Tag Archives: Entwicklung

12Okt/15

Nepo, der kleine Entdecker

Als Nepo im Alter von sechs Monaten war, habe ich erkannt, dass es auf Dauer absolut keinen Sinn macht, sein Kind immer zu entertainen. Bis dato war ich ständig mit ihm in Interaktion und hatte das Gefühl ihm immer was bieten zu müssen. Irgendwann konnte ich nicht mehr und bin auf Emmi Pikler und Maria Montessori gestoßen. Ab da war ich der Überzeugung, dass es für mich und für meinen Sohn besser ist, ihn allein spielen zu lassen und ihn dafür intensiv zu beobachten. Ich muss sagen, dass ich mit meiner Rolle der Beobachterin sehr glücklich bin und froh, dass sich mein Junge auch über einen längeren Zeitraum allein mit etwas beschäftigen kann. Natürlich spiele ich weiter mit ihm und er weiß, dass ich immer für ihn da bin, auch wenn ich mich gerade nicht mit ihm in einem Zimmer befinde, aber ich habe nicht mehr das Gefühl, dass ich ständig vor ihm rumspringen muss.

Der Experimentierfreudige
Nepo übt Schrauben

Nepo übt Schrauben

Ein großer Vorteil des Beobachtens ist es, mitzubekommen, was das eigene Kind bevorzugt. Ich biete ihm immer fünf Spielsachen an und er sucht sich selber aus, was er spielen möchte. Manchmal geht er auch einfach nur ins Bad, nimmt sich eine Rolle Klopapier und ist damit dann eine ganze Weile damit beschäftigt und ich würde es nie wagen, ihm diese wegzunehmen und ihn zum Spielzeug zu setzen.

Was ich in den letzten Monaten beobachtet habe, ist diese absolute Faszination Dinge ineinander zu stecken. Ich glaube, dass es in dem Alter normal ist, aber trotzdem finde ich es immer überraschend, wenn mein Sohn Eimer für einen Turm jedes Mal in verschiedener Weise miteinander verbindet.

Unser Sohn steckt alles ineinander, was dafür vorgesehen ist. Dazu probiert er immer wieder neue Kombinationen aus und erstaunt damit auch die Betreuerin in unserer Kindergruppe, die manche Kombinationen von Holzspielzeugen so noch nie gesehen hat.

Es macht Spaß zu beobachten, wie er sich total in seine Steckspiele vertieft, während um ihn herum alle Kinder toben. Womit ich jetzt nicht sagen möchte, dass er da nur still in der Ecke rum sitzt, nein, er läuft auch durch die Gegend, sucht mit anderen Kontakt, spielt mit der Kinderküche und liebt die Autos, die es dort gibt. Aber oft vertieft er sich eben in seine „Basteleien“

Papa + Sohn = Entdeckerteam
Bastelarbeit für Nepo

Bastelarbeit für Nepo

Mein Freund hat mir erzählt, dass auch er in seiner Kindheit viel gebaut, gebastelt oder experimentiert hat. Also glaube ich, dass Nepo das wohl von seinem Vater geerbt hat. Beide haben die Veranlagung sich tief in Sachen rein zu versetzen und dann alles andere einfach auszublenden.

Mir ist diese Veranlagung leider nicht gegeben. Zwar kann ich mich schnell für etwas begeistern, aber genauso schnell fällt das auch wieder ab. 🙂

Als wir letzte Woche in der Flugzeugwerft waren, hat man wieder ganz klar gesehen, dass sich Papa und Sohn zwischen der ganzen Technik super wohl gefühlt und alles angefasst haben, während Mama sich im Kinderwagen schieben geübt hat und brav hinter den Beiden hergedackelt ist.

Am schönsten sind für mich dann aber die Besuche im Museumsshop, wo sich für alle Tüftler und Entdecker was finden lässt. Wer allerdings schon mal im Shop des Deutschen Museum war, der weiß, wie teuer Produkte wie Mikroskop oder Experimentierkästen sein können. Ich denke gerade am Anfang, wenn wir einfach Dinge ausprobieren möchten, lohnt es sich, dann eher auf günstigere Modelle zurückzugreifen. Lidl hat eine extra Kategorie für „junge Entdecker“. Bisher habe ich mit den Kinderprodukten von Lidl eigentlich immer gute Erfahrungen gemacht und denke, dass es auch für „größere Kinder“ durchaus eine sinnvolle Alternative zu den hochpreisigen Produkten ist.

Wir als Eltern würden Nepo, sobald er das passende Alter erreicht hat oder sich schon früher dafür interessiert, gern die Möglichkeit geben, seinen Forscher- und Entdeckungsdrang mithilfe dieser Experimentierkästen auszuleben. Allerdings auch nur in gleichmäßiger Abwechslung zur Zeit an der frischen Luft. Besonders jetzt im Herbst, wo die Zeit draußen sehr unangenehm werden kann, macht es viel Spaß, dem Kleinen am Globus die Welt zu erklären oder den Hausstaub unter dem Mikroskop zu untersuchen.

Der Papa freut sich auch schon sehr auf die Zeit, die er mit ihm beim Basteln und programmieren verbringen kann. Ob sich das mit dem „ich programmiere mit Nepo, wenn er vier Jahre alt ist“ dann so ausgeht, darauf darf ich gespannt sein. Dann vielleicht doch lieber Kristalle züchten oder den fiesen Hausstaub wegblitzdingsen.

In diesem Sinne: Habt noch einen wunderschönen, entdeckungsreichen Abend. 🙂

Eure Mareike

03Aug/15

Geh deinen Weg, mein Schatz, aber geh ihn in deiner Geschwindigkeit

Hilf mir es selbst zu tun

In gut einer Woche ist es soweit: Nepomuk wird EIN Jahr und verlässt damit offiziell die sehr aufregende und spannende Babyzeit. Die letzten Wochen waren sehr aufregend für mich, denn Nepomuk hat wahnsinnig viele Entwicklungsschritte gemacht. Da ich mich seit Monaten hinsichtlich der „Erziehung“ stark im Hintergrund halte, freut es mich natürlich umso mehr zu sehen, dass Nepomuk weder Anweisungen noch Anreize benötigt, um jeden Tag, jede Woche neue Dinge zu entdecken.

Ich habe heute ein tolles Zitat von Maria Montessori gefunden und ich finde es passt so super zu der Entwicklung der letzten Wochen und Monate und vor allem spiegelt es unser Mutter-Kind-Verhältnis wieder. War ich am Anfang noch sehr „frühfördernd“ unterwegs, so habe ich Anfang des Jahres erkannt, dass das überhaupt keinen Sinn macht. Ich habe mir Bücher von Emmi Pikler und Maria Montessori gekauft, bin Mitglied in verschiedenen Montessori- und Pikler-Gruppen bei Facebook geworden und habe mich für einen Pikler-Kurs angemeldet. Und je tiefer ich mich in die Konzepte einlas, umso überzeugter wurde ich von den Grundgedanken der beiden Frauen.

Beobachten statt animieren

Am Anfang hatte ich immer das Gefühl Nepomuk bespaßen zu müssen. Mit ihm zu spielen oder ihn zu unterhalten. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich das auf Dauer nicht schaffe. Immer um ihn herumzuschwirren wollte ich nicht und konnte ich nicht. Der Kleine war ca. vier Monate, als ich begann an solchen Konzepten wie PEKIP zu zweifeln und mich von der Illusion der allgegenwärtigen Mutter verabschiedete. Durch Zufall bin ich auf Maria Montessori und später auf Emmi Pikler gestoßen. Dort habe ich zum ersten Mal davon gehört, dass es wichtig ist, Kinder einfach nur zu beobachten und sie in ihrer vorbereiteten Umgebung konzentriert spielen zu lassen.

Ich habe es ausprobiert und war überrascht, dass sich Nepomuk auch mit sich selbst beschäftigen kann. Es gab dann Tage, da saß ich einfach nur am Boden habe Tee getrunken und eine halbe Stunde Nepomuk einfach nur beobachtet. Nur durch die Beobachtung ist mir aufgefallen, wie konzentriert der Kleine im Spiel ist. Er ist mittlerweile so vertieft, dass er gar nicht mitbekommt, wenn ich ins Zimmer komme oder an ihm vorbeigehe. Früher hätte ich ihm kurz gesagt, dass er so toll spielt oder das er etwas fein gemacht hat, heute verbiete ich mir jegliche Kommentare. Ich lasse ihn auch bewusst allein im Wohnzimmer spielen und mache in der Küche mein Ding. Wenn es zu still wird oder ich einfach mal nachschauen möchte, schleiche ich mich ran und spieke um die Ecke.

Was ich dann sehe, ist eigentlich immer das gleich Bild: Nepomuk sitzt mit irgendeinem Spielzeug da und redet vor sich hin, der Kopf ist dem Spielzeug zugewandt und für was anderes ist kein Interesse da. Es mag jetzt doof klingen, aber solche Momente machen mich glücklich. Sie zeigen mir, dass wir auf einem guten Weg sind. Nepomuk fühlt sich nicht allein, wenn er allein im Zimmer ist. Manchmal glaube ich sogar, dass er sehr froh ist, wenn die Mutti mal nicht um ihn herumschwirrt. Ich denke auch nicht, dass ich Nepomuk irgendeiner Gefahr aussetze, wenn ich ihn alleine im Raum lasse. Wir haben keine Gefahrenherde wie offene Steckdosen oder Blumen oder Dinge, die er runterziehen könnte und durch unser Ausmisten im Frühjahr haben wir viel Platz für ihn geschaffen.

Das Vertrauen wächst mit

Ich war in vielen Babykursen und Stilltreffs und dabei habe ich oft Mütter erlebt, die ihre Kinder als kleine Dummerchen behandelt haben. Natürlich haben sie es nicht böse gemeint, aber sie haben entweder den Kindern vorgemacht, wie sie zum Beispiel krabbeln und Höhen überwinden können oder sie haben sie von Selbstversuchen abgehalten, um ihnen ein Fallen zu ersparen.

Durch das Lesen und vertiefen in die Montessori/Pikler-Konzepte habe ich gelernt Vertrauen in Nepomuk zu haben. Je mehr ich mich als „Entertainer“ und „Trainer“ zurückgezogen habe, desto stärker wurde mein Vertrauen in ihn. Und für mich gibt es seitdem immer wieder Momente, wo ich einfach immer nur sagen kann: Ja, er weiß wie es geht. Ich muss ihm nur die Zeit und den Raum geben, dass er sich testen kann.

So hat Nepomuk ganz allein verstanden, wie er niedrige Höhen überwindet und wie er größere Höhenunterschiede schafft. Das er geringe Höhen mit den Händen ertastet und dann mit dem Kopf zuerst nach unten geht, hat er schnell rausbekommen. Das er bei Höhen wie vom Bett runtersteigen oder Treppen runterkrabbel zuerst die Beine absetzten muss, hat er nach einiger Zeit allein rausgefunden – ohne das ich es ihm irgendwie zeigen musste. Sicher lernen Kinder es früher, wenn man es ihnen zeigt, aber das kann nicht der Sinn des Lebens sein. Kinder müssen aus meiner Sicht selber ihre Erfahrungen machen, das geht aber nur, wenn wir ihnen Zeit lassen.

Der innere Zeitplan

Entgegen meiner frühen Denkweise, dass Kinder schon in den ersten Wochen und Monaten gefördert werden müssen, bin ich jetzt der Meinung, dass es für die Kinder besser und nachhaltiger ist, wenn sie selbst über die Geschwindigkeit ihrer Entwicklung entscheiden. Ich sehe jeden Tag wie Nepomuk sich entwickelt. Oft sind es nur kleine Schritte, aber die fügen sich wie von selbst in ein Gesamtbild, was oft in der „fördergetriebenen Zeit“ übersehen wird. Nepomuk lernt von allein Dinge in einander zu stapeln und macht das mit einer Hingabe, dass er manchmal nichts anderes zu spielen braucht, als die einfachen Stapelbecher, die ich vor Weihnachten bei dm gekauft habe.

Seit circa zwei Wochen räumt er nun mehr nicht nur sein Zeug aus, sondern auch wieder ein. In den Babykursen stehen oft leere Flaschen in Getränkekästen, die die Kinder dann rausziehen. Letzte Woche ist mir das erste Mal aufgefallen, dass Nepomuk die Flaschen nicht nur ausräumt, sondern wieder einräumt. Mir geht bei solchen Beobachtungen das Herz auf, weil ich sehe, dass er von alleine wieder etwas gelernt hat und das dies sicher wieder eine Basis für andere Schritte ist.

Von freien Schritten ist er hingegen noch weit entfernt, ebenso vom freien Stehen. Das ist für uns aber völlig in Ordnung. Zur Taufe haben wir einen Lauflernwagen von HABA geschenkt bekommen. Der stand monatelang nur im Wohnzimmer, bis Nepomuk irgendwann anfing Stühle, Wäschekörbe und Kartons durch die Wohnung zu schieben. Irgendwann entdeckte er den Lauflernwagen, erst saß er nur daneben und fuhr immer wieder hin und her, schaute sich die Räder an, dann kletterte er auf den Wagen und irgendwann erkannte Nepomuk, dass er den Wagen auch schieben kann. Das alles hat sich über zwei Wochen gestreckt, wir haben ihm nicht gezeigt, wie er mit dem Lauflernwagen vorwärts kommt, sondern einfach alles auf uns zukommen lassen.

So handhaben wir es auch mit dem Stehen und Laufen. Wenn ich manche Kinder sehe, die von ihren Eltern geführt werden, so sieht man, dass die Kinder gar nicht schauen, wo sie hinlaufen. Sie verlassen sich vollkommen auf die Eltern und das immer jemand da ist, der sie auffängt, wenn sie stolpern. Ich selbst merke die „falsche Sicherheit“, wenn ich Nepomuk zu oft stütze. Er wird dann nachlässig und passt nicht mehr auf. Es dauert dann immer etwas, bis Nepomuk sich dann wieder bewusst wird, dass er eigentlich schon gut stehen und sich festhalten kann. Ich möchte, dass Nepomuk sich bewusst wird, dass nur er entscheiden kann, wann er bereit für das Stehen und Laufen ist. Ich persönlich habe keine Eile was diese Schritte anbelangt. Ich vertraue Nepomuk absolut und ich glaube die Freude ist umso größer bei ihm, wenn er es aus eigener Kraft schafft.

Das erste Babyjahr mag nun bald rum sein, aber der Kleine wird noch soviel lernen, sehr oft Dinge das „erste Mal“ tun und immer wieder vor Herausforderungen stehen. Ich kann meinem Sohn das Leben nicht vorleben oder ihm Erfahrungen ersparen, aber ich kann ihn immer begleiten und ihm das Gefühl geben, dass ich immer an ihn glaube.

Und somit schließe ich den Beitrag nochmals mit dem Zitat von Maria Montessori:

„Hilf mir, es selbst zu tun. Zeige mir, wie es geht. Tu es nicht für mich. Ich kann und will es allein tun. Hab Geduld meine Wege zu begreifen. Sie sind vielleicht länger, vielleicht brauche ich mehr Zeit, weil ich mehrere Versuche machen will. Mute mir Fehler und Anstrengung zu, denn daraus kann ich lernen.“

01Mrz/15

Robben, krabbeln, Beikost: Entwicklung in Lichtgeschwindigkeit

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Fortbewegung a la Nepomuk

Nächste Woche wird Nepomuk sieben Monate alt und schafft es uns täglich mit neuen Fähigkeiten zu überraschen.

Alles hat letzte Woche Sonntag begonnen. Nachdem er nun schon über Wochen immer wieder in den Vierfüßlerstand ging, war es endlich so weit: Nepomuk fing an zu robben. Seine Art der Fortbewegung erinnerte stark an das, was man so von der Bundeswehr kannte – nur eben niedlicher und mit viel mehr Sabber.

Oh, ich war so glücklich und stolz auf ihn. Die ersten Fortbewegungsversuche prägen sich bei jeder Mutter sicher genau so ein, wie das erste bewusste Lachen des  Kindes.

Die Anstrengung konnte man dem kleinen Spatz wirklich ansehen: Erst der linke Arm, dann der rechte Arm und dann den Rest des Körpers nachschieben. Zentimeter für Zentimeter arbeitete sich Nepomuk Richtung Spielzeug. Zwischendurch ging es wieder in den Vierfüßlerstand um dann wieder los zu robben.

Nachdem er nun ein paar Tage gerobbt war, hatte er offensichtlich Lust was neues auszuprobieren und fing am Freitagmorgen an zu krabbeln. Sehr wackelig, sehr langsam, aber er krabbelte wirklich.

Am Freitag begann auch unser zweiter PEKiP-Kurs und für Nepomuk eine tolle Gelegenheit mal bei den anderen Babys vorbeizukrabbeln und ihnen das Spielzeug wegzunehmen.

Da krabbeln natürlich auch Hunger macht, isst Nepomuk seinen Brei seit zwei Tagen komplett auf. So langsam können wir sagen, dass er auf dem besten Weg ist die erste Milchmahlzeit durch leckeren Gemüsebrei zu ersetzen. Wenn er so weiter isst, dann kann ich ab nächster Woche mit Fleisch anfangen und irgendwann mit Fisch erweitern.

Es ist für mich eine tolle Zeit ihn bei seinen Fortschritten begleiten zu können. Noch mehr freut es mich, dass er dabei sichtlich Spaß hat und vor Freude quietscht, wenn er zu anderen Babys hinkrabbeln kann oder sich Mama so freut, wenn er so toll seinen Brei ist.

Wenn ich mir Nepomuk und seine Entwicklung in den letzten Wochen so anschaue, dann denke ich, dass es eine gute Entscheidung war, regelmäßig in Baby-Treffs zu gehen. Vielleicht haben ihn die Krabbelbabys, die es dort ja gibt, motiviert es auch mal zu versuchen. Babys sind ja Nachahmer und wenn Nepomuk die ganze Zeit sieht, welche Vorteile es hat, sich selbst von A nach B zu bewegen, dann glaube ich hier schon an einen positiven Effekt der Treffen.

Ich kann nur jeder Mutter empfehlen ab und an solche Treffen zu besuchen. Nicht nur das die Mütter untereinander mal ratschen können, sondern auch den Babys zuliebe, die dann mal mit anderen Kindern in Berührung kommen.