Ein Gedicht für das gestresste „Zu Bett bringen“

Als ich in Kathmandu warVor einigen Tagen habe ich geschrieben, dass wir unseren Sohn nicht mehr ins Bett bringen, sondern er entscheiden kann, wann er ins Bett möchte. Auslöser für diese Entscheidung war ein Zeitungsartikel, den mir unsere „Miteinander wachsen“ Leiterin Silvia gegeben hat.

Letzte Woche gab sie mir noch zwei Gedichte, wovon eines mein früheres Dilemma mit dem „Zu Bett bringen“ sehr gut trifft.

Als ich die Zeilen las, dachte ich mir: Ja, genau das ist der Grund, warum du dein Kind ins Bett bringst und warum du erst ungeduldig und dann genervt bist, weil er nicht sofort schläft. Während ich bei ihm liege, bin ich mit den Gedanken schon woanders bzw. überlege mir, was ich tun möchte, wenn er schläft. Ich geniesse, wie so oft, nicht den Augenblick sondern springe gedanklich schon in die Zukunft und kann diese kaum erwarten.

Wenn ich jetzt im Bett liege, dann denke ich an gar nichts. Nepo spielt neben mir, erwartet aber nicht, dass ich mit ihm spiele. Mittlerweile lese ich abends ein Buch und geniesse einfach die Zeit der Ruhe und im hier und jetzt. Fast jeden Abend denke ich dabei an das Gedicht, dass ich hier nochmal abgetippt habe:

Alles zu seiner Zeit

Ein in Meditation erfahrener Mann wurde einmal gefragt,

warum er trotz seiner vielenBeschäftigungen immer so gesammelt sein könne.

Er sagte:

Wenn ich stehe, dann stehe ich

wenn ich gehe, dann gehe ich

wenn ich sitze, dann sitze ich

wenn ich spreche, dann spreche ich …

Da fielen ihm die Fragesteller ins Wort und

sagten: Das tun wir auch, aber was machst du darüber hinaus?

Er sagte wiederum:

Wenn ich stehe, dann stehe ich

wenn ich gehe, dann gehe ich

wenn ich sitze, dann sitze ich

wenn ich spreche, dann spreche ich …

Wieder sagten die Leute: Das tun wir doch auch.

Er aber sagte zu ihnen:

Nein,

wenn ihr sitzt, dann steht ihr schon

wenn ihr steht, dann lauft ihr schon

wenn ihr lauft, dann seid ihr schon am Ziel …

Aus dem Zen-Buddhismus

 

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