Monthly Archives: April 2015

29Apr/15

So erlebten wir heute den ersten Pikler Kurs

Nachdem letzten Donnerstag der vorbereitende Elternabend zum Pikler Kurs stattfand ging es heute mit dem Kurs richtig los.

Ich war vor dem Kurs freudig aufgeregt, denn irgendwie war mir der Kurs wichtiger als alle anderen bisherigen Kurse und ich wollte mit Nepomuk auf keinen Fall zu spät kommen. Und natürlich war ich gespannt, was uns da erwarten würde.

Obwohl es sonst ein Ding der Unmöglichkeit ist, habe ich es heute geschafft Nepomuk von 08:30 Uhr bis 09:10 Uhr zum Schlafen zu bringen. Also er war natürlich müde, aber das heißt bei Nepomuk ja nicht das er schlafen will. Doch heute hat alles super geklappt. Er hat bis 09:10 Uhr geschlafen und wurde von selbst wach. Da um 09:45 Uhr der Kurs startete und wir dafür sorgen sollten, dass die Kleinen nicht gerade in der Kursstunde Hunger bekommen, konnte ich ihn noch entspannt die Flasche geben.

Um 09:25 Uhr ging es dann los Richtung siaf in der Sedanstraße. Von uns sind es ungefähr 10 Minuten zu Fuß, sodass wir ca. 10 Minuten zu früh waren. Da die Kursleiterin noch alles aufbaute, bat sie uns kurz draußen zu warten und eine Kanne Wasser für die Stunde zu besorgen. Der Kursraum ist im Keller des Kinderhaus Haidhausen. Sodass ich erst wieder die Treppe hoch in die Küche musste und dann mit Kind, Wickeltasche, Rucksack und Kanne Wasser wieder die Treppe runtereierte. So bringt man dann auch 10 Minuten rum und wir konnten in den Raum.

Die Anfangsphase

Beim ersten Mal ist die Platzwahl noch frei. Den gewählten Platz sollten wir aber die nächsten 9 Kursstunden bei behalten, damit die Kinder etwas konstantes haben. In Summe sind wir sechs Mütter mit sechs Babys im Alter von 8 bis 21 Monaten. Seit langem ist Nepomuk mal wieder der Jüngste. Ich glaube im Rückbildungskurs waren wir das letzte Mal die Küken. 🙂

Die Vorstellungsrunde ging schnell und wurde als eine Art „Ich packe meinen Koffer und nehme mit“ gestaltet, damit sich alle die Namen einprägen konnten. Mal sehen ob ich die Namen der Mamas und Babys noch richtig hinbekomme:

  • Inge mit Moritz
  • Eva mit Samuel
  • Andreas mit Lukas
  • Mareike mit Nepomuk
  • Katja mit Paula
  • Marion mit Paula

Ja, hat noch geklappt. 🙂 Da wir ja schon den Elternabend hatten gab es keine erneute Einweisung, sodass die Babys, wenn sie es eh noch nicht gemacht hatten, gleich loslegen konnten.

Der eigentliche Kurs

Wie bei jedem Kurs hat Nepomuk auch hier gleich angefangen, sich an anderen Babys und an dem vorbereiteten Material zu schaffen gemacht. Ob leere PET Flaschen, Deckel von Einmachgläsern oder die Aufbewahrungskörbe von diesen: Für Nepomuk war alles interessant.

In der Mitte des Raumes wo sich die Babys aufhielten, stand die Pikler Treppe, an die zwei Bretter angedockt waren. Die Kinder konnten also die Bretter hochlaufen und dann die Pikler Treppe hochklettern. Ein weiteres Podest stand ebenfalls für die Babys bereit. Hier waren links und rechts kleine Schanzen angebracht, die die Kinder dann runterrutschen konnten.

Erste Kletterversuche

Nepomuk hat vor ein paar Tagen begonnen kleine Erhöhungen zu erklimmen. Gestern war es die große Toilettenpapierverpackung, über die er drüber geklettert ist. Am Vortrag hat er es gar über die Schwelle zum Balkon geschafft. Ich war nur hinter ihm, um ihn im Falle eines Falls aufzufangen. Es hat zwar eine Weile gedauert, aber er konnte sowohl raus auf den Balkon, als auch wieder reinkrabbeln. Da die Erhöhung scharfe Kanten hat, habe ich alles mit Decken abgesichert. Safety First eben. 😉

Wie ich es in dem Video beim Elternabend gesehen habe, geht auch Nepomuk mit dem Kopf voran über die Hindernisse. Dies sei wichtig, sagte die Sprecherin, da nur so die Babys lernen Höhenunterschiede abzuschätzen. Bei Nepomuk konnte ich super beobachten, wie er erst schaute, langsam vorfühlte und dann ganz langsam nach vorn runter kletterte. Die Fabi-Kursleiterin meinte, es wäre falsch Babys zu drehen, sodass sie mit den Füßen zuerst herunterklettern. Ich denke, dass machen sie dann von alleine, wenn sie abschätzen können, dass es mit dem Kopf zuerst nicht geht.

Nepomuk war heute im Kurs dann auch gleich angetan von dem Podest mit den zwei Schanzen. Nach kurzer Begutachtung und Blickkontakt mit mir, krabbelte er auf das Podest und freute sich wie ein Schneekönig. (Keiner weiß, wie sich ein Schneekönig freut). Nachdem er kurz auf dem Podest war, ging er nicht einfach wieder runter, sondern nutzte die Schanze und krabbelte langsam nach unten. Die Tatsache, dass er sehr sicher wirkte, bestätigte mich in meinem Vertrauen in ihn und die Pikler Pädagogik. Nur wenn wir Kindern Zeit und Raum zur Entfaltung und Entwicklung geben, lernen sie ihre eigenen Grenzen kennen und wissen, was sie sich zu trauen können und was noch nicht.

Kurz darauf kletterte er auch auf die Schanzen zur Pikler Treppe. Beim runter krabbeln war er kurz abgelenkt und zack verlor er das Gleichgewicht. Obwohl er sich sicher abrollte, war er so erschrocken, dass er das weinen anfing. Als er sich kurz darauf wieder gefangen hatte, ging es direkt vom weinen ins lachen. Etwas, was ich noch nicht so intensiv bei ihm mitbekommen habe.

Der Luxus der Beobachtung

Schon beim Elternabend sagte uns die Leiterin, dass der Bereich, wo sich die Babys aufhalten, ihr Bereich ist. Die Mütter sitzen an der Seite und beobachten die Babys. Ich muss sagen, dass es mir nicht schwer gefallen ist und es richtig genossen habe eine Stunde einfach nur zuzuschauen. Natürlich kam Nepomuk manchmal zu mir um kurz mit mir zu schmusen oder zu versuchen mir die Brille von der Nase zu stibitzen, aber so richtig gefordert war ich nicht.

Für mich war es eine Freude einfach nur zu beobachten, wie Nepomuk Spaß an den herumliegenden Dingen hatte und es freute mich so, dass er das Podest hochging und sehr sicher wieder verließ.

Das er so frei herumschwirrt und doch regelmäßig den intensiven Blickkontakt sucht und mir zulächelt und ich zurück lächle, macht mich glücklich. Ich kann sehen, wie er sich täglich verändert und ich vertraue ihm in seinen Schritten zu 100 %. Ich weiß, wenn er stehen will, dann wird er das schaffen ohne das ich ihn dazu ermuntern muss oder gar stützen sollte. Er wird so sicher laufen lernen, wie er das Krabbeln und Sitzen gelernt hat. Wir haben alle Zeit der Welt und ich glaube, diesen Frühförderungsstress von ihm fernzuhalten ist eine sehr wichtige Aufgabe für mich. Ebenso wichtig, wie dafür zu sorgen, dass er immer mit anderen Babys in Kontakt kommt. Etwas, was ihm so viel Spaß macht. 🙂

Zu guter Letzt ist es natürlich auch für uns Mütter angenehm, wenn eine neutrale Person in „Konflikte“ eingreift. Ein älterer Junge hat Nepomuk die Flasche weggenommen und ihn an den Haaren gezogen. Die Kursleiterin ist dann zu den beiden gegangen und hat dem Jungen gesagt, dass Nepomuk jetzt mit der Flasche spielt, er sich aber eine andere Flasche holen kann. Diese Art der Lösung war für mich die angenehmste.

Der Abschluss

Fünf Minuten vor Ende des Kurses bat uns die Leiterin ihr beim Aufräumen zu helfen, da die nachfolgende Gruppe mit Babys bis neun Monate andere Materialien bräuchten.

Die Stunde selbst verging so schnell und ich habe mich wirklich sehr wohl gefühlt und ich denke Nepomuk hat es auch sehr gefallen. Ich freue mich jedenfalls schon auf nächsten Mittwoch und habe es bisher nicht bereut an diesem Kurs teilzunehmen.

Der Abschuss zum Schluß

Eines muss ich aber noch loswerden! Beim Elternabend meinte die Kursleiterin, dass es bei Mädchen nicht so angebracht sei ein Kleidchen zu tragen, da dies beim Krabbeln stören könnte. Und schwupp, war heute eine Mutter die ihr Kind nicht nur in ein Kleidchen stecke, sondern darunter noch eine Jeans anzog und rutschige Socken. Die Kursleiterin meinte zu ihr, dass es wohl einfacher für das Mädchen wäre, wenn es kein Kleid anhätte, da es offensichtlich beim Krabbeln immer festhing und auch die Söckchen wären nicht sehr förderlich. Die Mutter reagierte mit einem „Ja“ und machte nichts.

Es war genau die Mutter, die beim Elternabend reingestürmt kam und mich als Teilnehmer fragte, wie lange der Abend gehen würde und wie viel zum Elternabend kommen würden. Hallo, du Nuss, woher soll ich das denn wissen.

Bei manchen Müttern weiß ich nicht ob sie nur dumm sind oder einfach ignorant. Für mich und Nepomuk war es heute aber in einer Hinsicht perfekt: Das Mädchen konnte nicht richtig krabbeln, so konnte Nepomuk ihr diverse Spielzeuge wegnehmen.

26Apr/15

Unser Wochenende in Bilder – 25./26. April 2015

Nach den letzten Wochenenden und der Krankheit von Nepomuk war es herrlich endlich wieder ein tolles Wochenende zu erleben. Das Wetter war herrlich, Nepomuk wieder bei alten Kräften und auch wir wollten wieder einfach nur raus.

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Den Samstag haben wir mit einem gesunden Frühstück begonnen. In den letzten Tagen habe ich einfach zu sehr gesündigt. 🙂

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Nach dem Frühstück haben wir Nepomuk mit unserem „Haushund“ Aibo spielen lassen. Ich bin froh, dass es kein richtiger Hund ist, sondern nur ein Roboter. Der Papa hat vorsorglich mal die Ohren abgenommen und auch sonst nahm Nepomuk den Hund relativ hart ran. 😉

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Danach ging zum jährlichen Highlight in Haidhausen: Dem Hinterhofflohmarkt. Der Hinterhofflohmarkt ist die perfekte Mischung zwischen Flohmarkt und dem Entdecken von Haidhausen. Man bekommt Zutritt zu vielen Hinterhöfen und entdeckt tolle grüne Inseln, die man sonst nie kennenlernen würde. Zum Glück hatten wir Glück mit dem Wetter und wir waren fast den ganzen Tag unterwegs.

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Nach dem Hinterhofflohmarkt mussten wir uns erstmal stärken. Für mich gab es den Falafelteller und für meinen Freund den Dönerteller. Danach waren wir noch im Asia Shop und haben für mich Kanjok Nudeln gekauft. Die Nudeln haben nur 10 Kalorien auf 100 g und sind perfekt für die Low Carb Ernährung.

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Auf dem Flohmarkt haben wir tolle Sachen für Nepomuk gefunden. Tolle Holzbausteine, Tiere und Bäume aus Holz. Einen witzigen Werkzeugkasten aus Holz, einen winzigen Handfeger mit Schaufel und eine kleine Holzeisenbahn.

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Abends gab es dann Ofenkartoffeln mit Zitrone, Thymian und Rosmarin – dazu grüner Spargel.

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Wer abends Kartoffeln ist, muss am nächsten Morgen natürlich ins Fitness. Da ich über eine Woche keinen Sport getrieben habe, war ich heute morgen gegen 7 Uhr hochmotiviert im Fitnessstudio.

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Nach dem Sport gab es einen Espresso und zwei Orangen. Nicht viel, aber Hunger hatte ich keinen. Danach habe ich noch schnell die Wohnung geputzt, während die beiden Männer geschlafen haben.

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Den Mittag verbrachten wir auf der Auer Dult. Die Auer Dult findet dreimal im Jahr statt und ist eine Art Jahrmarkt. Wir gehen dort sehr gern hin. Leider war es aufgrund des tollen Wetters sehr überlaufen. So beschlossen wir zum Paulaner Biergarten auf dem Nockherberg zu gehen. Wer die Paulaner Werbung im Fernsehen sieht, der kennt den Biergarten bestimmt. Zum Glück war hier nicht viel los und wir konnten entspannt Mittag essen.

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Nach dem Biergarten besuchten wir dann noch den nahe gelegenen Ostfriedhof. Hier liegt auch Rudolph Moshammer begraben, dessen Gruft ich mir irgendwie pompöser vorgestellt hatte. Der Ostfriedhof ist wirklich ein toller Friedhof und vor allem voll von Eichhörnchen 🙂

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Nach dem Ostfriedhof ging es direkt nach Hause. Ich hatte Hunger auf was Süßes und habe mir schnell leckere Gingerbread Cookie Raw Bites zusammen gemixt. Einfach Datteln, Walnüsse, Ingwer, Zimt und Koriander im Mixer zu einer klebrigen Masse vermixen und dann zu Kugeln rollen. Fertig sind die Pralinen 🙂

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Den Abend verbringen wir wieder in gewohnt chilliger Art und Weise. Nepomuk ist todmüde, möchte aber nicht ins Bett und wühlt lieber im Papiermüll oder zerrt an Mamas Bluse. 🙂

Bedenkt man, dass wir letzte Woche um die Zeit in der Notaufnahme waren, hatten wir diesmal das perfekt Wochenende. Ich hoffe ihr konntet auch das tolle Wetter geniessen und habt euch schön erholt.

 

25Apr/15

Vorbereitungsabend zum Pikler Kurs des siaf e. V.

Vor einiger Zeit habe ich begonnen mich in die Pikler Pädagogik einzulesen. Ein Konzept von dem ich mittlerweile zu 100 % überzeugt bin und das ich nun seit einigen Wochen auch zuhause anwende. Doch soviel ich dazu auch lese, es bleibt immer theoretisch und ich, als Mama ohne pädagogischen Hintergrund, tue mich manchmal, das Gedachte von Emmi Pikler umzusetzen.

Irgendwann beschloss ich einen Pikler Kurs zu besuchen. Nach kurzer Recherche wurde ich fündig und zu meiner Freude habe ich einen Kurs ganz in meiner Nähe gefunden. Der Frauenverein Siaf e. V. bietet in Kooperation mit dem Kinderhaus Haidhausen einen Kurs mit Fokus auf Spiel und Bewegung an.

Geleitet wird dieser Kurs von einer Montessori und Pikler Pädagogin. Kurz nach dem ich mich angemeldet habe, bekam ich auch schon die Einladung zu einem Elternabend. An diesem Termin sollte uns das Konzept von Pikler und der Spiel- und Bewegungsraum vorgestellt werden, in dem die Kinder 10 Kurseinheiten verbringen.

Elternabend zum Pikler Kurs

Der Kurs selbst startet am 29. April. Der dazugehörige Elternabend fand am Donnerstag, den 23. April um 19:30 Uhr statt.

In den Räumen des siaf e. V. stellte die Kursleiterin in einer lockeren Stuhlkreisrunde das Piklerkonzept vor. Für mich ja nichts neues, da ich ja schon einige Bücher gelesen habe und somit die Grundgedanken von Emmi Pikler kannte. Ich stehe voll hinter ihrer Ansicht, dass sich ein Kind am besten entfalten könne, wenn es sich möglichst selbständig entwickeln kann. An meinem Sohn beobachte ich nun schon seit Wochen, dass er Dinge allein tut, ohne das ich ihm helfe oder gar versuche, seine Entwicklung zu beschleunigen. Ohne unser zutun hat er gelernt, sich selbst hinzusetzen oder angefangen zu krabbeln. War es am Anfang noch wackelig und vorsichtig, so bewegt er sich jetzt sehr selbstsicher und sitzt absolut sicher. Er selbst weiß am besten, wann er für etwas reif ist. Ich vertraue ihm da zu 100 %.

In dem Elternabend wurde uns auch ein Video aus dem Säuglingsheim in Loczy (Ungarn) gezeigt, indem Emmi Pikler ihre Pädagogik vorangetrieben hat, nachdem sie vorher schon als Kinderärztin Familien betreut und sie von ihrem Ansatz überzeugt hat. Das Video zeigte die Babys, wie sie sich immer weiter entwickelten und sich selbständig erst das Drehen auf den Bauch, dann das Sitzen, Krabbeln, Stehen und zu guter letzt das Laufen beigebracht haben.

In dem Video konnte man sehen, wie frei sich die Kinder in den Räumen bewegen konnten und wie wenig die Erwachsenen eingegriffen haben. Für mich war das wunderbar zu sehen, denn mir war und ist es immer wichtig, dass Nepomuk viel Freiraum hat. Natürlich ist es anstrengender immer zu schauen, wenn der kleine sich im Wohnzimmer bewegt, aber mit der Zeit weiß er genau, wie er sich bewegen muss, um nicht umzufallen oder wie er zu mir in die Küche krabbeln kann, wenn ich mal kurz das Wohnzimmer verlasse, um was in der Küche zu holen oder aufzuwärmen.

In dem Video wurde aber auch gesagt, wie wichtig es ist, dass die Kinder sich in sicheren Räumen bewegen und das man mögliche Gefahrenquellen aus dem Weg räumen muss. Für uns hieß das: alle Steckdosen sichern, die unteren Schubladen von schweren Dingen zu befreien, keine zerbrechlichen Sachen in Reichweite von Nepomuk aufzubewahren und alles, was er in den Mund nehmen und verschlucken könnte zu entfernen. Wie so oft im Leben gilt auch hier: Safety first!

Ablauf des Kurses

Obwohl sich die Pikler Pädagogik mit einem ganzheitlichen Ansatz rund um die Entwicklung des Kindes befasst, konzentriert sich der Kurs bei der siaf nur auf den Bereich „Spiel & Bewegung“. Wir als Mütter sollen in erster Linie beobachten. Während der Kursstunde sitzen wir am Rand und in der Mitte spielen die Kinder. Die Mitte ist der Zuständigkeitsbereich der Kursleiterin. Sie agiert mit den Kindern. Damit sich die Kinder voll und ganz auf die Bewegung und das Spiel konzentrieren können, werden die Mütter während der Stunde nicht ratschen oder Kaffeeklatsch abhalten. Auch essen sollten die Kinder während der einen Stunde nicht, damit essen und spielen nicht miteinander vermischt wird. Solche klare Ansagen kannte ich bisher aus anderen Kursen nicht und finde das völlig okay so.

Ich bin wirklich gespannt auf den Kurs und freue mich schon sehr auf Mittwoch, wenn es los geht. Ich werde auf jeden Fall berichten.

 

04Apr/15

Mein neues Leben dank Offline-Modus

„Unsere Verabredung mit dem Leben findet im gegenwärtigen Augenblick statt. Und der Treffpunkt ist genau da, wo wir uns gerade befinden.“ 

Siddharta Gautama

Vor einiger Zeit hatte ich hier darüber geschrieben, dass ich die Nutzung von Twitter zurückfahre. Seit dieser Zeit hat sich aber nicht nur meine Einstellung zu Twitter geändert, sondern auch zu Facebook, Instagram und diversen anderen früher viel frequentierten Webseite.

Von Zero to Hero 

Früher war ich immer online. Im Minutentakt habe ich mein iPhone gecheckt: Nach Mails, Twitter und Facebook Notifications oder Instagram Likes. Mit früher meinte ich noch vor einigen Wochen. Irgendwann merkte ich das es sich zu einem Zwang entwickelt hatte. Ich muss nicht sagen, dass ca. 90% der Tweets in meiner Timeline keinen Mehrwert für mich hatten und ich ob einiger degenerierter User einfach nur die Augen rollen konnte. Ich muss auch nicht erwähnen, dass mir die „Freunde“ auf Facebook auf den Wecker gingen, die entweder immer irgendeinen Weltverbesserungsscheiß, sinnlose Witzbilder oder den neuen 911er gepostet haben. Alles Content der mir in meiner aktuellen Situation als Mutter eines sieben Monate alten Babys nutzlos erschienen. Nein, ich hatte irgendwann die Schnauze voll. Ich war spazieren und schob mit der einen Hand den Kinderwagen und mit der anderen machte ich Fotos vom supertollen München, nur um diese dann später auf Instagram hochzuladen. Ich war nicht unglücklich mit meinem Leben, aber mein Verhalten nervte mich immer mehr.

Und dann lass ich zufällig auf Brigitte (das eine mal im Jahr) einen Artikel von Regina  Tödter mit der Headline „Ich besitze nur noch 300 Dinge und fühle mich richtig reich“.   Und auf einmal wurde mir klar, dass ich so unzufrieden war, weil ich das Gefühl hatte, mein Leben vermüllt gerade. Das liegt aber nicht nur an den sozialen Netzwerken oder dem sinnlosen Surfen durch das WWW. Nein das liegt auch an überfüllten Kleiderschränken, vollgestopften Schubladen und nie enden wollenden Aufräumaktionen. Ich fühlte mich getrieben von meinen eigenen Besitzgütern und meiner Onlinepräsenz, so getrieben, dass ich allein vom Öffnen bestimmter Apps schon schlechte Laune bekam. Ich fragte mich wirklich zum ersten Mal: Will ich das wirklich? Will ich mein Leben wirklich mit so einem Scheiß verbringen? Ich habe jeden Tag 24 Stunden, jede Sekunde, die ich verschwende ist unwiederbringlich verloren. Ich wägte ab, ob der Nutzen von Twitter und Facebook so hoch ist, dass ich es mit meinem Gewissen vereinbaren konnte, mich beim Spielen nicht zu 100 % auf meinen Sohn zu konzentrieren. Und ich konnte es natürlich nicht!

Twitter, iPhone und der Kleiderschrank

Nach dem mir klar wurde, dass ich so nicht weitermachen konnte, wenn ich mich als Mutter mit bestem Gewissen um meinen Sohn kümmern bzw. meinen Sohn aufwachsen sehen möchte, entschied ich erst die Nutzung von Twitter runterzufahren – aktuell liegt sie faktisch bei Null. Erwartungsgemäß fehlt mir Twitter nicht wirklich. Danach fing ich an die zeitfressenden Apps von meinem iPhone zu löschen und wichtige Apps in Ordnern zu bündeln. Ziel war es, nicht mehr als eine Seite für die ganzen Apps in Anspruch zu nehmen.

Danach ging es offline weiter und ich habe den ersten Teil meines Kleiderschrankes ausgemistet. Auch wenn die Handtaschen und Schuhe noch nicht dabei waren, so habe ich doch schon 2 riesige Müllsäcke vollbekommen. Der Kleiderschrank ist jetzt übersichtlicher, aber die Handtaschen lauern noch im Schrank. Schuhe und Handtaschen sind mein nächstes Projekt.

Doch nicht nur im Kleiderschrank habe ich Platz gemacht. Mein Freund hat einen kleinen Tischscanner gekauft, der super in eine Schublade passt. An einem verregneten Wochenende habe ich vier fette Ordner einfach weggescannt. Den Rest hebe ich auf, da noch einige Steuererklärungen offen sind. Aber vier Ordner einfach nicht mehr im Regal zu haben und Platz für die Spielsachen für unseren Sohn zu schaffen, war ein tolles Gefühl.

Ich fühlte mich nicht nur wohler mit mehr Platz, sondern langsam verloren auch Facebook und Instagram an Bedeutung. Auch das ziellose Surfen auf Smartphone und Macbook verlor seinen Reiz (wenn es den je gegeben hat). Mir wurde klar, dass ich keine Blogs lesen musste, denn was sollte ich denn von anderen Müttern lernen. Aktuell screene ich selbst die Montessori Gruppen auf Facebook nur noch sehr selten bis gar nicht und fühle mich darum nicht wirklich dumm.

Einzig und allein Pinterest ist noch eine App, die ich regelmäßig nutze. Die nutze ich gern und ich freue mich über den tollen Content und die vielen Inspirationen vorwiegend aus dem englischsprachigen Raum.

Mehr Zeit für mich und uns

Jetzt, wo ich mein iPhone oft liegen lasse oder mein Macbook gar nicht erst starte, merke ich, wie viel Zeit ich eigentlich habe. Zeit, die ich anderweitig nutzten kann. Ich kann tolle neue Rezepte ausprobieren und mit meinem Sohn viel Spaß in der Küche habe. Ich kann ohne schlechtes Gewissen über einen noch zu schreibenden Blogbeitrag im Wohnzimmer dem Kleinen stundenlang beim Spielen zu schauen und ihn, seine Bewegungen, sein Handeln und sein Ich-sein beobachten. Den Nachmittag können wir uns entspannt ins Schlafzimmer legen und auch mal zwei Stunden dösen oder er schläft und ich liege neben ihm und lese.

Auch mit meinem Freund sind die Abende entspannter. Da wir beide, Gott seis gedankt, keine Fernsehliebhaber sind, nutzen wir die Zeit für Gespräche oder jeder liest in Büchern oder Magazinen. Es ist so eine Ruhe, die ich vorher vermisst habe.

Ich selbst empfinde jetzt auch die Zeit als mehr, was natürlich dumm ist, denn 24 Stunden bleiben 24 Stunden, aber der Inhalt ist qualitativ hochwertiger. Bei Spaziergängen habe ich mein iPhone immer dabei, aber ich mache kaum noch Fotos. Nein, ich geniesse die Zeit, das tolle Wetter, die Spaziergänge an der Isar. Es fühlt sich alles so viel besser an und manchmal bin ich neidisch auf die Leute, die ihr Leben komplett ohne Digitalisierung leben.

Fokus, Fokus, Fokus

So wie ich jetzt lebe, so bin ich glücklich. Doch meine Reise zu mehr Lebensqualität geht weiter. Ich werde weiter Richtung Reduktion gehen und Dinge, die mich betreffen und für mich überflüssig sind, reduzieren. Ich werde nun ein paar Wochen auf die Rohkost Ernährung wechseln, wieder Sport machen und die restliche Zeit für mich, meinen Freund und meinen Sohn nutzen. Ich werde mich wie in den letzten Wochen mehr mit anderen treffen und das Leben da draußen einfach genießen. Wir alle haben nur 24 Stunden und jeder von uns hat es in der Hand, wie die 24 Stunden zu gestalten sind.