Heute startet meine Konsumauszeit

Konsumauszeit April2016

Vor einigen Wochen hatte ich es angekündigt und heute ist es endlich so weit: Ich starte wieder einen Monat unter dem Motto „Konsumauszeit“.

Konsumauszeit und Auszeit von EC- und Kreditkarte

Die erste Konsumauszeit hatte ich im November und war ganz zufrieden damit. Doch schon im Dezember, im Vorfeld zu Weihnachten, schlich sich das alte Konsumverhalten wieder ein und das Geld ausgeben viel mir nicht schwer. Im März merkte ich wieder, wie es mich nervt Dinge zu kaufen, die ich vielleicht für Nepo witzig finde, aber die nicht wirklich sein müssen. Also beschloss ich für April wieder eine „Auszeit“ zu nehmen.

Als ich vor ein paar Tagen mal wieder bei Twitter vorbeigeschaut habe, sah ich den Tweet von Manuel über den Verzicht von EC- und Kreditkarte im April. Da habe ich dann mal ohne überlegen zugesagt und hoffe das auch zu halten.

Da ich im April sämtliche Onlineshops meiden werde und wohl auch keine Bücher bei der Bibliothek vormerke, wird mir der Verzicht auf die EC- und Kreditkarte sicher nicht schwer fallen. Schon jetzt zahle ich fast alles bar, um einen Blick für das Geld ausgeben zu haben.

Umdenken bei den kleinen Ausgaben

Viel schwieriger als der Verzicht auf Kartenzahlung oder der Kauf von nicht notwendigen Dingen für Nepo wird mir der Verzicht von kleinen Dingen fallen. Darunter zähle ich zum Beispiel den Kaffee, den ich mir auf dem Weg zum Spielplatz hole oder das ich mich von Nepo wieder zum Kauf einer Brezel animieren lasse, die dann doch wieder ich essen muss. Auch mal kurz ins Café Glanz auf einen Kuchen oder einen kurzer Abstecher in den Biomarkt werde ich mir im April zweimal überlegen müssen.

Da Nepo aktuell aber sowieso lieber draußen und fernab von anderen Kindern ist, muss ich einfach Alternativen finden. Den Kaffee kann ich ja wohl von zuhause mitnehmen, die Besuche im Café Glanz werden dann für April die Ausnahme und ein Besuch im Biomarkt ohne ersichtlichen Grund gibt es dann eben auch nicht.

Gestern vormittag waren Nepo und ich in unserem Innenhof. Dort gibt es einen Spielplatz, der nur aus Sand, einer Schaukel und einem Kletterdreieck besteht. Das wird jetzt die nächsten Wochen vormittags unsere Anlaufstelle. Dort finden wir beide es super. Der Innenhof ist sauber, es gibt eine Wiese, Bäume, Bänke, Sand und miteinander kämpfende Amseln. Vor allem gibt es dort aber kaum Kinder und schon gar keinen Coffee Shop für Mama. 🙂

Wenn Nepo dann keine Lust mehr hat auf Spielplatz, haben wir jetzt eine kleine Runde gefunden, die wir zusammen laufen können. Auch die liegt fernab von Geschäften und spontanen Einkäufen.

Die Konsumauszeit im April wird sicher einfacher für mich, da ich sehr gern draußen bin. Das aktuelle Wetter ist perfekt und auch heute werden wir sicher den Großteil des Tages draußen verbringen. Letztes Jahr habe ich ernährungsbedingt mein Essen immer mitgenommen, diesen Frühling mache ich das dann eben, weil ich zwar auch auf meine Ernährung achte, aber eben auch meine Geldausgaben in den Griff bekommen möchte.

Ausnahmen und Joker

Schon in meiner Ankündigung hatte ich geschrieben, dass es eine Herausforderung in Form des Hinterhofflohmarktes hier in Haidhausen gibt. Der Flohmarkt ist wunderbar und die Stimmung ist toll. Auf keinen Fall möchten wir diesen Event, der einmal im Jahr stattfindet, verpassen und somit ist das mein Joker für April. Der Flohmarkt findet am 23. April statt und vielleicht hat sich meine Einstellung gegenüber dem Geld ausgeben so verändert, dass ich gar kein Bedürfnis habe ein Schnäppchen zu machen. Aus der Erfahrung der vergangenen Flohmärkte weiß ich aber, dass es immer was tolles in unserem Viertel gibt, da es neben den Hipster Leuten, auch einige Ökos mit tollem Holzspielzeug gibt. 😀

Und dann, ja dann, gibt es noch meinen Friseurtermin. Eigentlich wollte ich ihn noch vor Ostern machen, aber es ging nicht, da meine Friseurin im Urlaub war bzw. noch ist. Jetzt habe ich den Termin am 07. April. Ein Aufschieben in den Mai ist unmöglich, da ich jetzt schon an der maximalen Spanne von acht Wochen kratze. Das wird dann meine einzige geplante Ausgabe, fernab von Lebensmitteln und Drogerieartikeln, sein.

Zeit für das Wesentliche

Die letzten Wochen waren für mich sehr hart. Es gab bis vor einer Woche fast stündlich Konflikte zwischen uns und ich war mehr als einmal gefühlt kurz vorm Nervenzusammenbruch.

Dann kam Ostern und eine Auszeit bei meinen Eltern. Wir waren viel in ihrem Garten oder auf dem Spielplatz. Vor allem war ich aber bei ihm. Und ich meine nicht nur körperlich, sondern auch geistig. Ich war mit ihm in der Gegenwart – so ganz ohne Druck, ohne Gedanken an noch anstehende Aufgaben oder ohne Blick auf das f****** iPhone. Es war gut und hat in mir einen Prozess ausgelöst. Auf neudeutsch kann man wohl sagen, dass ich die Achtsamkeit für mich entdeckt habe.

Von der Montessori 21 Kursleiterin Silvia habe ich beim Elternabend das Buch „Mit Kindern wachsen – Die Praxis der Achtsamkeit in der Familie“ bekommen. Ich habe es gestern fertig gelesen und kann nun sagen, dass mich das Buch und die daraus entstandenen Gedanken wirklich vor den schlimmsten Wutanfällen und Ausrastern bewahrt haben. Mein Freund meinte auch, ich hätte mich verändert und diese Veränderung würde auch auf Nepo übergehen. Als ich gestern im Innenhof auf der Bank saß, bewusst weiter weg von ihm und noch weiter weg von meinem iPhone, war mir das erste Mal so richtig bewusst, wie schön die Momente mit ihm sind und wie kostbar jede Sekunde unserer Zeit ist. 

Kein Facebook und kein Instagram können wir warme Sonnenstrahlen auf die Haut zaubern, keine frische Luft zum Atmen geben oder mir ein Glücksgefühl in den Bauch zaubern. Die Magie des „Hier und jetzt“ kann mir niemand geben. Mir wurde klar, wie dumm und naiv ich war, als ich gedacht habe, dass „Multitasking“ ein Segen wäre und das dies etwas wäre, was erstrebenswert ist. Als ich Nepo gestern beim Mittagessen zugeschaut habe, wie er voller Hingabe und höchster Konzentration Oliven auf seine Gabel gespiesst hat und sich jedes Mal freute, wenn es geklappt hat, ist mir in den Sinn gekommen, dass solche Momente auf dem Sterbebett zählen und nicht die Momente, in denen ich schnell schnell noch etwas erledigt habe, während Nepo in seinem Stuhl saß. Diese Oliven hatten so etwas meditatives, dass ich ganz fasziniert war und wirklich die Zeit vergessen hatte.

Ich hoffe sehr, dass mich die Magie dieses Buches noch eine Weile begleitet und vor allem hoffe ich, dass ich aus den schwierigen letzten Wochen dauerhaft gelernt habe und es schaffe mich in den wirklich schwierigen Momenten auf meinen Atem zu konzentrieren und die Ruhe zu bewahren.

 

 

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