Category Archives: Pikler & Montessori

31Jan/16

Montessori made by Baumarkt

IMG_0867Seit gut einem Jahr interessiere ich mich nun für die Konzepte von Emmi Pikler und Maria Montessori. Neben dem Lesen verschiedener Bücher, dem Ideensammeln auf Facebook und Pinterest und nicht zu guter Letzt den Besuchen in zwei verschiedenen Spielräumen, versuche ich im Rahmen des Möglichen Montessori und Pikler auch in unseren Alltag zu integrieren.

Nun lese ich oft, was es für tolle Montessori Sachen bei Ikea gibt und wünschte mir manchmal, ich hätte ein Auto, um dort regelmäßig einkaufen zu gehen. Dieser Wunschgedanke hält sich mit Hinblick auf unseren Minimalismus allerdings nur wenige Minuten und so hole ich mir die Inspiration meist aus den Besuchen in den Spielräumen, in verschiedenen Facebook Gruppen und natürlich auf Pinterest. Viele Sachen gibt es glücklicherweise in normalen Kaufhäuser, beim Drogeriemarkt oder auch beim Baumarkt zu kaufen.

Und so war es am Donnerstag nach über einem halben Jahr mal wieder Zeit in unseren nahe gelegenen Toom Baumarkt zu schlendern. Dieser liegt mitten in Haidhausen und ist für mich zu Fuß super zu erreichen. Der Baumarkt ist meiner Meinung nach wirklich ein guter Markt, der kaum überlaufen ist und für mich eine unendliche Fülle an Ideen bereithält.

Nachdem Nepo nun mit seinen 18 Monaten schon gut zu Fuß ist, bin ich mit anfangs mit ihm an er Hand durch den Baumarkt geschlendert und später immer hinter ihm hergelaufen. Für ihn ist so ein Baumarkt natürlich auch ein Paradies: Weite Gänge, volle Regale und alles so schön bunt und in Greifhöhe.

Inspiration was ich alles kaufen kann, habe ich mir vorab nicht geholt, aber ich wusste worin gerade Nepos Interessen liegen. Wie seit Monaten immer noch im Schütten. Er schüttet alles: Reis, Linsen, Mais (Danke, an unseren Asiashop), Frischhalteclips oder Wasser.

Zudem ist er der ganz große „Dinge in Öffnungen“ Stecker und liebt das ständige Ausprobieren von Schraubverschlüssen. Seit kurzem hat er zudem die Magie von Kugeln und Bällen entdeckt, die er dann genüsslich durch den Raum kullern lässt, um die genaue Laufbahn dieser zu beobachten. Auch das Bemalen von Blättern, Tischen und Regalen findet er ganz toll.

Seine ganze Liebe gilt aktuell aber Schrauben und vor allem dem Werkzeugkoffer von Papa. Er liebt es mit ihm rumzuschrauben, beim Lampen wechseln dabei zu sein oder „mitzuhelfen“, wenn der Papa mal wieder ne lose Schublade repariert.

Obwohl wir Nepo Anfang des Jahres einen Werkzeugkasten von IKEA gekauft haben, so fasziniert ihn das bei weitem nicht so sehr, wie die Dübel und Schrauben des Papa. Also habe ich eine Packung großer, stumpfer Schrauben mit Muttern gekauft. Die Muttern habe ich vorsorglich einkassiert, da Nepo aktuell noch zu viel in den Mund nimmt. Später werde ich dann die Muttern mit den Schrauben anbieten, damit Nepo dann mit hoch- und runterdrehen der Muttern beschäftigt werden kann.

Die Schrauben sind jetzt aktuell stark in Benutzung. Nepo schüttet sie immer von einem Behältnis ins nächste oder untersucht sie bis ins Detail. Von meinem alten Kleiderschrank habe ich ebenfalls noch große Schrauben gefunden, sodass er nun zwei verschiedene Größen hat.

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Neben Schrauben habe ich noch große Dübel in weiß und rot gekauft. Rot ist aktuell seine Lieblingsfarbe und die Plastikdübel lassen sich wunderbar in verschiedene Gläser, Teedosen und Kindertöpfe schütten. Später werden wir dann mit diesen Dübeln versuchen Farben kennenzulernen.

Wo wir gerade bei Farben sind: Im Baumarkt bin ich zufällig an einer Packung von „Ausgleichsblättchen“ vorbeigekommen. Da ich die Farben gut fand, habe ich einfach eine Packung mitgenommen. Bis vorhin war mir noch nicht so klar, ob wir das jetzt schon verwenden können, weil ich es eben auch für die Farbenlehre nutzen wollte. Aber der Papa war so begeistert von den Blättchen, die auch unterschiedliche Stärken haben und hat dann gleich mit Nepo die Blättchen aneinander gelegt. So habe ich jetzt auch schon eine Idee, was ich mit ihm mal tagsüber gemeinsam machen kann.

Da ich bald auch mit Nepo malen möchte, habe ich jetzt schon mal eine Abdeckplane für unseren Laminatboden gekauft, dazu Malerkrepp, einen Pinsel und einen Farbroller, sodass wir bald mit den ersten Kunstwerken loslegen können. Ich bin mir noch nicht sicher, ob wir vielleicht bis zum Frühling warten und das dann auf dem Balkon machen oder zumindest die Balkontür auflassen, damit der Farbgeruch, soweit es den gibt, nach draußen ziehen kann.

Vielleicht werde ich die Abdeckplane auch schon früher nutzen, wenn wir jetzt endlich mal unsere eigene Knete machen. Ich habe schon einige Rezepte rausgesucht, wo man nicht viel mehr als Mehl und Wasser benötigt.

Zu guter letzt haben wir natürlich auch wieder Holzkugeln gekauft und Holzscheibchen. Zum einen kann Nepo diese dann auch wieder in Dosen mit entsprechenden Öffnungen stecken. Zum anderen haben wir ein großes Brett, dass ich immer unterschiedlich hoch aufbaue. So können wir die Kugeln immer aus unterschiedlichen Höhen runterrollen lassen. Wenn ich dann auch genügen Küchenpapierrollen gesammelt habe, werde ich mich zudem auch mal in einer einfachen Kugelbahn probieren.

Wichtig bei allen Produkten ist mir die Nähe zur Realität. Nepo bekommt viele authentische Materialien mit denen er dann rum probieren kann. Das beginnt bei ungekochtem Reis und Linsen, geht über Küchenutensilien wie Frischhalteclips, Teelöffel, Gläser, ausgedienten Gewürzstreuern und Teedosen, bis hin zum echten Wischtuch und selbstgehäkeltem Topflappen. Sicher spielt er auch gern mit seinem Holz- und Plastikobst, seiner kleinen Küche und den dazu gehörigen Töpfen, aber genau bei solchen Dingen wie Schrauben, Dübeln oder kleinen Marmeladengläsern merkt man, dass er Dinge liebt, die auch wir täglich oder regelmäßig benutzen.

Für mich ist das alles in Ordnung. Er gehört zu uns, wie wir zu ihm gehören. Ich habe kein Problem damit, wenn er mit meinen Töpfen oder mit Papas Wasserwaage durch die Gegend läuft und damit spielt. Ich denke allein nur durch das Einbeziehen des Kleinen in unsere tägliche Routine lernt er so viel und fühlt sich so zugehörig, was er mit Spielzeugen von FisherPrice oder sonstigem nie erreichen würde.

Das heißt jetzt natürlich nicht, dass unser Sohn kein Spielzeug hat, nein, er liebt seine Brio Bahn, ebenso wie die Matchbox, die er vom Papa „geerbt“ hat, aber wie alle Kinder ahmt er uns eben auch gern nach und es macht mir wirklich viel Freude zu sehen, wie er versucht mit Kehrschaufel und Besen zu hantieren oder versucht ein paar Wasserflecken mit dem Wischtuch wegzuwischen. Und wenn ich jetzt sehe, wie gern er mit den Schrauben und Dübeln spielt, dann weiß ich, dass wir spätestens in einem halben Jahr mal wieder bei unserem Baumarkt des Vertrauens vorbeischauen werden und wer weiß, was die Mutti das nächste Mal so alles rausschleppt.

In diesem Sinne: Habt einen wunderschönen Abend

Liebe Grüße

Mareike

 

16Jan/16

Erste Stunde „Miteinander wachsen“ bei Montessori21

Zitat_Emmi Pikler

Schon vor vielen Monaten hatte ich mich auf die Warteliste des Spielraum „Miteinander wachsen“ setzen lassen, der immer dienstags im Montessori21 stattfindet.

Ich kam auf die Warteliste, weil Nepo vom Alter her genau zwischen der Babygruppe und der Kleinkindergruppe lag. Es war so traurig, aber für die eine Gruppe war er zu alt, für die andere Gruppe zu jung. Doch kurz vor Weihnachten erhielt ich von der Kursleiterin Frau Neunert den Anruf, dass wir zu einer Schnupperstunde für die Kleinkindergruppe kommen könnten, weil wohl ein Platz im nächsten (also in 2016) frei wird.

Ich freute mich so und wir gingen am 15.12.15 zur Schnupperstunde. Nepo fühlte sich super wohl und für ihn war es kein Problem, dass er mit Abstand der Jüngste war. Sicher sind die anderen Kinder weiter, aber in dem wirklich schönen großen Dachgeschoss hat jeder die Möglichkeit sich dort zu bewegen, wo er gerade Lust hat. Nach dieser tollen Stunde entschied ich mich sofort, dass wir im Januar mit in den Kurs einsteigen.

Da Nepo auch sonst lieber mit „Älteren“ abhängt, sah ich den Altersunterschied als kein Problem an.

Tja, und diesen Dienstag war es soweit und wir starteten offiziell im „Miteinander wachsen Kurs“ von Silvia Neunert.

Obwohl ich nun in der Vergangenheit viele Kurse mitgemacht habe, geht mir besonders in den Spielräumen immer das Herz auf. Ich liebe es am Rand zu sitzen und Nepo einfach in seinem Tun und seiner Bewegung zu beobachten. Es ist für mich ehrlich gesagt ein Segen, dass die Mütter alle auch ebenfalls nur beobachten und maximal mit ihrem Kind und dann sehr leise reden.

Für so ein Hochsensibelchen wie mich und ja, ich glaube auch wie Nepo, ist ein niedriger Lärmpegel super angenehm. Vergleiche ich Nepomuks Verhalten in den Spielräumen mit anderen Kursen, dann merke ich ganz klar, wie er aufblüht, wie er Dinge ausprobiert, entdeckt. Kontakt zu anderen sucht oder einfach nur beobachtet.

Ich denke Nepo merkt auch, dass ich mich in den Kursen wohlfühle, weil ich nicht das Gefühl habe zu Konversation gezwungen zu werden, sondern mich einfach auch mal entspannen und alles auf mich wirken lassen kann. Das heißt nicht, dass ich dort mit offenen Augen schlafe, im Gegenteil, ich bin hellwach und beobachte Nepo in seiner Mimik, in seiner Gestik, einfach in allem. Nur werde ich dabei nicht ständig abgelenkt, weil mich irgendwer immer anspricht oder weil Mütter ständig und ohne Unterbrechung reden und ich dann einfach am Limit laufen würde und diese Unzufriedenheit wohl auch Nepo spürt. Bei uns beiden ist es so: Bin ich entspannt, ist Nepo auch entspannt. Er weiß ganz genau, wem gegenüber ich Sympathien empfinde und wer mich eher anstrengt. Und so verhält er sich auch diesen Personen gegenüber.

So ist der „Miteinander wachsen“ Kurs aufgebaut

Bevor ich allerdings zu sehr in den Bereich „Hochsensibilität“ und „Mareikes philosophische Abendstunde“ abdrifte, hier nochmal kurz die Abgrenzung eines „Spiel- und Bewegungsraumes“ nach Pikler/Montessori zu anderen (normalen) Baby- und Kleinkindkursen.

Die Räumlichkeiten sind meist weitläufig und nach meiner Erfahrung alle sehr „natürlich“ gehalten. Das heißt die Kinder haben viel Platz, finden einen Parkettboden vor und der Raum engt sie nicht ein, wie in manchen anderen Kursen.

Vor dem Kursbeginn baut die Leiterin eine Spiel- und Bewegungslandschaft auf, in der sich die Kinder dann austoben oder auch entspannen können. Alle „Turngeräte“, wie das Piklerdreieck oder der Tunnel sind qualitativ sehr hochwertig und aus Holz. Es gibt Stufen, Schrägen, Sprossen, all das in verschiedenen Schwierigkeitsstufen, damit sich alle Kinder ihrem Entwicklungsstand entsprechend bewegen können.

Parallel zu den ganzen Bewegungsapparaten baut die Kursleiterin immer noch verschiedene Spiel- und Lerninseln ein. Das sind mal eine Sammlung von Schleichtieren, eine Auswahl an Geldbörsen. Verschiedene Steckbretter oder Dosen und Schachteln, die es zu öffnen gilt. Einige Dinge bleiben von Kurseinheit zu Kurseinheit gleich, andere werden ausgetauscht.

Im „Miteinander wachsen“ Kurs gibt es auch einen Tisch, auf dem immer wieder Dinge angeboten werden. So konnten die Kinder am Dienstag mit einem Löffel Steine in verschiedene Schälchen füllen. Nächste Woche wird auf dem Tisch dann eine andere Aufgabe stehen. Wichtig zu wissen für die Kinder ist dabei, dass alle Sachen die auf dem Tisch stehen, auch auf dem Tisch bleiben.

Den Kindern selbst steht es frei, mit was sie sich in dieser einen Stunde beschäftigen. Hier sind natürlich die weitläufige Bewegungslandschaft und die verschiedenen Spiel- und Lerninseln ein Segen für Kinder wie Nepo, die gern auch mal allein spielen möchten. In anderen Kursen war immer alles so eng aufeinander oder es gab gar nur eine Aktivität mit der sich alle Kinder beschäftigt haben. Am Anfang war das auch okay, aber von Minute zu Minute wurde es für Nepo unerträglicher und er ging oft zur Tür oder kam weinend zu mir. Hier ist das anders. Jedes Kind macht sein Ding und wenn ein Kind nur bei der Mutter sitzt und beobachtet, dann ist das auch absolut in Ordnung. Kein Kind wird gezwungen oder animiert und das ist etwas, was ich sehr schätze.

Da die Mütter sich gezielt zurücknehmen und eine beobachtende Rolle wechseln, ist der Geräuschpegel sehr niedrig und die Kinder haben keinen Overload durch ständiges Stimmenwirrwarr und Gelächter. Auch das gefällt mir sehr gut.

Nach der einen Stunde, genauer genommen ist es eine Stunde und 15 Minuten, geht es dann noch zu einer gemeinsamen Brotzeit. Wichtig ist hierbei, dass kein Kind gezwungen ist, die volle Zeit zu spielen oder eben nach der Zeit aufzuhören. Wenn ein Kind noch vertieft ist, dann kann es noch solange weiterspielen, bis es fertig ist. Wir sind zum Beispiel am Dienstag ein paar Minuten früher zur Brotzeit gegangen, weil Nepo hingefallen ist, müde war und dann auch noch Hunger bekam.

Aktuell habe ich ja meine Sorgen mit Nepos Apettit, aber bei der Brotzeit hat er sich seinen kompletten Apfel-Mandelmus-Brei reingezogen. Einfach nur, weil er wohl andere auch essen hat sehen. Das hat mich so gefreut, weil ich ehrlich gesagt schon an meiner Rolle als Mutter gezweifelt habe, weil irgendwie alle Kinder „normal“ essen, nur mein Sohn will am liebsten Speck, Oliven, Brezel und Käsekuchen. Und das jeden Tag. Alles andere, selbst die früher heißgeliebte Bratkartoffel-Zucchini-Pfanne verweigert er, zieht sich dafür nachts bis zu 4 Flaschen Milch rein.

Doch seit dieser Woche lasse ich ihn komplett allein essen, esse auch in seiner Gegenwart und allein das hilft schon mal, dass er so langsam wieder an Freude am Essen hat. Zudem hat mir die Kursleiterin Silvia gesagt, dass Nepo wohl gerade in der Phase ist, in der spielen viel, viel wichtiger ist, als essen. Und ich denke, da hat sie vollkommen recht. Da er mir jetzt schon sehr deutlich zeigen kann, wann er Hunger hat, lasse ich ihn einfach gewähren und richte mich nach seiner Uhr. Tja, und das klappt super. Bis jetzt 🙂

Nachdem wir dann noch eine Weile an dem Tisch saßen, brachen wir dann auch als letzte auf und schauten auf dem Weg noch mal in den Adventsbazar, der gerade im 1. Stock des Montessori21 Haus aufgebaut ist. Da Nepo aktuell gern schüttet und ich schon seit einer Weile auf der Suche nach kleinen Glaskännchen bin, habe ich mich dort gleich mit zwei kleinen und einer größeren Glaskanne eingedeckt. Nepo liebt diese Kännchen und übt jetzt fleißig schütten auf seinem wasserfesten IKEA Tablett.

Mein Fazit

Es ist natürlich immer etwas gewagt nach der ersten bzw. zweiten Stunde schon eine Einschätzung über den Kurs zu geben, aber ich bin einfach glücklich, dass wir in dem Kurs dabei sein können. Für mich ist das Konzept und die Philosophie, die hinter Emmi Pikler und Maria Montessori stehen eine Art Zielbahnhof und ich fühle immer mehr, wie sehr es mir Spaß macht Dinge von diesen beiden großartigen Frauen in unser Leben zu integrieren. Noch mehr Spaß habe ich natürlich dabei, wenn ich sehe, dass Nepo diese Dinge auch annimmt. Wobei der selbstgebastelte Waschtisch aktuell der 40 Jahre alten Brio Eisenbahn so gar nicht das Wasser reichen kann. Aber wenn ich sehe, wie schnell und sicher der Kleine jetzt schon die Holzschienen aneinander legen kann, dann denke ich, dass es in Sachen Motorik ja auch nicht ganz ohne ist. 🙂

19Sep/15

Die ersten Schritte

Letzte Woche Dienstag ist Nepomuk das erste Mal und ohne Bedenken gelaufen. Als ich am Vormittag mit ihm in der offenen Kinderbetreuung des Café Glanz war, spielte er ganz normal, zog sich am Tischbein hoch und lief dann seine ersten sicheren Schritte. Weder ich noch die Betreuerin waren in seiner Nähe und er schaute auch nicht zu uns. Er lief einfach los. Ich war schon ganz schön baff und freute mich so sehr.

Noch mehr freute sich aber Nepomuk und seit diesem ersten Versuch am Dienstagmorgen intensiviert er es jetzt immer mehr. Er hat so viel Spaß am Laufen, dass es eine riesige Freude ist ihm zuzuschauen.

Diese Woche hat er nun auch begonnen aufzustehen und in die Knie und wieder hoch zu gehen, ohne sich irgendwo festzuhalten.

Mitte letzter Woche haben wir es auch mal geschafft die ersten Schritte festzuhalten.

Es freut mich so ungemein, denn wir haben ihm in Sachen Laufen alle Zeit der Welt gegeben. Zur Taufe haben wir zwar einen Lauflernwagen geschenkt bekommen und den liebt er auch innig und nutzt ihn jeden Tag, leider auch schon nachts. Aber sonst haben wir ihn weder an der Hand geführt, noch irgendwo hingestellt und ihm beispielsweise den Stuhl weggezogen, damit er sich bewegt.

Nepomuk hat nun mit 13 Monaten seine ersten eigenständigen Schritte gemacht und ich denke, dass er genau jetzt dazu bereit war. Nach einem Gespräch mit der Betreuerin am Donnerstag, ist es jetzt erstmal wichtig, dass er seine Bewegungen auskostet und genießt. Ich hatte sie eigentlich um Rat gefragt, was Fingermalfarben anbelangt. Aber sie meinte, Nepomuk wäre jetzt so sehr in seiner Bewegungsphase, dass es eher aufgesetzt wäre, wenn wir ihn jetzt auf einen Stuhl setzen und ihn malen lassen würden. Ehrlich gesagt habe ich das noch gar nicht so gesehen.

Aber ich werde mich erstmal an ihre Empfehlung halten, denn ich will den Kleinen ja nicht überfrachten mit Angeboten und Spielen. Jetzt soll er erstmal seine neue Lust am Laufen entdecken. Denn wenn er glücklich ist, dann bin ich es auch. 🙂

08Aug/15

Maria Montessori über die Aufgabe der Eltern

In den letzten Tag habe ich das Buch „Kinder sind anders“ von Maria Montessori fertig gelesen. Das ich das Buch erst jetzt, nach dem es Monate im Bücherregal stand, gelesen habe, ärgert mich ein bisschen, denn es ist ein wahnsinnig interessantes und fesselndes Buch. Ich habe so viele Denkanstöße durch dieses Buch bekommen und muss sagen, dass es mich auch in Richtung meines Sohnes sehr beruhigt hat – ohne das ich sagen kann warum.

Das wir heute zwar in Sachen Erziehung und Eingehen auf Kinder weiter sind, als zu Zeiten von Maria Montessori mag sicher stimmen, aber das es heute immer noch Situationen gibt, die Maria Montessori damals bei den Eltern und generell Erwachsenen bemängelte, zeigt, dass wir noch lange nicht am Ziel sind. Continue reading “Maria Montessori über die Aufgabe der Eltern” »

03Aug/15

Geh deinen Weg, mein Schatz, aber geh ihn in deiner Geschwindigkeit

Hilf mir es selbst zu tun

In gut einer Woche ist es soweit: Nepomuk wird EIN Jahr und verlässt damit offiziell die sehr aufregende und spannende Babyzeit. Die letzten Wochen waren sehr aufregend für mich, denn Nepomuk hat wahnsinnig viele Entwicklungsschritte gemacht. Da ich mich seit Monaten hinsichtlich der „Erziehung“ stark im Hintergrund halte, freut es mich natürlich umso mehr zu sehen, dass Nepomuk weder Anweisungen noch Anreize benötigt, um jeden Tag, jede Woche neue Dinge zu entdecken.

Ich habe heute ein tolles Zitat von Maria Montessori gefunden und ich finde es passt so super zu der Entwicklung der letzten Wochen und Monate und vor allem spiegelt es unser Mutter-Kind-Verhältnis wieder. War ich am Anfang noch sehr „frühfördernd“ unterwegs, so habe ich Anfang des Jahres erkannt, dass das überhaupt keinen Sinn macht. Ich habe mir Bücher von Emmi Pikler und Maria Montessori gekauft, bin Mitglied in verschiedenen Montessori- und Pikler-Gruppen bei Facebook geworden und habe mich für einen Pikler-Kurs angemeldet. Und je tiefer ich mich in die Konzepte einlas, umso überzeugter wurde ich von den Grundgedanken der beiden Frauen.

Beobachten statt animieren

Am Anfang hatte ich immer das Gefühl Nepomuk bespaßen zu müssen. Mit ihm zu spielen oder ihn zu unterhalten. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich das auf Dauer nicht schaffe. Immer um ihn herumzuschwirren wollte ich nicht und konnte ich nicht. Der Kleine war ca. vier Monate, als ich begann an solchen Konzepten wie PEKIP zu zweifeln und mich von der Illusion der allgegenwärtigen Mutter verabschiedete. Durch Zufall bin ich auf Maria Montessori und später auf Emmi Pikler gestoßen. Dort habe ich zum ersten Mal davon gehört, dass es wichtig ist, Kinder einfach nur zu beobachten und sie in ihrer vorbereiteten Umgebung konzentriert spielen zu lassen.

Ich habe es ausprobiert und war überrascht, dass sich Nepomuk auch mit sich selbst beschäftigen kann. Es gab dann Tage, da saß ich einfach nur am Boden habe Tee getrunken und eine halbe Stunde Nepomuk einfach nur beobachtet. Nur durch die Beobachtung ist mir aufgefallen, wie konzentriert der Kleine im Spiel ist. Er ist mittlerweile so vertieft, dass er gar nicht mitbekommt, wenn ich ins Zimmer komme oder an ihm vorbeigehe. Früher hätte ich ihm kurz gesagt, dass er so toll spielt oder das er etwas fein gemacht hat, heute verbiete ich mir jegliche Kommentare. Ich lasse ihn auch bewusst allein im Wohnzimmer spielen und mache in der Küche mein Ding. Wenn es zu still wird oder ich einfach mal nachschauen möchte, schleiche ich mich ran und spieke um die Ecke.

Was ich dann sehe, ist eigentlich immer das gleich Bild: Nepomuk sitzt mit irgendeinem Spielzeug da und redet vor sich hin, der Kopf ist dem Spielzeug zugewandt und für was anderes ist kein Interesse da. Es mag jetzt doof klingen, aber solche Momente machen mich glücklich. Sie zeigen mir, dass wir auf einem guten Weg sind. Nepomuk fühlt sich nicht allein, wenn er allein im Zimmer ist. Manchmal glaube ich sogar, dass er sehr froh ist, wenn die Mutti mal nicht um ihn herumschwirrt. Ich denke auch nicht, dass ich Nepomuk irgendeiner Gefahr aussetze, wenn ich ihn alleine im Raum lasse. Wir haben keine Gefahrenherde wie offene Steckdosen oder Blumen oder Dinge, die er runterziehen könnte und durch unser Ausmisten im Frühjahr haben wir viel Platz für ihn geschaffen.

Das Vertrauen wächst mit

Ich war in vielen Babykursen und Stilltreffs und dabei habe ich oft Mütter erlebt, die ihre Kinder als kleine Dummerchen behandelt haben. Natürlich haben sie es nicht böse gemeint, aber sie haben entweder den Kindern vorgemacht, wie sie zum Beispiel krabbeln und Höhen überwinden können oder sie haben sie von Selbstversuchen abgehalten, um ihnen ein Fallen zu ersparen.

Durch das Lesen und vertiefen in die Montessori/Pikler-Konzepte habe ich gelernt Vertrauen in Nepomuk zu haben. Je mehr ich mich als „Entertainer“ und „Trainer“ zurückgezogen habe, desto stärker wurde mein Vertrauen in ihn. Und für mich gibt es seitdem immer wieder Momente, wo ich einfach immer nur sagen kann: Ja, er weiß wie es geht. Ich muss ihm nur die Zeit und den Raum geben, dass er sich testen kann.

So hat Nepomuk ganz allein verstanden, wie er niedrige Höhen überwindet und wie er größere Höhenunterschiede schafft. Das er geringe Höhen mit den Händen ertastet und dann mit dem Kopf zuerst nach unten geht, hat er schnell rausbekommen. Das er bei Höhen wie vom Bett runtersteigen oder Treppen runterkrabbel zuerst die Beine absetzten muss, hat er nach einiger Zeit allein rausgefunden – ohne das ich es ihm irgendwie zeigen musste. Sicher lernen Kinder es früher, wenn man es ihnen zeigt, aber das kann nicht der Sinn des Lebens sein. Kinder müssen aus meiner Sicht selber ihre Erfahrungen machen, das geht aber nur, wenn wir ihnen Zeit lassen.

Der innere Zeitplan

Entgegen meiner frühen Denkweise, dass Kinder schon in den ersten Wochen und Monaten gefördert werden müssen, bin ich jetzt der Meinung, dass es für die Kinder besser und nachhaltiger ist, wenn sie selbst über die Geschwindigkeit ihrer Entwicklung entscheiden. Ich sehe jeden Tag wie Nepomuk sich entwickelt. Oft sind es nur kleine Schritte, aber die fügen sich wie von selbst in ein Gesamtbild, was oft in der „fördergetriebenen Zeit“ übersehen wird. Nepomuk lernt von allein Dinge in einander zu stapeln und macht das mit einer Hingabe, dass er manchmal nichts anderes zu spielen braucht, als die einfachen Stapelbecher, die ich vor Weihnachten bei dm gekauft habe.

Seit circa zwei Wochen räumt er nun mehr nicht nur sein Zeug aus, sondern auch wieder ein. In den Babykursen stehen oft leere Flaschen in Getränkekästen, die die Kinder dann rausziehen. Letzte Woche ist mir das erste Mal aufgefallen, dass Nepomuk die Flaschen nicht nur ausräumt, sondern wieder einräumt. Mir geht bei solchen Beobachtungen das Herz auf, weil ich sehe, dass er von alleine wieder etwas gelernt hat und das dies sicher wieder eine Basis für andere Schritte ist.

Von freien Schritten ist er hingegen noch weit entfernt, ebenso vom freien Stehen. Das ist für uns aber völlig in Ordnung. Zur Taufe haben wir einen Lauflernwagen von HABA geschenkt bekommen. Der stand monatelang nur im Wohnzimmer, bis Nepomuk irgendwann anfing Stühle, Wäschekörbe und Kartons durch die Wohnung zu schieben. Irgendwann entdeckte er den Lauflernwagen, erst saß er nur daneben und fuhr immer wieder hin und her, schaute sich die Räder an, dann kletterte er auf den Wagen und irgendwann erkannte Nepomuk, dass er den Wagen auch schieben kann. Das alles hat sich über zwei Wochen gestreckt, wir haben ihm nicht gezeigt, wie er mit dem Lauflernwagen vorwärts kommt, sondern einfach alles auf uns zukommen lassen.

So handhaben wir es auch mit dem Stehen und Laufen. Wenn ich manche Kinder sehe, die von ihren Eltern geführt werden, so sieht man, dass die Kinder gar nicht schauen, wo sie hinlaufen. Sie verlassen sich vollkommen auf die Eltern und das immer jemand da ist, der sie auffängt, wenn sie stolpern. Ich selbst merke die „falsche Sicherheit“, wenn ich Nepomuk zu oft stütze. Er wird dann nachlässig und passt nicht mehr auf. Es dauert dann immer etwas, bis Nepomuk sich dann wieder bewusst wird, dass er eigentlich schon gut stehen und sich festhalten kann. Ich möchte, dass Nepomuk sich bewusst wird, dass nur er entscheiden kann, wann er bereit für das Stehen und Laufen ist. Ich persönlich habe keine Eile was diese Schritte anbelangt. Ich vertraue Nepomuk absolut und ich glaube die Freude ist umso größer bei ihm, wenn er es aus eigener Kraft schafft.

Das erste Babyjahr mag nun bald rum sein, aber der Kleine wird noch soviel lernen, sehr oft Dinge das „erste Mal“ tun und immer wieder vor Herausforderungen stehen. Ich kann meinem Sohn das Leben nicht vorleben oder ihm Erfahrungen ersparen, aber ich kann ihn immer begleiten und ihm das Gefühl geben, dass ich immer an ihn glaube.

Und somit schließe ich den Beitrag nochmals mit dem Zitat von Maria Montessori:

„Hilf mir, es selbst zu tun. Zeige mir, wie es geht. Tu es nicht für mich. Ich kann und will es allein tun. Hab Geduld meine Wege zu begreifen. Sie sind vielleicht länger, vielleicht brauche ich mehr Zeit, weil ich mehrere Versuche machen will. Mute mir Fehler und Anstrengung zu, denn daraus kann ich lernen.“

23Jul/15

Wie der Toom Baumarkt zu einem Spielzeugladen wird

Als ich gestern mit Nepomuk in unserem wöchentlichen Pikler Kurs war, ist mir, wie die Wochen zuvor schon aufgefallen, dass er sich sehr intensiv mit Ringen beschäftigt. Es sind ganz einfache naturfarbene Holzringe in zwei Größen. Und eigentlich sind sie für die Augen eines Erwachsenen viel zu unscheinbar, als das Kinder, die ja nur auf knallbuntes abfahren, diese Ringe mögen. Doch Nepomuk liebt diese Ringe und ich habe gestern meine beobachtende Rolle genutzt, um mir die Ringe anzuschauen.

Eigentlich wollte ich zuhause googeln und schauen, wo man solche Ringe bestellen kann, doch irgendwie habe ich es vergessen und heute Nacht fiel mir ein, dass diese Ringe ja nicht anders sind, als normale Gardinenringe. Und so beschloss ich heute zum Toom Baumarkt zu gehen. Der Toom liegt dankenswerterweise direkt bei uns um die Ecke und ich war dort, seit ich im Mai 2011 nach München gezogen bin.

Holzspielzeug aus dem Baumarkt Continue reading “Wie der Toom Baumarkt zu einem Spielzeugladen wird” »

02Jun/15

Warum der Naturkindergarten so wichtig für uns ist

Durch Zufall habe ich letzten Donnerstag erfahren, dass es in Haidhausen einen Naturkindergarten gibt. Eine Mama, die sich für Montessori und Pikler interessiert, hat es mir beim Babytreff im Café Glanz erzählt. Das der Naturkindergarten nicht weit von uns entfernt ist, hat mich überrascht, denn wir wohnen eher zentral, als in der Nähe des Waldes. Den Kindergarten im Internet zu finden war relativ einfach, ihn gestern beim Spaziergang zu entdecken, etwas schwieriger. Ich bin natürlich glatt vorbeigelaufen, so klein ist er. Aber dank dem Papa, haben wir ihn dann doch noch gefunden. 🙂 Continue reading “Warum der Naturkindergarten so wichtig für uns ist” »

01Mai/15

Emmi Pikler in der Praxis – Achtsamkeit der Pflege

Es sind nun einige Monate vergangen, seit dem ich das erste Mal mit dem Konzept von Emmi Pikler in Kontakt gekommen bin. Auf Pikler aufmerksam wurde ich in einer Montessori Facebook Gruppe. Die Administratoren waren wohl etwas genervt, weil Mütter immer wieder nachgefragt haben, was sie denn für ihre Kinder unter einem Jahr von Montessori anwenden könnten. Die Admins verwiesen auf die Pikler Pädagogik. Schon als ich die ersten Texte und Einführungen gelesen habe, wusste ich, dass ich bei meiner Suche nach einem schlüssigen Konzept fündig geworden bin. Für Montessori interessiere ich mich natürlich weiterhin, aber aktuell ist Pikler altersbedingt für uns greifbarer.

Ich versuche nun seit einigen Wochen die Ansätze von Emmi Pikler in unseren Alltag einzubauen. Dazu muss ich sagen, dass mir jeglicher pädagogische Hintergrund fehlt und ich eigentlich bis zur Geburt so gar keinen Plan von Kindern und den Umgang mit ihnen hatte. Doch die Bücher, die ich bisher gelesen habe, waren eben auch für Nicht-Pädagogen verständlich und so versuche ich Stück für Stück Theorie in die Praxis bzw. unseren Alltag einzubauen.

Die Achtsamkeit in der Pflege

Ein wichtiger Bestandteil der Pikler Pädagogik ist die Achtsamkeit der Pflege. Emmi Pikler war der Ansicht, dass regelmäßige Dinge wie wickeln, waschen oder anziehen nicht einfach „abgehandelt“ werden sollten, sondern das das Baby mit in diese Abläufe einbezogen wird.

In den Büchern war das immer so schön romantisch beschrieben, wie die Pflegerinnen mit den Säuglingen Hand in Hand das wickeln oder anziehen durchgeführt haben.

In der Praxis sah es bei mir so aus, dass mir schon vorm wickeln grauste. Immer hat sich Nepomuk weggedreht. Er hasste wickeln und nörgelte die ganze Zeit. Irgendwann habe ich ihn dann mit irgendwas abgelenkt – mal die neue Windel, mal die Tüte mit den Wattepads. Hauptsache er war beschäftigt und hielt still.

Das Anziehen war ebenfalls ein leidiges Thema. Ich verwendete nur Wickelbodys damit ich ihm nichts über den Kopf ziehen musste. Pullover oder normale Bodys habe ich gemieden. Das es anderen Müttern auch so ging, war für mich ehrlich gesagt kein Trost.

Aber wie so oft im Leben werden Dinge nicht besser, wenn man sie ungern tut oder gar meidet. Da ich Nepomuk noch eine ganze Weile wickeln und anziehen werde, bin ich besser beraten in diesem Bereich mehr auf die Kooperation mit Nepomuk zu setzen.

Kooperation und Rücksichtnahme

Als ersten Schritt in Richtung „mehr Kooperation“ packte ich die Wickelunterlage auf den Boden. Das hat nun zwei Vorteile: Die Gefahr, dass er vom Wickeltisch fällt, ist gebannt. Und zweitens, dass ist das wichtigere, ist es super als Ausgangslage für mehr Interaktion mit Nepomuk.

Seit einigen Wochen nun wickle, wasche und ziehe ich ihn auf dem Boden an. Mittlerweile weiß er, was es bedeutet, wenn Mama die Wickelunterlage auf den Boden legt. Ich habe nun für mich beschlossen, ihn fast nicht mehr zur Wickelunterlage zu tragen, sondern ihm zu signalisieren, dass ich ihn gern wickeln möchte. Das hat am Anfang gedauert und ich saß 10 bis 15 Minuten am Boden und habe mit der Windel gewedelt, ohne das Nepomuk Anstalten gemacht hat, zu mir zu kommen. Er wusste genau, was ich vorhabe und setzte sich immer einen Meter von der Wickelunterlage entfernt hin, lachte und brabbelte vor sich hin. Ich dachte ehrlich gesagt, dass ich das nie schaffen werde.

Irgendwann war er gewillt, sich wickeln zu lassen und kam von allein auf die Unterlage. Die Abstände von meinem Rufen bis zu seinem Kommen wurden immer kürzer. Natürlich gibt es auch Tage, da hat er so gar keinen Bock und ich muss ihn holen, aber ich glaube, wir sind auf einem guten Weg.

Wenn ich ihn wickle oder wasche rede ich viel mit ihm und erkläre ihm, was ich jetzt genau mache und versuche ihn einzubeziehen. Natürlich führe ich ihn immer noch, aber ich muss ihm jetzt nichts mehr in die Hand geben, damit er beschäftigt ist. Er bleibt von alleine liegen und lässt sich wickeln und waschen. Ich nutze die Zeit, um mit ihm zu sprechen und ihn zu streicheln. Zuviel Wärme und Körperkontakt kann man einem Baby meiner Meinung nach nicht geben.

Hat Nepomuk mal gar keine Lust sich wickeln zu lassen, dann lasse ich ihn einfach gehen und lege ihm die Windel an, wenn er sich irgendwo hochzieht.

Für das Waschen haben wir jetzt entschieden, wieder auf die Babywanne umzusteigen. Immer nach dem Frühstück setze ich ihn da rein und er kann vor sich hin plantschen. Er hat so viel Spaß mit dem Waschlappen zu spielen und mit dem Wasser wie wild rum zu spritzen. Ich bin ständig bei ihm und lasse ihn nicht aus den Augen, aber auch für mich ist es immer eine Freude, wenn ich sehe, wie viel Spaß er beim Baden hat. Das Abtrocknen findet er mittlerweile auch ganz toll, was früher überhaupt nicht sein Ding war.

Das Anziehen

Auch das Anziehen ist mittlerweile einfacher geworden. Ich kann jetzt in Ruhe normale Bodys anziehen und finde diese fast besser, weil ich sie Nepomuk auch im Sitzen anziehen kann. Nur die Jacke findet er immer noch blöd und protestiert kurz, wenn ich sie ihm anziehe. Mittlerweile weiß er aber, wenn ich meine Schuhe anziehe – zumindest die grauen Nike Sneaker – das wir nach draußen gehen. Dann gibt es bei der Jacke keine Probleme, da er schon im Flur sitzt und wartet, dass es endlich losgeht.

Was mir wichtig ist

Mir liegt es sehr am Herzen, dass wir Dinge wie wickeln oder anziehen gemeinsam erleben und ich es nicht als notwendiges Übel ansehe, dass ich jetzt einfach machen muss. Bei PEKiP, in das ich immer noch gehe, habe ich ein Gespräch zwischen der Kursleiterin und einer Mutter mitbekommen. Die Mutter sprach darüber, wie schwer es ist ihr Kind zu wickeln und anzuziehen. Und das ihr davor graute, weil er immer so schrecklich weinen würde und sich mit Händen und Füßen wehrt. Die PEKiP Leiterin meinte daraufhin, man müsse dem Kind klar machen, dass es jetzt da durch müsse. Es kann danach ja immer noch spielen oder machen, worauf es Lust hat. Aber wickeln muss eben sein und er könnte dies schon über sich ergehen lassen.

Ich fand diese, wie einige andere Aussagen, doch sehr befremdlich. Meiner Meinung nach, kann ein Kind vielleicht Sachen über sich ergehen lassen, die einmal im Monat oder einmal im halben Jahr stattfinden. Aber wickeln und anziehen? Dinge, die wir mehrmals täglich tun als „Pflicht“ für das Kind abzutun, ist für mich nicht der richtige Ansatz. Intervenieren würde ich bei solchen Gesprächen nie, denn es ist nicht meine Aufgabe als Mutter mich in die Belange anderer Mütter einzumischen.

Ich, für mich, habe meinen Weg gefunden und dieser ist nicht der Weg des „da müssen wir jetzt einfach durch“, sondern des „das machen wir gemeinsam und haben eine schöne Zeit“.

Die Pikler Pädagogik ist der Weg, der meinem Weg am nächsten kommt und den Nepomuk und ich die nächsten zwei Jahre gehen werden.