Monthly Archives: Januar 2016

31Jan/16

Montessori made by Baumarkt

IMG_0867Seit gut einem Jahr interessiere ich mich nun für die Konzepte von Emmi Pikler und Maria Montessori. Neben dem Lesen verschiedener Bücher, dem Ideensammeln auf Facebook und Pinterest und nicht zu guter Letzt den Besuchen in zwei verschiedenen Spielräumen, versuche ich im Rahmen des Möglichen Montessori und Pikler auch in unseren Alltag zu integrieren.

Nun lese ich oft, was es für tolle Montessori Sachen bei Ikea gibt und wünschte mir manchmal, ich hätte ein Auto, um dort regelmäßig einkaufen zu gehen. Dieser Wunschgedanke hält sich mit Hinblick auf unseren Minimalismus allerdings nur wenige Minuten und so hole ich mir die Inspiration meist aus den Besuchen in den Spielräumen, in verschiedenen Facebook Gruppen und natürlich auf Pinterest. Viele Sachen gibt es glücklicherweise in normalen Kaufhäuser, beim Drogeriemarkt oder auch beim Baumarkt zu kaufen.

Und so war es am Donnerstag nach über einem halben Jahr mal wieder Zeit in unseren nahe gelegenen Toom Baumarkt zu schlendern. Dieser liegt mitten in Haidhausen und ist für mich zu Fuß super zu erreichen. Der Baumarkt ist meiner Meinung nach wirklich ein guter Markt, der kaum überlaufen ist und für mich eine unendliche Fülle an Ideen bereithält.

Nachdem Nepo nun mit seinen 18 Monaten schon gut zu Fuß ist, bin ich mit anfangs mit ihm an er Hand durch den Baumarkt geschlendert und später immer hinter ihm hergelaufen. Für ihn ist so ein Baumarkt natürlich auch ein Paradies: Weite Gänge, volle Regale und alles so schön bunt und in Greifhöhe.

Inspiration was ich alles kaufen kann, habe ich mir vorab nicht geholt, aber ich wusste worin gerade Nepos Interessen liegen. Wie seit Monaten immer noch im Schütten. Er schüttet alles: Reis, Linsen, Mais (Danke, an unseren Asiashop), Frischhalteclips oder Wasser.

Zudem ist er der ganz große „Dinge in Öffnungen“ Stecker und liebt das ständige Ausprobieren von Schraubverschlüssen. Seit kurzem hat er zudem die Magie von Kugeln und Bällen entdeckt, die er dann genüsslich durch den Raum kullern lässt, um die genaue Laufbahn dieser zu beobachten. Auch das Bemalen von Blättern, Tischen und Regalen findet er ganz toll.

Seine ganze Liebe gilt aktuell aber Schrauben und vor allem dem Werkzeugkoffer von Papa. Er liebt es mit ihm rumzuschrauben, beim Lampen wechseln dabei zu sein oder „mitzuhelfen“, wenn der Papa mal wieder ne lose Schublade repariert.

Obwohl wir Nepo Anfang des Jahres einen Werkzeugkasten von IKEA gekauft haben, so fasziniert ihn das bei weitem nicht so sehr, wie die Dübel und Schrauben des Papa. Also habe ich eine Packung großer, stumpfer Schrauben mit Muttern gekauft. Die Muttern habe ich vorsorglich einkassiert, da Nepo aktuell noch zu viel in den Mund nimmt. Später werde ich dann die Muttern mit den Schrauben anbieten, damit Nepo dann mit hoch- und runterdrehen der Muttern beschäftigt werden kann.

Die Schrauben sind jetzt aktuell stark in Benutzung. Nepo schüttet sie immer von einem Behältnis ins nächste oder untersucht sie bis ins Detail. Von meinem alten Kleiderschrank habe ich ebenfalls noch große Schrauben gefunden, sodass er nun zwei verschiedene Größen hat.

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Neben Schrauben habe ich noch große Dübel in weiß und rot gekauft. Rot ist aktuell seine Lieblingsfarbe und die Plastikdübel lassen sich wunderbar in verschiedene Gläser, Teedosen und Kindertöpfe schütten. Später werden wir dann mit diesen Dübeln versuchen Farben kennenzulernen.

Wo wir gerade bei Farben sind: Im Baumarkt bin ich zufällig an einer Packung von „Ausgleichsblättchen“ vorbeigekommen. Da ich die Farben gut fand, habe ich einfach eine Packung mitgenommen. Bis vorhin war mir noch nicht so klar, ob wir das jetzt schon verwenden können, weil ich es eben auch für die Farbenlehre nutzen wollte. Aber der Papa war so begeistert von den Blättchen, die auch unterschiedliche Stärken haben und hat dann gleich mit Nepo die Blättchen aneinander gelegt. So habe ich jetzt auch schon eine Idee, was ich mit ihm mal tagsüber gemeinsam machen kann.

Da ich bald auch mit Nepo malen möchte, habe ich jetzt schon mal eine Abdeckplane für unseren Laminatboden gekauft, dazu Malerkrepp, einen Pinsel und einen Farbroller, sodass wir bald mit den ersten Kunstwerken loslegen können. Ich bin mir noch nicht sicher, ob wir vielleicht bis zum Frühling warten und das dann auf dem Balkon machen oder zumindest die Balkontür auflassen, damit der Farbgeruch, soweit es den gibt, nach draußen ziehen kann.

Vielleicht werde ich die Abdeckplane auch schon früher nutzen, wenn wir jetzt endlich mal unsere eigene Knete machen. Ich habe schon einige Rezepte rausgesucht, wo man nicht viel mehr als Mehl und Wasser benötigt.

Zu guter letzt haben wir natürlich auch wieder Holzkugeln gekauft und Holzscheibchen. Zum einen kann Nepo diese dann auch wieder in Dosen mit entsprechenden Öffnungen stecken. Zum anderen haben wir ein großes Brett, dass ich immer unterschiedlich hoch aufbaue. So können wir die Kugeln immer aus unterschiedlichen Höhen runterrollen lassen. Wenn ich dann auch genügen Küchenpapierrollen gesammelt habe, werde ich mich zudem auch mal in einer einfachen Kugelbahn probieren.

Wichtig bei allen Produkten ist mir die Nähe zur Realität. Nepo bekommt viele authentische Materialien mit denen er dann rum probieren kann. Das beginnt bei ungekochtem Reis und Linsen, geht über Küchenutensilien wie Frischhalteclips, Teelöffel, Gläser, ausgedienten Gewürzstreuern und Teedosen, bis hin zum echten Wischtuch und selbstgehäkeltem Topflappen. Sicher spielt er auch gern mit seinem Holz- und Plastikobst, seiner kleinen Küche und den dazu gehörigen Töpfen, aber genau bei solchen Dingen wie Schrauben, Dübeln oder kleinen Marmeladengläsern merkt man, dass er Dinge liebt, die auch wir täglich oder regelmäßig benutzen.

Für mich ist das alles in Ordnung. Er gehört zu uns, wie wir zu ihm gehören. Ich habe kein Problem damit, wenn er mit meinen Töpfen oder mit Papas Wasserwaage durch die Gegend läuft und damit spielt. Ich denke allein nur durch das Einbeziehen des Kleinen in unsere tägliche Routine lernt er so viel und fühlt sich so zugehörig, was er mit Spielzeugen von FisherPrice oder sonstigem nie erreichen würde.

Das heißt jetzt natürlich nicht, dass unser Sohn kein Spielzeug hat, nein, er liebt seine Brio Bahn, ebenso wie die Matchbox, die er vom Papa „geerbt“ hat, aber wie alle Kinder ahmt er uns eben auch gern nach und es macht mir wirklich viel Freude zu sehen, wie er versucht mit Kehrschaufel und Besen zu hantieren oder versucht ein paar Wasserflecken mit dem Wischtuch wegzuwischen. Und wenn ich jetzt sehe, wie gern er mit den Schrauben und Dübeln spielt, dann weiß ich, dass wir spätestens in einem halben Jahr mal wieder bei unserem Baumarkt des Vertrauens vorbeischauen werden und wer weiß, was die Mutti das nächste Mal so alles rausschleppt.

In diesem Sinne: Habt einen wunderschönen Abend

Liebe Grüße

Mareike

 

30Jan/16

Ein herrlich entspannter Kindergeburtstag

Nepo im BälleparadiesNachdem der Mann auf dem Sofa eingeschlafen ist und unser Kleiner schon auf der Autofahrt vom Kindergeburtstag wieder nach Hause, ist es an der Zeit mal kurz über diesen wirklich tollen Kindergeburtstag zu schreiben.

Ich fand diesen Geburtstag so toll, weil er einfach so entspannt war. Nepo war zwar mit dem drei Monate alten Bruder des Geburtstagskindes und einem anderen Kind der jüngste unter den Partygästen, aber das störte weder ihn noch die anderen Kinder.

In Summe waren es acht Kinder und Nepo und sechs Erwachsene. Der Großteil der Kids war um 3 Jahre alt und fast alles Jungs.

Das Highlight bei dem Geburtstag war sicher die Rutsche, die direkt in ein Bällebad führte. Nepo konnte gar nicht genug von bekommen und es war ihm egal, ob er auf andere Kinder rutschte oder ob andere Kinder auf ihn rutschten. Er genoß es einfach und war gar nicht mehr von der Rutsche wegzubekommen.

Auch kulinarisch kam er voll auf seine Kosten und zog sich vom Muffin, über kleine Dinkelbrezn bis hin zu Pizzaschnecken alles rein, was auf dem Tisch zu finden war. Heruntergespült mit Apfelsaft und Wasser war das für Nepo der Himmel auf Erden.

Für mich als Mutter ist es natürlich immer super zu sehen, wie Geburtstage in bestimmten Altersstufen ablaufen, denn irgendwann wird auch Nepo drei Jahre und dann ist es gut schon mal so eine grobe Richtung für die Feire zu haben.

Ich bin immer noch begeistert, wie locker das dort alles ablief und das Kindergeburtstage auch entspannt gefeiert werden können. Mich hat es ehrlich gesagt immer erschreckt, wenn Mütter sagten, dass sie in der Planung für den Geburtstag ihres Kindes Monate benötigen, weil wirklich alles, alles perfekt sein muss.

Ich denke, dass Kinder weder auf Schnittchen noch auf pädagogisch-wertvolle Deko achten. Gerade am Kindergeburtstag kann man es ruhig mal krachen lassen mit Muffins, Torte, Knabberzeug, Lollies, Pizza oder Ketchup.

Das Leben ist schließlich viel zu kurz für Schnittchen und Feng Shui beim Kindergeburtstag. 🙂

30Jan/16

Minimalismus: Die hobbylose Mutti

Nach dem wir heute auf einem tollen Kindergeburtstag waren, sitze ich hier auf dem Sofa und führe mit meinem Freund eine Unterhaltung, wie wir sie schon so oft geführt haben. Wieder einmal dreht sich alles um Hobbys bzw. in unserem Fall um die Unfähigkeit ein Hobby zu besitzen. Wobei ich hier schon mal sagen muss, dass für mich joggen oder „ins Fitnessstudio gehen“ keine Hobbys sind.

Der Minimalismus legt das Fehlen von Hobbys offen

Das mir ein Hobby fehlt, wurde mir eigentlich erst im Herbst 2015 bewusst. Nämlich genau an dem Abend, an dem wir das erste Mal in unserem leeren Wohnzimmer saßen. Die Bücherregale waren im Keller und mit dem Gefühl der Ruhe kam die Frage nach einer abendlichen Beschäftigung aus. Ich weiß nicht, warum mir das früher nicht aufgefallen ist, vielleicht hatte ich immer das Wissen, wenn mir langweilig ist, könnte ich ja ein Buch lesen. Aber als dann alle Bücher im Keller waren, wusste ich ehrlich gesagt nichts mit mir anzufangen.

Wenn man eine volle Wohnung hat, dann lenkt das schon mal von vielem ab, besonders von der Notwendigkeit sich mit sich selbst zu beschäftigen. Wir haben das letzte Jahr viel hin und her geräumt und viel über Minimalismus gesprochen. Doch jetzt, wo wir uns an unsere aufgeräumte (nicht saubere) Wohnung gewöhnt haben, wird mir doch immer bewusster, wie sehr mir ein Hobby fehlt.

Was bedeutet Hobby eigentlich?

Auf Wikipedia findet sich für Hobby folgende Definition:

„Ein Hobby …, auch Freizeitbeschäftigung … genannt,ist eine Tätigkeit, die der Ausübende freiwillig und regelmäßig betreibt, die dem eigenen Lustgewinn oder der Entspannung dient und zum eigenen Selbstbild beiträgt. Ein Hobby ist kein Beruf und repräsentiert für den Ausübenden einen Teil seiner Identität. Der Begriff Hobby hat eine leichte Nähe zum Begriff Spiel. Als Hobby wird eine Tätigkeit indes nur bezeichnet, wenn man für diese Tätigkeit eine im Vergleich zu anderen Freizeitgestaltungen besondere Vorliebe hat und sie regelmäßig ausübt.“

Das spiegelt schon mal sehr gut das, was ich mir von einem Hobby erwarte. Aktuell kommen vielleicht meine regelmäßigen Besuche im Fitnessstudio oder mein abendliches Laufen in die Nähe eines Hobbys, aber so richtig glücklich bin ich damit nicht.

Ich selbst habe für mich folgende Kriterien bei der Hobbyfindung definiert:

  • Ich muss dieses Hobby offline ausführen können
  • Es muss eine Tätigkeit sein, die ich abends im Wohnzimmer ausführen kann und die mich ganz fesselt
  • Die Tätigkeit sollte weder mit meinem Beruf noch mit meiner Rolle als Mutter zu tun haben
  • Dieses Hobby sollte nicht aufwendig sein und wenig Ausgaben erfordern
  • Es sollte mir helfen abzuschalten und doch meine volle Konzentration erfordern
  • Es darf nicht im Widerspruch zu unserem gelebten Minimalismus stehen

Beachte ich nun diese Kriterien so fallen schon einige Hobbys wie Briefmarken sammeln, nähen oder töpfern weg. In den letzten Monaten, Wochen und Tagen habe ich mich auf drei Hobbys konzentriert von dem ich nun eines ausprobieren möchte:

Malen

Schon in der Schule habe ich sehr gern gemalt. Es half mir meine Kreativität zu verarbeiten, auf andere Gedanken zu kommen und in andere Welten abzutauchen. Auch später habe ich hin und wieder den Pinsel auf die Leinwand gebracht. Und auch wenn ich noch unzählige leere Leinwände im Keller habe, so würde ich das Malen erstmal hinten anstellen.

Wir leben aktuell in einer Zwei-Zimmer-Wohnung wo jeder Raum wertvoll ist. Zudem bewegt sich unser Sohn frei in allen Zimmern umher. Für mich ergibt sich also das Problem, dass ich keinen Ort für mich schaffen kann, an dem ich meine Lust am Malen ausleben kann. Wenn ich also abends meinem Hobby fröhnen möchte, dann habe ich keine Lust erst alles herzuräumen und noch weniger Lust später alles wieder wegzuräumen. Das schnelle und sichere Verstauen von Acrylfarben, Pinseln oder Leinwänden ist aber bei einem 1,5-jährigem Kind aus meiner Sicht dringend erforderlich.

Für das Hobby Malen fehlt mir also schlichtweg ein Raum oder zumindest Stauraum, wo ich alles aufbewahren kann und trotzdem schnell griffbereit habe.

Puzzlen

Mein Freund und ich haben das Puzzle wieder entdeckt. Es mag sich vielleicht spießig oder langweilig anhören, aber ich finde gerade beim puzzlen kann man wirklich gut abschalten.

Da jeder von uns gerne puzzelt bräuchten wir aber schon mal mindestens zwei Puzzle. Zudem wissen wir nicht, was wir danach damit machen sollen, denn aufhängen wollen wir es auf keinen Fall und im Keller aufbewahren wäre aus Minimalismussicht auch nicht korrekt.

Zudem müssten wir auch das Puzzle immer abends herräumen und später wieder wegräumen, um zu verhindern, dass Nepo sich das Puzzle schnappt.

Malbuch für Erwachsene

Das klingt jetzt vielleicht noch altmodischer als ein Puzzle, aber ich habe jetzt nach langem überlegen und intensiver Recherche beschlossen, dass ich es mal mit einem Malbuch für Erwachsene ausprobiere. Die Bilder erinnern mich an Mantras, weshalb ich den,e, dass ich mich sehr gut entspannen kann.

Zudem ist so ein Buch mit den dazugehörigen Buntstiften schnell aus dem Schrank geholt und genauso schnell wieder verstaut.

Ich habe mir gestern ein Buch und eine Packung Buntstifte bei Amazon bestellt und bin schon gespannt wie ein Schnitzel, was da im Laufe der nächsten Woche so geliefert wird.

Ich hoffe sehr, dass mir so ein Mantra Malbuch genug Abstand zum Tag beschert und ich mich beim Ausmalen der Felder entspannen kann. Natürlich denke ich auch daran, dass ich endlich abends von meinem Rechner und noch mehr von meinem iPhone wegkomme.

Ich denke nächstes Wochenende kann ich dann schon sagen, welche Erfahrung ich mit dem Buch gemacht habe und ob ich das Gefühl habe, hier ein neues leidenschaftliches Hobby zu entdecken.

Jetzt würde mich aber noch interessieren, wie ihr das mit euren Hobbys handhabt. Habt ihr welche und wenn ja, wie schafft ihr es zeitlich diese in regelmäßigen Abschnitten zu geniessen?

So, jetzt werde ich langsam mal mein Bett aufsuchen und wünsche euch eine wundervolle Nacht

Alles Liebe

Mareike

 

29Jan/16

Von der Kunst den falschen Kurs zu wählen

Heute haben Nepo und ich wieder einen Kinderkurs hinter uns gebracht, für uns war es die letzte Stunde, für alle anderen Teilnehmerinnen nicht.

Die letzten Male, als wir da waren, wurde mir wieder schmerzlich bewusst, dass diese Mainstream-Kurse mit offener Tratschrunde zwischen den Müttern, gemeinsames Singen und die Enge von Kursräumen für uns beide nicht funktioniert.

Mit der Erfahrung der vielen Kurse, die wir bisher schon gemacht haben, habe ich den Kurs gewählt, weil dort auf die Montessori Fokussierung hingewiesen wurde. Da wir nun in zwei Spielräumen nach Emmi Pikler und Maria Montessori sind, dachte ich, dass dieser Kurs ja auch in dieser Liga spielen würde. Allerdings merkte ich schon bei der ersten Stunde, dass speziell wir beide da fehl am Platz sein würden. Ehrlich gesagt, möchte ich nicht über den Kurs lästern, weil er den anderen Müttern gut gefällt und ich glaube, er ist auch für „normale“ Mütter eine tolle Sache. Für mich als hochsensible Mutter und Nepo, der auch in diesem Bereich Anzeichen aufzeigt, war einfach zu „eng“.

Schon im Frühjahr/Sommer machte ich bei Nepo die Entdeckung, dass er sich in Kursen wie dem Spielraum absolut wohlfühlt, in anderen Kursen jedoch immer mehr zum Ausdruck brachte, dass er sich ab einem bestimmten Zeitpunkt unwohl fühlte.

Nehmen wir den Kurs „Gemeinsam wachsen“. Ein Kurs den ich wählte, als ich merkte, dass PEKiP uns nicht wirklich taugt. Am Anfang war der Kurs super, weil Nepo der einzige war, der in dieser Gruppe mobil war und krabbeln konnte. So hatte er relativ viel Spielraum, war aufgeschlossen gegenüber anderen Müttern und war manchmal die ganze Zeit kaum bei mir.

Während er am Anfang der laute und aktive war, änderte sich seine Rolle mit der zunehmenden Mobilität der anderen Kinder. Plötzlich konnten fast alle krabbeln, klettern oder robben. Kein Kind war mehr fest auf seinem Platz, sondern bewegte sich sicher im Raum. Je mehr Kinder mobil wurden, desto mehr ging Nepo in die Versenkung.

Wir waren fast immer die ersten, weil ich wusste, dass Nepo es besser findet in einen leeren Raum zu kommen und in Ruhe anzukommen. Diese Zeit und die erste Zeit der Kursstunde war Nepo dann auch entspannt und hatte Spaß. Doch sobald wir anfingen mit dem Singen war er sichtlich aufgeregt, je weiter die Stunde voran schreitete, desto lauter wurde es auch im Raum. Die Mütter unterhielten sich, die Kinder spielten, lachten, weinten oder machten mit den zur Verfügung stehenden Dingen Krach. Also eigentlich nichts besonderes für einen Babykurs, aber sowohl für Nepo, als auch für mich erreichte die Lautstärke ein unerträgliches Maß.

Es hat etwas bei mir gedauert, bis ich verstanden habe, warum Nepo immer zur Tür gekrabbelt ist, warum er am Schrank mit den Spielsachen gezogen hat oder warum er auch manchmal einfach nur bei mir saß. Mal weinend, mal genau beobachtend. Anfangs dachte ich, dass er einfach nur einen schlechten Tag hat, müde ist oder Hunger hat. Aber irgendwann erkannte ich das Muster: Sobald wir anfingen zu singen oder die Kinder sich an verschiedenen Geräten oder Spielzeugen betätigten, zog er sich zurück.

Für mich war das schlimm, weil ich manchmal einfach überfordert war. Sollte ich gehen, wenn er zur Tür krabbelte. Sollte ich den Kurs generell einfach sausen lassen oder sollte ich einfach nur für ihn da sein. Letzteres war natürlich immer der Fall, auch wenn ich mir manchmal dachte, dass er im Kurs so apathisch ist, aber zuhause oder auf dem Spielplatz so aufgedreht und an allem interessiert.

Ich habe ehrlich gesagt schon an mir gezweifelt, auch weil ich keinen Bock mehr auf einige Mütter im Kurs hatte. Sie mussten nur zur Tür hereinkommen und mein Tag war gelaufen. Ihre Art, ihre Stimme und ihr sinnloses Geschwafel ging mir so auf die Nerven, dass ich der festen Überzeugung war, dass sich meine negative Stimmung auch auf Nepo übertragen hat.

Dazu muss ich sagen, das Nepo und ich stark über Mimik miteinander kommunizieren. Wie gesagt bin ich hochsensibel und introvertiert. Auch wenn ich nach außen auf andere Mütter apathisch wirken mag, so nehme ich doch jede Kleinigkeit im Raum war. Ich beobachte, nein ich scanne die Mütter und analysiere sie. Ihre Kinder beobachte ich in ihrem Tun und Auftreten und natürlich beobachte ich Nepo: Seine Bewegungen, sein Verhalten gegenüber anderen, seine Reaktionen auf bestimmte Situationen und vor allem seine Mimik. Ich bin kein Freund der vielen Worte und ich muss mich wirklich immer innerlich ermahnen mehr mit Nepo zu sprechen. Manchmal sitzen wir minutenlang zusammen, ziehen Grimassen ohne ein Wort zu sagen. Für mich ist die Mimik das wichtigste. Die Menschen mögen sich ihre Worte überlegen, aber ihre Mimik haben sie nicht wirklich im Griff. Ich registriere die kleinste Bewegung der Augenbraue und die Augen sagen bekanntermaßen sehr viel über das Gegenüber aus. Die meisten Menschen sind für mich offen wie ein Buch, weswegen ich wohl auch an den wenigsten ein Interesse habe. Was soll ich mit ihnen reden, wenn ihre Mimik, ihre Gestik nicht zu dem gesprochenem Wort passt.

Und so wie ich andere Menschen lese, so versuche ich auch Nepo zu lesen. Das klappt manchmal gut und manchmal auch nicht. 🙁 Ich habe schon mit meinem Freund gescherzt, dass Nepo und mich eine Art Telepathie verbindet. Wenn ich etwas suche, dann weiß er fast immer, was ich suche und zeigt es mir: Unabhängig ob es eine blaue Schaufel im Sandkasten ist oder mein Wohnungsschlüssel. Manchmal bin ich selber platt, weil ich mir nicht ausmalen kann, wie er das wissen kann.

Nepo brabbelt viel vor sich hin, aber bis auf „Mama“, „Papa“ und etwas was sich anhört wie „Danke“ kommt von ihm noch nicht, dafür machen wir viel über Blicke und Gestik. Für einen 17 Monate alten Jungen hat er, im Vergleich zu anderen, schon eine sehr ausgeprägte Mimik. Und so sehe ich genau, wenn er erstaunt, verbittert, schockiert oder einfach nur genervt ist. Und so denken im Kurs Nepo läuft einfach nur so im Kreis rum, während andere Kinder bei ihrer Mutter sitzen oder sich immer noch mit dem Eingangsspiel beschäftigen. Ich lese ihn ihm aber, dass es ihm gegen den Strich geht, mit anderen Kindern in einer Kiste voller Korken zu graben. Er möchte nicht 30 Minuten mit anderen Kindern zusammenspielen. Er liebt es mit anderen Kindern zu interagieren, aber bitte nur kurz, danach will er wieder sein eigenes Ding machen.

Darum fühlt er sich auch im Spielraum wohl: Es ist eine vorbereitete Umgebung, alle Kinder bewegen sich frei und es ist selten, dass es zu Konflikten kommt oder das Nepo oder ich eine Reizüberflutung bekommen. Hinzu kommt das im Spielraum die Mütter eine beobachtende Rolle haben. Sie sitzen am Rand und schauen ihren Kindern beim spielen, entdecken und kommunizieren zu. Sie greifen nicht in Situationen ein und kommen nur hinzu, wenn es erforderlich ist, z. B. wenn ein Kind fällt und die Nähe zur Mutter braucht.

Ich selbst habe für mich beschlossen, dass ich der Vielzahl von Kursangeboten widerstehe. Nicht weil ich die Kurse für als zu dämlich oder überteuert ansehe, sondern weil ich die Erfahrung machen musste, dass für hochsensible Menschen wie uns Angebote wie Musikgarten oder Kinderturnen einfach keinen Sinn machen. Nepo findet gemeinsames Singen scheiße und turnt bzw. klettert grundsätzlich nur, wenn er den Freiraum hat und er nicht das Gefühl hat, dass er jetzt etwas tun muss, weil es die Kursleiterin von ihm erwartet. Denn je mehr man mich und Nepo „motivieren“ möchte, desto stärker wird unser Trotz und unsere Ablehnung gegenüber einem Kurs oder einer Kursleitung.

Die Kurse die ich besucht habe, waren natürlich auch nicht schlecht, sondern wir waren einfach fehl am Platze. Eine Erfahrung, die mich mehrere Monate Beobachtung und Erkenntnis gekostet hat, aber mich in meinem Denken bestärkt hat, dass wir mit Montessori und Pikler Angeboten am besten versorgt sind. Wir machen unser Ding in unserem Tempo und wie wir Lust haben. 🙂

16Jan/16

Erste Stunde „Miteinander wachsen“ bei Montessori21

Zitat_Emmi Pikler

Schon vor vielen Monaten hatte ich mich auf die Warteliste des Spielraum „Miteinander wachsen“ setzen lassen, der immer dienstags im Montessori21 stattfindet.

Ich kam auf die Warteliste, weil Nepo vom Alter her genau zwischen der Babygruppe und der Kleinkindergruppe lag. Es war so traurig, aber für die eine Gruppe war er zu alt, für die andere Gruppe zu jung. Doch kurz vor Weihnachten erhielt ich von der Kursleiterin Frau Neunert den Anruf, dass wir zu einer Schnupperstunde für die Kleinkindergruppe kommen könnten, weil wohl ein Platz im nächsten (also in 2016) frei wird.

Ich freute mich so und wir gingen am 15.12.15 zur Schnupperstunde. Nepo fühlte sich super wohl und für ihn war es kein Problem, dass er mit Abstand der Jüngste war. Sicher sind die anderen Kinder weiter, aber in dem wirklich schönen großen Dachgeschoss hat jeder die Möglichkeit sich dort zu bewegen, wo er gerade Lust hat. Nach dieser tollen Stunde entschied ich mich sofort, dass wir im Januar mit in den Kurs einsteigen.

Da Nepo auch sonst lieber mit „Älteren“ abhängt, sah ich den Altersunterschied als kein Problem an.

Tja, und diesen Dienstag war es soweit und wir starteten offiziell im „Miteinander wachsen Kurs“ von Silvia Neunert.

Obwohl ich nun in der Vergangenheit viele Kurse mitgemacht habe, geht mir besonders in den Spielräumen immer das Herz auf. Ich liebe es am Rand zu sitzen und Nepo einfach in seinem Tun und seiner Bewegung zu beobachten. Es ist für mich ehrlich gesagt ein Segen, dass die Mütter alle auch ebenfalls nur beobachten und maximal mit ihrem Kind und dann sehr leise reden.

Für so ein Hochsensibelchen wie mich und ja, ich glaube auch wie Nepo, ist ein niedriger Lärmpegel super angenehm. Vergleiche ich Nepomuks Verhalten in den Spielräumen mit anderen Kursen, dann merke ich ganz klar, wie er aufblüht, wie er Dinge ausprobiert, entdeckt. Kontakt zu anderen sucht oder einfach nur beobachtet.

Ich denke Nepo merkt auch, dass ich mich in den Kursen wohlfühle, weil ich nicht das Gefühl habe zu Konversation gezwungen zu werden, sondern mich einfach auch mal entspannen und alles auf mich wirken lassen kann. Das heißt nicht, dass ich dort mit offenen Augen schlafe, im Gegenteil, ich bin hellwach und beobachte Nepo in seiner Mimik, in seiner Gestik, einfach in allem. Nur werde ich dabei nicht ständig abgelenkt, weil mich irgendwer immer anspricht oder weil Mütter ständig und ohne Unterbrechung reden und ich dann einfach am Limit laufen würde und diese Unzufriedenheit wohl auch Nepo spürt. Bei uns beiden ist es so: Bin ich entspannt, ist Nepo auch entspannt. Er weiß ganz genau, wem gegenüber ich Sympathien empfinde und wer mich eher anstrengt. Und so verhält er sich auch diesen Personen gegenüber.

So ist der „Miteinander wachsen“ Kurs aufgebaut

Bevor ich allerdings zu sehr in den Bereich „Hochsensibilität“ und „Mareikes philosophische Abendstunde“ abdrifte, hier nochmal kurz die Abgrenzung eines „Spiel- und Bewegungsraumes“ nach Pikler/Montessori zu anderen (normalen) Baby- und Kleinkindkursen.

Die Räumlichkeiten sind meist weitläufig und nach meiner Erfahrung alle sehr „natürlich“ gehalten. Das heißt die Kinder haben viel Platz, finden einen Parkettboden vor und der Raum engt sie nicht ein, wie in manchen anderen Kursen.

Vor dem Kursbeginn baut die Leiterin eine Spiel- und Bewegungslandschaft auf, in der sich die Kinder dann austoben oder auch entspannen können. Alle „Turngeräte“, wie das Piklerdreieck oder der Tunnel sind qualitativ sehr hochwertig und aus Holz. Es gibt Stufen, Schrägen, Sprossen, all das in verschiedenen Schwierigkeitsstufen, damit sich alle Kinder ihrem Entwicklungsstand entsprechend bewegen können.

Parallel zu den ganzen Bewegungsapparaten baut die Kursleiterin immer noch verschiedene Spiel- und Lerninseln ein. Das sind mal eine Sammlung von Schleichtieren, eine Auswahl an Geldbörsen. Verschiedene Steckbretter oder Dosen und Schachteln, die es zu öffnen gilt. Einige Dinge bleiben von Kurseinheit zu Kurseinheit gleich, andere werden ausgetauscht.

Im „Miteinander wachsen“ Kurs gibt es auch einen Tisch, auf dem immer wieder Dinge angeboten werden. So konnten die Kinder am Dienstag mit einem Löffel Steine in verschiedene Schälchen füllen. Nächste Woche wird auf dem Tisch dann eine andere Aufgabe stehen. Wichtig zu wissen für die Kinder ist dabei, dass alle Sachen die auf dem Tisch stehen, auch auf dem Tisch bleiben.

Den Kindern selbst steht es frei, mit was sie sich in dieser einen Stunde beschäftigen. Hier sind natürlich die weitläufige Bewegungslandschaft und die verschiedenen Spiel- und Lerninseln ein Segen für Kinder wie Nepo, die gern auch mal allein spielen möchten. In anderen Kursen war immer alles so eng aufeinander oder es gab gar nur eine Aktivität mit der sich alle Kinder beschäftigt haben. Am Anfang war das auch okay, aber von Minute zu Minute wurde es für Nepo unerträglicher und er ging oft zur Tür oder kam weinend zu mir. Hier ist das anders. Jedes Kind macht sein Ding und wenn ein Kind nur bei der Mutter sitzt und beobachtet, dann ist das auch absolut in Ordnung. Kein Kind wird gezwungen oder animiert und das ist etwas, was ich sehr schätze.

Da die Mütter sich gezielt zurücknehmen und eine beobachtende Rolle wechseln, ist der Geräuschpegel sehr niedrig und die Kinder haben keinen Overload durch ständiges Stimmenwirrwarr und Gelächter. Auch das gefällt mir sehr gut.

Nach der einen Stunde, genauer genommen ist es eine Stunde und 15 Minuten, geht es dann noch zu einer gemeinsamen Brotzeit. Wichtig ist hierbei, dass kein Kind gezwungen ist, die volle Zeit zu spielen oder eben nach der Zeit aufzuhören. Wenn ein Kind noch vertieft ist, dann kann es noch solange weiterspielen, bis es fertig ist. Wir sind zum Beispiel am Dienstag ein paar Minuten früher zur Brotzeit gegangen, weil Nepo hingefallen ist, müde war und dann auch noch Hunger bekam.

Aktuell habe ich ja meine Sorgen mit Nepos Apettit, aber bei der Brotzeit hat er sich seinen kompletten Apfel-Mandelmus-Brei reingezogen. Einfach nur, weil er wohl andere auch essen hat sehen. Das hat mich so gefreut, weil ich ehrlich gesagt schon an meiner Rolle als Mutter gezweifelt habe, weil irgendwie alle Kinder „normal“ essen, nur mein Sohn will am liebsten Speck, Oliven, Brezel und Käsekuchen. Und das jeden Tag. Alles andere, selbst die früher heißgeliebte Bratkartoffel-Zucchini-Pfanne verweigert er, zieht sich dafür nachts bis zu 4 Flaschen Milch rein.

Doch seit dieser Woche lasse ich ihn komplett allein essen, esse auch in seiner Gegenwart und allein das hilft schon mal, dass er so langsam wieder an Freude am Essen hat. Zudem hat mir die Kursleiterin Silvia gesagt, dass Nepo wohl gerade in der Phase ist, in der spielen viel, viel wichtiger ist, als essen. Und ich denke, da hat sie vollkommen recht. Da er mir jetzt schon sehr deutlich zeigen kann, wann er Hunger hat, lasse ich ihn einfach gewähren und richte mich nach seiner Uhr. Tja, und das klappt super. Bis jetzt 🙂

Nachdem wir dann noch eine Weile an dem Tisch saßen, brachen wir dann auch als letzte auf und schauten auf dem Weg noch mal in den Adventsbazar, der gerade im 1. Stock des Montessori21 Haus aufgebaut ist. Da Nepo aktuell gern schüttet und ich schon seit einer Weile auf der Suche nach kleinen Glaskännchen bin, habe ich mich dort gleich mit zwei kleinen und einer größeren Glaskanne eingedeckt. Nepo liebt diese Kännchen und übt jetzt fleißig schütten auf seinem wasserfesten IKEA Tablett.

Mein Fazit

Es ist natürlich immer etwas gewagt nach der ersten bzw. zweiten Stunde schon eine Einschätzung über den Kurs zu geben, aber ich bin einfach glücklich, dass wir in dem Kurs dabei sein können. Für mich ist das Konzept und die Philosophie, die hinter Emmi Pikler und Maria Montessori stehen eine Art Zielbahnhof und ich fühle immer mehr, wie sehr es mir Spaß macht Dinge von diesen beiden großartigen Frauen in unser Leben zu integrieren. Noch mehr Spaß habe ich natürlich dabei, wenn ich sehe, dass Nepo diese Dinge auch annimmt. Wobei der selbstgebastelte Waschtisch aktuell der 40 Jahre alten Brio Eisenbahn so gar nicht das Wasser reichen kann. Aber wenn ich sehe, wie schnell und sicher der Kleine jetzt schon die Holzschienen aneinander legen kann, dann denke ich, dass es in Sachen Motorik ja auch nicht ganz ohne ist. 🙂

10Jan/16

Minimalismus: Das beste zum Schluss

Mein letzter Blogpost ist jetzt schon wieder so lange her. Eigentlich wollte ich die Feiertage nutzen, um mal wieder meinen Blog aufzufrischen, neue Beiträge zu schreiben und überhaupt alles neu zu machen. Tja, die Feiertage sind vorbei und was habe ich für den Blog gemacht: Nix.

Der Grund dafür liegt aber nicht im Desinteresse, sondern einfach daran, dass ich Ende Dezember mit meiner Wohnungsauflösung vollauf beschäftigt war.

Und am 30.12.2015 war es dann endlich soweit: Ich habe meine Wohnungsschlüssel abgegeben und diese große Baustelle, die mich seit Monaten begleitet hat, war abgeschlossen.

Es war so ein befreiendes Gefühl, dass wir nun keine Wohnung mehr im Hinterkopf haben, zu der man ab und an fahren muss, weil der Briefkasten voll ist. Mir viel ein Stein vom Herzen, auch wenn ich etwas traurig war. Ehrlich gesagt finde ich es schade, dass ich den Minimalismus erst in 2015 entdeckt habe. Meine Ein-Zimmer-Wohnung mit ca. 19 qm wäre die ideale Wirkungsstätte für den minimalistischen Lebensstil gewesen. Naja, aber so toben wir uns eben in unserer gemeinsamen Wohnung aus.

Auch wenn jetzt meine Eltern in einem Hotel übernachten müssen, so finde ich es doch absolut plausibel und schlüssig, dass ich mich von der Wohnung getrennt habe. Wie kann ich immer vom tollen Minimalismus schreiben, wenn ich es selbst nicht schaffe meine, nur als Lager, genutzte Wohnung zu kündigen. Es war mir wichtig diese Kündigung auch noch in 2015 zu vollziehen, weil das der krönende Abschluss eines wirklich tollen Jahres war.

Ich habe in 2015:

  • Meine Ernährung auf die Reihe gekriegt. Im Januar mit der Vegan For Fit Challenge, im Dezember mit der Umstellung auf Paleo.
  • Immer im Zentrum stand das Ziel möglichst unverarbeitete Lebensmittel zu kaufen und viel selbst zu kochen.
  • Mein Leben zu entrümpeln. Ich habe so viele Sachen gespendet, weggeworfen neu genutzt. Ich habe das Sozialkaufhaus und Foodsharing entdeckt. Ich habe meinen Freund dazu motiviert seine Klamotten an Flüchtlinge zu spenden, weil er die vielgesuchte Größe S hat. Ich habe überflüssige Verträge gekündigt, meine unendlichen Papierberge gescannt und geschreddert. Wir haben Möbel, Lampen, Geschirr und Bilder entsorgt, die man auch nicht mehr hätte spenden können. Wir haben mehrere hundert Bücher bei Momox verkauft und den Rest der Bücher in den Keller verlegt. Im Rückblick muss ich sagen, dass wir ungemein viel geschafft haben, auch wenn wir beide der Meinung sind, dass aktuell wieder mehr in den Haushalt reinkommt, als rausgeht. Was uns beiden widerstrebt.
  • Meine sozialen Kontakte priorisiert. Ich habe über die Hälfte meiner Facebook-Freunde „entfernt“, weil mich ihre „Ich hab so ein tolles Leben“ Posts genervt haben. Mir ist klar geworden, welche Menschen mir wichtig sind und welche Personen einfach der Vergangenheit angehören. Ich verwende keine Energie mehr, um irgendwelche Kontakte aufrechtzuerhalten, die mir nichts mehr bedeuten und von denen ich auch keine Signale erhalte. Es ist sehr befreiend, wenn man nur noch eine Handvoll Menschen hat, mit denen man sich dann umso intensiver austauscht.
  • In 2015 habe ich auch Montessori und Pikler für mich und meinen Sohn entdeckt. Ich habe meinen „Kurswahn“ gestoppt und gehe nur noch in Spielräume nach Emmi Pikler und Maria Montessori. Ich finde die Zeit dort angenehmer, weil ich (sorry) kein Bock auf Mama-Klatsch-Runden habe. Das liegt aber nicht an den anderen Muttis, sondern an mir.
  • Ich habe mich selbst besser kennengelernt und über das Wissen zu „Hochsensibilität“ Antworten auf Fragen gefunden, die mich fast ein ganzes Leben begleitet haben.
  • Und zum Schluss: Ich verlasse 2015 mit 11 Kilo weniger, als ich es begonnen habe. Ja, und ich hoffe es geht noch weiter, auch wenn ich jetzt eigentlich schon ganz glücklich bin. Aber ein wenig geht ja immer. 🙂

Das war jetzt fast wie ein Rückblick, für den ich um den Jahreswechsel herum keine Zeit hatte. Nun hoffe ich auf ein entspanntes und aufregendes Jahr 2016 mit vielen neuen Impressionen.

In diesem Sinne: Happy New Year – zur Not: Happy New Chinese Year 🙂

Mareike