Buchempfehlung: … und ich war nie in der Schule (von André Stern)

Quelle: André Stern

Quelle: André Stern

Heute ist Aschermittwoch, Beginn meiner ketogenen Ernährung und ein Tag, an dem ich seit 04:00 Uhr wach bin. Die Gedanken um das gestern abgeschlossene Buch von Andrè Stern und der Wunsch heute mal die Schlaflosigkeit für einen Blogbeitrag über dieses Buch zu nutzen, trieb mich jetzt an den Rechner.

Das Buch habe ich gestern, nach wenigen Tagen glückseligem Lesen, abgeschlossen. Auch wenn es für mich immer noch keine Option ist, unseren Sohn nicht nur „nicht in eine Schule zu schicken“, sondern ihn gänzlich „nicht zu unterrichten“, so hat mir dieses Buch doch so viel Inspiration und Denkanstöße gegeben, dass ich einfach darüber schreiben muss.

Wie ich auf das Buch aufmerksam wurde

Vor vielen Wochen bin ich bei Amazon schon mal auf das Buch gestoßen. Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht, warum der Algorithmus mir das Buch bzw. André Stern vorgeschlagen hat. Trotz der guten Bewertungen habe ich mir das Buch nicht näher angeschaut, es aber doch immer im Hinterkopf gehabt. Dann schauten wir den Film „Alphabet“ an und plötzlich tauchten da Arno Stern und sein Sohn André Stern auf. Und erst da begriff ich, dass es sich hier wirklich um Vater und Sohn handelte, was mir vorher bei der Recherche nach dem „Malort“ von Arno Stern überhaupt nicht bewusst war.

Mir fiel das Buch „… und ich war nie in der Schule“ wieder ein und ich holte es mir zusammen, mit einem Buch von Arno Stern, aus der Münchner Stadtbibliothek.

Worum geht es in dem Buch und worum nicht

André Stern beschreibt in seinem Buch, wie er seine Kindheit erlebt hat, wie er aus eigenem Antrieb lesen und schreiben gelernt hat und wie Legosteine ihm zum Rechnen brachten. Er erzählt davon, wie immer wieder neu Themen und Interessen sein Zeit in Anspruch genommen haben, ohne, dass ihn irgendjemand von außen gedrängt hat oder ihm „etwas beibringen“ wollte. Es ist faszinierend zu lesen, mit welcher Hingabe er Autokataloge verschlungen hat und sich aufgrund dieser Begeisterung zu einem Autoexperten entwickelt hat, wie er begann Züge nachzubauen und über Legotechnik verschiedene Mechanismen kennenlernte und sie auf andere Bereiche anzuwenden. Das er ein Familienmagazin aufsetzte und sich damit als Journalist betätigte oder mit seiner Schwester einen Wahlkampf ins Leben rief, weil ihn Frankreich damals Wahlen stattfanden, hat mich tief berührt.

Gleichzeitig schafft er es nicht ein schlechtes Wort über die Schule zu verlieren und zwar aus dem einen Grund: Weil er sie nicht kennt. Und hier bin ich schon bei dem, was das Buch nicht ist: Es ist keine Kampfansage an das Schulsystem noch eine Verherrlichung des „Homeschooling“ oder „Nonschooling“. Es ist schlichtweg eine Beschreibung seiner Kindheit und Jugend. Er selbst sagt von sich und seiner Art, sich Dinge anzueignen, dass diese nicht einfach auf andere übertragbar ist oder das dies kein Rezept für alle schulischen Probleme ist.

Warum das Buch so für mich wichtig ist

Dieses Buch zu lesen hat mir so viel Spaß gemacht, dass mir manchmal richtig warm ums Herz wurde. Das liegt nicht nur daran, dass André Stern so einen tollen Schreibstil hat, sondern daran, dass er immer wieder gezeigt hat, dass Kinder sich einfach ihren Weg bahnen und weder Eltern noch andere Erwachsene sich bemühen müssen ihnen irgendwas beizubringen.

Für mich sind solche Erkenntnisse aktuell von enormer Wichtigkeit, weil ich manchmal das Gefühl habe, dass ich selbst dazu verführt werde, Nepo etwas zu zeigen oder ihm einfach „zu helfen“. Dabei sollte ich nun wirklich langsam wissen, dass Kinder allein schon vom Beobachten lernen bzw. nachahmen. Das beste Beispiel ist unsere Brio Bahn, die teilweise geerbt, teilweise neu ist. Wir haben mit ihm so oft die Bahn aufgebaut, dass er das seit einigen Wochen selber kann. Er kann Schiene an Schiene legen. Doch nicht nur das: Er hat diese Fähigkeit auf sein Puzzlebuch angewandt und kann nun die fünf Bauernhoftiere aus seinem kleinen Büchlein, das eine Tante von meinem Freund auf dem Flohmarkt gekauft hat, ineinander puzzlen, ohne das wir ihm gezeigt hätten, wie er das am besten macht.

Am Freitag bin ich dann auch noch über diesen tollen Blogbeitrag gestolpert, in dem eine Mutter über ihre Erlebnisse auf dem Kindergeburtstag schreibt und warum man Kinder einfach mal machen lassen muss ohne das die Eltern immer wieder eingreifen und fein justieren, damit alles schön perfekt ist. Noch immer frage ich mich bei dem Blogbeitrag, ob ich Nepo auch so entspannt beim Bekleben einer Holzkiste zugeschaut hätte oder ob ich nicht auch irgendwann eingegriffen hätte. 🙂

Wofür ich André Stern dankbar bin

Die Dankbarkeit, die André Stern seinen Eltern in diesem Buch entgegenbringt, spüre ich in jedem Satz. Wenn ich jemandem abkaufe, dass er eine wirklich tolle und schöne Kindheit hatte, dann ihm. Es zeigt auch, wie wichtig es ihm war und wahrscheinlich jedem Kind ist, dass man einfach vertraut und jedem Kind die Zeit lässt, die es benötigt. Wo wir wieder bei Maria Montessori und dem individuellen Bauplan eines jeden Kindes sind.

Ich bin André Stern dankbar, dass er mir mit seinem Buch die Augen geöffnet hat und mir zeigt, wenn jemand lernen muss, dann bin ich das und zwar Geduld und Vertrauen in mein Kind. Ich muss jeden Tag an mir arbeiten, um mich nicht von anderen „Übermüttern“ verleiten zu lassen, in die Entwicklung meines Kindes einzugreifen. Ich muss lernen zu akzeptieren, dass jedes Kind seine eigenen Erfahrungen machen muss, auch, wenn es wie bei der Schwerkraft, manchmal schmerzlich ist.

Ja, dieses Buch kann ich wirklich jeder Mutter empfehlen. Was sie dann damit anfängt, das liegt dann natürlich nur bei ihr.

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