Konsumauszeit: Vom Glück das nichts kostet

Zitat Konsum von Erich Fromm

Als ich auf der Suche nach einem Zitat war, welches „Konsumauszeit“ und „Glück“ verbindet, bin ich auf das oben stehende von Erich Fromm gestoßen. Es ist zwar kein kurzes Zitat, bringt aber meine Gedanken der letzten Tage auf den Punkt.

Heute ist der 5. November, im übrigen „Remember, remember, the 5th of November.“, aber Guy Fawkes tut hier nichts zur Sache. 🙂 Mittlerweile befinde ich mich im 5. Tag der Konsumauszeit und bin sehr froh, dass ich diese Challenge mitmachen darf.

Gerade gestern wurde mir bewusst, dass Geld, wenn überhaupt nur sehr kurzfristig zum Glücklichsein verhelfen kann. Viel tiefer und berührender sind Momente, die man mit anderen verbringen kann und die nichts kosten.

Am gestrigen Mittwoch sind Nepo und ich vormittags in den Indoorspielplatz in der Holzstraße gelaufen, da wir kein Bahnticket haben und ich der Meinung bin, dass uns ein 2,5 km Spaziergang bei strahlend blauem Himmel und frühlingshaften Temperaturen sehr gut tut. Der Indoor Spielplatz ist ein ehrenamtliches Angebot, sodass wir keinen Eintritt zahlen mussten, da er über sich über freiwillige Spenden finanziert. Schon als wir reinkamen haben wir uns wohlgefühlt, denn die ehrenamtlichen Helfer, zwei ältere Damen, waren so herzlich, wie es nur Leute sein können, die etwas aus Überzeugung tun und nicht weil sie dafür bezahlt werden. Der ganze Spielplatz war eine Freude und Nepo hat sich vor Vergnügen kaum noch eingekriegt, denn obwohl er keinen Eintritt kostet, sind dort nur hochwertige Spielzeuge – vorwiegend von Haba. Alles ist sauber und liebevoll aufgebaut, haben liebevoll eine Kaffee-Tee-Bar aufgebaut, an der man sich bedienen kann, halten sich aber sonst eher im Hintergrund.

Hätten wir beim Ausgang nicht 2 Euro in die Spendenbox geworfen, hätten wir einen kostenfreien wundervollen Vormittag mit anderen Kindern und Müttern erlebt. Diese 2 Euro habe ich in vollem Bewusstsein und aus tiefster Überzeugung in die Box geworfen, weil ich finde, dass man das Engagement der evangelischen Gemeinde und der ehrenamtlichen Helfer einfach honorieren muss, auch wenn 2 Euro aufs erste nicht viel sind. Die 2 Euro sind mir umso viel leichter gefallen, als die 1,29 Euro beim Großbäcker Ihle, die ich für eine Butterbrezel gezahlt habe, weil ich Doofi meine Brotzeit vergessen hatte und der Magen um 10 Uhr bei den Knien hing. Das war dann für gestern auch die einzige „sinnlose“ Ausgabe.

Auf dem Rückweg, Nepo schlummerte seelig in seinem Kinderwagen, überlegte ich, ob ich für den Kindergeburtstag am Nachmittag einen Helium Luftballon als Mitbringsel kaufe. Zum Glück gab es nichts für Mädchen und als ich vor dem Stand stand, war ich nicht mehr gewillt 4,99 Euro für einen Ballon auszugeben, der sowieso nur wenige Tage da ist.

Nach dem ich also wieder aus dem Supermarkt rausging, musste ich noch zu dm, weil die Wattepads alle waren, mit denen wir Nepo immer den Windelbereich reinigen. Sicher hätten wir zuhause noch Feuchttücher gehabt, aber die verwende ich nur unterwegs, denn ich selbst nutze ja auch keine Feuchttücher fürs Gesicht zuhause, warum sollte ich meinem Sohn zuhause also diese Tücher antun, wenn wir es auch mit Wasser und Öl reinigen können.

Der Gang durch den Drogeriemarkt war schwierig, denn die Regale sind so verlockend wie sie bunt sind. Da half nur noch: Tunnelblick und wieder raus. 🙂

Da Nepo immer noch schlief, ich aber nix mehr zu tun hatte, entschied ich mich nicht für ein Café, wie ich es sonst tun würde, sondern für einen ausgiebigen Spaziergang durch Haidhausen. Allein hier hat mir die Konsumauszeit gerade 3,80 Euro für einen Latte mit Sojamilch gespart.

Auch als wir am frühen Abend, nach dem Kindergeburtstag noch an die frische Luft gingen, weil Nepo so aufgekratzt war, konnte ich mir nur mit Hinblick auf die Konsumauszeit einen veganen Döner für ca. 8 Euro verkneifen. Stattdessen habe ich mir am Abend, nachdem der Kleine eingeschlafen war, Pasta mit Bio Ketchup gemacht, was sehr schnell ging und super lecker war. 🙂

Dafür genoss ich den abendlichen Spaziergang. Ich erfreute mich an den warmen Temperaturen, den Lichtern der Autos und Häuser und fühlte mich einfach wohl. Es ist alles so entspannter, wenn man nicht ständig in irgendwelche Läden schlendert oder bei jedem Schaufenster daran erinnert wird, was man alles noch kaufen muss oder sollte.

Aktuell geniesse ich die Challenge, auch wenn ich gerade mit zwei großen Reparaturproblemen kämpfen muss: mein iPhone 6 und mein kürzlich gekaufter Wintermantel. Aber ich finde das passt besser in einen anderen Beitrag, ist dann wohl die Kategorie: Jammerbeitrag. 🙂

 

 

 

 

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