Tag Archives: Kleinkind

24Okt/15

DIY: So überleben wir die nasskalten Tage

Heute ist mal wieder so ein Wetter bei dem selbst wir nicht vor die Tür gehen. Naja, nicht ganz, denn den Blogpost schreibe ich gerade im Café Glanz, während Nepo ruhig schläft. 😉 Trotzdem müssen wir uns jetzt langsam auf den kommenden November Blues einstellen, der sicher wieder regnerische, kalte Tage mit sich bringt. So kalt, dass selbst wir nicht auf den Spielplatz gehen werden. Also ist jetzt genau der richtige Moment sich Gedanken über „Indoor Activities“ zu machen. Sorry, für die englische Wortwahl, aber mir ist gerade kein anderes Wort eingefallen. 🙂

Da wir den Minimalismus leben, ist es für die ersten Ideen wichtig, Dinge zu nutzen, die wir schon vorrätig haben und der Aufbau nicht zu aufwendig ist. Ich habe viele Aktivitäten gesehen, aber für die müsste ich neue Anschaffungen tätigen (z. B. Pfeifenreiniger, die durch ein Nudelsieb geflechtet werden oder Fingerfarbe) und das möchte ich aktuell nicht. Jetzt ist erstmal „quick & easy“ angesagt. 🙂

Das „Knöpfe in den Becher“ Spiel

Du brauchst:

  • 1 großen Plastikbecher mit Deckel (z. Joghurt Becher)
  • 1 Teppichmesser (alternativ scharfe Schere oder Messer)
  • Knöpfe, Münzen oder was sich sonst noch durch einen Schlitz stecken lässt)

Herstellung:

In den Deckel des Plastikbechers stichst bzw. schneidest du einen Spalt, durch den dein Kind die Knöpfe oder die Münzen in den Becher werfen kann. Sind alle Knöpfe oder Münzen im Becher kannst du den Becher wieder öffnen, die Knöpfe alle wieder rausholen und dein Kind beginnt das Spiel von vorn. Wer, wie ich keinen Joghurt Becher hat, der kann jeden anderen Becher verwenden.

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Nepo liebt es Dinge ineinander zu stecken oder Geld in eine Spardose zu werfen. Kurz nach den Bildern fing er an, die IKEA Frischhalteclips in die Dose zu stecken, weswegen ich den Spalt etwas erweitert habe. 🙂

Das „Knöpfe durch die Papierrolle“ Spiel

Knöpfe oder auch die Frischhalteclips sind fester Bestandteil in Nepos „Spielkultur“. Zum Glück kann ich diese auch für das folgende Spiel verwenden.

Du brauchst:

  • 1 Pappe der Küchenpapierrolle (alternativ: Toilettenpapierrolle oder die vom Geschenkpapier)
  • Tesa oder Powerstrip
  • 1 Tür, an der du die Rolle anbringen kannst
  • Knöpfe, Frischhalteclips, kleine Holzwürfel oder kleine Matchbox Autos

Herstellung:

Die Papprolle bringst du in niedriger Höhe senkrecht an einer beliebigen Zimmertür oder einer Wand an. Zum fixieren kannst du Tesa verwenden. Ich habe es mit einem Power Strip festgeklebt, da Klebeband nicht so gut funktioniert hat. Dann stellst du einen Eimer oder eine Schüssel unter die senkrechte Rolle und legst Knöpfe oder Clips oder Holzklötzer bereit, die dein Kind dann durch die Röhre in den Eimer oder die Schüssel fallen lassen kann.

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Bin gespannt wie lange bei euch die Papprolle an der Tür klebt. Nepo wollte als erstes einfach nur die Rolle von der Tür reißen, fand es dann aber doch ganz witzig die Clips durch die Rolle fallen zu lassen.

Und für die Profis in Sachen „Papierrollen“ hier noch eine kleine Anregung:

Kugelbahn aus Pappe

Quelle: Apartmenttherapy

 

 

 

 

 

 

 

Sangria Time

Die letzte Bastelidee für heute: Das „Strohhalm in den Becher“ Spiel.

Du brauchst:

  • 1 großen Plastikbecher mit Deckel (z. B. Joghurtbecher oder ähnliches)
  • 1 Teppichmesser (alternativ scharfe Schere oder Messer)
  • Strohhalme (ob 5 oder 15 ist eigentlich egal)

Herstellung:

In den Deckel des Bechers stichst du Löcher, die so groß sind, dass du die Strohhalme bequem reinstecken kannst. Die Anordnung der Löcher kannst du dir selbst überlegen. Ich habe einen Kreis gebildet und die Mitte freigelassen – für den Fall, dass ich nochmal einen neuen Schlitz für Knöpfe hinzufügen muss. 🙂

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Die drei Materialien habe ich gestern im Laufe des Tages gebastelt und muss sagen, dass es wirklich leicht war. Außerdem war ich überrascht, was man so alles in seinen Schubladen findet, obwohl wir doch schon so oft ausgemistet haben.

Ich bin gespannt, wie Nepo die drei Sachen annimmt. Gestern war er ja am ehsten für das „Knöpfe in den Becher“ Spiel zu begeistern. Die Strohhalme hat er noch nicht gesehen, da ich sie erst am Abend gebastelt habe.

Da der Winter sehr lang sein kann, bin ich noch auf der Suche nach weiteren Ideen. Habt ihr Tipps, was man alles noch so schnell mal für einen einjährigen Bub zaubern kann?

Ich freue mich auf eure Tipps und wünsche euch ein wunderschönes Wochenende

Alles Liebe

Mareike

12Okt/15

Nepo, der kleine Entdecker

Als Nepo im Alter von sechs Monaten war, habe ich erkannt, dass es auf Dauer absolut keinen Sinn macht, sein Kind immer zu entertainen. Bis dato war ich ständig mit ihm in Interaktion und hatte das Gefühl ihm immer was bieten zu müssen. Irgendwann konnte ich nicht mehr und bin auf Emmi Pikler und Maria Montessori gestoßen. Ab da war ich der Überzeugung, dass es für mich und für meinen Sohn besser ist, ihn allein spielen zu lassen und ihn dafür intensiv zu beobachten. Ich muss sagen, dass ich mit meiner Rolle der Beobachterin sehr glücklich bin und froh, dass sich mein Junge auch über einen längeren Zeitraum allein mit etwas beschäftigen kann. Natürlich spiele ich weiter mit ihm und er weiß, dass ich immer für ihn da bin, auch wenn ich mich gerade nicht mit ihm in einem Zimmer befinde, aber ich habe nicht mehr das Gefühl, dass ich ständig vor ihm rumspringen muss.

Der Experimentierfreudige
Nepo übt Schrauben

Nepo übt Schrauben

Ein großer Vorteil des Beobachtens ist es, mitzubekommen, was das eigene Kind bevorzugt. Ich biete ihm immer fünf Spielsachen an und er sucht sich selber aus, was er spielen möchte. Manchmal geht er auch einfach nur ins Bad, nimmt sich eine Rolle Klopapier und ist damit dann eine ganze Weile damit beschäftigt und ich würde es nie wagen, ihm diese wegzunehmen und ihn zum Spielzeug zu setzen.

Was ich in den letzten Monaten beobachtet habe, ist diese absolute Faszination Dinge ineinander zu stecken. Ich glaube, dass es in dem Alter normal ist, aber trotzdem finde ich es immer überraschend, wenn mein Sohn Eimer für einen Turm jedes Mal in verschiedener Weise miteinander verbindet.

Unser Sohn steckt alles ineinander, was dafür vorgesehen ist. Dazu probiert er immer wieder neue Kombinationen aus und erstaunt damit auch die Betreuerin in unserer Kindergruppe, die manche Kombinationen von Holzspielzeugen so noch nie gesehen hat.

Es macht Spaß zu beobachten, wie er sich total in seine Steckspiele vertieft, während um ihn herum alle Kinder toben. Womit ich jetzt nicht sagen möchte, dass er da nur still in der Ecke rum sitzt, nein, er läuft auch durch die Gegend, sucht mit anderen Kontakt, spielt mit der Kinderküche und liebt die Autos, die es dort gibt. Aber oft vertieft er sich eben in seine „Basteleien“

Papa + Sohn = Entdeckerteam
Bastelarbeit für Nepo

Bastelarbeit für Nepo

Mein Freund hat mir erzählt, dass auch er in seiner Kindheit viel gebaut, gebastelt oder experimentiert hat. Also glaube ich, dass Nepo das wohl von seinem Vater geerbt hat. Beide haben die Veranlagung sich tief in Sachen rein zu versetzen und dann alles andere einfach auszublenden.

Mir ist diese Veranlagung leider nicht gegeben. Zwar kann ich mich schnell für etwas begeistern, aber genauso schnell fällt das auch wieder ab. 🙂

Als wir letzte Woche in der Flugzeugwerft waren, hat man wieder ganz klar gesehen, dass sich Papa und Sohn zwischen der ganzen Technik super wohl gefühlt und alles angefasst haben, während Mama sich im Kinderwagen schieben geübt hat und brav hinter den Beiden hergedackelt ist.

Am schönsten sind für mich dann aber die Besuche im Museumsshop, wo sich für alle Tüftler und Entdecker was finden lässt. Wer allerdings schon mal im Shop des Deutschen Museum war, der weiß, wie teuer Produkte wie Mikroskop oder Experimentierkästen sein können. Ich denke gerade am Anfang, wenn wir einfach Dinge ausprobieren möchten, lohnt es sich, dann eher auf günstigere Modelle zurückzugreifen. Lidl hat eine extra Kategorie für „junge Entdecker“. Bisher habe ich mit den Kinderprodukten von Lidl eigentlich immer gute Erfahrungen gemacht und denke, dass es auch für „größere Kinder“ durchaus eine sinnvolle Alternative zu den hochpreisigen Produkten ist.

Wir als Eltern würden Nepo, sobald er das passende Alter erreicht hat oder sich schon früher dafür interessiert, gern die Möglichkeit geben, seinen Forscher- und Entdeckungsdrang mithilfe dieser Experimentierkästen auszuleben. Allerdings auch nur in gleichmäßiger Abwechslung zur Zeit an der frischen Luft. Besonders jetzt im Herbst, wo die Zeit draußen sehr unangenehm werden kann, macht es viel Spaß, dem Kleinen am Globus die Welt zu erklären oder den Hausstaub unter dem Mikroskop zu untersuchen.

Der Papa freut sich auch schon sehr auf die Zeit, die er mit ihm beim Basteln und programmieren verbringen kann. Ob sich das mit dem „ich programmiere mit Nepo, wenn er vier Jahre alt ist“ dann so ausgeht, darauf darf ich gespannt sein. Dann vielleicht doch lieber Kristalle züchten oder den fiesen Hausstaub wegblitzdingsen.

In diesem Sinne: Habt noch einen wunderschönen, entdeckungsreichen Abend. 🙂

Eure Mareike

08Okt/15

Und täglich grüßt uns die Routine

Wenn Mütter früher erzählt haben, dass ihre Babies immer um 11:00 den Mittagsschlaf halten oder zwischen 18:00 und 19:00 Uhr nach dem Abendessen ins Bett gingen, habe ich mich immer gefragt, wie die das schaffen. Wir waren das erste Jahr weit weg von irgendeiner Routine. Nepo schlief wann er wollte und aß wann er wollte. Das war für mich im ersten Jahr kein Problem, denn ich war der Meinung, dass ein Baby noch keine Routinen benötigt.

Leider glitt unser Alltag zunehmend aus den Fugen. Es gab ab dem 11. Lebensmonat wirklich gar keine feste Zeit mehr in unserem Leben. Wenn Nepo mal gegessen hat, dann war das auch mehr so zwischendurch und immer zu verschiedenen Uhrzeiten. Von einem „Mittagessen“, „Frühstück“ oder „Abendbrot“ konnte da aber nie wirklich die Rede sein.

Schlimmer als das Essen war dann aber das Schlafen am Abend. Ich glaubte lange, dass wir schon mitbekommen würden, wenn Nepomuk müde ist und ihn dann ins Bett bringen konnten. Aber ich hatte mich besonders in der Zeit seines 12. Lebensmonats total getäuscht. Er bliebt teilweise bis 23:00 oder gar 24:00 Uhr wach. Ihn ins Bett zu bekommen, war der reinste Horror.

Die Zeit dieser total unregelmäßigen Schlafenszeit zerrten an mir, an meinem Freund und auch an Nepo. Wir als Paar hatten keine Zeit mehr für uns, keine Möglichkeit mehr abzuschalten, denn was soll man denn bitte schön um 23:00 Uhr noch machen, wenn der Kleine endlich im Bett ist. Also beschlossen wir, dass eine Routine in unsere Leben reinkommen muss und die steht und fällt mit dem Schlafen.

Ich muss sagen, dass ich am Anfang sehr unsicher war, ob das so im Sinne von Pikler und Montessori war, aber unsere Kursleiterin sagte mir, dass es für Kinder ab einem Jahr wichtig ist, einen geregelten Ablauf zu haben, auch wenn Nepo noch nicht in die Krippe geht, so ist es wichtig, dass er Zeiten hat, an denen er sich orientieren kann.

Also begannen wir an seinem Schlafen tagsüber zu arbeiten. Statt mehrerer kleiner Schlafeinheiten, schaffte ich es mit Nepo zusammen, dass er nur noch einen Schlaf am Tag hatte. Das war die ersten Tage schwer, aber ich war viel mit ihm auf dem Spielplatz und so konnte ich die frühere Schlafenszeit um 09:00 Uhr überbrücken und langsam wurde aus dem Vormittagsschlaf um 10:00 Uhr der Mittagsschlaf um 11:00 Uhr. Mittlerweile haben wir den für uns besten Rhythmus gefunden und auch für Nepomuk ist es viel entspannter, wenn er jetzt immer um 10:00 Uhr frühstückt und dann ca. 1 Stunde später schläft.

Wichtig ist mir aber immer noch, dass wir eine Toleranzgrenze von 10:30 bis 12:00 Uhr haben. Ich würde Nepo nie um 11:00 Uhr ins Bett stecken, wenn ich merke, dass er schon vorher müde ist oder im Gegenteil überhaupt noch nicht müde.

In Abhängigkeit von seinem Mittagsschlaf liegt dann das zu Bett gehen am Abend zwischen 18:30 Uhr und 20:00 Uhr. Für viele mag das sicher eine weite Spanne sein, aber für mich ist es im Vergleich zu 23:00 Uhr vor ein paar Wochen eine Verbesserung um Welten.

Das zu Bett gehen ist mittlerweile sehr angenehm für uns drei. Es gibt keinen täglichen Kampf und kein Geschrei. Da Nepo noch in unserem Familienbett schläft, haben wir es aber noch nicht geschafft, ihn einfach ins Bett zu legen und ihn allein einschlafen zu lassen. Noch geben wir ihm abends eine Milchflasche und bleiben bei ihm, bis er eingeschlafen ist.

Das das Einschlafen so leicht ist, liegt sicher auch daran, dass er seit gut einem Monat fleißig läuft und dann wohl vor Erschöpfung relativ zeitnah einschläft.

Ich bin ehrlich gesagt froh, dass wir nun einen festen Tagesablauf haben und fast immer zu den gleichen Uhrzeiten essen und schlafen. Diese Routine wirkt sich auch auf andere Bereiche wie die tägliche Hygiene und das Zähne putzen aus. Es klingt doof, aber früher war das Zähne putzen immer so ein Drama, weil ich nicht wusste, wo wir das am besten machen. Nachdem wir uns den Kidztower gekauft haben, klappt das mit dem Zähne putzen und Hände waschen nun wirklich super und ist ein fester Bestandteil in unserem Alltag.

Wie sich dieser Ablauf jetzt im Herbst und Winter umsetzen lässt, kann ich noch nicht sagen. Bisher sind wir immer spätestens um 09:15 Uhr aus dem Haus, sind dann 45 bis 60 Minuten auf dem Spielplatz. Danach füttere ich ihn im Café Glanz und dann ist es auch schon Zeit für den Mittagsschlaf. Nachmittags waren wir dann zuhause bis 16:00 Uhr. Dann geht es nochmal an die frische Luft zum Spaziergang und um 17:00 Uhr nochmal auf den Spielplatz. Gegen 18:00 Uhr sind wir meist wieder zuhause, ich koche, er schaut im Kidztower zu. Dann isst er, danach putzen wir die Zähne, ziehen das Schlafzeug an und warten auf den Papa. 🙂

Ja, so langweilig geplant sieht unser Leben aus und ich muss sagen: Es fühlt sich gut an.

Alles Liebe

Mareike

 

03Aug/15

Geh deinen Weg, mein Schatz, aber geh ihn in deiner Geschwindigkeit

Hilf mir es selbst zu tun

In gut einer Woche ist es soweit: Nepomuk wird EIN Jahr und verlässt damit offiziell die sehr aufregende und spannende Babyzeit. Die letzten Wochen waren sehr aufregend für mich, denn Nepomuk hat wahnsinnig viele Entwicklungsschritte gemacht. Da ich mich seit Monaten hinsichtlich der „Erziehung“ stark im Hintergrund halte, freut es mich natürlich umso mehr zu sehen, dass Nepomuk weder Anweisungen noch Anreize benötigt, um jeden Tag, jede Woche neue Dinge zu entdecken.

Ich habe heute ein tolles Zitat von Maria Montessori gefunden und ich finde es passt so super zu der Entwicklung der letzten Wochen und Monate und vor allem spiegelt es unser Mutter-Kind-Verhältnis wieder. War ich am Anfang noch sehr „frühfördernd“ unterwegs, so habe ich Anfang des Jahres erkannt, dass das überhaupt keinen Sinn macht. Ich habe mir Bücher von Emmi Pikler und Maria Montessori gekauft, bin Mitglied in verschiedenen Montessori- und Pikler-Gruppen bei Facebook geworden und habe mich für einen Pikler-Kurs angemeldet. Und je tiefer ich mich in die Konzepte einlas, umso überzeugter wurde ich von den Grundgedanken der beiden Frauen.

Beobachten statt animieren

Am Anfang hatte ich immer das Gefühl Nepomuk bespaßen zu müssen. Mit ihm zu spielen oder ihn zu unterhalten. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich das auf Dauer nicht schaffe. Immer um ihn herumzuschwirren wollte ich nicht und konnte ich nicht. Der Kleine war ca. vier Monate, als ich begann an solchen Konzepten wie PEKIP zu zweifeln und mich von der Illusion der allgegenwärtigen Mutter verabschiedete. Durch Zufall bin ich auf Maria Montessori und später auf Emmi Pikler gestoßen. Dort habe ich zum ersten Mal davon gehört, dass es wichtig ist, Kinder einfach nur zu beobachten und sie in ihrer vorbereiteten Umgebung konzentriert spielen zu lassen.

Ich habe es ausprobiert und war überrascht, dass sich Nepomuk auch mit sich selbst beschäftigen kann. Es gab dann Tage, da saß ich einfach nur am Boden habe Tee getrunken und eine halbe Stunde Nepomuk einfach nur beobachtet. Nur durch die Beobachtung ist mir aufgefallen, wie konzentriert der Kleine im Spiel ist. Er ist mittlerweile so vertieft, dass er gar nicht mitbekommt, wenn ich ins Zimmer komme oder an ihm vorbeigehe. Früher hätte ich ihm kurz gesagt, dass er so toll spielt oder das er etwas fein gemacht hat, heute verbiete ich mir jegliche Kommentare. Ich lasse ihn auch bewusst allein im Wohnzimmer spielen und mache in der Küche mein Ding. Wenn es zu still wird oder ich einfach mal nachschauen möchte, schleiche ich mich ran und spieke um die Ecke.

Was ich dann sehe, ist eigentlich immer das gleich Bild: Nepomuk sitzt mit irgendeinem Spielzeug da und redet vor sich hin, der Kopf ist dem Spielzeug zugewandt und für was anderes ist kein Interesse da. Es mag jetzt doof klingen, aber solche Momente machen mich glücklich. Sie zeigen mir, dass wir auf einem guten Weg sind. Nepomuk fühlt sich nicht allein, wenn er allein im Zimmer ist. Manchmal glaube ich sogar, dass er sehr froh ist, wenn die Mutti mal nicht um ihn herumschwirrt. Ich denke auch nicht, dass ich Nepomuk irgendeiner Gefahr aussetze, wenn ich ihn alleine im Raum lasse. Wir haben keine Gefahrenherde wie offene Steckdosen oder Blumen oder Dinge, die er runterziehen könnte und durch unser Ausmisten im Frühjahr haben wir viel Platz für ihn geschaffen.

Das Vertrauen wächst mit

Ich war in vielen Babykursen und Stilltreffs und dabei habe ich oft Mütter erlebt, die ihre Kinder als kleine Dummerchen behandelt haben. Natürlich haben sie es nicht böse gemeint, aber sie haben entweder den Kindern vorgemacht, wie sie zum Beispiel krabbeln und Höhen überwinden können oder sie haben sie von Selbstversuchen abgehalten, um ihnen ein Fallen zu ersparen.

Durch das Lesen und vertiefen in die Montessori/Pikler-Konzepte habe ich gelernt Vertrauen in Nepomuk zu haben. Je mehr ich mich als „Entertainer“ und „Trainer“ zurückgezogen habe, desto stärker wurde mein Vertrauen in ihn. Und für mich gibt es seitdem immer wieder Momente, wo ich einfach immer nur sagen kann: Ja, er weiß wie es geht. Ich muss ihm nur die Zeit und den Raum geben, dass er sich testen kann.

So hat Nepomuk ganz allein verstanden, wie er niedrige Höhen überwindet und wie er größere Höhenunterschiede schafft. Das er geringe Höhen mit den Händen ertastet und dann mit dem Kopf zuerst nach unten geht, hat er schnell rausbekommen. Das er bei Höhen wie vom Bett runtersteigen oder Treppen runterkrabbel zuerst die Beine absetzten muss, hat er nach einiger Zeit allein rausgefunden – ohne das ich es ihm irgendwie zeigen musste. Sicher lernen Kinder es früher, wenn man es ihnen zeigt, aber das kann nicht der Sinn des Lebens sein. Kinder müssen aus meiner Sicht selber ihre Erfahrungen machen, das geht aber nur, wenn wir ihnen Zeit lassen.

Der innere Zeitplan

Entgegen meiner frühen Denkweise, dass Kinder schon in den ersten Wochen und Monaten gefördert werden müssen, bin ich jetzt der Meinung, dass es für die Kinder besser und nachhaltiger ist, wenn sie selbst über die Geschwindigkeit ihrer Entwicklung entscheiden. Ich sehe jeden Tag wie Nepomuk sich entwickelt. Oft sind es nur kleine Schritte, aber die fügen sich wie von selbst in ein Gesamtbild, was oft in der „fördergetriebenen Zeit“ übersehen wird. Nepomuk lernt von allein Dinge in einander zu stapeln und macht das mit einer Hingabe, dass er manchmal nichts anderes zu spielen braucht, als die einfachen Stapelbecher, die ich vor Weihnachten bei dm gekauft habe.

Seit circa zwei Wochen räumt er nun mehr nicht nur sein Zeug aus, sondern auch wieder ein. In den Babykursen stehen oft leere Flaschen in Getränkekästen, die die Kinder dann rausziehen. Letzte Woche ist mir das erste Mal aufgefallen, dass Nepomuk die Flaschen nicht nur ausräumt, sondern wieder einräumt. Mir geht bei solchen Beobachtungen das Herz auf, weil ich sehe, dass er von alleine wieder etwas gelernt hat und das dies sicher wieder eine Basis für andere Schritte ist.

Von freien Schritten ist er hingegen noch weit entfernt, ebenso vom freien Stehen. Das ist für uns aber völlig in Ordnung. Zur Taufe haben wir einen Lauflernwagen von HABA geschenkt bekommen. Der stand monatelang nur im Wohnzimmer, bis Nepomuk irgendwann anfing Stühle, Wäschekörbe und Kartons durch die Wohnung zu schieben. Irgendwann entdeckte er den Lauflernwagen, erst saß er nur daneben und fuhr immer wieder hin und her, schaute sich die Räder an, dann kletterte er auf den Wagen und irgendwann erkannte Nepomuk, dass er den Wagen auch schieben kann. Das alles hat sich über zwei Wochen gestreckt, wir haben ihm nicht gezeigt, wie er mit dem Lauflernwagen vorwärts kommt, sondern einfach alles auf uns zukommen lassen.

So handhaben wir es auch mit dem Stehen und Laufen. Wenn ich manche Kinder sehe, die von ihren Eltern geführt werden, so sieht man, dass die Kinder gar nicht schauen, wo sie hinlaufen. Sie verlassen sich vollkommen auf die Eltern und das immer jemand da ist, der sie auffängt, wenn sie stolpern. Ich selbst merke die „falsche Sicherheit“, wenn ich Nepomuk zu oft stütze. Er wird dann nachlässig und passt nicht mehr auf. Es dauert dann immer etwas, bis Nepomuk sich dann wieder bewusst wird, dass er eigentlich schon gut stehen und sich festhalten kann. Ich möchte, dass Nepomuk sich bewusst wird, dass nur er entscheiden kann, wann er bereit für das Stehen und Laufen ist. Ich persönlich habe keine Eile was diese Schritte anbelangt. Ich vertraue Nepomuk absolut und ich glaube die Freude ist umso größer bei ihm, wenn er es aus eigener Kraft schafft.

Das erste Babyjahr mag nun bald rum sein, aber der Kleine wird noch soviel lernen, sehr oft Dinge das „erste Mal“ tun und immer wieder vor Herausforderungen stehen. Ich kann meinem Sohn das Leben nicht vorleben oder ihm Erfahrungen ersparen, aber ich kann ihn immer begleiten und ihm das Gefühl geben, dass ich immer an ihn glaube.

Und somit schließe ich den Beitrag nochmals mit dem Zitat von Maria Montessori:

„Hilf mir, es selbst zu tun. Zeige mir, wie es geht. Tu es nicht für mich. Ich kann und will es allein tun. Hab Geduld meine Wege zu begreifen. Sie sind vielleicht länger, vielleicht brauche ich mehr Zeit, weil ich mehrere Versuche machen will. Mute mir Fehler und Anstrengung zu, denn daraus kann ich lernen.“