Buchempfehlung: Ein guter Start ins Leben

Ein guter Start ins LebenHeute möchte ich über das Buch „Ein guter Start ins Leben“ von Magda Gerber schreiben, auf das ich durch Zufall gestoßen bin. Vor einigen Monaten habe ich mit der Recherche zum Konzept von Maria Montessori begonnen. Ihre Einstellung „Hilf mir es selbst zu tun“ erschien mir im Bezug auf die Erziehung meines Sohnes die richtige zu sein. Ich fing an Bücher zu lesen, trat speziellen Facebook Gruppen bei und durchforstete verschiedene Blogs und Internetseiten.

Bei der Recherche merkte ich schnell, dass dieses Konzept für uns erst richtig in Frage kommt, wenn Nepomuk mindestens 15 Monate alt wird. Vorher gibt es zwar Tipps und Überlegungen, aber etwas wirklich brauchbares war nicht dabei. Das Buch „Montessori von Anfang an“ hat mich im Bezug auf Tipps und Beispiele für Säuglinge überhaupt nicht überzeugt. Der Titel ist für mich eher irreführend, denn die richtigen Tipps gibt es eben erst für Kinder ab 12 bis 15 Monaten.

Durch Zufall habe ich in einer der Facebook Gruppen von Emmi Pikler erfahren, über die ich auch schon mal in einem früheren Blogbeitrag geschrieben habe. Nachdem ich Emmi Pikler gegoogelt hatte und auf einige interessante Seiten gestoßen bin, wusste ich, dass ihr Konzept besser zu unserer aktuellen Lebensphase passte, als Maria Montessori.

Zum Einstieg entschied ich mich für das Buch „Ein guter Start ins Leben“ von Magda Gerber und Allison Johnson. Natürlich hatte ich mir auch Bücher von Emmi Pikler bestellt, aber ich beschloss mit diesem Buch anzufangen.

Informationen zur Autorin

Laut dem Arbor Verlag lernte „Magda Gerber die Arbeit von Emmi Pikler als betroffene Mutter kennen und war von der Art und Weise, wie diese sich ihrer Tochter widmet, so angetan, dass sei sich auch nachdem ihre Kinder schon größer waren, intensiv mit dem Lóczy und seinem Ansatz zum Leben mit Säuglingen und Kleinkindern auseinandersetzte und als Assistentin von Dr. Emmi Pikler arbeitete. In den 50er Jahren wanderte sie nach Amerika aus und auch dort widmete sie sich weiter ihrem neuen Interessengebiet und half einem Kinderarzt bei der Etablierung eines Programms für entwicklungsverzögerte Kinder. Aus dieser Erfahrung heraus gründete sie schließlich gemeinsam mit demselben Kinderarzt die Organisation „Resources for Infant Educarers“ (RIE), eine Einrichtung mit Sitz in Los Angeles, die eine Form von Mutter-Kind-Gruppen entwickelt hat, in denen sie die grundlegenden Erkenntnisse von Dr. Emmi Pikler an interessierte Eltern weitergibt.“

Kurzbeschreibung des Buches

„Die Bedürfnisse von Babys und Eltern erfüllen – und dabei nicht ausgelaugt, sondern glücklich sein. Wer möchte das nicht? Magda Gerber beschreibt in ihrem neuen Buch anschaulich den Schlüssel, der Eltern dabei helfen kann, ihre Kinder angemessen zu begleiten und in der Beziehung mit ihnen sich selbst besser kennenzulernen: Es ist der respektvolle Umgang mit dem Baby von Anfang an.

In vielen Beispielen, von den alltäglichen Pflegesituationen bis zum freien Spiel, zeigt sie, wie Eltern liebevoll für ihre Kinder sorgen und ihnen gleichzeitig Raum für ihre eigenständige Entwicklung geben können. Sie schildert, wie Eltern die Zeichen ihrer Kinder verstehen lernen und in langsamer, respektvoller Zuwendung Kooperation und Austausch erleben.“

Aufbau des Buches

Das Buch selbst ist in drei Teile gegliedert, die wiederum wieder in Kapitel und Unterkapitel aufgeteilt sind.

Im ersten Teil „Wie RIE ihrem Baby nutzen kann“ stellt Magda Gerber die Entstehung des RIE und die Grundprinzipien dieses pädagogischen Ansatzes dar.

Der zweite Teil widmet sich den „ersten Monaten des Lebens – von der Geburt bis zu den ersten Schritten“ und bildet mit fünf Kapiteln den größten Abschnitt des Buches.

Im dritten und letzten Teil befasst sich die Autorin mit der „Zeit des Laufenlernen“, das jedoch nicht nur das laufen an sich thematisierst, sondern auch die langsame Trennung von Kind und Erwachsenen, die durch die wachsende Unabhängigkeit entsteht.

Zusammenfassung des Teil I

Neben dem eigenen Werdegang von Magda Gerber und der Entstehungsgeschichte des RIE wird im Teil I intensiv auf die Grundprinzipien der RIE Philosophie eingegangen, diese sind neben dem Respekt gegenüber dem Kind die Grundpfeiler für das ganze Buch und werden in den einzelnen Kapiteln immer wieder erwähnt.

Die Grundprinzipien sind:

  • Grundvertrauen in das Kind als Initiator, als Forscher und als jemanden, der von sich aus lernt
  • Eine Umgebung für das Kind, die physisch sicher, kognitiv anregend und emotional annähernd ist
  • Zeit für nicht unterbrochenes Spielen
  • Freiheit zu forschen und mit anderen Kindern zu interagieren
  • Beteiligung des Kindes an allen Aktivitäten der Pflege, sodass das Kind eher aktiver Teilnehmer als passiver Empfänger wird
  • Einfühlsames Beobachten des Kindes, damit man seine Bedürfnisse versteht
  • Konsistentes Handeln der Eltern und klar definierte Grenzen und Erwartungen, damit sich das Kind orientieren kann.

Auf jedes der Prinzipien geht die Autorin im Detail nochmals ein und zeigt anhand von Beispielen, wie ich als Mutter diese Theorie in die Praxis umsetzen kann.

Generell fand ich die vielen Beispiele und Erfahrungen aus ihrer Mutter-Kind-Gruppe als sehr hilfreich und anregend, sodass ich auch als Nicht-Pädagoge einen starken Nutzen aus dem Buch ziehen kann.

Zusammenfassung des Teil II

Im Teil II geht Magda Gerber in der Entwicklung vom Neugeborenen bis hin zum Baby, dass mobil wird, auf verschiedene Aspekte der Erziehung ein und widmet sich in den Unterkapiteln verschiedenen Schwerpunkten.

Für mich waren die Kapitel „Ihr neugeborenes Baby“, „Die neugeborenen Eltern“ und „Für gute Betreuung sorgen“ eher nicht so interessant, weil Nepomuk natürlich mit sechs Monaten kein Neugeborenes mehr ist und wir auch für die nächsten zwei Jahre keine Betreuung für ihn benötigen. Sollte ich jedoch wieder schwanger werden, dann sind besonders die zwei erstgenannten Kapitel ein Muss für mich.

Durch die vielen Beispiele und Anregungen aus der Praxis konnte ich für mich viel nützliches mitnehmen und mit Nepomuk ausprobieren. Vielleicht liegt es an seinem Alter, vielleicht aber auch daran, dass ich ihm sehr viele Freiheiten lasse und kaum noch in sein Spiel eingreife, aber in den letzten Wochen hat er so viele Fortschritte gemacht, die ich bei anderen Kindern in seinem Alter so noch nicht gesehen habe.

Ich gebe zu, dass es nicht leicht ist, sich als Mutter zurückzunehmen und einfach nur auf dem Teppich zu sitzen und Nepomuk beim spielen zuzuschauen, aber durch dieses Beobachten habe ich ihn mittlerweile viel besser kennengelernt und lasse ihn nun Dinge ausprobieren, wo ich früher oder ohne das Buch vielleicht eingegriffen und aus reinem „gut meinen“ geholfen hätte.

Es fällt manchmal schwer, nicht zu helfen. Zum Beispiel möchte er sich jetzt immer hochziehen und schafft es nicht. Dann ist er genervt und „schimpft“ vor sich hin. Ich könnte ihm natürlich jetzt helfen und unterstützen, aber dann würde ich ihm das Gefühl, dass er etwas ganz allein geschafft hat, nehmen und vielleicht frustrieren.

Auf der anderen Seite gibt es natürlich Situationen, bei denen ich als Mutter zwischen dem im Buch empfohlenen und meinem intuitiven Handeln entscheiden muss. So steht im Buch, dass der Kleine beim Wickeln nicht aktiv mit einem Spielzeug abgelenkt werden soll, sondern diesen „Pflegeprozess“ zusammen mit mir erleben soll. Wir haben auf unserer Wickelablage, aber die Wattepads zum reinigen liegen, die sich Nepomuk immer nimmt, wenn er auf der Wickelablage liegt. Ich lasse das zu, denn er hat null Interesse beim Wickeln mit mir zu interagieren. Ich kann damit leben und Nepomuk kann damit leben. Warum sollte ich das ändern?

Ich hatte schon erwähnt, das mich das Buch sehr beeinflusst und ich sehr viel nützliches daraus gezogen habe. Hier sind noch ein paar Beispiele, wie ich versuche die Erkenntnisse im „realen Leben“ anzuwenden.

Nach dem ich das Kapitel „Ankündigen, was sie als Nächstes tun“ gelesen und mein bisheriges Handeln gegenüber meinem Sohn kritisch hinterfragt habe, erzähle ich Nepomuk nun immer, was wir als nächstes tun. Hat er in die Windeln gekackt, nehme ich ihn nicht einfach nur hoch und wickle ihn mechanisch, sondern frage ihn, ob ich ihn wickeln darf, weil er sich dann besser fühlt. Beim Wickeln selbst, ebenso beim Waschen und beim Anziehen erzähle ich ihm jeden Schritt. Das ist natürlich mehr Aufwand und ab und an vergesse ich es auch und muss mich immer selbst ermahnen, aber ich denke, es bringt wirklich was. Ein Baby ist keine Puppe oder ein unfertiges Ding, sondern ein Mensch, der genauso viel Respekt verdient, wie jeder andere mit dem ich zu tun habe.

Das Kapitel „Den Kindern ihr eigenes Leben lassen“ war für mich ein wichtiges Kapitel. Mir liegt sehr am Herzen, dass es Nepomuk gut geht und das wir viel von dem tun, was ihm Spaß macht. Sicher ist es gut, dass Kinder am liebsten zuhause spielen, aber bei uns habe ich schnell gemerkt, dass Nepomuk es liebt an die frische Luft zu gehen. Wenn das Wetter schön ist, setze ich ihn in seine Babyschale und er beobachtet alles: Bäume, Autos, Fahrräder, Menschen. Er ist so fasziniert, dass er mich kaum anschaut, sondern lieber Kirchentürme oder Maibäume bestaunt. Wenn er mal nicht weiß, was er möchte und vor sich hin quengelt, muss ich nur sein Fell oder jetzt die Jacke holen und er freut sich, weil er weiß, dass wir rausgehen.

Neben den Spaziergängen ist der Kontakt mit anderen Kindern sehr wichtig für Nepomuk. Er liebt es anderen Kindern beim Spielen zu zusehen, sie anzufassen oder neues Spielzeug auszuprobieren. Warum sollte ich dann zuhause sitzen, wenn es tolle Babytreffs in unserer Umgebung gibt. Für ihn und für mich ist das immer eine tolle Zeit, weil er dann mit anderen Babys und ich mit anderen Müttern in Kontakt kommen.

Der Teil II war für mich der Abschnitt mit dem größten Mehrwert. Ich hatte auch nicht das Gefühl, dass ich nun das Buch zu spät gelesen habe, auch wenn ich mich manchmal ärgere, dass ich mich in der Schwangerschaft noch nicht mit diesem Thema beschäftigt habe. Aber als Schwangere ist man von Erziehungskonzepten meilenweit entfernt.

Zusammenfassung Teil III

Den dritten Teil konnte ich fast nur theoretisch nutzen, denn Nepomuk kann weder laufen noch sprechen und auch von einer Trotzphase ist er noch weit entfernt. Trotzdem konnte ich mir schon jetzt mal ein Bild machen, was wohl bald auf mich zukommen wird und die Tipps, die Magda Gerber in ihrem Buch gibt, werde ich sicher noch öfter nachlesen, um dann intuitiv zu entscheiden, ob ich diesen folge oder Situationen anders meistere.

Mein Fazit

Ich kann das Buch nur empfehlen und schließe mich den positiven Bewertungen auf Amazon an. Es ist ein tolles, kurzweiliges Buch mit vielen Beispielen aus der Praxis.

Magda Gerber hat mit ihrer Einstellung und ihrer Philosophie bei mir voll ins Schwarze getroffen und mich in einigen Bereichen zum Umdenken gebracht.

Dass Nepomuk sich aktuell so toll und schnell entwickelt, liegt sicher nicht nur an meinem Umdenken oder an dem Buch, aber ich glaube, dass dieses Buch doch zu einer gewissen Entspannung bei mir geführt hat, die nun natürlich auch Nepomuk spürt.

Wie bei vielen anderen „Ratgebern“ passt natürlich nicht alles und wenn ich den Satz „Jedes Kind kann schlafen lernen“ lese, dann jagt es mir doch einen Schauer über den Rücken und ich runzle kurz die Stirn. Aber zu 90 % ist es ein tolles Buch und ich bereue den Kauf und die investierte Zeit zum Lesen nicht.

Das Buch ist auf jeden Fall ein toller Einstieg, wenn man sich für Emmi Pikler und später Maria Montessori interessiert. Schade, dass ich es erst jetzt entdeckt habe, aber vielleicht habe ich noch mal das Glück und kann dieses Konzept von Geburt an verwenden.

 

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