Yearly Archives: 2015

29Nov/15

Konsumauszeit: Der minimalisierte Adventskranz

Minimalisierter AdventskranzHeute haben wir den 1. Advent und auch wenn wir das Jahr über den Minimalismus für uns entdeckt haben, so möchte ich doch etwas Weihnachtsstimmung in der Wohnung haben.

Darum habe ich gestern einen Adventskranz gemacht und unser Wohnzimmer dekoriert. Da wir letztes Jahr relativ viel Deko eingekauft haben, war mir wichtig, dass ich mit der vorhandenen auskommen muss – auch beim Adventskranz.

Also entschied ich mich für die Weihnachtskugeln-Kerzen-Variante. Die ist sehr schlicht und passt damit super zu unserem sonstigen Wohnkonzept. Zum Glück hatte ich noch genau vier Kerzen da, sodass ich hier nicht auf Teelichter umsteigen musste. 🙂

Die Lichterkette für den Weihnachtsbaum haben wir jetzt einfach schon mal an unserem Fenster in Betrieb genommen und neben einem Nussknacker hier und einem Räuchermännchen da, war es das auch schon in Sachen „Weihnachtsdekoration“.

Heute saß ich im Wohnzimmer, habe gelesen, die Lichterkette brannte und ich fühlte mich einfach glücklich. Alles ist sauber und aufgeräumt und in mir kehrt langsam die vorweihnachtliche Ruhe ein.

Viel hat sich dieses Jahr getan, sehr haben wir uns als Familie verändert. Gerade unsere Art zu konsumieren oder zu essen ist so verschieden zum letzten Jahr. Ich weiß, dass wir unseren Weg weitergehen werden, aber auf das, was wir jetzt schon erreicht haben – und dazu gehört auch die Stärke NEIN zu einem Adventskalender zu sagen, keinen Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt zu trinken und keine spontanen Hamsterkäufe in den Weihnachtsdeko- und -süßigkeitenregalen der hiesigen Supermärkte.

In diesem Sinne: Auf eine nachhaltige, wohl bedachte Vorweihnachtszeit 🙂

28Nov/15

Konsumauszeit: Kein Adventskalender in 2015

Gestern habe ich beschlossen: Bei uns gibt es dieses Jahr keinen Adventskalender. Weder einen selbstgebastelten, noch einen gekauften. Ich glaube, dass ich die Energie und die Zeit die ich das Basteln eines solchen investieren würde, besser anderweitig nutzen kann. Zudem glaube ich, dass es meinem 15 Monate alten Sohn gelinde gesagt Scheiß egal ist, ob er nun jeden Morgen ein Kästen oder ein Tütchen öffnen kann oder nicht.

Noch im Oktober war ich der festen Überzeugung einen tollen Kalender zu basteln. Dann erfuhr ich von der Konsumauszeit Challenge, die den ganzen November dauert und beschloss einen ganz einfachen Kalender zu basteln. Mit Tüten aus Butterbrotpapier und das ich nur vorhandenes Material für die Gestaltung des Kalenders verwenden würde. Als Inhalt hätte ich nur Süßes genommen. Aber je weiter die Challenge voran schritt, desto dämlicher fand ich die Idee mit dem Adventskalender.

Gestern, am Black Friday, entschied ich mich, dass ein Adventskalender für mich nur sinnlose Geldverschwendung ist. Nächstes Jahr werde ich das wahrscheinlich anders sehen, denn dann ist Nepo ja schon über 2 Jahre alt, aber aktuell?

Ich habe in den letzten Tagen auch viele stolze Instagram und Pinterest Beiträge von Müttern gesehen und wie viel Arbeit sie sich machen und was sie alles kaufen und muss ehrlich sagen: Neee, nicht für mich. Ich kann Mütter verstehen, die da viel Arbeit und Geld reinstecken und sorry, es ist viel Geld. Wenn nur jedes Teil einen Euro kostet, dann macht das bei 24 Teilen 24 Euro. Hinzu kommt noch das Gestaltungsmaterial. Bei mir kosteten letztes Jahr allein die Tüten (immerhin die Nummern waren dabei) 16 Euro, dann noch die Inhalte, da waren wir locker über 50 Euro. Über 50 Euro für einen Adventskalender! Da kann ich ja in meinem geliebten Café Glanz über 20 Mal Mittagessen und habe danach nicht 24 neue Teile in der Wohnung rumfliegen.

Ich liebe meinen Sohn und ich freue mich wahnsinnig auf Weihnachten mit ihm, aber er ist eben erst 15 Monate und hat im Moment wohl dringendere Bedürfnisse, als das tägliche Türchen öffnen.

Ein weiterer Faktor ist, dass mein Freund und ich ab 1. Dezember die Paleo Challenge machen wollen. Okay, bin jetzt wirklich kein Veganer mehr, aber im Moment finde ich Getreide schlimmer als unbearbeitetes Biofleisch. Und neben der Challenge möchte ich mich mehr um meinen Blog kümmern und diese Zeit- und Launefresser Facebook, Instagram oder Twitter einfach mal ausblenden. Für 30 Tage möchte ich nur auf meinem Blog schreiben und andere Minimalismus Blogs anschauen.

Ja, ich muss jetzt wieder einiges geregelt kriegen im Leben, auch wenn die Vorweihnachtszeit so überhaupt nicht die passende Zeit ist. Aber irgendwas ist eben immer. 🙂

 

21Nov/15

Buchempfehlung: Hochsensible Mütter von Brigitte Schorr

In den letzten Tagen habe ich mich in das Thema „Hochsensibilität“ eingelesen. Meine Kraft und meine Geduld gehen gerade in meiner Funktion als Mutter der Neige entgegen. Also besorgte ich mir in der Bibliothek „Hochsensible Mütter“ von Brigitte Schorr. Ich bin begeistert von dem Buch und möchte es jeder Mutter empfehlen, die das Gefühl hat hochsensibel zu sein.

Damit ich auch eine gute Erinnerung an das Buch habe, fasse ich hier mal die wichtigsten Inhalte und Erkenntnisse zusammen. Mein Empfinden und meine Gedanken verschwimmen etwas mit dem Inhalt, aber ich denke es ist nur authentisch das mit dazu zu packen, schließlich bin ich ja mit der Hochsensibilität „gesegnet“ und möchte die Welt mit meinen Gefühlsdussel bereichern. Continue reading “Buchempfehlung: Hochsensible Mütter von Brigitte Schorr” »

16Nov/15

Tierpark, Thalia und TÜV: Unsere Konsumwoche im Rückblick

Schon wieder liegt eine Woche Konsumauszeit hinter uns. Es war für mich eine anstrengende Woche, was nicht am Konsumverzicht liegt, sondern der damit entstehenden Zeit für Gedanken und der Überlegung, was wir nun mit unserer Zeit anfangen. Zudem muss ich leider sagen, dass mir das Wetter dank meiner Hochsensibilität zu schaffen macht. Es ist einfach zu warm, denn ich bin gedanklich im November. Mein Körper ist auf mieses Wetter, Dauerregen und kalte Temperaturen eingestellt. Ich wünsche mir seit Tagen, dass es endlich November wird, damit ich mal mit dem Kleinen zuhause bleiben kann, Plätzchen backe oder mit ihm seine Stifte ausprobiere, die er geschenkt bekommen hat. Und was ist: Jeden Tag Sonne, jeden Tag die Pflicht nach draußen zu gehen, jeden Tag Kopfschmerzen, jeden Tag Unwohlsein, Hitzewallung und eine Niedergeschlagenheit, die ich sonst nur im Hochsommer kenne.

Ja, ich bin ein Herbst- und Wintermensch. Ich brauche nicht viel Sonne um glücklich zu sein. Ich arbeite am effizientesten, wenn es draußen regnet und ich drinnen Klassikradio hören kann. Wenn ich mir tagsüber Kerzen anzünden kann und lecker Chai trinke, dann bin ich glücklich. Das aktuelle Wetter ist wirklich anstrengend für mich, obwohl ich auch gern mit Nepo an der frischen Luft bin.

Doch kommen wir jetzt zu unserer Woche im Rückblick:

Montag – der Tag im Tierpark

Den Montag haben Nepo und ich fast nur an der frischen Luft verbracht. Ich habe mir im Mai eine Jahreskarte für den Tierpark Hellabrunn geholt und da das Wetter so schön war, sind wir zum Zoo gelaufen, haben dort ein paar wunderschöne Stunden verbracht und sind dann wieder zurückgelaufen. Der Weg führt von uns direkt an der Isar entlang bis nach Thalkirchen zum Zoo. Da der Kleine oft laufen wollte, hat allein der Hinweg ca. 2 Stunden gedauert, aber das ist auch egal, wenn man in Elternzeit ist. Im Zoo fand er dann allerdings nur die Wölfe, Bisons und Wildpferde spannend. Während er den Strauß bestaunt hat, konnte ich ihn füttern. Affen, Erdmännchen und Giraffen fand er hingegen eher langweilig und lief lieber einem Vater und seiner Tochter hinterher oder erfreute sich am umher fliegendem Laub.

Nachdem er dann in seinen Mittagsschlaf gefallen war, ich den kompletten Zoo durchquert hatte, ging es zurück Richtung Haidhausen. Nachdem er wieder wach war, blieben wir noch auf zwei Spielplätzen und genossen die Ruhe und Einsamkeit. Ein Spielplatz nur für sich allein zu haben, ist ein Segen für mich, die keine Lust auf Konversation mit anderen Müttern hat.

Es war ein toller Tag und es war der erste Tag seit vielen Wochen und Monaten an dem ich gar kein Geld ausgegeben habe. Morgens hatte ich das ganze Essen und Trinken für den Tag vorbereitet und so mussten wir unterwegs nichts kaufen. Auch ein Coffee to go reizte mich an dem Tag nicht. Ich wollte irgendwie mit keinem Menschen was zu tun haben, auch nicht, wenn es nur der Kontakt im Rahmen des Bezahlvorgangs gewesen wäre.

Dienstag

Am Dienstag fing der Tag wieder mit einem Ausflug über den Markt am Weißenburger Platz an, hin zur offenen Kinderbetreuung im Café Glanz. Dort fühle ich mich wohl, kann der Betreuerin meine Sorgen und Bedenken bei Nepos Verhalten und habe das Gefühl, dass ich hier auch Hilfe bekomme bzw. kann mit den Tipps auch etwas anfangen. Aktuell ist es bei uns so, dass Nepo keinen Bock auf Baden oder sonstigen Kontakt mit Wasser hat. Er schreit, wenn ich nur die Wanne hole oder mit dem Waschlappen auf ihn zukomme. Seit zwei Wochen gibt es bei uns nur noch Katzenwäsche oder gar kein Wasser. Aber was ist schon die Waschverweigerung, gegen den seit kurzem wieder täglichem Kampf des „Zu Bett Gehens“. Naja, gehört jetzt hier nicht hin, darum geht es weiter mit unserem Dienstag.

Da ich jetzt wieder gern gesund essen möchte, waren wir fleißig Obst und Gemüse im Biomarkt kaufen. Dabei musste ich leider feststellen, dass meine EC-Karte, die ich erst Ende 2014 erhalten habe, nicht mehr richtig funktioniert. Geld abheben ging nicht, mit Karte zahlen funktionierte auch erst beim 4. Anlauf mit PIN. Mir sind solche Situationen immer sehr unangenehm, weil ich immer denke, dass die Leute der Meinung sind, ich hätte kein Geld, wäre zu doof oder sonst was. Also beschloss ich am nächsten Tag zur Bank zu gehen und mir eine neue Karte zu beantragen.

Mittwoch

Mittwoch ist immer Spiel- und Bewegraum angesagt. Das ist der entspannteste Kurs, den ich bisher mit Nepo besucht habe. Das die Mütter am Rand sitzen und die Kinder einfach machen lassen, ist für mich wie Erholung. Keiner spricht, alle beobachten und mir geht es gut.

Diesen Mittwoch war Nepo nicht so gut drauf, eigentlich ist er seit Tagen nicht gut drauf, motzt rum, jammert rum, erwartet von mir, dass ich ihm alles bringe, aufschraube und den Entertainer für ihn spiele. Ich habe gelinde gesagt dazu keine Lust, zumal ich bemerke, dass er Dinge nicht mehr macht, die er vorher gemacht hat. Wenn ich ihn ignoriere, fühle ich mich nicht gut, wenn ich nach seiner Pfeife tanze fühle ich mich allerdings auch nicht gut.

Aktuell ist alles anstrengend für mich und ich merke, dass meine Energiereserveren am Ende sind. Wenn er mal wieder ohne Ende jammert, frage ich mich, warum ich ihn nicht einfach in die Kinderkrippe „abschiebe“. Dann denke ich immer an die Erzieher, die ich da durch Haidhausen schleichen sehe und mir wird schlecht, bei dem Gedanken, dass sie mein Kind anraunzen. Also versuche ich den Tag für uns beide so angenehm wie möglich zu gestalten und hoffe, dass meine Energie irgendwann wieder zurück kommt.

Am Abend waren Nepo und ich noch beim Martinsumzug. Obwohl wir einen LED Laternenstab von einer Freundin geschenkt bekommen haben, sind wir ohne Laterne hingegangen. Nepo sitzt noch im Kinderwagen und ich habe nicht eingesehen extra eine Laterne zu kaufen. Nicht in der Zeit, in der ich so kritisch über Konsum nachdenke. Ich selbst muss sagen, dass ich dieses Schaulaufen von selbstgebastelten Lampen mit teilweise mehrfarbig blinkenden LEDs gelinde gesagt zum Kotzen fand. Auch den Vorsänger mit seinem Megafon fand ich total übertrieben. Ehrlich gesagt, haben die meisten, wie bei Weihnachten, nicht kapiert, worum es an diesem Tag eigentlich geht und worin sein Ursprung lag, denn der lag sicher nicht daran, dass irgendein Heiliger mit einer Einhorn-Laterne mit blinkendem LED durch die Gegend geeiert ist und das nachsang, was der Oberjogi mit dem Megaphon voran angibt.

Ich finde den Martinsumzug immer noch eine schöne Idee für Kinder und so sollte er auch gehalten werden. Ich würde nächstes Jahr mit Nepo gern eine minimal verzierte Lampe mit einer echten Kerze geben. Aber ich muss mich beugen, wenn ich nicht von den anderen Müttern als „verantwortungslos“ gesehen werden möchte. Selbst ich als hochsensible Mutter denke nicht, dass Nepo nachhaltig geschädigt wird, wenn ihm die Laterne abfackelt, weil er zu sehr gewackelt hat oder sie auf den Boden geschmissen hat. Nein, dass wäre nur ein klarer Fall von Aktion und Reaktion.

Donnerstag

Am Donnerstag hatte mein Freund frei und wir nutzten den Tag, um nach Augsburg zu fahren, damit sein Auto TÜV bekommt und die Wartung durchgeführt werden konnte. Der Weg aus München heraus war sehr zäh und wir brauchten eine Stunde um auf die Autobahn zu gelangen. Ich hatte Zeit genug, um in andere Autos reinzuschauen und es ist absurd, dass in jedem Auto nur eine Person sitzt. Viele verbinden mit dem Autos Flexibilität und stehen dann doch jeden Tag ewig lang im Stau und verschwenden ihre Zeit, denn was anderes ausser bremsen, Gas geben und eventuell telefonieren können sie ja nicht machen.

Nach ca. 1,45 h und einem Schreikampf von Nepo waren wir dann in Augsburg. Haben das Auto abgegeben und uns zum Frühstück mit den Großeltern getroffen. Danach sind wir noch durch die Altstadt geschlendert und zum Thalia, weil die Oma eine tolle Holzrutsche in der Kinderabteilung gesehen hat. Wir waren mindestens 30 Minuten in dem Laden und haben Nepo rutschen und sich in die Holzlok setzen lassen. Mein Freund hat mit seinem Vater gerettet, die Oma auf den Kleinen aufgepasst und ich bin an den Regalen entlang gegangen.

Und als ich da so vor den Regalen stand, fiel mir auf, dass ich mit meinem aktuellen Gedankenstand zum Thema Konsum nie, nie DAS richtige kaufen könnte. Schon an der Kasse würde ich bei einem Gesellschaftsspiel zweifeln, ob es wirklich das richtige ist, oder ob ich doch lieber ein anderes genommen hätte. Es gab so viele Spiele, Kinderbücher und Holzspielzeuge, dass ich komplett überstimuliert war. Ich wusste nicht, welches der fünf Bücher von „Meine ersten Tiere“ jetzt das richtige gewesen, welches der 20 „Gute Nachtgeschichten für Kleine“ am passendsten für Nepo wäre. Ich war schlichtweg überfordert, genervt und wirklich handlungsunfähig. Das schlimmste was jemand in diesem Moment gesagt hätte: Such dir was schönes aus, ich bezahle. Das wäre seit langem die hilfloseste Situation gewesen, in der ich mich befunden hätte. Das hat natürlich nichts mit dem Angebot bei Thalia oder mit dem Laden an sich zu tun, dass wäre mir in jedem anderen Laden auch so gegangen. Nein es liegt daran, dass mein Kopf seit der Konsumauszeit ständig arbeitet und ich ihn nicht einfach mit irgendeinem Kauf ruhig stellen kann. Das ist vielleicht auch der Grund warum ich ständig so müde und erschöpft bin. Ständig denke ich nach überlege und und und.

Mich haben die Erlebnisse in dem Laden und die ganzen Eindrücke so angestrengt, dass ich froh war, als wir in Richtung der Wohnung von den Großeltern aufbrachen. Wir entschieden uns wieder für die Straßenbahn. Leider fuhr gerade ein altes Modell ein und es war uns zu dritt nicht möglich den Kinderwagen in diese scheiß Bahn zu hieven. Ich war so genervt in dem Moment, wie es im Jahr 2015 in der Bundesrepublik Deutschland sein kann, dass Mütter mit ihren Kinderwägen und übrigens dann auch Rollstuhlfahrer nicht mit der Bahn fahren können, weil sie leider einen Kinderwagen haben, der ca. 1 cm zu breit ist und sie die 3 Stufen nicht hochheben konnten. So viel zum Thema: Früher war alles besser. Naja, die nächste Bahn konnten wir dann nutzen, liefen noch beim Bäcker vorbei und gingen dann zur Wohnung. In der Wohnung baute die Oma dann schnell alles für Nepo auf und er befasste sich wieder mit voller Leidenschaft mit Omas Wäschklammern, einer Schaufel und zwei Behältern in die er die Klammern schütten konnte. Der Kleine braucht nicht viel, um sich zu beschäftigen. Sodass wir in Ruhe Kaffee trinken konnten. Gegen 18 Uhr verabschiedeten wir uns und fuhren wieder nach München.

Freitag

Den Freitag hatte mein Freund auch noch frei und so gingen wir gemeinsam zum Kinderarzt, wo Nepo seine letzte, letzte Impfung erhielt. Vorher machten wir einen Stopp beim neu eröffneten Erbils, der den besten veganen Döner verkauft, den ich bisher gegessen habe. Nach dem Arzt liefen wir Richtung Isar durch den Englischen Garten am Chinesischen Turm vorbei in Richtung Leopoldstraße. Dort suchten wir den Laden „Kunst & Spiel“ auf. Eigentlich hätte ich Nepo gern etwas für die überstandene Impfserie gekauft, aber selbst bei dem unzähligen Holzspielzeug fand ich nichts, dass einen Kauf wert gewesen wäre. Sicher die Holzbanane für 7,90 Euro oder die Lauchzwiebeln aus Holz für 17,90 Euro wären toll gewesen, aber ich sehnte mich plötzlich nach einem Flohmarkt auf dem man das gebraucht kaufen kann. Das Gefühl hat, ein anderes Kind hatte damit schon Freude und gibt es nun an uns weiter.

Ihr seht, ich bin aktuell wirklich nicht in der Lage irgendwas zu kaufen, was nicht mit Lebensmitteln zu tun hat.

Danach gingen wir noch etwas durch Schwabing spazieren und gönnten uns einen wirklich leckeren Blaubeerkuchen in der Kuchenwerkstatt. Gleichzeitig merkten wir, dass wir überhaupt nicht kompatibel mit dem Stadtteil Schwabing waren und uns nur in Haidhausen, dass ja leicht öko ist, wohl fühlten.

Bevor wir in die Stadt liefen, machten wir übrigens noch einen Abstecher in die Bibliothek, wo ich mein bestelltes Buch über „Hochsensible Mütter“ abholte. Der Luxus hat mich 1,25 Euro gekostet, aber die Tatsache, dass ich mir Bücher aus anderen Bibliotheken der Stadt aussuchen kann und sie nicht mal einen Tag später bei mir ums Eck abholen kann, finde ich noch praktischer als Amazon. Ausserdem gebe ich die Bücher ja wieder ab und sie belasten mich nicht durch ihre bloße Anwesenheit.

Zurück zu unserem Freitag: Nach dem Kuchen liefen wir über die Ludwigstraße, den Odeonsplatz und die Maximilianstraße zurück nach Hause. Ohne irgendwas gekauft zu haben, denn die Ausgaben hatten wir nur beim Essen und der Bibliothek.

Samstag

Den Samstagvormittag verbrachten wir mit einkaufen. Wir überlegten uns zuhause, was wir kochen wollten, schrieben einen Einkaufszettel und den arbeiteten wir ab – ohne irgendwas anderes zu kaufen. Uns beiden fiel das nicht schwer, weil wir so mit unseren Rezepten beschäftigt waren, dass wir wohl einen Tunnelblick hatten.

Am Nachmittag trafen wir dann noch eine Freundin auf einen Kaffee und ein Tiramisu. Anschließend spazierten wir mit ihr noch an der Isar entlang und liefen dann wieder nach Hause. Ich habe mir zuhause dann abends noch Paleo Pancakes gemacht und bin um 19:00 Uhr ins Bett gegangen.

In dieser Woche sind wir oft früh ins Bett gegangen, weil Nepo immer nicht schlafen wollte und wir ihn quasi in den Schlaf flankiert haben. Eine sehr, sehr unbefriedigende Situation für mich bzw. für uns beide.

Sonntag

Den Sonntag beschlossen wir nichts zu machen. Ich habe gewischt und Wäsche gewaschen, wir beiden haben gekocht und Zeit mit Nepo verbracht. Ich habe viel in dem ausgeliehenem Buch gelesen und noch mehr über mich und mein Leben nachgedacht.

Und so verging der Sonntag ohne besondere Ereignisse. Und nun sitze ich hier am Montag am Rechner statt im Fitnessstudio. Die Sonne geht auf und ich geniesse einfach die Ruhe, die ich jetzt noch habe, wenn beide schlafen.

In diesem Sinne: Einen wunderschönen Start in die Woche 🙂

Alles Liebe

Mareike

09Nov/15

Konsumauszeit: Meine Woche im Rückblick

Nach einem wundervollen, sonnigen und ungewohnt warmen Sonntag an der frischen Luft, ist es nun Zeit die Woche nochmal Revue passieren zu lassen.

Wie erging es mir in dieser Woche?

Vielleicht liegt es an der vielen frischen Luft, aber ich muss sagen, mir erging es diese Woche sehr, sehr gut. Okay, es gab den schlimmen Start mit dem defekten iPhone 6 und dann zur Mitte der Woche einen kaputten Wintermantel und eine gebrochene Schublade, aber das waren die schlimmsten Sachen an die ich mich erinnern kann. Dafür habe ich einen wunderbaren Indoor Spielplatz kennengelernt, war am Freitag mit Mann und Kind auf der Kochbuch Vernissage im Café Glanz, gestern zu Besuch bei einer lieben Freundin, die vor wenigen Wochen ihr zweites Kind auf die Welt gebracht hat und heute haben wir endlich die Hermannsdorfer Landwerkstätten besucht und einen wundervollen Rundgang um das naheliegende Glonn gemacht.

Alles in allem hatte ich eine wundervolle Woche. Sicher gab es einige Situationen, wo ich ohne die Challenge unnötig Geld ausgegeben hätte, aber einen Verzicht habe ich rein gar nicht gemerkt. Im Gegenteil: Ich denke über viele Sachen jetzt viel intensiver nach und lache über mich, dass ich noch vor wenigen Monaten geweint hätte, wenn mir der Mitarbeiter der Phoneklinik gesagt hätte, dass mein iPhone irreparabel ist. Jetzt ist es mir fast schon egal und ich lebe mit meinem, um viele Apps abgespeckten iPhone 5.

Ich bin zufriedener geworden und merke, dass ich in Summe entspannter bin, wenn ich wirklich nur das kaufe, was wir auch benötigen und nicht noch hier und da was mit in den Wagen packe. Ich schaue auch gerade in keine Schaufenster, dafür umso mehr in die Gesichter der Leute die um mich herum sind und das sind in München doch so einige. Während ich früher mit tausenden Themen beschäftigt war und selbst mit Nepo einen Tunnelblick habe, bin ich jetzt gelassener und nehme mein Umfeld viel intensiver war.

Was nehme ich aus dieser Woche mit?

Gerade die Glücksmomente im Indoor Spielplatz, dem abendlichen Spaziergang oder vom Besuch der Hermannsdorfer Landwerkstätten haben mir deutlich gemacht, dass es keiner großen Dinge bedarf, um glücklich zu sein.

Das Konsum nicht glücklich macht, weiß ich nun schon eine Weile. Das ich aber so viel entspannter bin, wenn ich einfach nur geniesse ohne den Zwang jetzt in einen Laden zu gehen, um irgendwas zu kaufen, hätte ich nicht gedacht.

Die vergangene Woche hat mir gezeigt, dass auch Konsum nur eine Routine ist. Wir gehen am Samstag in die Stadt oder zu IKEA shoppen, weil wir es schon seit Ewigkeiten so machen. Wir gehen jedes Mal irgendwas kaufen, weil wir gerade in der Stadt sind oder kaufen in Läden mehr, als wir brauchen, weil wir es eben immer schon so gemacht haben und es uns mit Verlaub auch leisten können. Dank der Billiganbieter und 1-Euro-Shops tut der Kauf auch nicht mehr weh, weil es ja nur ein paar Euro sind, die wir ausgeben. Auch ich war die Woche bei Tchibo, bei dm, bei Butlers oder bei Tengelmann und natürlich ist die Verlockung groß, aber wenn man sich etwas Zeit nimmt, an die Challenge denkt und sich ehrlich fragt: Brauche ich dieses Produkt wirklich? Dann glaube ich, dass viele sagen würden: Ähm, nein. Manche kaufen es trotzdem und manche kaufen es nicht. Ich bin bis auf den dm bei allen Läden wieder rausgegangen, ohne was zu kaufen, weil ich entweder nur schauen wollte oder nicht das gefunden habe, was ich gesucht habe. Bei dm nahm ich auch nur die Produkte mit, die wir wirklich brauchten, weil sie alle waren.

Oja, wir stecken in so vielen Gewohnheitsschleifen drinnen, dass man sich echt als Freak vorkommt, wenn man da aussteigen möchte. Das fängt beim Essen und dem Konsum an, geht über das Verharren in nicht erfüllenden Beziehungen, über das übernehmen gängiger Erziehungsmethoden bis hin zum endlosen Fernseh- und Internetkonsum.

Und so wie ich schief angeschaut wurde, als ich Anfang des Jahres die Vegan For Fit Challenge gemacht habe, so komisch denken wahrscheinlich die Leute jetzt über mich, wenn ich sage, dass ich eine Konsumauszeit nehme. Wobei ich sagen muss, dass es den Leuten leichter fällt, wenn ich ihnen erzähle, dass ich mich vegan ernähre, als wenn ich ihnen erzähle, dass ich nun einen Monat kein nutzlosen Konsum unterstützen möchte. Bei vielen Menschen ist das sicher ein „First World Problem“. Hier kann ich aber nur aufgrund meines Voluntär-Aufenthalts in Kathmandu sagen: Nein, das was die Masse macht, ist ein „First World Problem“. Das Streben nach billigstem Essen, billigster Kleider, billigstem Spielzeug. Das Wegschmeißen von guten Lebensmitteln und die gesamte „Wegschmeiß-Mentalität“.

Die Menschen die denken dass diese Lebensweise „State of the Art“ ist, vergessen, dass sie unseren Kindern die Zukunft rauben. Doch es geht nicht nur um die Zukunft, sondern auch um die Gegenwart. Wir sind nicht umweltbewusster oder nachhaltiger. Nein, wir exportieren die Umweltverschmutzung, die miesen Arbeitsbedingungen und den Raub natürlicher Ressourcen nur in die zweite und dritte Welt. Mit jedem Kauf bei H&M, Primark oder der Billigstwurst von Wiesenhof sagen wir: Okay, i don’t fucking care! Ist mir egal, was irgendwo auf der Welt passiert. Hauptsache mir geht es gut.

Ich glaube, dass es vielen überhaupt nicht gut geht und dass sie nicht verstanden haben, dass sie nicht als Individuum zählen, auch wenn das Regierungen, internationale Konzerne und vor allem die Werbeindustrie uns immer wieder glauben lässt. Nein, sie sind verdammt dazu zu konsumieren, zu arbeiten, zu konsumieren und wieder zu arbeiten. Sicher haben sie am Wochenende Zeit sich um ihr Hobby, ihren Mercedes oder um ihr Reihenhaus zu kümmern, aber ab Montag müssen sie wieder in ihre Rolle finden. Und manchmal sieht man sie, wenn sie wie wir, in die Berge gehen. Wenn sie aus ihrem SUV aussteigen, den Bugaboo zum Landgasthof schieben und mit der Louis Vuitton Tasche, der Pelzwester, der verspiegelten RayBan Sonnenbrille die frische Landluft geniessen und rauchend und ständig am Smartphone hängend den ganzen Freundeskreis darüber informieren, wie schön es doch auf dem Land ist.

Und wenn du dann zu denen gehörst, die dieses Treiben einfach nur beobachten, weil die iPhone 5 im Auto liegt, du selbst nicht rauchst und dein größtes Highlight das Urkornrisotto ist, dann weißt du, dass du zwar immer noch in der gleichen Schleife hängst, aber dich schon Richtung Ausgang bewegst.

Ja, bis ich bei mir oder bei uns von einem durchweg nachhaltigem Leben sprechen kann, werden noch viele Konsumauszeit Challenges vergehen, aber wir sind auf einem guten Weg und vor allem sind wir glücklich dabei.

In diesem Sinne: AMEN 🙂

05Nov/15

Konsumkarma: Von der Kaputtheit der Dinge

#KonsumAuszeit-4Ich weiß nicht, ob die begeisterte Teilnahme an der #Konsumauszeit unter die Kategorie „Die Geister die ich rief, werd ich nun nicht mehr los“ fällt, aber seit ich mit der Challenge begonnen habe, häufen sich die Defekte in unserem Haushalt und Alltag.

Das defekte iPhone

Den Anfang hat am Montag mein iPhone gemacht. Nach langem hin und her, habe ich es nun in die „Phoneklinik“ gebracht. Nach eingehenden Untersuchungen war die Diagnose „irreparabel“.

Wir reden hier von einem iPhone 6, dass mich im Oktober 2014 nicht wenig Geld gekostet hat und nun sitze ich hier mit diesem schwarzem Haufen Metallschrott, mehr ist es leider nicht. Ich kämpfte in dem Reparaturladen kurz mit den Tränen, weil ich so sauer war auf Apple. Wie kann es sein, dass nach gut einem Jahr eine Spule am Mainboard durchbrennt. Als mir der Servicemitarbeiter das gesagt hat, wäre bei mir auch fast eine Sicherung durchgebrannt.

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03Nov/15

Neue Erfahrungen dank Konsumauszeit

Heute ist der Tag 3 meiner Konsumauszeit. Während ich mich die letzten beiden Tage so gar nicht mit dem Thema befassen konnte, hatte ich heute sehr viel Zeit. Der Grund hierfür liegt natürlich auch an meinem defekten iPhone, ohne das ich nun unterwegs bin.

Heute morgen ging es für Nepo und mich in die offene Kinderbetreuung des Café Glanz. Dort verbrachte ich tolle Stunden und gab das einzige Geld für heute für einen Latte Macchiato aus. Ich las die dort ausgelegte Zeitung, fütterte Nepo, unterhielt mich mit anderen Müttern und den Angestellten. Und all das ohne einmal mein Handy zu vermissen. Die Kosten für den Latte Macchiato waren auch die einzigen für heute und beliefen sich auf 2,50 Euro.

Nepos TurnlandschaftDann gingen wir zurück nach Hause, weil Nepo seinen wohlverdienten Mittagsschlaf brauchte. Das Wetter war herrlich und ich beschloss, dass ich heute sicher nicht in die Stadt zum Apple Store laufe, sondern lieber nachmittags Zeit mit Nepo auf dem Spielplatz verbringe. Da Nepo sehr lange schlief, konnte ich für ihn vorkochen, die Wohnung wischen, Wäsche ansetzen und alles sauber machen.

Dann baute ich für ihn eine kleine Turnlandschaft im Wohnzimmer auf, damit er mal durch etwas hindurch krabbeln konnte oder über verschiedene Kissen laufen kann.

Dabei habe ich mir überlegt, dass heute der perfekte Tag wäre, um das erste Mal mit Nepo joggen zu gehen. Ich habe es immer vor mir hergeschoben, weil ich nur mit Musik laufe, doch da jetzt mein iPhone kaputt war, beschloss ich nach dem Spielplatz eine Runde laufen zu gehen.

Das 1. Mal joggen mit KinderwagenIch war das erste Mal in Laufklamotten auf dem Spielplatz, was schon ein merkwürdiges Gefühl war. Nach einer Stunde im Sand buddeln, ging es dann los. Zugegeben war Nepo etwas irritiert, als der Kinderwagen plötzlich schneller wurde, aber er hatte voll Spaß dran. Er quietschte und klatschte, als wir Gefälle runterliefen und schaute links und rechts, als ich mühsam eben auch wieder Berge hochlaufen musste. Mehr als fünf Kilometer schaffte ich nicht. Es war so anstrengend, dass ich schon nach ein paar hundert Metern dachte, ich wäre bei Kilometer 30 des New York Marathon. Nie hätte ich geglaubt, dass ein Kinderwagen so einen Unterschied macht. Vielleicht war es aber auch die fehlende Musik, die sonst meinen Atem übertönt. Aber egal wie anstrengend es war, ich war einfach super glücklich und werde sicher bald wieder mit Nepo laufen gehen. 🙂

Noch letzte Woche hätte ich die Zeit nach dem Spielplatz sicher in einem Kindercafé verbracht, aber so bin ich eben gelaufen und wir beide hatten viel Spaß.

Morgen werden wir einen Indoor Spielplatz besuchen, der über Spenden finanziert wird, also keinen Eintritt kostet. Brotzeit dürfen wir mitbringen, Kaffee und Tee wird dort angeboten. Ich bin so gespannt, denn wir waren noch nie in einem Indoor Spielplatz. Ich werde morgen auf jeden Fall berichten, wie es war.

Ich wünsche euch noch einen entspannten Abend

Liebe Grüße

Mareike

02Nov/15

Wie Apple in meine Konsumauszeit reinpfuscht

Heute habe ich den zweiten Tag der Konsumauszeit „überstanden“. Es war ein Montag und ich hätte mir für das Versagen meines iPhones keinen schlechteren Moment in dieser Woche aussuchen können.

Schon vor langer Zeit hatte ich für heute einen Termin geplant. Da ich Nepo zu diesem Termin nicht mitnehmen konnte, kamen die Großeltern heute extra aus Augsburg vorbei, um für ein paar Stunden auf ihn aufzupassen. Nachdem ich also den Großeltern die wichtigsten Infos zum essen, wickeln und anziehen gegeben hatte, verließ ich die Wohnung mit dem Hinweis, dass sie mich jederzeit auf meinem Handy erreichen könnten.

Just, als ich in die U-Bahn Richtung Marienplatz stieg, hängte sich mein iPhone mal wieder auf. Also startete ich es komplett neu, woraufhin es sich gleich wieder aufhängte und ich es nicht mehr neu starten konnte. Egal was ich drücken wollte: Nichts ging mehr. Ich war so verzweifelt und sauer, am liebsten hätte ich das Scheissteil einfach in den U-Bahn-Schacht geschmissen.

Da ich bis zu meinem Termin noch Zeit hatte, ging ich kurz im Apple Store vorbei – in der Hoffnung kurzfristig Hilfe zu bekommen. Man bekommt natürlich keine Hilfe, schon gar nicht kurzfristig. Ich solle morgen wiederkommen, weil Termine für den nächsten Tag machen sie nicht. Apple geht mir schon seit einiger Zeit auf den Geist und solche grandiosen Fehlschüsse wie die Apple Watch befriedigen mich auch nicht wirklich.

Während des ganzen Termins dachte ich an mein kaputtes iPhone. Aber es war nicht die Tatsache, dass ich nicht an meine Mails, sozialen Netzwerke oder sonstigen Kram rankam. Nein, die Unerreichbarkeit für die Großeltern war für mich das unerträglichste. Ich machte mir die ganze Zeit Gedanken, weil sie mich nicht erreichen konnten und ich sie auch nicht.

Mir fiel ein, dass mein iPhone mir mein Leben so „vereinfacht“ hatte, dass ich ja noch nicht mal die Nummer meines Freundes wusste, geschweige denn die Nummer der Großeltern. Wenn mir was passieren würde, wer würde ihn kontaktieren? Es gäbe rein gar keine Möglichkeit irgendjemand zu informieren, weil ich alles digital verwaltet habe.

Ich war plötzlich so sauer auf mich, dass ich es zugelassen habe, dass mein ganzes Leben in diesem kleinen Smartphone steckte. Seit 2005 nutze ich Apple Produkte und merke erst jetzt, dass ich in diesem Universum gefangen bin. Es ist nicht Facebook oder Google, die mich im Griff haben. Nein, es ist Apple.

Wenn man die Kontrolle über sein Handy verliert und auf die Hilfe irgendwelcher Techies im Apple Store angewiesen ist, um so grundsätzliche Dinge wie Telefonnummern, Bilder oder Nachrichtenverläufe wieder herstellen zu lassen, dann sollte das einen schon mehr als nachdenklich machen. Schlimmer stelle ich mir nur den Diebstahl des iPhone vor. Wenn schmierige Finger sich an den Bildern und persönlichen Informationen von mir und meinen Liebsten zu schaffen macht, hoffe ich nur, dass Apple irgendwann den Selbstzerstörungsmodus einführt, der dann zu einer Explosion des iPhone führt und dafür sorgt, dass der Dieb nie wieder ein Handy klaut.

Ich schwankte zwischen Verärgerung über den nicht erbrachten Support des Apple Store und dem Trotz, dass iPhone einfach kaputt und nutzlos in der Schublade liegen zu lassen. Wenn ich morgen in den Store laufe, dann nur, weil ich monatlich 40 EUR an die Telekom zahle, damit ich weiter der gläserne, immerfort konsumierenden Mensch bleibe, der ich bis Anfang des Jahres war.

Vielleicht musste das heute passieren. Vielleicht musste heute am zweiten Tag meiner Konsumauszeit einer meiner wichtigsten Wegbegleiter im Alltag ausfallen, damit ich mal ordentlich über meine Abhängigkeit von digitaler Technologie nachdenke.

Als ich auf dem Heimweg war, lief ich über die Kaufingerstraße. In Bayern sind gerade Herbstferien, es ist Anfang des Monats und damit perfekte Shoppingstimmung für viele. Und so sah ich fast nur Menschen mit Tüten. Plastik oder Papier, groß oder klein, Gucci oder H&M – ich sah nur noch Konsum um herum. Doch egal in welches Schaufenster ich schaute, nichts konnte mich irgendwie erwärmen, begeistern oder zum staunen bringen. Der Verlust meines iPhone hat mich sehr zum Nachdenken gebracht.

Mein einziger Gedanke galt meinem Sohn und ob die Großeltern eine gute Zeit mit ihm hatten. Also stieg ich in die U-Bahn und flitzte an unser Haltestelle die Rolltreppen hoch. Als ich die letzte Rolltreppe zur Oberfläche hochlief, kamen die drei gerade die Straße entlang gelaufen. Ich habe den Kleinen sofort gesehen und er mich. Es war so wunderbar und so überraschend. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass man sich ohne Absprache am U-Bahn Ausgang trifft, obwohl die Planung der Großeltern doch eine ganz andere war. Sie freuten sich mich zu sehen und erzählten mir, wie problemlos doch alles lief und wie sie zwei Stunden mit ihm gespielt hatten. Nepo grinste die ganze Zeit hinter seinem Schnuller und plötzlich war mein iPhone das unwichtigste auf dieser Welt.

Zu viert setzten wir ihren Weg fort und spazierten durch unser Viertel, genossen den strahlendblauen Himmel und hatten einfach einen wunderschönen Tag. Als sie am Abend dann wieder gingen, blieb ich mit Nepo allein und spielte mit ihm noch voller Freude mit seinen kleinen Matchbox Autos, der Pappgarage und dem bunten Regenbogen, den er zur Taufe geschenkt bekommen hat. Ich genoss die Zeit ohne Zwang auf mein iPhone zu schauen. Der Abend war der entspannteste seit langem und ich beschloss, dass ich für die Dauer der Reparatur kein Ersatz iPhone benötigte, sondern einfach mein altes verwendete. Mein altes, klappriges iPhone – ohne Apps, ohne Musik – einfach nur für die Erreichbarkeit und die Möglichkeit meinen Freund im Notfall zu erreichen.

Das war mein zweiter Tag der #Konsumauszeit. Ich bin sehr gespannt was die nächsten Tage bringen werden und was noch kaputt gehen wird. 🙂

In diesem Sinne: Einen nachhaltigen Abend für Euch.

01Nov/15

Zwischen Katerstimmung und Konsumauszeit

Heute vor einem Jahr bin ich den New York Marathon gelaufen. Das jetzige Wochenende war von sportlichen Leistungen Lichtjahre entfernt, dennoch war es ein ganz besonderes.

Freitag

Am Freitag hatte ich zum ersten Mal seit der Schwangerschaft einen richtigen Mädelsabend mit meinen zwei Freundinnen. Es war wunderbar einfach mal wieder abzuschalten und es krachen zu lassen. Trotz einiger herrlicher Stunden in meiner Lieblingsbar, dem Roy. Das vor einigen Jahren noch mein zweites Zuhause war, muss ich jetzt im Nachgang sagen, dass die Zeiten irgendwie vorbei sind. Es war witzig, aber ich habe nicht das Gefühl, dass ich im Münchner Nachtleben etwas verpasse. Der letzte Samstagabend, als ich für Nepo eine Parkgarage aus Karton gebastelt habe, ist jetzt eher meins und macht mich glücklich. Ich freue mich zwar jetzt schon auf den nächsten Mädelsabend, aber wenn wir es nur einmal pro Jahr schaffen, dann ist das auch fein für mich. Solange wir dann häufiger alkoholfreien Kaffee oder grünen Tee trinken, bin ich glücklich. 😉

Samstag

Der Start in den Samstag war gelinde gesagt ne Vollkatastrophe. Ich hatte auf dem Sofa übernachtet, weil Nepo ja in unserem Bett schläft und ich beide a) nachts mit meinem Gestolpere nicht wecken wollte und b) ich nie im gleichen Bett wie Nepo schlafen würde, wenn ich Alkohol getrunken habe. Da beide früh ins Bett sind, waren sie morgens um sieben Uhr schon wach. Ich auch, naja, ich war da. Aber beide haben das sehr human genommen und wir starteten entspannt in den Samstag.

Wodkaverkostung in AugsburgNachmittags ging es dann nach Augsburg, wo wir uns in der Babywelt einen Kindersitz für Nepo gekauft haben, danach ging es zur Tante von meinem Freund. Gegen 18:00 Uhr dann zu seinen Eltern, denn wir wollten um 20:00 Uhr auf eine Geburtstagsfeier bzw. Wodkaverkostung und Nepo sollte bei Oma und Opa bleiben. Es war für uns das erste Mal, dass wir abends gemeinsam als Paar weggehen.

Vor ein paar Wochen hatten wir schon die „Lange Nacht der Museen“ geplant, aber Nepo wollte nicht schlafen und wir wollten weder den Kleinen, noch meine Eltern zu sehr belasten, als ließen wir es bleiben. Gestern war etwas anderes. Der Kumpel von meinem Freund wohnt nur einen Hauseingang weiter als die Eltern von meinem Freund, sodass wir es nach kurzem Überlegen riskierten und gingen bevor der Kleine schlief. Wir hatten beide unser Handy dabei und ich habe es nie aus der Hand gelegt. Die Großeltern riefen nicht an und wir blieben drei Stunden.

Kurz vor Mitternacht gingen wir dann sehr nüchtern von der Wodkaverkostung wieder zu den Großeltern. Der Kleine schlief da schon eine Stunde. Also packten wir alles ein und fuhren im dichtesten Nebel wieder nach München. Dieser Samstag war echt heftig für mich und ich habe mich jedes Mal gefragt, warum ich am Vortag so viel trinken musste. Aber es war einfach super lustig und wenn es mal läuft, dann läuft es. Dafür konnte ich leider nichts von dem tollen Wodkaangebot am gestrigen Abend kosten, dass hole ich dann nächstes Jahr nach.

Sonntag

IMG_8661Am Sonntag kehrte ich langsam zu meiner alten Stärke zurück und ich fühlte mich wieder dementsprechend fit. Da das Wetter wunderbar sonnig war, beschlossen wir, den Sonntag im Luitpoldpark zu verbringen. Obwohl zeitgleich die „Eat&Style“ und der „Markt der Sinne“ stattfanden, haben wir uns aufgrund der Konsumauszeit für die frische Luft und den kostenfreien Besuch im Park entschieden, statt uns mit Nepo bei den beiden kostenpflichtigen Veranstaltungen durch die gut gefüllten Räume zu schieben.

Der Park ist wunderschön, nicht zu überlaufen und im Herbst sehr farbenfroh. Gleich am Anfang sahen wir Rainer Langhans tief sinnierend über die Parkwiesen schweben. Naja, er ist wohl so ein Kultobjekt in München. Neben den tollen Wiesen und einigen Spielplätzen, gibt es auch ein kleines Heckenlabyrinth, welches mein Freund und Nepo gleich ausprobiert haben.

IMG_1379IMG_1372Auf dem Rückweg zum Auto kamen wir auch an dem kostenfreien Spielenachmittag des Referats für Bildung und Sport vorbei. Dort gibt es jeden Sonntag die Möglichkeit an Bewegungsspielen teilzunehmen. Auf der Wiese liegen so viele Sachen rum und jeder der etwas ausprobieren möchte, kann das tun.

Zwar sind die Geräte meist eher für Kinder ab drei Jahren, aber Nepo hatte auf seine Art Spaß und Freude. So blieben wir dort noch über eine Stunde und freuten uns über diese wirklich tolle Aktion der Stadt München.

Diese Spielnachmittage gibt es an den Sonntagen übrigens nicht nur im Luitpoldpark, sondern auch im Ost- und im Westpark und finden immer von 13:30 bis 16:30 Uhr statt. Mehr Informationen findest du auch hier.

Die Konsumauszeit war am Sonntag noch kein wirkliches Thema, da sowieso alle Läden geschlossen hatten.