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16Apr/17

Auf der Suche nach der Work-Life-Balance

Es ist jetzt fast sechs Monate her, dass ich aus meiner Elternzeit wieder zurück ins Berufsleben gekehrt und ich bin meiner Work-Life-Balance ferner denn je. Gerade jetzt an Ostern merke ich, wie sehr ich eigentlich Ruhe und Zeit für mich bräuchte, aber der Besuch bei den Eltern und fehlende Rückzugsorte geben das aktuell nicht her.

Das Streben nach Perfektion im Job und in der Mutterrolle

Als ich mich die letzten zwei Jahre mit dem Thema „Hochsensibilität“ beschäftigt habe, wusste ich, dass der Wiedereinstieg in den Beruf eine extreme Herausforderung wird. Obwohl ich mit 20 Stunden und einer 4-Tage-Woche begonnen habe, war ich schnell überfordert. Nicht von den Ansprüchen der Tätigkeit, sondern von mir.

Ich habe es versäumt mich im Vorfeld intensiv mit meinem eigenen Ansprüchen auseinanderzusetzen. Ich habe mir keine Werkzeuge und Handlungsstrategien überlegt, die es mir ermöglichen rechtzeitig meine Grenzen aufzuzeigen. Ich bin einfach ins kalte Wasser gesprungen und die einzige Vorbereitung für meinen Wiedereinstieg war das Auffrischen meiner Englischkenntnisse, da mein Chef nur Englisch spricht.

Ich wusste, dass gerade hochsensible Mütter nicht in der Lage sind, rechtzeitig die Notbremse zu ziehen oder es schaffen eine Grenze zwischen Arbeitsleben und Privatleben zu ziehen. Als hochsensible nehme ich Themen aus der Arbeit mit nach Hause, zerbreche mit den Kopf über irgendwelche Aussagen oder stelle an mich Ansprüche, die ich in einer 25-Stunden-Woche nicht erfüllen kann.

Ja, ich bin mit 20 Stunden und einer vier Tage Woche gestartet. Nach 1,5 Monaten habe ich auf 25 Stunden aufgestockt, verteilt auf fünf Tage. Ich habe mir also den Luxus eines freien Tages einfach gestrichen. Nicht weil mich irgendjemand gebeten hat, sondern weil ich mich immer schlecht gefühlt habe, wenn ich donnerstags aus dem Büro gegangen bin. Ehrlich, im Nachgang total bescheuert. Mein Freund hat damals dazu nichts gesagt. Vor kurzem meinte er, er hätte stärker intervenieren müssen, als ich da einfach mal meinen Tag aufgegeben hatte.

Natürlich blieb es nicht beim Aufstocken auf 25 Stunden. Früher war ich besessen Dinge zu verändern und Sachen voranzutreiben. Mein aktueller Arbeitgeber ist da sehr offen und ich finde halt einfach immer was, was man besser machen kann. Und so kam, was kommen musste: Ich arbeitete im Büro meine Aufgaben ab, die ich im Rahmen meiner Stellenbeschreibung zu erledigen hatte. Morgens, vor dem Laufen, nachmittags und am Wochenende kümmerte ich mich um Projekte und Prozesse. Nicht weil ich dumm war, sondern weil das meine innere Motivation war. Mich kümmert weder Karriere noch Geld. Für mich ist dieses Gebiet wie eine grüne Wiese und ich konnte meine Erfahrungen einbringen. Meine Erfahrung von meinem ersten Arbeitgeber, meinem Master und meiner früheren Tätigkeit bei meinem aktuellen Arbeitgeber.

Mit intrinsischer Motivation volle Kanne auf die Eisscholle

Für Arbeitgeber ist sowas natürlich toll: Sie haben Mitarbeiter die frei laufen und immer im Streben nach Perfektion. Für mich in meiner Rolle als reiner Arbeitnehmer schon anspruchsvoll und dann noch als Mutter: Eine Katastrophe. Und so kam, was kommen musste: Ich manövrierte mich mit meinem Ehrgeiz selbst auf eine Eisscholle und treibe nun zwischen verschiedenen Eisbergen herum. Mal knalle ich an den Eisberg meines disziplinarisch zugeordneten Chefs, dann an den Eisberg mit meinen Tagesaufgaben, die ich machen muss, weil ich auf die Stelle aus meiner Elternzeit zurückgekehrt bin und dann gibt es da noch den riesigen Eisberg namens Mutterolle. Von den anderen kleinen Eisbergen namens Familie, Freunde oder Hobbies rede ich schon gar nicht mehr, weil die sowieso schon unerreichbar für mich sind.

Und je mehr ich auf meiner Eisscholle vor mich hintreibe, desto stärker merke ich die Sonne, die meine Scholle schmelzen lässt. So sehr ich mich auch auf der Scholle drehe, so sehr wird mir bewusst, dass ich mich in was hinein manövriert habe, wo ich nicht mehr durch einfaches Prioritäten setzen rauskomme.

Die Fähigkeit Anker zu setzen

So wenig es mir als Hochsensibler möglich ist, Grenzen zu setzen, so sehr habe ich doch die Fähigkeit Fenster zu sehen, die es mir ermöglichen, zu springen, um meine Situation zu verändern. Mein Bauch ist darauf geeicht rechtzeitig so starke Signale an mein Gehirn zu senden, dass ich mich bisher aus jeder Situation rausziehen konnte, bevor der Punkt erreicht war, an dem es kein Zurück mehr gab.

Mir wurde bei einem Termin bewusst, dass ich gerade dabei war mich in eine Sackgasse zu manövrieren. Nach einigen Tagen wirklich schlechter Laune, habe ich dann das Gespräch mit meinem Chef gesucht und jetzt hoffe ich sehr, dass sich was ändert. Immerhin bin ich noch so motiviert, dass ich die nächsten Wochen noch abwarten kann und mein Arbeitspensum weiter so durchziehen kann, wie bisher.

Zudem ist ein wichtiger Anker zurzeit mein Urlaub. Es ist der erste richtige Urlaub seit meinem Wiedereinstieg. Nepomuks Krippe hat zu und wir werden die Woche nach Ostern gemeinsam verbringen. Wie früher. Die Wetteraussicht ist zwar schlecht, aber vielleicht ist es auch gut so, dass wir die Zeit zuhause verbringen. Ich freue mich so auf die Zeit mit Nepo, denn meine Unfähigkeit Arbeit und Privatleben zu trennen, hat dazu geführt, dass sich auch mein Verhältnis zu Nepo verschlechtert hat bzw. wir sehr distanziert zueinander sind. Nepos erster Kontakt ist aktuell der Papa und ich glaube nicht, dass das so eine Phase ist, sondern schlicht daran liegt, dass ich YouTube in den letzten Monaten sehr stark beansprucht habe und Nepomuk davor einfach geparkt habe. Wenn auch mit sehr schlechtem Gewissen, aber ich habe es getan und das war scheiße, gerade wenn man immer davon spricht, wie wichtig der respektvolle Umgang und Montessori für einen selbst ist. Alles nur heiße Luft in den letzten Wochen und Monaten.

Der Anfang ist gemacht

Nachdem ich mir hier meinen Frust von der Seele geschrieben habe, geht es mir schon besser. Ich bin immer noch gern bei meinem Arbeitgeber und der vollen Überzeugung, dass wir hier eine Lösung finden. Es wäre das erste Mal, wenn hier nichts passieren sollte.

Der Anfang ist auf jeden Fall gemacht, auch wenn ein Kreisdiagramm über die täglichen Arbeiten für den einen vielleicht etwas übertrieben wirkt, für mich war es gut, um aufzuzeigen, wo gerade meine Schwerpunkte liegen, dass sie mit meiner individuellen Zielvereinbarung überhaupt nicht übereinstimmen und das es so auf keinen Fall weiter gehen kann.

Für den Job bin ich also optimistisch. Und auch für mich und meine Rolle als Mutter habe ich mir schon einiges überlegt. Solange meine berufliche Fokussierung nicht final geklärt ist, fahre ich den Projekt- und Prozessmanagement-Teil nach unten. Keine Arbeiten mehr am Wochenende oder nachmittags. Auch in der Urlaubswoche werde ich nur noch in meine Mails schauen, wenn Nepo schläft und die Woche zu einer „YouTube“-freien Woche erklären.

Für mich selbst werde ich versuchen neben dem Laufen und dem Crossfit noch zusätzliche Ruheinseln einzubauen. Hier bei meinen Eltern habe ich das Lesen wiederentdeckt und werde das jetzt wohl auch weiter verfolgen. Gleichzeitig fahre ich meinen Social Media Konsum wieder runter.

Aber diese Schritte werde ich wohl nochmal in meinem Blog aufschreiben. Denn die Verarbeitung im Blog hilft mir sehr, gerade weil ich das Gefühl habe, dass ich mit niemanden so richtig drüber reden kann bzw. alle irgendwie so eingebunden sind, dass sie keine wirkliche Zeit haben.

Aktuell liebe ich den Vergleich mit der langen Reise und dem ersten Schritt. Die Dokumentation meiner Arbeit, das Gespräch mit meinem Chef und die Erkenntnis, dass sich was ändern muss, waren schon mal die ersten Schritte auf dem langen Weg der Besserung. Die meiste Arbeit liegt wohl bei mir und an mir selbst, aber ich denke, dass bekomme ich auch hin – trotz oder gerade wegen der Hochsensibilität. 🙂

14Mrz/16

Ein schwieriges Wochenende liegt hinter uns

Ein graues Wochenende liegt hinter mir.

Ein graues Wochenende liegt hinter mir.

 

Es ist jetzt Montag, kurz nach 5 Uhr. Die Nacht war sehr durchwachsen und ich bin seit 3 Uhr wach. Mir geht es nicht gut, denn das Wochenende war wirklich schwierig und eines, dass man am liebsten aus dem Gedächtnis streichen möchte.

Nepos Backenzähne kommen

Als ich mit ihm am Freitag auf dem Spielplatz war, merkte ich, dass er komplett durchgefroren war. Alles an ihm war eiskalt. Also sind wir nach Hause, doch so richtig warm wurde er nicht. Generell war er den Tag eher verhalten, sehr auf mich fixiert, wollte nichts essen und hatte zu gar nichts Lust. Gegen Abend hin wurde es immer schlimmer. Sein Kopf glühte, er hatte 39,1 Grad Fieber und weinte.

Vor ein paar Tagen habe ich zufällig gesehen, dass er auf der einen Seite sowohl oben, als auch unten seine Backenzähne bekommt. Tja, und ich denke, dass hat uns jetzt am Wochenende erreicht. Da immer nur eine Wange rot war und er auch sonst keine Anzeichen einer Erkältung hatte, wusste ich, dass das Weinen, das Verweigern von fester Nahrung und das ständige Rumgenörgle nur an den Zähnen liegen kann.

Ich musste mir ehrlich gesagt jedes Mal, wenn er weinte vor Augen führen, dass er solche Schmerzen haben muss. Obwohl wir Zahnungsgel und Streukügelchen da haben, gab ich ihm nix davon. Allein als er mich mit der Paste ankommen sah, schrie er noch mehr und rannte fast gegen die Fensterbank.

Irgendwann meinte mein Freund, er bräuchte einfach seine Ruhe und ich solle ihn nicht immer fragen, ob er was essen möchte, ob er eine Milch haben möchte oder so. Für mich war das schwierig, denn ich wollte ihm zeigen, dass ich für ihn da bin. Gut, hat teilweise funktioniert und wir haben dann wie immer rumgealbert, er hat sich halb tot gelacht, doch dann war alles wieder vorbei.

Decke auf dem Kopf und blanke Nerven

Das er gestern Abend mit einem Bulldozer über mein Nervensystem gefahren ist, kann allerdings nicht nur an den Zähnen gelegen haben.

Im Grunde genommen haben wir die Wohnung übers Wochenende nicht verlassen. Ich war zwar joggen und auf dem Flohmarkt, aber Nepo war gar nicht draußen. Am Samstag wollte ich nicht, weil ich mir nicht sicher war, ob Nepo nicht doch eine Erkältung ausbrütet und gestern wollte der Mann nicht.

Ich muss zugeben, dass ich mich gestern Abend maßlos über mich selbst geärgert habe. Ich hätte Nepo tagsüber einfach in den Kinderwagen packen müssen und wir wären an die frische Luft gegangen. Ob es besser für seine Zähne gewesen wäre, weiß ich nicht. Aber es hätte ihn auf jeden Fall abgelenkt.

Am Wochenende ist er so anstrengend wie die ganze Woche nicht. Da wir das zweite Wochenende in Folge zuhause hockten, kann es nur an der fehlenden frischen Luft liegen. Ich habe ihm gestern versprochen, dass wir, egal ob wir zu zweit oder zu dritt sind, ab sofort jedes Wochenende nach draußen gehen. Es ist egal, ob es nur eine Stunde ist oder im Rahmen einer Wanderung. Es ist egal, ob wir bei Regen ein Museum aufsuchen oder ein Indoor Spielplatz. Es ist wirklich egal, denn was zählt ist die Abwechslung.

Alles neu macht der Montag

Auch wenn das Wetter heute wieder trüb sein sollte, Nepo und ich gehen raus. Defacto ist es so, dass ich heute genau da stehe, wo ich letzten Montag stand. Nämlich bei der Erkenntnis, dass es draußen so viel schöner ist, als drinnen. Und was habe ich am Wochenende auf die Reihe bekommen? Nichts. Rein gar nichts.

Heute werden wir mit dem Papa das Haus verlassen, dann zur Post gehen und dann in die Stadt. Ja, so richtig Stadt – München Marienplatz und so. Da wo die Touristen sind. Ich brauche für Nepo Bodys und Socken und da lohnt immer ein Besuch bei Muji und H&M.

Heute nachmittag soll wieder ein strahlend blauer Himmel kommen. Vielleicht verbringen wir ihn wieder an der Isar. Ich werde auf jeden Fall einiges an Brezeln, Apfel-Bananen-Brei und gekochten Eiern mitnehmen. Es wäre doch gelacht, wenn wir zwei es nicht schaffen würden, einen schönen Tag zu verbringen.

Mama braucht Schonzeit

Das „nach draußen gehen“ ist auch sehr für mich gedacht. Ich muss zugeben, dass ich nach dem gestrigen Abend einfach fertig bin. Ich flippe innerlich beim kleinsten Schrei von Nepo aus. Als es besonders schlimm war, habe ich ihn einfach ins Wohnzimmer gebracht, aufs Sofa gesetzt und ihm gesagt, dass ich nicht mehr kann. Das ich nervlich am Ende bin und wirklich, wirklich keine Lust mehr auf das Genörgle habe.

Das mag für manche asozial klingen, aber ich habe keine Geduld. Das ist meine Baustelle als hochsensible Mutter. Ich schaffe es nicht frühzeitig meine Grenzen aufzuzeigen, sondern lasse mich immer mehr zurückdrängen und immer mehr an mich rankommen. Bis zu einem „point of no return“ und dann ist er da, der emotionale Vulkan und ich kann nur noch eins: Ausflippen, wimmern, die Hände über den Kopf pressen und vor mich hin flüstern, dass alles wieder gut wird. Oft funktioniert es, gestern nicht. Ich konnte einfach nicht mehr.

Die Nacht war hart, doch so langsam geht es mir besser. Ich werde gleich laufen gehen und Kraft für den Tag sammeln.

Euch wünsche ich ebenfalls einen guten Start in die Woche.

Alles Liebe

Mareike

21Nov/15

Buchempfehlung: Hochsensible Mütter von Brigitte Schorr

In den letzten Tagen habe ich mich in das Thema „Hochsensibilität“ eingelesen. Meine Kraft und meine Geduld gehen gerade in meiner Funktion als Mutter der Neige entgegen. Also besorgte ich mir in der Bibliothek „Hochsensible Mütter“ von Brigitte Schorr. Ich bin begeistert von dem Buch und möchte es jeder Mutter empfehlen, die das Gefühl hat hochsensibel zu sein.

Damit ich auch eine gute Erinnerung an das Buch habe, fasse ich hier mal die wichtigsten Inhalte und Erkenntnisse zusammen. Mein Empfinden und meine Gedanken verschwimmen etwas mit dem Inhalt, aber ich denke es ist nur authentisch das mit dazu zu packen, schließlich bin ich ja mit der Hochsensibilität „gesegnet“ und möchte die Welt mit meinen Gefühlsdussel bereichern. Continue reading “Buchempfehlung: Hochsensible Mütter von Brigitte Schorr” »