Category Archives: Working Mom

01Nov/17

Die Zeit fliegt und ich bin der Pilot

Es ist schon über ein halbes Jahr her, dass ich hier etwas geschrieben habe. Der Grund warum es hier so ruhig war, ist ganz einfach: Meine Teilzeitstelle hat mich komplett aufgefressen. Projekte, Reisen und Überstunden auf Überstunden haben mich so beansprucht, dass ich an meinen Blog gar nicht mehr zu denken wagte.

Heute möchte ich Euch einfach daran teilhaben lassen, wie ich mich selbst in diese Situation manövriert habe, wie es immer mehr wurde und ich mich und meine Familie gar nicht mehr wahrgenommen habe.

Die Einsicht, dass alles zu viel ist

Die Einsicht, dass ich dieses Tempo nicht mehr fahren kann und ich auf dem guten Weg Richtung Burnout oder Herzinfarkt bin, kam am letzten Samstag – morgens um 6 Uhr am Flughafen Tegel.

Ich hatte am Freitag Trainings für unser Einkaufssystem gehalten (ohne jemals eine Trainer-Schulung erhalten gehabt zu haben). Da aufgrund der AirBerlin Insolvenz am Freitagabend kein Flug mehr nach München verfügbar war, buchte ich den ersten Flug am Samstagmorgen um 6:30 Uhr von Berlin nach München. Meine Nacht endete um 3 Uhr und um 5 Uhr war ich auf dem Weg zum Flughafen. Ich holte mir einen Kaffee und ging durch den Security Check.

Als ich im Abflugbereich stand, wurde mir so schlecht und mein kompletter Oberkörper schmerzte. Ich habe in dem Moment wirklich gedacht, dass ich jetzt gleich in Scheiß Berlin am Scheiß Samstagmorgen umkippe und das dies dann mein Leben war. Mein Sohn Halbwaise – nur weil ich im Job nicht nein sagen konnte.

Ich kaufte mir ein Wasser und setzte mich auf eine Bank und wartete auf das Boarding. Ich beobachtete die Menschen und konnte das erste Mal seit langem meinen Rechner nicht hochfahren und weiterarbeiten. Ich hatte so keinen Bock, dass ich mir dachte, den am liebsten gleich in den Müll zu schmeissen.

Ich bin also nicht gestorben und konnte meinen Rückflug antreten. Ich hörte Klassikmusik erst im Flieger, dann in der S-Bahn. Ich wollte einfach nur alles weg filtern: Die Menschen, die Geräusche … Ich lief nach Hause und um 9 Uhr stand ich mit Brötchen in der Hand wieder vor unserer Wohnungstür. Auf dem Weg hatte ich noch eine Süddeutsche Zeitung gekauft, deren Titelstory „Abschalten“ war. Das war ein Zeichen.

Wenn die Mailbox das Arbeitsleben bestimmt

Das ganze Wochenende habe ich nachgedacht. Für eine Kündigung bin ich noch nicht bereit, auch wenn ich mich mehr als einmal pro Tag frage, warum ich mir das eigentlich alles so antue und warum ich mich immer reinhängen muss, obwohl es bei anderen ja auch leichter geht.

Ich fragte mich, ob es wirklich so sinnvoll ist, wie ich arbeite und ob ich mich nicht aufgrund von fehlender Planung und Priorisierung immer mehr in ein Hamsterrad bewegte. Ich hatte und habe das Gefühl, dass ich 80 Stunden die Woche arbeiten könnte und nicht Herr der Lage sein würde.

Die letzten Wochen habe ich in der Hochphase 53 Stunden die Woche gearbeitet, dass ist für jemanden der einen 30 Stunden Vertrag hat, natürlich nicht in Ordnung. Letzte Woche habe ich mal bis 2 Uhr nachts gearbeitet und an anderen Tagen fange ich morgens um 4 bzw. 5 Uhr an zuarbeiten.

Das Problem: Ich schaffe rein gar nichts produktives, nichts, was den Status Quo unserer Prozesse oder unseres Systems vorantreibt. Ich bin nur damit beschäftigt operative Sachen zu machen und Mails zu beantworten.

Ist Euch schon mal aufgefallen, dass es keine Stellenbeschreibung dieser Welt gibt, in der steht: Dein Arbeitsalltag wird von deiner Mailbox bestimmt. Vorwiegend sind Anfragen zu erledigen, die per Mail und mit Ausrufezeichen an dich weitergeleitet werden.

Aktuell ist meine Mailbox mein ständiger Impulsgeber und wie sehr und schnell ich auch reagiere, es werden immer mehr Mails.

Am Wochenende ist mir zum ersten Mal klar geworden, dass es sich mit meiner Mailbox, wie mit einer Ballmaschine beim Tennis verhält: Egal wie viel und wie erfolgreich du die Bälle schlägst, die Maschine schiesst immer noch einen Ball hinterher. Du kannst fast nicht gewinnen.

Es geht um mehr als nur Produktivität

Wenn ich das hier schreibe und mir das ganze Wochenende den Kopf zerbreche, wie ich aus diesem Hamsterrad rauskomme – ohne frustriert zu kündigen und diesen Schritt schon alsbald zu bereuen – dann natürlich nicht mit dem Focus noch produktiver zu sein, sondern mit dem Fokus wieder mehr Zeit mit Nepo zu verbringen.

Sicher könnte man zu mir sagen – und das höre ich sehr oft: „Dann sind wir halt langsam und können nicht jeden bedienen. Schalt einfach die Mailbox ab und erhole dich.“

Das sind Ratschläge die funktionieren bei mir nicht. Es bringt rein gar nichts einfach die Mailbox zu ignorieren, das löst das eigentliche Problem – nämlich die Schreibwut der heutigen Generation nicht. Es würde mich nur noch mehr verunsichern und zu den nicht beantworteten Mails kommt dann noch die absolute Nervosität Dinge nicht geregelt zu kriegen. Was mich wieder in eine Schockstarre und absolute Hektik verfallen ließe. An einen entspannten Nachmittag mit Nepo ist da überhaupt nicht mehr zu denken.

Ich arbeite gern, aber ich muss einen Weg finden, wie ich nachmittags einfach abschalten kann. Ich habe kein Problem damit abends, wenn Nepo mit dem Papa spielt nochmal für eine Stunde meine Mails zu checken, aber die noch offenen Themen sollten mich nicht die ganze Zeit begleiten. Das ist es nicht wert und ich habe damit schon zu viele Wochen und Monate verschwendet.

Nochmal: Ich mag meinen Arbeitgeber und meinen Chef und auch die Aufgabe, aber ich muss einen Weg finden, wie ich das alles organisieren kann. Weg vom reaktiven Kaninchen, dass vor der Schlange „Mailbox“ sitzt.

Alles beginnt mit der Planung

Ich glaube ohne Plan in den Tag zu starten, ist der beste Weg um sich am Abend frustriert zu fragen, warum man nichts geschafft hat.

Und so habe ich überlegt und überlegt, was ich jetzt kurzfristig umsetzen kann – ohne 400 Seiten Ratgeber über Zeitmanagement und Work-Life-Balance zu lesen. Ab nächster Woche werde ich mir meine Kontrolle über meine bezahlte „30-Stunden-Woche“ wiederholen. Ich habe mich verabschiedet, dass ich meinen Job mit 30 Stunden erledigen kann, aber ich kann mich immerhin so organisieren, dass es pro Woche nur 35 Stunden sind.

Und hier sind meine Maßnahmen:

  • Ich blocke meinen ganzen Tag mit Terminen für mich
  • Ich organisiere meinen Arbeitstag in Blöcken, die aus dem Bearbeiten von Mails und strategischen Themen bestehen
  • Jede Woche arbeite ich an einem Projekt: Content, Prozesse …
  • Nachmittags bis abends lese ich keine Mails mehr
  • Ich werde einen Abwesenheitsagenten aktivieren, damit die Leute informiert sind, dass ich „nur“ Teilzeit arbeite
  • Ich werde wieder mit Sport anfangen
  • Ich werde wieder anfangen zu lesen (Romane) und ins Museum gehen (Pinakotheken, Haus der Kunst, Deutsches Museum …)
Diese Woche reiße ich nichts mehr

Ich verabschiede mich jetzt schon aktiv von dem Gedanken, dass ich diese Woche noch irgendwas reiße. Am Montag bin ich schon gut voran gekommen. Jetzt hatten wir zwei Feiertage, morgen und übermorgen habe ich Trainings in München und danach muss ich fast schon wieder aus dem Büro.

Mein Plan für nächste Woche

Also sollte ich mich jetzt schon für nächste Woche vorbereiten und mich wie folgt organisieren:

Tagesplanung:

  • Dienstag und Donnerstag werden meine „Meeting-freien“ Tage, d. h. da blocke ich mir den ganzen Tag mit verschiedenen Bereichen
    • 06:30 – 08:30 Uhr: Arbeite ich an strategischen, wertsteigernden Themen
    • 08:30 – 10:00 Uhr: Bearbeite ich Mails und führe Telefonate
    • 10:00 – 12:30 Uhr: Arbeite ich wieder an strategischen Themen
    • 12:30 – 14:00 Uhr: Arbeite ich wieder an Mails und deren Beantwortung
    • 14:00 – 20:00 Uhr: Kümmere ich mich nur um meinen Sohn – was anderes hat in dieser Zeit keinen Platz
    • Für den Nachmittag aktiviere ich den Out Of Office Agenten
    • Abends schaue ich für maximal eine Stunde in meine Mails
  • Montag, Mittwoch und Freitag versuche ich diese Planung um Meetings herumzubauen. Vielleicht kann ich den Freitag auch für „strategische Themen“ nutzen.

Thema „Geschäftsreisen“

Auch wenn ich aktuell nur nach Berlin fliege, so ist es doch immer ein organisatorischer Akt mit meinem Freund. Jeden Tag, den ich in Berlin verbringe, muss mein Freund den Kleinen hinbringen und wieder abholen. Ich komme meist erst abends gegen 23 Uhr nach Hause.

Aus irgendeinem Grund habe ich die letzten Berlin-Reisen immer auf Freitag gelegt, weil mir das so gut gepasst hat. Das ist aber total bescheuert, denn ich komme ja freitags erst um 23 Uhr nach Hause und das Wochenende ist dann fast hin.

Ich werde meine Berlin-Reisen jetzt immer donnerstags machen und dafür den Freitag im Home Office verbringen. Wo ich arbeite, ist aktuell egal und die eine minimale Gutmachung für das ganze Reisen, sollte schon rausspringen.

Kontrolliertes Schreiben von Mails

Wenn ich mich über die Mailflut beschwere, dann weiß ich, dass ich nicht alleine bin. Ich werde in Zukunft darauf achten, was ich per Mail schicke und wo ein wöchentliches Meeting vielleicht mehr Sinn macht.

Gerade die Kommunikation mit meinem Chef – in Hochphasen habe ich ihn regelrecht mit Mails bombardiert – muss ich überdenken. Ich muss das mit ihm abstimmen, aber ich glaube es reicht, wenn wir die wichtigsten Themen wöchentlich durchsprechen und wenn etwas eilt, dass kurz am Telefon diskutieren.

Regelmäßige Erfolgskontrolle

Ich werde die nächsten Wochen genau verfolgen, was zu einer Besserung meiner aktuellen Situation beiträgt und was lediglich nur ein netter Versuch war. Ich werde alles daran setzen, dass ich nie wieder in die Situation wie letzten Samstag komme und das Gefühl habe, gleich tot umzufallen.

Ich weiß, dass der Weg hart sein wird und ich mir viele Sachen einfach wieder zurückerobern muss, aber ich bin guter Dinge, dass ich es schaffe. In den nächsten Wochen wird es sicher viele Veränderungen geben und ich hoffe, dass ich mit meinem Vorhaben dafür gewappnet bin.

Mein Ziel ist es hier regelmäßig (mindestens 1 x pro Woche) über meine Fortschritte und Rückschläge zu berichten.

Ich gehe wirklich gern arbeiten, aber ich kann nicht damit leben, nichts zu bewirken und Mails abzuarbeiten, ist nun wirklich nichts, was etwas produktives an sich hat.

Und somit schließe ich diesen Blogpost mit einem meiner Lieblingszitate:

Ich weiss nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll.

21Apr/17

Osterurlaub: Für einfach mal nichts tun

Es ist jetzt Freitag und mein Osterurlaub neigt sich dem Ende zu. Obwohl wir wetterbedingt zuhause geblieben sind und die Wohnung gemeinsam NULL mal verlassen haben, hatten wir eine super Zeit. Und Nepos „Hab dich lieb“ hat mich zum glücklichsten Menschen gemacht. 🙂 Continue reading “Osterurlaub: Für einfach mal nichts tun” »

16Apr/17

Osterurlaub: Mehr Zeit für Nepo und mich

Nachdem wir die Ostertage bei meinen Eltern verbracht haben, werden Nepo und ich die kommende Woche allein in München verbringen. Es ist mein erster richtiger Urlaub seit dem Wiedereinstieg ins Berufsleben und ich freue mich so auf die Zeit mit ihm, dass ich die ganze Zeit schon am Planen bin, was wir alles tolles machen können. Continue reading “Osterurlaub: Mehr Zeit für Nepo und mich” »

16Apr/17

Auf der Suche nach der Work-Life-Balance

Es ist jetzt fast sechs Monate her, dass ich aus meiner Elternzeit wieder zurück ins Berufsleben gekehrt und ich bin meiner Work-Life-Balance ferner denn je. Gerade jetzt an Ostern merke ich, wie sehr ich eigentlich Ruhe und Zeit für mich bräuchte, aber der Besuch bei den Eltern und fehlende Rückzugsorte geben das aktuell nicht her.

Das Streben nach Perfektion im Job und in der Mutterrolle

Als ich mich die letzten zwei Jahre mit dem Thema „Hochsensibilität“ beschäftigt habe, wusste ich, dass der Wiedereinstieg in den Beruf eine extreme Herausforderung wird. Obwohl ich mit 20 Stunden und einer 4-Tage-Woche begonnen habe, war ich schnell überfordert. Nicht von den Ansprüchen der Tätigkeit, sondern von mir.

Ich habe es versäumt mich im Vorfeld intensiv mit meinem eigenen Ansprüchen auseinanderzusetzen. Ich habe mir keine Werkzeuge und Handlungsstrategien überlegt, die es mir ermöglichen rechtzeitig meine Grenzen aufzuzeigen. Ich bin einfach ins kalte Wasser gesprungen und die einzige Vorbereitung für meinen Wiedereinstieg war das Auffrischen meiner Englischkenntnisse, da mein Chef nur Englisch spricht.

Ich wusste, dass gerade hochsensible Mütter nicht in der Lage sind, rechtzeitig die Notbremse zu ziehen oder es schaffen eine Grenze zwischen Arbeitsleben und Privatleben zu ziehen. Als hochsensible nehme ich Themen aus der Arbeit mit nach Hause, zerbreche mit den Kopf über irgendwelche Aussagen oder stelle an mich Ansprüche, die ich in einer 25-Stunden-Woche nicht erfüllen kann.

Ja, ich bin mit 20 Stunden und einer vier Tage Woche gestartet. Nach 1,5 Monaten habe ich auf 25 Stunden aufgestockt, verteilt auf fünf Tage. Ich habe mir also den Luxus eines freien Tages einfach gestrichen. Nicht weil mich irgendjemand gebeten hat, sondern weil ich mich immer schlecht gefühlt habe, wenn ich donnerstags aus dem Büro gegangen bin. Ehrlich, im Nachgang total bescheuert. Mein Freund hat damals dazu nichts gesagt. Vor kurzem meinte er, er hätte stärker intervenieren müssen, als ich da einfach mal meinen Tag aufgegeben hatte.

Natürlich blieb es nicht beim Aufstocken auf 25 Stunden. Früher war ich besessen Dinge zu verändern und Sachen voranzutreiben. Mein aktueller Arbeitgeber ist da sehr offen und ich finde halt einfach immer was, was man besser machen kann. Und so kam, was kommen musste: Ich arbeitete im Büro meine Aufgaben ab, die ich im Rahmen meiner Stellenbeschreibung zu erledigen hatte. Morgens, vor dem Laufen, nachmittags und am Wochenende kümmerte ich mich um Projekte und Prozesse. Nicht weil ich dumm war, sondern weil das meine innere Motivation war. Mich kümmert weder Karriere noch Geld. Für mich ist dieses Gebiet wie eine grüne Wiese und ich konnte meine Erfahrungen einbringen. Meine Erfahrung von meinem ersten Arbeitgeber, meinem Master und meiner früheren Tätigkeit bei meinem aktuellen Arbeitgeber.

Mit intrinsischer Motivation volle Kanne auf die Eisscholle

Für Arbeitgeber ist sowas natürlich toll: Sie haben Mitarbeiter die frei laufen und immer im Streben nach Perfektion. Für mich in meiner Rolle als reiner Arbeitnehmer schon anspruchsvoll und dann noch als Mutter: Eine Katastrophe. Und so kam, was kommen musste: Ich manövrierte mich mit meinem Ehrgeiz selbst auf eine Eisscholle und treibe nun zwischen verschiedenen Eisbergen herum. Mal knalle ich an den Eisberg meines disziplinarisch zugeordneten Chefs, dann an den Eisberg mit meinen Tagesaufgaben, die ich machen muss, weil ich auf die Stelle aus meiner Elternzeit zurückgekehrt bin und dann gibt es da noch den riesigen Eisberg namens Mutterolle. Von den anderen kleinen Eisbergen namens Familie, Freunde oder Hobbies rede ich schon gar nicht mehr, weil die sowieso schon unerreichbar für mich sind.

Und je mehr ich auf meiner Eisscholle vor mich hintreibe, desto stärker merke ich die Sonne, die meine Scholle schmelzen lässt. So sehr ich mich auch auf der Scholle drehe, so sehr wird mir bewusst, dass ich mich in was hinein manövriert habe, wo ich nicht mehr durch einfaches Prioritäten setzen rauskomme.

Die Fähigkeit Anker zu setzen

So wenig es mir als Hochsensibler möglich ist, Grenzen zu setzen, so sehr habe ich doch die Fähigkeit Fenster zu sehen, die es mir ermöglichen, zu springen, um meine Situation zu verändern. Mein Bauch ist darauf geeicht rechtzeitig so starke Signale an mein Gehirn zu senden, dass ich mich bisher aus jeder Situation rausziehen konnte, bevor der Punkt erreicht war, an dem es kein Zurück mehr gab.

Mir wurde bei einem Termin bewusst, dass ich gerade dabei war mich in eine Sackgasse zu manövrieren. Nach einigen Tagen wirklich schlechter Laune, habe ich dann das Gespräch mit meinem Chef gesucht und jetzt hoffe ich sehr, dass sich was ändert. Immerhin bin ich noch so motiviert, dass ich die nächsten Wochen noch abwarten kann und mein Arbeitspensum weiter so durchziehen kann, wie bisher.

Zudem ist ein wichtiger Anker zurzeit mein Urlaub. Es ist der erste richtige Urlaub seit meinem Wiedereinstieg. Nepomuks Krippe hat zu und wir werden die Woche nach Ostern gemeinsam verbringen. Wie früher. Die Wetteraussicht ist zwar schlecht, aber vielleicht ist es auch gut so, dass wir die Zeit zuhause verbringen. Ich freue mich so auf die Zeit mit Nepo, denn meine Unfähigkeit Arbeit und Privatleben zu trennen, hat dazu geführt, dass sich auch mein Verhältnis zu Nepo verschlechtert hat bzw. wir sehr distanziert zueinander sind. Nepos erster Kontakt ist aktuell der Papa und ich glaube nicht, dass das so eine Phase ist, sondern schlicht daran liegt, dass ich YouTube in den letzten Monaten sehr stark beansprucht habe und Nepomuk davor einfach geparkt habe. Wenn auch mit sehr schlechtem Gewissen, aber ich habe es getan und das war scheiße, gerade wenn man immer davon spricht, wie wichtig der respektvolle Umgang und Montessori für einen selbst ist. Alles nur heiße Luft in den letzten Wochen und Monaten.

Der Anfang ist gemacht

Nachdem ich mir hier meinen Frust von der Seele geschrieben habe, geht es mir schon besser. Ich bin immer noch gern bei meinem Arbeitgeber und der vollen Überzeugung, dass wir hier eine Lösung finden. Es wäre das erste Mal, wenn hier nichts passieren sollte.

Der Anfang ist auf jeden Fall gemacht, auch wenn ein Kreisdiagramm über die täglichen Arbeiten für den einen vielleicht etwas übertrieben wirkt, für mich war es gut, um aufzuzeigen, wo gerade meine Schwerpunkte liegen, dass sie mit meiner individuellen Zielvereinbarung überhaupt nicht übereinstimmen und das es so auf keinen Fall weiter gehen kann.

Für den Job bin ich also optimistisch. Und auch für mich und meine Rolle als Mutter habe ich mir schon einiges überlegt. Solange meine berufliche Fokussierung nicht final geklärt ist, fahre ich den Projekt- und Prozessmanagement-Teil nach unten. Keine Arbeiten mehr am Wochenende oder nachmittags. Auch in der Urlaubswoche werde ich nur noch in meine Mails schauen, wenn Nepo schläft und die Woche zu einer „YouTube“-freien Woche erklären.

Für mich selbst werde ich versuchen neben dem Laufen und dem Crossfit noch zusätzliche Ruheinseln einzubauen. Hier bei meinen Eltern habe ich das Lesen wiederentdeckt und werde das jetzt wohl auch weiter verfolgen. Gleichzeitig fahre ich meinen Social Media Konsum wieder runter.

Aber diese Schritte werde ich wohl nochmal in meinem Blog aufschreiben. Denn die Verarbeitung im Blog hilft mir sehr, gerade weil ich das Gefühl habe, dass ich mit niemanden so richtig drüber reden kann bzw. alle irgendwie so eingebunden sind, dass sie keine wirkliche Zeit haben.

Aktuell liebe ich den Vergleich mit der langen Reise und dem ersten Schritt. Die Dokumentation meiner Arbeit, das Gespräch mit meinem Chef und die Erkenntnis, dass sich was ändern muss, waren schon mal die ersten Schritte auf dem langen Weg der Besserung. Die meiste Arbeit liegt wohl bei mir und an mir selbst, aber ich denke, dass bekomme ich auch hin – trotz oder gerade wegen der Hochsensibilität. 🙂

28Jan/17

Meine erste Geschäftsreise als Mama

Ich bin ehrlich gesagt froh, dass Wochenende ist. Diese Woche war ich zum ersten Mal seit Nepomuks Geburt auf Geschäftsreise. Für mich war das schon eine spannende und anstrengende Sache, zumal die ganzen drei Tage fast zu 90% Englisch gesprochen wurde.

Dienstag

Die Nacht von Montag auf Dienstag hätte super lang werden können, da ich todmüde mit Nepomuk um 18 Uhr im Bett lag und eingeschlafen bin. Um 20 Uhr kam mein Freund und fragte mich, ob ich für Dienstagmorgen schon gepackt hätte. Nein, natürlich nicht. Ich habe mit Nepo gespielt, Bücher angeschaut und rumgetollt. Gepackt hatte ich nichts. Also wieder raus aus dem Bett und alle Sachen für den nächsten Morgen gepackt. Um 22 Uhr lag ich dann wieder im Bett.

Der Wecker klingelte um 4:30 Uhr. Ich stand auf, machte mich fertig und lief morgens mit meinem Koffer durch die klirrende Kälte Richtung Ostbahnhof. Ich dachte die ganze Zeit darüber nach, was in aller Welt es mir bringt arbeiten zu gehen. Mehr als die Tatsache, dass es heute halt von uns Frauen erwartet wird, dass wir Kinder und Beruf unter einen Hut bringen, fiel mir nicht ein.

In der S-Bahn auf dem Weg zum Flughafen googelte ich doch tatsächlich die Vorteile für eine Frau, wenn sie zuhause bleibt. Oh, man, das war also meine Motiviation. Als ich meine Kollegen am Flughafen traf wurde es schon alles besser und ich vergaß meine Zweifel.

Mit ca. 45 Minuten Verspätung kamen wir in Berlin an und irgendwie freute ich mich schon, endlich meine andere Teamkollegen kennenzulernen.

Der Tag war spannend und anstrengend zugleich. Nach dem ersten Tag gingen wir ins Kochatelier Berlin, um dort im Team ein 3-Gang-Menü zu kochen. Das war dann auch der Moment, wo ich meine ketogene Ernährung pausiert habe. Es gab einfach nichts, was ohne Getreide war und allein der Weisswein hat ja Carbs ohne Ende. 🙂

Der Abend ging dann relativ lang und nach dem Kochatelier ging es dann noch ins Moxy und danach auf einen Döner am Ostbahnhof. Um 3 Uhr war ich dann im Bett. Das erste Mal allein ohne meinen Sohn und ohne meinen Freund.

Mittwoch

Als ich um 7 Uhr aufgewacht bin, war ich erstaunlich fit. Nur der Alkohol und das getreidehaltige Essen machten mir zu schaffen. Im Frühstücksraum entschied ich mich für Erdbeerjoghurt. Boah, ich habe Jahre keinen Erdbeerjoghurt gegessen und das war sicher auch für Jahre das letzte Mal, denn dolle war der nicht.

Der Tag ging dann auch schnell rum und ich war eigentlich durch die Bank fit. Nur das ganze Englisch hat mich angestrengt und ich merke schon, dass man nicht so offen und konstruktiv sein kann, wenn man alles erst in eine andere Sprache übersetzen muss.

Abends bin ich dann mit meinen Münchner Kollegen durch Berlin gelaufen, wir haben mexikanisch gegessen und uns in den Schaufenstern die Immobilienpreise angeschaut. Auch die Vintage Läden fand ich cool. Den Münchner Standard gewöhnt, könnte man ja durchaus mal mit einem Lieferwagen nach Berlin fahren und dort die Läden leer kaufen. 😀

Abends habe ich dann doch schon meine kleine Familie vermisst und gemerkt, dass ich alt werde. Es war irgendwie komisch so ohne sie zu sein.

Donnerstag

Am Donnerstag hatten wir dann nur bis mittags Programm und waren in der Mittagspause bei einem witzigen Burgerladen, danach der Spaziergang an der Spree und der Mauer entlang. Auf dem Weg zum Burger Laden habe ich kurz mit meinem Chef gesprochen. Er hat mich dann auch gefragt, ob das alles klappt mit Kind und Job. Tja, bisher klappt es eigentlich ganz gut. Aber so drei Tage einfach mal nicht da sein, ist schon ne Hausnummer für alle. Für meinen Sohn, der drei Tage ohne mich ist, für meinen Freund der dann früh aus dem Büro muss, um Nepomuk um 14:30 Uhr im Kindernest abzuholen und auch für die Großeltern, die dann am Donnerstag einspringen mussten, weil mein Freund ein Gesellschaftermeeting hatte.

Die Balance zwischen Job und Familie ist schwierig und mir gelingt sie nicht wirklich. Ich trage zu viele Probleme aus dem Büro mit nach Hause. Und das nervt mich. Auch jetzt denke ich an den Monatsabschluss und offene Themen, die einfach liegen geblieben sind, als ich die drei Tage in Berlin war.

Zurück aber nach Berlin: Um drei sind wir dann aus dem Büro, weil um 16:10 Uhr unser Flieger nach München ging. Ich war sehr unentspannt, denn nur eine Stunde Zeit und dann noch Gepäck aufgeben, wäre in München schlicht unmöglich gewesen. Aber es ist ja zum Glück Tegel und so sind wir quasi 5 Minuten vor Boarding angekommen und alles lief glatt.

Im Flieger habe ich den Großeltern geschrieben, dass ich unterwegs bin und sie haben uns gesagt, dass sie mit der S-Bahn und Nepomuk bis an den Starnberger See gefahren sind. Ich musste vor dem Abflug so lachen, als ich das gelesen habe. Sie sind S-Bahn gefahren, weil Nepomuk so gerne S-Bahn fährt. Und irgendwie war ich dann einfach erleichtert.

Als ich dann um 18:30 Uhr endlich zuhause war und die Treppen hochgelaufen bin, war ich irgendwie stolz auf mich. Auf meine drei Tage englischsprachiges Teammeeting, dass ich nicht abends im Bett lag und vor Sehnsucht geweint habe und das ich kaputt aber glücklich war.

Mein Plan B und der Start ins Wochenende

Das ich auf dem Weg nach Berlin gegoogelt habe, wo die Vorzüge der „Frau zuhause“ liegen, habe ich noch keinem erzählt. Vergessen habe ich es nicht und spätestens, wenn wir keinen guten Kindergarten finden, dann werde ich mich mit dem Thema nochmal befassen. Solange werde ich auf Immobilienscout mal alte Häuser und Bauernhöfe im bayrischen Outback suchen. Das mit Immobilienscout ist übrigens keine Schleichwerbung, sondern einfach nur der Tatsache geschuldet, dass ich bei Scout24 arbeite und Immobilienscout ist nun mal ein großer Teil davon. 🙂

Heute ist Samstag und wir waren vorhin beim Tag der offenen Tür in einem Montessori Kindergarten. Alles sehr schön und sehr toll. Und einige gute Bücher von Maria Montessori habe ich gesehen, die ich jetzt mal auf Amazon suchen werden.

Zudem war ich heute morgen das erste Mal in diesem Jahr laufen und das war gar nicht so kalt und anstrengend. Jetzt überlege ich mir, ob ich mir keinen neuen Fitbit kaufe, da der alte kaputt gegangen ist. 🙁

Dieses Wochenende werde ich auf jeden Fall nur abhängen, meinen Keto Schokokuchen essen und mich erholen. Naja, gut, Wäsche werde ich waschen und den alten Tennisball von Opi in ein gefrässiges Monster verwandeln. 😀

Habt einen wundervollen Samstag

Alles Liebe

Mareike