnten in den Raum.

Die Anfangsphase

Beim ersten Mal ist die Platzwahl noch frei. Den gewählten Platz sollten wir aber die nächsten 9 Kursstunden bei behalten, damit die Kinder etwas konstantes haben. In Summe sind wir sechs Mütter mit sechs Babys im Alter von 8 bis 21 Monaten. Seit langem ist Nepomuk mal wieder der Jüngste. Ich glaube im Rückbildungskurs waren wir das letzte Mal die Küken. 🙂

Die Vorstellungsrunde ging schnell und wurde als eine Art „Ich packe meinen Koffer und nehme mit“ gestaltet, damit sich alle die Namen einprägen konnten. Mal sehen ob ich die Namen der Mamas und Babys noch richtig hinbekomme:

  • Inge mit Moritz
  • Eva mit Samuel
  • Andreas mit Lukas
  • Mareike mit Nepomuk
  • Katja mit Paula
  • Marion mit Paula

Ja, hat noch geklappt. 🙂 Da wir ja schon den Elternabend hatten gab es keine erneute Einweisung, sodass die Babys, wenn sie es eh noch nicht gemacht hatten, gleich loslegen konnten.

Der eigentliche Kurs

Wie bei jedem Kurs hat Nepomuk auch hier gleich angefangen, sich an anderen Babys und an dem vorbereiteten Material zu schaffen gemacht. Ob leere PET Flaschen, Deckel von Einmachgläsern oder die Aufbewahrungskörbe von diesen: Für Nepomuk war alles interessant.

In der Mitte des Raumes wo sich die Babys aufhielten, stand die Pikler Treppe, an die zwei Bretter angedockt waren. Die Kinder konnten also die Bretter hochlaufen und dann die Pikler Treppe hochklettern. Ein weiteres Podest stand ebenfalls für die Babys bereit. Hier waren links und rechts kleine Schanzen angebracht, die die Kinder dann runterrutschen konnten.

Erste Kletterversuche

Nepomuk hat vor ein paar Tagen begonnen kleine Erhöhungen zu erklimmen. Gestern war es die große Toilettenpapierverpackung, über die er drüber geklettert ist. Am Vortrag hat er es gar über die Schwelle zum Balkon geschafft. Ich war nur hinter ihm, um ihn im Falle eines Falls aufzufangen. Es hat zwar eine Weile gedauert, aber er konnte sowohl raus auf den Balkon, als auch wieder reinkrabbeln. Da die Erhöhung scharfe Kanten hat, habe ich alles mit Decken abgesichert. Safety First eben. 😉

Wie ich es in dem Video beim Elternabend gesehen habe, geht auch Nepomuk mit dem Kopf voran über die Hindernisse. Dies sei wichtig, sagte die Sprecherin, da nur so die Babys lernen Höhenunterschiede abzuschätzen. Bei Nepomuk konnte ich super beobachten, wie er erst schaute, langsam vorfühlte und dann ganz langsam nach vorn runter kletterte. Die Fabi-Kursleiterin meinte, es wäre falsch Babys zu drehen, sodass sie mit den Füßen zuerst herunterklettern. Ich denke, dass machen sie dann von alleine, wenn sie abschätzen können, dass es mit dem Kopf zuerst nicht geht.

Nepomuk war heute im Kurs dann auch gleich angetan von dem Podest mit den zwei Schanzen. Nach kurzer Begutachtung und Blickkontakt mit mir, krabbelte er auf das Podest und freute sich wie ein Schneekönig. (Keiner weiß, wie sich ein Schneekönig freut). Nachdem er kurz auf dem Podest war, ging er nicht einfach wieder runter, sondern nutzte die Schanze und krabbelte langsam nach unten. Die Tatsache, dass er sehr sicher wirkte, bestätigte mich in meinem Vertrauen in ihn und die Pikler Pädagogik. Nur wenn wir Kindern Zeit und Raum zur Entfaltung und Entwicklung geben, lernen sie ihre eigenen Grenzen kennen und wissen, was sie sich zu trauen können und was noch nicht.

Kurz darauf kletterte er auch auf die Schanzen zur Pikler Treppe. Beim runter krabbeln war er kurz abgelenkt und zack verlor er das Gleichgewicht. Obwohl er sich sicher abrollte, war er so erschrocken, dass er das weinen anfing. Als er sich kurz darauf wieder gefangen hatte, ging es direkt vom weinen ins lachen. Etwas, was ich noch nicht so intensiv bei ihm mitbekommen habe.

Der Luxus der Beobachtung

Schon beim Elternabend sagte uns die Leiterin, dass der Bereich, wo sich die Babys aufhalten, ihr Bereich ist. Die Mütter sitzen an der Seite und beobachten die Babys. Ich muss sagen, dass es mir nicht schwer gefallen ist und es richtig genossen habe eine Stunde einfach nur zuzuschauen. Natürlich kam Nepomuk manchmal zu mir um kurz mit mir zu schmusen oder zu versuchen mir die Brille von der Nase zu stibitzen, aber so richtig gefordert war ich nicht.

Für mich war es eine Freude einfach nur zu beobachten, wie Nepomuk Spaß an den herumliegenden Dingen hatte und es freute mich so, dass er das Podest hochging und sehr sicher wieder verließ.

Das er so frei herumschwirrt und doch regelmäßig den intensiven Blickkontakt sucht und mir zulächelt und ich zurück lächle, macht mich glücklich. Ich kann sehen, wie er sich täglich verändert und ich vertraue ihm in seinen Schritten zu 100 %. Ich weiß, wenn er stehen will, dann wird er das schaffen ohne das ich ihn dazu ermuntern muss oder gar stützen sollte. Er wird so sicher laufen lernen, wie er das Krabbeln und Sitzen gelernt hat. Wir haben alle Zeit der Welt und ich glaube, diesen Frühförderungsstress von ihm fernzuhalten ist eine sehr wichtige Aufgabe für mich. Ebenso wichtig, wie dafür zu sorgen, dass er immer mit anderen Babys in Kontakt kommt. Etwas, was ihm so viel Spaß macht. 🙂

Zu guter Letzt ist es natürlich auch für uns Mütter angenehm, wenn eine neutrale Person in „Konflikte“ eingreift. Ein älterer Junge hat Nepomuk die Flasche weggenommen und ihn an den Haaren gezogen. Die Kursleiterin ist dann zu den beiden gegangen und hat dem Jungen gesagt, dass Nepomuk jetzt mit der Flasche spielt, er sich aber eine andere Flasche holen kann. Diese Art der Lösung war für mich die angenehmste.

Der Abschluss

Fünf Minuten vor Ende des Kurses bat uns die Leiterin ihr beim Aufräumen zu helfen, da die nachfolgende Gruppe mit Babys bis neun Monate andere Materialien bräuchten.

Die Stunde selbst verging so schnell und ich habe mich wirklich sehr wohl gefühlt und ich denke Nepomuk hat es auch sehr gefallen. Ich freue mich jedenfalls schon auf nächsten Mittwoch und habe es bisher nicht bereut an diesem Kurs teilzunehmen.

Der Abschuss zum Schluß

Eines muss ich aber noch loswerden! Beim Elternabend meinte die Kursleiterin, dass es bei Mädchen nicht so angebracht sei ein Kleidchen zu tragen, da dies beim Krabbeln stören könnte. Und schwupp, war heute eine Mutter die ihr Kind nicht nur in ein Kleidchen stecke, sondern darunter noch eine Jeans anzog und rutschige Socken. Die Kursleiterin meinte zu ihr, dass es wohl einfacher für das Mädchen wäre, wenn es kein Kleid anhätte, da es offensichtlich beim Krabbeln immer festhing und auch die Söckchen wären nicht sehr förderlich. Die Mutter reagierte mit einem „Ja“ und machte nichts.

Es war genau die Mutter, die beim Elternabend reingestürmt kam und mich als Teilnehmer fragte, wie lange der Abend gehen würde und wie viel zum Elternabend kommen würden. Hallo, du Nuss, woher soll ich das denn wissen.

Bei manchen Müttern weiß ich nicht ob sie nur dumm sind oder einfach ignorant. Für mich und Nepomuk war es heute aber in einer Hinsicht perfekt: Das Mädchen konnte nicht richtig krabbeln, so konnte Nepomuk ihr diverse Spielzeuge wegnehmen.

25Apr/15

Vorbereitungsabend zum Pikler Kurs des siaf e. V.

Vor einiger Zeit habe ich begonnen mich in die Pikler Pädagogik einzulesen. Ein Konzept von dem ich mittlerweile zu 100 % überzeugt bin und das ich nun seit einigen Wochen auch zuhause anwende. Doch soviel ich dazu auch lese, es bleibt immer theoretisch und ich, als Mama ohne pädagogischen Hintergrund, tue mich manchmal, das Gedachte von Emmi Pikler umzusetzen.

Irgendwann beschloss ich einen Pikler Kurs zu besuchen. Nach kurzer Recherche wurde ich fündig und zu meiner Freude habe ich einen Kurs ganz in meiner Nähe gefunden. Der Frauenverein Siaf e. V. bietet in Kooperation mit dem Kinderhaus Haidhausen einen Kurs mit Fokus auf Spiel und Bewegung an.

Geleitet wird dieser Kurs von einer Montessori und Pikler Pädagogin. Kurz nach dem ich mich angemeldet habe, bekam ich auch schon die Einladung zu einem Elternabend. An diesem Termin sollte uns das Konzept von Pikler und der Spiel- und Bewegungsraum vorgestellt werden, in dem die Kinder 10 Kurseinheiten verbringen.

Elternabend zum Pikler Kurs

Der Kurs selbst startet am 29. April. Der dazugehörige Elternabend fand am Donnerstag, den 23. April um 19:30 Uhr statt.

In den Räumen des siaf e. V. stellte die Kursleiterin in einer lockeren Stuhlkreisrunde das Piklerkonzept vor. Für mich ja nichts neues, da ich ja schon einige Bücher gelesen habe und somit die Grundgedanken von Emmi Pikler kannte. Ich stehe voll hinter ihrer Ansicht, dass sich ein Kind am besten entfalten könne, wenn es sich möglichst selbständig entwickeln kann. An meinem Sohn beobachte ich nun schon seit Wochen, dass er Dinge allein tut, ohne das ich ihm helfe oder gar versuche, seine Entwicklung zu beschleunigen. Ohne unser zutun hat er gelernt, sich selbst hinzusetzen oder angefangen zu krabbeln. War es am Anfang noch wackelig und vorsichtig, so bewegt er sich jetzt sehr selbstsicher und sitzt absolut sicher. Er selbst weiß am besten, wann er für etwas reif ist. Ich vertraue ihm da zu 100 %.

In dem Elternabend wurde uns auch ein Video aus dem Säuglingsheim in Loczy (Ungarn) gezeigt, indem Emmi Pikler ihre Pädagogik vorangetrieben hat, nachdem sie vorher schon als Kinderärztin Familien betreut und sie von ihrem Ansatz überzeugt hat. Das Video zeigte die Babys, wie sie sich immer weiter entwickelten und sich selbständig erst das Drehen auf den Bauch, dann das Sitzen, Krabbeln, Stehen und zu guter letzt das Laufen beigebracht haben.

In dem Video konnte man sehen, wie frei sich die Kinder in den Räumen bewegen konnten und wie wenig die Erwachsenen eingegriffen haben. Für mich war das wunderbar zu sehen, denn mir war und ist es immer wichtig, dass Nepomuk viel Freiraum hat. Natürlich ist es anstrengender immer zu schauen, wenn der kleine sich im Wohnzimmer bewegt, aber mit der Zeit weiß er genau, wie er sich bewegen muss, um nicht umzufallen oder wie er zu mir in die Küche krabbeln kann, wenn ich mal kurz das Wohnzimmer verlasse, um was in der Küche zu holen oder aufzuwärmen.

In dem Video wurde aber auch gesagt, wie wichtig es ist, dass die Kinder sich in sicheren Räumen bewegen und das man mögliche Gefahrenquellen aus dem Weg räumen muss. Für uns hieß das: alle Steckdosen sichern, die unteren Schubladen von schweren Dingen zu befreien, keine zerbrechlichen Sachen in Reichweite von Nepomuk aufzubewahren und alles, was er in den Mund nehmen und verschlucken könnte zu entfernen. Wie so oft im Leben gilt auch hier: Safety first!

Ablauf des Kurses

Obwohl sich die Pikler Pädagogik mit einem ganzheitlichen Ansatz rund um die Entwicklung des Kindes befasst, konzentriert sich der Kurs bei der siaf nur auf den Bereich „Spiel & Bewegung“. Wir als Mütter sollen in erster Linie beobachten. Während der Kursstunde sitzen wir am Rand und in der Mitte spielen die Kinder. Die Mitte ist der Zuständigkeitsbereich der Kursleiterin. Sie agiert mit den Kindern. Damit sich die Kinder voll und ganz auf die Bewegung und das Spiel konzentrieren können, werden die Mütter während der Stunde nicht ratschen oder Kaffeeklatsch abhalten. Auch essen sollten die Kinder während der einen Stunde nicht, damit essen und spielen nicht miteinander vermischt wird. Solche klare Ansagen kannte ich bisher aus anderen Kursen nicht und finde das völlig okay so.

Ich bin wirklich gespannt auf den Kurs und freue mich schon sehr auf Mittwoch, wenn es los geht. Ich werde auf jeden Fall berichten.